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Auf diesen Seiten findest du, alphabetisch sortiert, Erläuterungen zu biblisch-historischen Fachbegriffen.
   
   
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Stichwort

Bibeltext

Erklärung
Waage
Wahrheit
Wasser
Weherufe
Weihe
Weinberg
Weinstock
Weisheit
Widersacher
Wiedergeburt
Wiederkunft
Wüste

Ich will an Jerusalem die Messschnur Samarias und die Waage des Hauses Ahab anlegen und Jerusalem auswischen, wie man eine Schüssel auswischt und dann umdreht.

 

Jes 40,12

Wer misst das Meer mit der hohlen Hand? /
Wer kann mit der ausgespannten Hand den Himmel vermessen? /
Wer misst den Staub der Erde mit einem Scheffel? Wer wiegt die Berge mit einer Waage /
und mit Gewichten die Hügel?

 

Off6,5
Als das Lamm das dritte Siegel öffnete, hörte ich das dritte Lebewesen rufen: Komm! Da sah ich ein schwarzes Pferd; und der, der auf ihm saß, hielt in der Hand eine Waage.


.Kön 21,13

Waage

(hebr. mo'znajim, gr. zygón), ein der Gewichtsbestimmung aller Waren, vor der Münzprägung namentlich des Geldes (Abb.), dienendes Gerät.
Im Judentum

ist die W. (im Anschluß an Js 4012.15) Bild für die Allmacht des Schöpfers (Wsh 1122) und Richters (Dn 527).

Im NT

deutet sie (im Anschluß an Ez 416 f) auf eschatologische Notzeit hin (Off 65).
[Handwörterbuch: Waage. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7528
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2122)

pfeilWahrheit Site in Bearbeitung  

Wahrheit

(hebr. 'emet »Festigkeit«, gr. aletheia »Unverborgenheit«), für die Bibel (im Unterschied zum gr. W.s-Verständnis, wo aletheia als »das Unverborgene« den »tatsächlichen Sachverhalt und seine zutreffende Erkenntnis bzw. Aussage« [v. Soden] meint) das Feststehende, Tragfähige, Zuverlässige, Geltende und Bleibende.
Im Judentum

wird die atl. Religion selbst als »W.« bezeichnet (Dn 812). – a) Im jüd. W.s-Verständnis wirkt auch sonst das atl. nach (vgl. Tob 13 u.ö. PsSal 36 141 4Esr 51 u.ö.). – b) Teilweise unter hellenist. gnostisierenden Einflüssen wurde der Terminus W. einem Dualismus dienstbar gemacht (vgl. 1Hen 1052 Test Jud 20 3Esr 435 ff). In den Qumranhandschriften stehen die als »Söhne der W. (1QS IV, 5. 6; XI, 16; 1QH VI, 29 u.ö.) bzw. des Lichtes (1QS I, 9; II, 16 u.ö.) bzw. des Gottesloses« (1QS II, 2) bezeichneten Angehörigen der Sekte in schroffem Gegensatz zu den außerhalb der Gruppe befindlichen »Söhnen der Verkehrtheit (1QS V, 2. 10 u.ö.) bzw. der Finsternis (1QS I, 10) bzw. des Belialloses« (1QS II, 4 f). Die W. ist hier nicht mehr direkt an dem göttlichen Willen, der Tora, ausgerichtet, sondern an der richtigen Auslegung der Tora, d.h. an der rechten Lehre.
Im NT

