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Auf diesen Seiten findest du, alphabetisch sortiert, Erläuterungen zu biblisch-historischen Fachbegriffen.
   
   
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Stichwort

Bibeltext

Erklärung
Vater
Verbergen Verbot Verderben Verdienst Verführung Vergänglich-
keit

Vergebung Vergelten Verheißung Verklärung Verkündigung Verleugnung Verleumdung Vernichtung Vernunft Versöhnung Versuchung
Vertrauen

Volk Vollkommen Vorbild

Wer ist jener, der aus Edom kommt, /aus Bozra in rot gefärbten Gewändern? Er schreitet in prächtigen Kleidern daher /
in seiner gewaltigen Kraft. Ich bin es, ich verkünde Gerechtigkeit, /
ich bin der mächtige Helfer.

***

Jer34,3
Doch höre das Wort des Herrn, Zidkija, König von Juda! So spricht der Herr über dich: Du brauchst nicht durch das Schwert zu sterben.
5 In Frieden kannst du sterben, und wie deinen Vätern und Vorgängern, den früheren Königen, so wird man auch dir zu Ehren Totenfeuer anzünden und dir die Totenklage halten: «Ach, der Herrscher!» Ich bin es, der dieses Wort gesprochen hat - Spruch des Herrn.

***

21 Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt

***


4 Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit wird nicht zum Tod führen, sondern dient der Verherrlichung Gottes: Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden.

Jes63,1

Vater

(hebr. 'ab, gr. pater), im sozialen, genealogischen und übertragenen Sinn.

AT
Gott erscheint in der Bibel als V., besonders in bezug auf Israel und den König, Christus und die Christen. – Im AT weisen schon Eigennamen auf Gott als V. hin ( Ab, Abia usw.). Gott heißt als Schöpfer und Beschützer Israels ausdrücklich V. des Volkes

(Dt 326 Js 6316 Jr 34 319) und des Königs

Das NT

stellt Gott in erster Linie als den V. Jesu Christi dar (Mt 721–2653 21mal; Mk 838 1332 1436; J 114–2021 über 100mal; R 156-Kol 13 8mal; H 15 1P 13 1J 13 2J 3; Off 16–141 4mal). Jesu vertrauliches »V.« oder Abba und der Geist der Sohnschaft ermöglichten den Jüngern die Verwendung der sonst überheblichen Anrede »V.« (Mt 69 p Gebet des Herrn; R 815 G 46 1P 117). Sie werden dabei nur selten als Individuen, häufiger als das Gottesvolk gedacht, denn es heißt meistens »euer« oder »unser V.« (Mt 516 u.ö., R 17 u.ö.). Kollektiv gemeint ist auch der abgekürzte Ausdruck »der V.«, der wie »Herr« u. dgl. als Gottesbezeichnung fungiert (Mt 2819 J 421 R 64 u.a.).
[Handwörterbuch: Vater. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7350
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2072)

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(hebr. satar [Hiph.], haba« u.a., gr. krýpto), der Wahrnehmung enthalten oder auch in Verwahr geben.

Das AT hat ein starkes Empfinden für den Unterschied zwischen V. und Offenbaren. Der Mensch verbirgt sich vor Gott (Gn 38), aber Gott sieht alles (Ps 139). Gott verbirgt sich (Js 4515), besonders sein Gesicht ( Angesicht), vor des Menschen Sünde (Dt 3117 JS 5717). ES gehört zu Gottes Herrlichkeit, eine Sache zu v. (Spr 252; Unsichtbarkeit). Gott selbst bleibt verborgen; nur seine besonderen Taten zeigen, »offenbaren« ihn, wenn es ihm gefällt ( Offenbarung).

Im NT offenbart Jesus Christus den vorher verborgenen Gott (J 118 1K 27–9). Jedoch ist dies vor allen verborgen, außer denen es gegeben oder offenbar ist (Mt 1125–30 Mk 411 L 945 1834 1942). Anderen erscheint es als Torheit (1K 118–25), aber der Christ besitzt Gottes vormals verborgene Weisheit (1K 27) als ein »neuer Mensch« (Kol 310), dessen Leben mit Christus in Gott verborgen ist (Kol 33). Wir wissen nur, daß Gott es so will. Seine Wege sind noch immer unerforschlich (R 1133–36 Js 559). Was wir wissen, ist nicht eine menschliche Erkenntnis, sondern ein Gehaltensein durch Gnade im Glauben, bis alles offenbar geworden sein wird (R 818–25 Mk 422), sowohl das Verborgene im Menschen (R 216) als auch in Gott ( Geheimnis)
[Handwörterbuch: Verbergen. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7361-2
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2073-4)

pfeilVerbot    

Verbot

(hebr. Umschreibung durch Negationen, für »verboten«: zar »fremd«; aram. 'esar »Bindung«; gr. auch Umschreibung, für »verboten«: athémitos »ungesetzlich«), negativ formuliertes Gebot.