inden wir neben dem gr. (wahr = richtig, vgl. Mk 1214.32 L 425 u.ö.) vor allem den atl. und den dualistischen Sprachgebrauch. – a) Dabei ist aber W. nicht auf die Tora und ihre Auslegung, sondern auf Jesus Christus und das Evangelium bezogen, das als »Wort der W.« (2K 67 Kol 15 u.ö.) den festen und zuverlässigen Grund des Heils und zugleich die
bleibende, von Gott geoffenbarte Norm und Lehre darstellt (vgl. G 25.14 2Th 210 ff u.ö.). Die Annahme des christl. Glaubens im »Gehorsam der W.« (1P 122) bedeutet darum »die W. erkennen« und ist identisch mit »Gott erkennen« (vgl. 1T 24 2T 37 u.ö.). – b) Im johanneischen Schrifttum wird diese christologische W. in dualistischer Weise der auf den Satan zurückgeführten Lüge, die als Haß gegen den Bruder in Erscheinung tritt (vgl. 844 1J 315 420), entgegengestellt. »In der W. sein« heißt deshalb nicht nur: Jesus als »die W.« (146) erkennen und damit Befreiung von der Sünde und ewiges Leben geschenkt bekommen (vgl. 832 ff 173), sondern zugleich: Jesu Liebesgebot halten (vgl. 1J 24 f J 1334 u.ö.). Unter W. versteht Johannes die göttliche Heilswirklichkeit, wie sie in Jesus personhafte Gestalt annahm und durch den »Geist der W.« (1417 1526 1613) denen zuteil wird, die sich durch die Annahme des »Wortes der W.« (1717) als »aus der W.« – »aus Gott« stammend (vgl. 1837 1J 221 319 mit 112 f 847 1J 310 u.ö.) erweisen und darum »die W. tun« (321), d.h. Gott und die Brüder lieben.
[Handwörterbuch: Wahrheit. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7560
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2132-2133)

pfeilWasser    

Wasser

(hebr. majim, gr. hýdor), Urelement der Schöpfung (Gn 12 Off 147).
W. als das Lebenselement schlechthin ist die wichtigste Segensgabe Gottes, und die Tatsache, daß das verheißene Land nicht künstlich bewässert zu werden braucht, sondern vom Himmel und aus der Tiefe der Erde mit W. gespeist wird, gilt dem Israeliten als ein besonderer Erweis der Güte seines Gottes, der zur rechten Zeit für Niederschläge sorgt (Dt 1110 ff Ps 6510 f 10410–13 Js 3023 Ez 3426 Ml 310 u.ö.) bzw. Quellen und Ströme entspringen läßt (Gn 26.10–14 Nm 201–13 Ps 10541 Ri 1519 2Kg 315–20 Ez 471 Jl 318 Sach 148 Off 221 u.a.). Das Wirken Gottes bzw. Christi wird oft mit der lebenspendenden Kraft des W.s verglichen (zB Hos 63 146 Js 123 3215 5510 ff Jr 213 178.13 Ps 369 f Mt 56 J 410 ff 737 f Off 216 2217 u.ö., negativ Jr 1518). Doch weiß gerade der Bewohner Palästinas auch um die lebenbedrohende, zerstörende Gewalt des W.s – der winterliche Sturzregen verwandelt Trockentäler und Bäche in reißende Ströme, die Menschen, Herden und Häuser hinwegschwemmen (u.a. Ri 521 2Sm 520 225 Js 2817 Ps 692 f. 15 f 1244 f Spr 283 Mt 724–27 L 647–49, anders Hi 615 ff). Dann wird das W. zu einer vernichtenden Waffe, die Gott gegen seine Feinde oder gegen sein ungehorsames Bundesvolk richtet (Hos 510 Js 282 3028 u.ö. vgl. Gn 710

Selbst das Meer (zwischen Meer- und Süß-W. wird kein grundsätzlicher Unterschied gemacht), das im altoriental. Weltbild die Chaosmacht repräsentiert, gehorcht seinem Befehl (Jr 522 Ps 1046–9 658 f Hi 2612 f 388–11 u.ö.). Durch diese strenge Unterordnung unter die Herrschaft Gottes sind alle mythischen Vorstellungen von der eigenständigen Mächtigkeit des W.s überwunden. In der Bibel sind deshalb nur Spuren von ihnen zu finden (zB Gn 12 [t·hom = ungeordneter Urstoff, Urflut]; 167 3224 J 54 f [ursprünglich W.-Gottheiten]; 2Kg 510.12 [heilende Wirkung]; Off 1215 [W. speiender Drache]); vgl. die Personifizierungen des Meeres und der Ströme.