Im AT ist vor allem das Bilder-V. (Ex 204 Dt 58) von Bedeutung ( Bild). Daneben findet sich das V. im Sinn von > Tabus (zB Ex 1912 f). Das Heilige erhält den Charakter des Tabu, so daß ein V. überall da vorauszusetzen ist, wo etwas geheiligt wird, vom Sabbat (Gn 23) bis zur Stiftshütte (Ex 2944). Daneben dient das V. der Abwehr von Bräuchen der umwohnenden Völker und damit der religiösen Exklusivität Israels (Ex 309 Lv 101 Dt 1223 ff 141 ff). So regelt das V. das kultisch legitime und illegitime Verhalten. Entsprechend werden auch ursprünglich als Erinnerungsmerkmale für Gotteserscheinungen anerkannte Masseben (Gn 2818 3514) später gesetzlich abgelehnt (Dt 123). Grundsätzlich gilt für das V., was für das Gesetz gilt: Es folgt dem geschlossenen Bund, um ihn gegenüber der menschlichen Selbstbehauptung zu schützen.

Das Judentum wehrte sich eifrig gegen das kultisch Verbotene (2Mkk 65; Mischnatraktat 'Aboda zara), kannte aber auch V.e fremder Machthaber (Dn 68–16).– 3. Weil im NT auf Grund der Einheit eschatologischer und sittlicher Verkündigung der Kultus als Heilsweg ausgeschlossen ist, begegnet die Tabuvorstellung und das damit zusammenhängende V. nicht. Für die Interpretation des Dekalogs in der Bergpredigt gilt die Abwandlung der V.e in positive Weisungen für ein Handeln, durch das dem Nächsten die Zuwendung Gottes in Christus bezeugt wird (Mt 522 usw.). Das Bilder-V. wird unreflektiert übernommen, ohne jedoch zunächst einer neuen Statuierung zu bedürfen (Apg 743 R 123). Für Paulus hat mit dem Gesetz auch das V. als Ausdruck des Willens Gottes seine relative Bedeutung. Entsprechend gelten auch kultische V.e wie innerhalb der Vorschriften für das Gebet (1K 111–16) oder das Lehr-V. für Frauen (1K 1434 ff).

Mit der Ausbildung kultischer Vorschriften im nachapostolischen Zeitalter gewinnt das V. neue Bedeutung, wie vor allem die rituellen Vorschriften der Didache zeigen: V. des Fastens zur gleichen Zeit mit den Heuchlern (Did 81); V. der Teilnahme Ungetaufter an der Eucharistie (Did 95).
[Handwörterbuch: Verbot. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7363-4
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2074)

pfeilVerderben    

Verderben

(hebr. schahat u.a., gr. apoleia, phthorá u.a.).

Im AT bedeutet der häufigste Begriff für V. (schahat) eigentlich »Grube« (Hi 3322–30 Ps 1034) und zieht damit deutlich die Verbindung zur Vorstellung von Tod und Grab ( Totenreich, Unterwelt). Einige andere der hebr. Termini geben das Nicht-Sein oder die Nichtigkeit ( Belial) einer Sache an. So steht V. im Gegensatz sowohl zum Leben als auch zum Heil (beachte aber Js 1022). V. kann von Menschen herrühren, die damit ihre Verderbtheit bekunden (Spr 2628), oder von Gott als Gericht beschlossen sein (Js 1022), das von ihm selber (Gn 613), durch beauftragte Engel ( Verderber) oder Menschen (Js 134 f) vollstreckt wird. V. wird zum Inbegriff der eschatologischen Verurteilung (Dn 927).

Judentum

Dagegen ist V. im Judentum Kennzeichen einer widergöttlichen Macht, wenn die Gegner der Qumran- Gemeinde etwa »Leute des V.s« genannt werden (1QS IX, 22). –

Im NT ist V. gleichbedeutend mit Abfall und Ausschluß von dem in Christus gegebenen Heil (Apg 323 1K 55 G 68 1Th 53 2Th 19 1T 69 2P 21). Verderber
[Handwörterbuch: Verderben. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7367
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2075)

pfeilVerdienst    

Verdienst

(Luther für hebr. po'al »Werk« u.a., für gr. érgon »Werk« u.a.; neuhebr. z·kut »im Rechte sein«), gute oder böse Leistung, die zu vergelten ist ( Lohn, Vergeltung).