Zu rituellen Zwecken wie Waschung, Ordal und Taufe wurde das W. wohl primär wegen seiner Herkunft aus der Tiefe der Erde bzw. vom Himmel und seiner von dem Kontakt mit geheimnisvollen Mächten herstammenden Kraft verwendet. Daneben spielt auch die reinigende Wirkung des W.s eine Rolle. – a) W.-Libationen (als Bitte um Regen?) waren den Israeliten nicht unbekannt (1Sm 76 Ausgießen vor Jahwe; 2Sm 2313–17), kommen aber in den Opfergesetzen des AT.s nicht vor ( Opfer). – b) Nach der Auffassung des NT.s vermittelt W. Reinheit und Leben (Mt 311 p J 35 E 526 1P 320).
[Handwörterbuch: Wasser. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7588
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2141)


pfeilWeherufe    

Weheruf

(hebr. höj, 'i, gr. ouaí), Klageruf.

Im AT
ist der hebr. W. ('aj), den die LXX nachahmt, wie unser »o weh!« zunächst ein Ausdruck des Schmerzes (Jr 2218 Kl 516 Ps 1205), des Erschreckens (Js 65), der Ratlosigkeit (2Kg 65) oder Angst (1Sm 47 f 2Kg 310). In den Drohreden der Propheten wird der W. (hoj) zum Ausdruck des Zornes und der Gerichtsverkündigung. Diese richtet sich gegen die Sünde des eigenen Volkes (Hos 713 Js 14 58–21 101 281 u.ö.), seiner weltlichen (Jr 2213 231 Ez 342) und geistlichen Hirten (Ez 133.17 f), dann auch gegen die Sünden fremder Völker (Js 105 Jr 481 Ez 302 Hab 26–19). Das Gegenstück ist die Seligpreisung (Js 39–11 Prd 1016 f), die aber vorwiegend in den Pss und der Weisheitsliteratur begegnet. Das angedrohte Gericht ist im AT gewöhnlich als geschichtliches Ereignis oder Naturkatastrophe gedacht.

Im Judentum
verschieben sich die Akzente: der W. gilt nun innerhalb des Volkes dem mit Gott Hadernden (Js 459 f), dem Verzagten (Sir 214–16) und Gesetzesverächter (Sir 4111), nach außen den Feinden Israels (Jdt 1620). In der Apokalyptik wird die Gerichtsdrohung eschatologisch. Besonders häufig erscheint der W. in 1Hen 94–100.
Im NT
begegnet der W. fast ausschließlich im Munde Jesu (Mt 1121 p 187 p 2313–33 p.u.ö.) und in der Off (813 912 u.ö.). Gemeint ist überall das eschatologische Gericht, dem der unbußfertige Sünder verfällt (Mt 2313 2624 L 624 ff), doch gehen jenem historische Katastrophen voran, die unterschiedslos alle Menschen treffen werden (Mt 2419 Off 813 189–19). In L 620–26 sind den W.en eschatologische Seligpreisungen gegenübergestellt.
[Handwörterbuch: Weheruf. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7612
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2148)


pfeilWeihe     Weihe
(hebr. nezer, als Verb qiddesch »heiligen«, mille' jad »die Hand füllen«, gr. hagiázo »heiligen«), ein Akt, wodurch jemand oder etwas zum Umgang mit dem Heiligen fähig gemacht wird ( Einweihung, Gottesdienst).

Dem Begriff liegt

im AT der Glaube an eine höhere, heilige und eine niedrigere, profane Welt zugrunde. Priester, Propheten, Krieger, Könige und sonstige Amtsträger, Opfertiere und -speisen, Kultgeräte und -orte ( Tempel, Heilige Stätten) usw. werden geweiht. Verkehr mit dem Heiligen ohne W. kann unter Umständen sehr gefährlich sein (1Sm 1313 2Sm 66 ff; vgl. Nm 1630). Eine besondere Art der W. ist die zum Tode bzw. zur Zerstörung ( Krieg, Bann). Der (auch akk. belegte) term. techn. »die Hand füllen« (mit Heiligkeit, Macht) bedeutet Betrauung mit Amtsgewalt ( Hand) unter Zubilligung des entsprechenden Anteils an den Opfern; die Wendung begegnet schon in altisraelit. und noch in jüd. Texten (Ri 175.12 1Kg 1333 Sir 4515 AssMos 102). Die W. eines Priesters (Ex 291–19 Lv 81–36) dauerte sieben Tage (833); Höhepunkt war die Salbung (auch Ex 2841 u.ö.).

Das NT
hat den Begriff der W. auf Christus übertragen (J 1036 1K 130), der im höheren Sinne zum Priester eingesetzt ist (H 56). Durch ihn gibt es eine W. der Getauften (1K 611 E 526). Der Begriff lebt auch in der Handauflegung für Evangelisten, Bischöfe, Älteste und Taufkandidaten weiter (Apg 66 133 1T 414 522 2T 16 H 62).
[Handwörterbuch: Weihe. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7618
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2149)

pfeilWeinberg    

Weinberg

(hebr. kerem, gr. ampelon), Weingarten.

In Palästina konnte ein W. ebenso in der Ebene (Jericho) wie an terrassierten Berghängen angelegt werden (Js 51 J 1418). Er wurde mit einer Hecke oder Mauer (aus Feldsteinen) umgeben, um das Eindringen von Tieren zu verhindern (Nm 2224 Js 55 Ps 8013 f Mk 121), der Boden von Steinen gesäubert und umgegraben, die Weinstöcke gepflanzt (Dt 229 keine anderen Pflanzen hinzu), ein Wachtturm gebaut (Abb. Turm) und eine Kelter aus dem Felsen gehauen (Beschreibungen in Js 51 ff Mt 2133). Auch weiterhin forderte der W. viel Arbeit (Mt 201–16). Vor allem mußten der Boden aufgelockert, das Unkraut gejätet (Js 56 Spr 2430 f) und die Weinstöcke gepflegt werden (Lv 253 J 152).

In bildhafter Bedeutung bezeichnet W. das Volk Israel, wobei durch Verwendung der erotischen Symbolsprache der »W.-Lieder« das Bild der Brautzeit oder Ehe durchschimmern kann (Hl 811 f Js 314 51 ff 272 f Jr 1210). Häufig begegnet der W. in den Gleichnissen Jesu (Mt 201–16 2128–32. 33 Mk 121–11 L 136–9).
[Handwörterbuch: Weinberg. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7623
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2150-2151)

pfeilWeinstock    

Weinstock

(hebr. gephen »[Wein-]Rebe«, auch s·reqa »rote Rebe«, gr. ámpelos, auch klêma »Ranke«).

– 1. Kanaan war uraltes Weinbauland (vgl. Nm 1324), schon um 1450 vChr Weinkammer Ägyptens, und seine Religion wurde von dorther geprägt (Ekstase, sakrale Prostitution, Hos 212). J führt den W. auf Noah zurück (Gn 920 f), rabbin. Überlieferung auf das Paradies (der Baum der Erkenntnis als W.). Hauptanbaugebiet war das Stammland Juda, besonders die Gegend um Hebron, und der Libanon. In den Gebirgen Mittel- und Nordsyriens wuchs er wild; sein Stamm erreichte Schenkeldicke. Der edle W. (soreq: Js 52 u.ö.) gab wahrscheinlich roten Wein (Gn 4911). Die Anbautechnik wurde von den Kanaanäern übernommen: aufrecht stehende Bäume, am Boden hinrankend, an Pfählen oder Bäumen gezogen (vgl. Babylonien, Abb. 4), in Weinbergen mit fettem Boden, in der Küstenebene auf flachem Feld. Die Reifezeit dauerte von Juli bis November. Ein W. trug bis zu siebenmal jährlich Frucht. Voraussetzung dafür war regelmäßige sorgfältige Pflege (Hacken, künstliche Bewässerung, Beschneiden vor und nach der Blüte, Schädlingsbekämpfung).