– 1. Im AT ist meistens eine strafbare Handlung oder Haltung gemeint (Jr 2514 Hos 123 Ps 284 6213 942).

– 2. Das schriftgelehrte und apokalyptische Judentum stellte sich eine himmlische Buchführung und Abwägung von V.en und Schulden vor (StB IV, 5–12), wobei auch die außerordentlichen V.e der Väter und Frommen wichtig seien (Pirqe 'abot II, 2; 3Bar 119).

Lit.: J. Levy: Neuhebr. u. chaldäisches Wörterbuch I (1876) 533–6 – StB, Reg. s.v. – RGG VI, 1262 f (Lit.).
B. Reicke

3. Während das Judentum eine ausgesprochene V.-Frömmigkeit ausbildete (>2), lehrte Jesus nach dem NT den Lohn Gottes nicht als Folge menschlicher Leistung, sondern als Geschenk der Gnade Gottes verstehen (Mt 201–16) und ließ einem ethisch-religiösen V.-Denken keinen Raum (L 177 ff). Paulus bekämpfte jede V.-Vorstellung, indem er das Heil an die Gnade und den Glauben band (R 324.28 44 912 116 [der Koine-Text besonders ausführlich]).
[Handwörterbuch: Verdienst. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7370-1
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2075-6)

pfeilVerführung    

Verführung

(hebr. halaqot, meist als Verb: hata' [Hiph.], pata u.a., gr. pláne), Verleitung zum Fehltritt.

– 1. Die Warnung vor der V. gehört im AT zunächst in die deuteronomische Mahnrede und betrifft die Gefahr des Abfalls von Gott (Dt 419 1128 136 3017). Positiv entspricht ihr die Aufforderung zum Gehorsam und die Verheißung des Segens, auch die Erinnerung an die bisherigen Heilstaten Gottes (41 ff). Manasse ist für die folgende Geschichtserzählung ein Beispiel der V. des Volkes: er schlägt das mosaische Gebot in den Wind und verführt das Volk dazu, zu tun, was Gott mißfällt, schlimmer als die Völker, die Gott ausgerottet hat (2Kg 211–9). Die Folge der V. ist die Gerichtsdrohung Gottes, die den Segen in Fluch verwandelt und Israel in die Hände seiner Feinde gibt (2110–15). Vor allem ist das Strafrecht gegen den falschen Propheten (Dt 132 ff) und gegen die abgefallene Stadt (1313 ff) eine Grundlage der späteren Maßnahmen gegen die V. Allerdings sind auch die fremden Götter selbst Mächte der V., die von jeher nach der prophetischen Drohrede Israel gefährdet haben (Am 24). Dann hat der Geist der Abgötterei das Volk »betört«, so daß man Gott verlassen hat.

– 2. In der Weisheitsliteratur des Judentums bekam
[Handwörterbuch: das Motiv der V. insofern eine andere Färbung, als hier der Weg der Gottlosen als Irrtum und Blindheit geschildert wird (Wsh 221). Doch gab die Qumrangemeinde dem Satan im Kampf zwischen Licht und Finsternis die Rolle des Verführers, der die Söhne der Gerechtigkeit zu Fall zu bringen sucht (1QS 3, 20 ff). Damit ist die Verbindung zum ntl. Schrifttum gegeben. – 3. Auch im NT ist V. zunächst nichts anderes als Abfall, Verleitung zum Unglauben, Gesetzlichkeit und Schwärmerei, also nicht bloß »Irrlehre«. Der Heilsplan Gottes wird durch falsche Predigt und Belehrung gefährdet. Die Warnung vor V. ist also ein grundlegender Zug der apokalyptischen und apostolischen Mahnrede (Mk 135 1T 41 2Th 23 ff 1J 218 2J 2.7 Off 1311 ff). Immer gilt die V. als ein zwischen eingeschobenes Element innerhalb des Heilsplanes Gottes, das den endgültigen Sieg und die Vollendung nicht aufheben kann. Zum Ernst der Auseinandersetzung gehört allerdings, daß auch Jesus selbst dem Verdacht unterliegt, das Volk zu verführen (J 712); desgleichen auch seine Apostel (2K 68).
[Handwörterbuch: Verführung. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7384-5
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2080-2081)

pfeilVergänglich-keit    

Vergänglichkeit

(hebr. hebel; gr. tò phthartón, phthorá), im bibl. Denken mit dem Sinn des Nichtigen und Flüchtigen versehene Grundbefindlichkeit der Welt.