des Friedens und des Wohlstandes (1Kg 55 u.ö.). – a) Für die Propheten des AT waren Gedeihen, Reife, Bearbeitung, Fruchtfülle, Ernte und Nachlese als Ausdruck des Segens und zugleich des Vergehens ein Gleichnis für Israel und für Gottes Handeln an seinem Volk: Jahwe hob in Ägypten einen W. aus (Ps 809 ff), pflanzte ihn anstelle anderer Völker ein, aber trotz sorgfältiger Pflege trug er nur Sauerlinge (Js 52). Darum wird das Rebmesser des Gerichts seine Arbeit tun (Js 185, auch Ez 175 ff u.a.; Js 631 ff Zorneskelter; 2413 Nachlese): nur wenige bleiben übrig. In der messianischen Heilszeit werden die Weinberge wieder gepflanzt werden und überreichen Ertrag bringen (Am 911 ff Jl 318). – b) Der Tempeleingang in das Heilige trug zur Zeit des NT einen mächtigen goldenen W. Die ntl. Schriften bedienen sich dieses Bildes (Mt 2629 beim Abendmahl). Jesus ist wie die Weisheit (Sir 2417) der wahre W., die Jünger sind die Reben (J 151.5). Nach Bultmann (Komm., 407) entstammte das Bild dem Mythos vom Lebensbaum: alles natürliche Leben ist kein wahres Leben, dieses hat man nur in der Verbindung mit Jesus. Es geht auch um Fruchttragen (Jk 312) und Gericht (Off 1418 f).
[Handwörterbuch: Weinstock. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7629
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2152)

pfeilWeisheit    

Weisheit

(hebr. hokma, gr. sophía), im modernen wissenschaftlichen Sprachgebrauch der zusammenfassende Terminus für den altoriental. Humanismus.
2. Für Verfasser des Judentums (Dn 1–6 Sir 1711 2423 usw.) ist die Identifizierung völlig selbstverständlich. Da jeder Begriff von den Israeliten als konkrete, reale Größe empfunden wurde (zB »Wort«, »Geist«, »Licht«, »Wahrheit« Ps 433), kann in späterer Zeit auch W. als selbständige »Person« erscheinen (hokma, Spr 8; hokmot, Spr 9; auch »Torheit« ist personifiziert, Spr 913), und zwar entsprechend dem Sinn des Wortes (= Fähigkeit, eine Aufgabe geschickt zu lösen) als Mittlerin der Weltregierung (Spr 815 f) und der Weltschöpfung (Spr 319; vgl. 822–32).

Im NT besitzt Jesus mehr W. als alle Weisen (L 240–52 Mt 1242 1354) und wird geradezu mit der wahren W. identifiziert (1K 124; vgl. Kol 23). Dieser neugefaßte, an Christus orientierte W.s-Begriff wird in der Auseinandersetzung mit gr. Denken und mit der Gnosis entfaltet (1K 119–320).

pfeilWidersacher    

Widersacher

(hebr. 'ojeb, satan u.a., gr. antídikos, antikeímenos), Prozeßgegner, auch Gegner überhaupt.

– 1. Im Sprachgebrauch des AT.s deckt sich der Begriff mit dem des Feindes (Ex 157 u.a.). Charakteristisch ist, daß hierbei ebenso persönliche Feindschaften ins Auge gefaßt werden können wie Gegnerschaft gegen Gott. Feinde Gottes sind zugleich Israels Feinde und umgekehrt (Ex 2322). Aber auch Israel kann in Gegnerschaft zu Gott geraten und Gott zum W. Israels (Js 6310) wie des einzelnen (1Sm 2816) werden.

– 2. Dem hellenist. Judentum schien der Untergang der W. Gottes gewiß (Sir 366 [9] Wsh 517 [18]). In der Qumran-Theologie hat die böse Macht eine starke Stellung, ohne daß Gottes Macht eingeschränkt ist. Trotz des Widerspruchs steht der Engel der Finsternis (1QS III, 8ff) nicht nur in Gottes Plan, sondern ist auch Gottes Geschöpf. Dessen ungeachtet ist er W. der Gemeinde und Gottes Feind, und steht Gott in Feindschaft wider ihn bis zu seiner endlichen Bezwingung nach Erfüllung des Maßes.

– 3. Das NT erwähnt als W. a) Menschen in der Umgebung, b) kosmische Mächte. – a) Sofern die Menschen als W. auftreten, geht es einerseits um Versöhn-lichkeit (Mt 525 p), andererseits um Freimütigkeit (L 183 2115 1K 169 Ph 128 u.a.). – b) Im NT erscheinen kosmische Mächte (gern im Anschluß an christologische Interpretation von Ps 8. 110, jedoch nicht nur in diesem Zusammenhang) auch unter dem Aspekt der Feindschaft. In Feindschaft gegen Gott sind sie zugleich Gegner der Gemeinde, wie der Menschheit überhaupt. Verwandt ist die Bezeichnung des Satans als W. der Gemeinde (1P 58 f). Er sucht diese von der rechten Glaubenshaltung abzubringen. Sein Angriff erfolgt zugleich von innen und außen. Auch Leiden der Gemeinde werden auf ihn zurückgeführt. Satan hindert die Reise des Paulus (1Th 218); beachtlich ist, daß es sich hierbei zugleich um die Reise des Apostels zur Gemeinde handelt. So sehr solche und ähnliche Aussagen sich dualistischen Vorstellungen nähern, so ist die Meinung doch nicht ungebrochen dualistisch. Darin sind diese ntl. Aussagen gewissen Denkformen von Qumran verwandt; im Unterschied zu Qumran bezeugt aber das NT den Anbruch des Endes heute. So gewiß die Mächte noch ihr feindliches Wesen treiben, sie sind dennoch prinzipiell schon bezwungen. Der Einbruch ist erfolgt (Mk 324 ff; vgl. E 120 ff 1P 322 u.ö.). Während Qumran einen freilich in kosmische Regionen reichenden und sich zugleich auch dort abspielenden irdischen Krieg erwartet, bezeugt das NT diesen Kampf ausschließlich als kosmisches Ereignis. Die Vorstellungen, auch im NT im einzelnen noch differenziert, sind also nicht eindeutig mit Qumran identisch. Verwandtschaft auch mit Denkformen späterer Gnosis sind deutlich. Innere Zusammenhänge mit synkretistisch-jüd. Apokalyptik und früher Gnosis sind vielleicht zu vermuten, jedoch von der Forschung noch nicht eindeutig geklärt. Antichrist.
[Handwörterbuch: Widersacher. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7691
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2171)

pfeilWiedergeburt


   

Wiedergeburt

(hebr. kein Wort; gr. als Verb anagennáo »wiederzeugen«, Luther für gr. palingenesía »neue Entstehung«), Erneuerung ( Neu).

– 1. Das AT redet von einer neuen Gerechtigkeit (Js 321 6021) und einem neuen Herzen (Ez 1112 369 Ps 5112).

– 2. Im Judentum vertrat die Qumrangemeinde den Gedanken einer Neuschöpfung (1QH III, 19ff u.a.).

– 3. Von den verschiedenen Vorstellungen, die mit dem Begriff W. verbunden waren, ist für das NT die der hellenist. Mysterienreligion bedeutsam. Hier bezeichnet es eine Wesensverwandlung als Ablegen des sündigen leiblichen Wesens und als Anziehen eines neuen, geistigen und tugendhaften. Sie vollzieht sich in der Weihe, die Tod und W. symbolisiert (Apul. Metam. XI, 21–23; Corp. Herrn. XIII; die »Mithrasliturgie«).