– 1. Weiß der Grieche vor allem um die Wandelbarkeit des Glücks und um die Launenhaftigkeit der Götter (Pind. Pyth. III, 81 ff. 104 ff), so der Israelite im AT um die V. seines Lebens und Schaffens (Ps 905–10). Nicht von der Gefahr des fatalistischen, wohl aber von der des skeptischen Lebensgefühls bedroht, empfindet er den unüberbrückbaren Abstand zwischen Mensch und Gott, dem allein Unv. eignet (Ps 85). Er selbst weiß sich als Staub und Fleisch (Ps 10314 f 10425 Js 406 ff), und er leidet darunter in der Klage vor Gott (Hi 717 141 ff). Der theologischen Reflexion enthüllt sich die V. als uranfängliches, schuldhaftes Verhängnis (Gn 319 Ps 907 ff 1Kg 846). Zahlreich sind die Äußerungen über die Kürze des Lebens (Ps 396 6210 9411 1444). Die Propheten entwickeln polemisch das Thema der V. des heidnischen Götzentums (Jr 1015 5118).

– 2. Im Judentum variiert der Prediger den Gedanken der V. bis zu einer fast nihilistischen Skepsis (Prd 612 u.ö.). Erst der Aufbruch der Apokalyptik und das Einströmen eines hellenist. Unsterblichkeitsglaubens bezeichnen einen Wandel des Denkens (Js 2619 Dn 122 f, 2Bar 2119 ff). Das religiöse Sehnen findet Gewißheit in der Christustat Gottes.

– 3. Fatalismus, Resignation und Skepsis erscheinen im NT abgelöst von der sieghaften Gewißheit einer neuen Weltwirklichkeit (J 1126 R 821 1J 54 Off 214). Neben dem Wissen um die eigene V. im Sinne der Verlorenheit ohne Gott findet sich die ethische Mahnung, um der erschlossenen Hoffnung willen das Vergängliche zu fliehen (Mt 619 1K 731 1J 217 2P 14 Jk 122 f).
[Handwörterbuch: Vergänglichkeit. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7386-7
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2081)

pfeilVergebung    

Vergebung

(hebr. kipper »bedecken«, nasa' »aufheben«, salah »verzeihen«; gr. aphíemi»entfernen«), Wiederherstellung des durch Sünde und Schuld verderbten Verhältnisses zwischen Gott und Mensch.

– 1. Diese Wiederherstellung ist nach dem AT nur möglich, indem Gott vergibt (Ex 349 Jr 51 Ps 1304). Er verzichtet auf Strafe und Vergeltung und bedeckt die Sünde (Ps 321 1038–18).

– 2. Er erscheint im Judentum als ein Gott der V. für jeden, der in Buße und Reue zurückkehrt (Dn 99).

– 3. Im NT wird die V. nicht nur durch Gott geschenkt (zB Mk 14 p Mt 612.14 f 1821 ff Apg 238 531 1338 E 17 Kol 114 1J 19 212). – a) Jesus hat auch Vollmacht, auf Erden Sünden zu vergeben (Mk 25 ff), und gibt auch seinen Jüngern das Recht zur V. der Sünden (J 2023). Vorausgesetzt sind dabei die Buße und das Sündenbekenntnis (L 2447 Apg 238 531 1J 19). – b) Die V. ist möglich geworden durch die Versöhnung, im NT durch das Heilshandeln Gottes in Jesu Leiden und Sterben. Ohne Blutvergießen geschieht keine V. (H 922; vgl. auch Mt 2628 J 129 2K 520 ff). Wir empfangen die V. »in Christus« (E 17), »durch seinen Namen« (Apg 1043 1J 212), durch die Taufe (Apg 238). – c) Von hier aus versteht man auch, daß die V. im NT nicht aus einer bestimmten Gottesanschauung hergeleitet wird. Vielmehr wird sie offenbar in Gottes erlösendem Handeln und wird sie uns angeboten in der Verkündigung seiner Heilstaten. Eine Folge der empfangenen V. soll sein, daß auch die Menschen einander vergeben (E 432 Kol 312 ff). Der Christ soll bereit sein, bis ins Unendliche zu vergeben (Mt 1821 ff); wo diese Bereitschaft fehlt, kann Gott auch keine V. schenken (Mt 612. 14–15 1823 ff Mk 1125).
[Handwörterbuch: Vergebung. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7388-9
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2081-2)

pfeilVergelten    

Vergeltung

(hebr. g·mul, schillum u.a., gr. antapodosis u.a.), Belohnung oder Bestrafung.