– 4. Entsprechend bezeichnet es im NT die Auferstehung (Mt 1928) und die Taufe (Tt 35). Gott zeugt die Gläubigen neu (1P 13.23 22). Nach den johanneischen Schriften verleiht die Zeugung durch Gott im Unterschied zur fleischlichen Geburt ein sündloses, geistliches Wesen (J 33–8 841 92–34 1J 39 47 51.14). Durch seine Predigt bringt Paulus seine Gemeinden zur W., so daß in ihnen Christus, der neue Mensch, in einem gerechten Wesen Gestalt gewinnt, das er auch neue Schöpfung nennt (G 49 2K 517 Kol 35–17; vgl. G 423 1K 415 Phmio u.ö.).
[Handwörterbuch: Wiedergeburt. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7695

pfeilWiederkunft    

Wiederkunft Christi

(gr. parousía »Anwesenheit«), Erwartung der Urgemeinde.

– 1. Sie fehlt in mehreren ältesten christologischen Bekenntnissen. Jesus galt zum Teil kraft seiner Auferstehung als Weltherr, dem sich alle Mächte unterwerfen (Ph 29–11). Da die Erhöhung als Anbruch des neuen Äons gedeutet wurde (Auferstehung = Einsetzung ins Amt des Weltrichters), erübrigt sich eine W. Hier lag die Deutung der Gnostiker nicht fern, die Totenauferstehung sei bereits (bei der Taufe) geschehen.

– 2. Paulus erwartete darüber hinaus noch den Tag, an welchem Christus seine Macht an Gott zurückgibt (1K 1528). Die Endzeit, der neue Äon, wird zwar in Kürze, aber doch von der Zukunft erwartet. Auch diese Naherwartung ist älter; die Vertreter der »konsequenten Eschatologie« führen sie auf Jesus zurück (Mt 243 u.a.).

– 3. Die Verzögerung der W. zwang die zweite Generation, den Glauben daran näher zu definieren. Sie wurde zum Beschluß des Credo (Apg 1042). Der Glaubende wandert auf die Ewigkeit zu, deren Gaben ( Unsterblichkeit) er im Glauben vorwegnimmt. Lukas deutet die Gegenwart als »dritte Zeit« der Kirche (AT Zeit der Verheißung, Jesu Leben Zeit der Erfüllung) zwischen Himmelfahrt und W.

– 4. Johannes knüpft an die ältesten Formeln an (1); die W. bleibt am Rande (J 525). Um so kräftiger redet die Off davon (Off 17 u.a., Tag des Herrn, Gericht, Tausendjähriges Reich).
[Handwörterbuch: Wiederkunft Christi. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7697
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2172)


pfeilWüste    

Wüste

(hebr. j·schimon, midbar, 'araba, gr. éremos »Einöde«).
2. Religiös ist die W. ein Land des Todes und der Mühsal, eventuell der Reinigung. – a) Nach dem AT empfängt die W. den Vertriebenen (Gn 2114), auch den Sündenbock (Lv 1610). Sie kann über das Kulturland den Tod bringen (Js 1417 u.ö.). Andererseits kann der Wüstenzug die Jugendzeit Israels versinnbildlichen (Hos 214). Wenn er will, macht Gott die W. fruchtbar (Js 4118f). – b) Dem makkabäischen Judentum war die W. eine Zuflucht in Verfolgung (1Mkk 229 u.a.). Die essenische Gemeinde bei Qumran wollte in der W. »den Weg des Herrn« bereiten (Js 403 zitiert in 1QS VIII, 14). – c) Das NT berichtet dasselbe von Johannes dem Täufer (Mt 33 p J 123). Bei der Versuchung Jesu erscheint die W, als Heimat des Bösen (Mt 41 p), so auch sonst (Mt 1243 p L 829 Off 173). Messiasprätendenten in der W. werden abgelehnt (Mt 2426 Apg 2138). Zufluchtsort kann aber die W. noch sein (G 117 Off 126.14).
[Handwörterbuch: Wüste. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7781
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2194)




 
 

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