– 1. Jede Missetat erheischt Sühne und Strafe, darum bestimmt das Gesetz des AT.s dem angerichteten Schaden entsprechend Ersatz. – a) Der freie Mann hat bei erlittenem Leibesschaden Anspruch auf V. im Sinne des ius talionis. Vergossenes Blut fordert als Sühne das Leben des Mörders (Ex 2123 ff Lv 2419). Die Blutrache wird vom Gesetz als bestehende Sitte vorausgesetzt (Nm 3519 ff), doch zugleich eingeschränkt, sofern sie nur vom nächsten Verwandten des Ermordeten und nur bei vorsätzlicher Tötung am Mörder selbst vollzogen werden sollte (Dt 2416 Ez 1820). – Eigentlich ist es Gott selbst, dem V., Gericht, Rache und Strafe allein zusteht (Dt 3235 Lv 1918 R 1219). – b) Gott richtet in seiner Gerechtigkeit jede Missetat sowohl des Volkes, wie des Einzelnen und vergilt sie mit Strafe. Er sucht die Schuld der Väter auch an den Kindern heim, übt aber Barmherzigkeit an den Kindern derer, die ihn lieben (Ex 205 f). Die V., sowohl Strafe als Lohn, erweist sich im irdischen Ergehen des Volkes, der sozialen Gemeinschaften und der Einzelnen (Gn 1820–33 Dt 281–14. 15–68 Ri 922–57 1Sm 1510–33 2Kg 12–17). – c) Bei den Propheten verbindet sich mit der Ankündigung der V. (Am 32 511) und des Gerichtes der Aufruf zur Buße und Bekehrung (Hos 127), sowie die Zusage der Vergebung (Jr 181–8 Ez 1821).

– 2. Für das Judentum ist Gott der unparteiische Richter, darum darf der Gerechte Lohn, der Gottlose Strafe gewärtigen (Sir 1126 [27] 1719 [23]). Damit wird das Glück der Gottlosen und das Unglück der Frommen zum ungelösten Problem (4Esr 34–36). Im Sinne der doppelten V. werden Armut, Krankheit, Mißgeschick usw. als V. für offene und geheime Sünden, Wohlergehen, Reichtum usw. als Segen Gottes gewertet. Um die Inkongruenz des irdischen Ergehens mit dem Frömmigkeitsstand der Einzelnen und mit der Überzeugung von Gottes richtender Gerechtigkeit auszugleichen, verweist die Apokalyptik (2Bar 241) und das rabbin. Judentum auf das jenseitige Gericht, Auferstehung und Verdammnis (Pirqe 'abot IV, 22).

– 3. Das NT übernimmt den Gedanken der doppelten V. (Mt 1627 R 26 2K 510). Doch wird das jüd. V.sdenken nicht nur zurückgewiesen (L 131–10 J 92), sondern auch überwunden und aufgehoben. Denn Krankheit, Not usw. sind zwar Folgen des Sündenfalls, aber sie werden nicht als Strafe für einzelne Sünden gewertet, sondern als Heimsuchung, Anfechtung und Züchtigung erkannt, in denen sich der Glaube bewähren soll (H 124 ff). Christen nehmen in der Nachfolge ihres Herrn sein Kreuz auf sich und blicken mit ihrer Hoffnung auf das Gericht, in welchem Christus den Seinen ewige Erlösung, Leben und Seligkeit schenkt.
[Handwörterbuch: Vergeltung. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7390-2
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2082-3)

pfeilVerheißung    

Verheißung

(im Hebr. kein entsprechender Terminus; Luther für hebr. 'amar, dibber »zusagen« und dergleichen, gr. epangelía »Ankündigung«), in bibl. Theologie eine absolut gültige Zusage, die Gott dem von ihm angeredeten Menschen (Volk) gibt und mit der er Heil in Aussicht stellt.

– 1. Im AT gibt es V.en mannigfacher Art (Gn 821 122 f Ex 38 Jos 16 Js 714 92 Ps 27 f u.a.), die aber ihrem Inhalt nach mit dem, was das NT unter V. versteht, nicht identifiziert werden können. Das gilt auch von den V.en, die die Propheten ausgesprochen haben, wobei nach ihrer Meinung V. (und das Korrelat der V: die Drohung) in einem sehr nahen, aber doch zukünftigen geschichtlichen Geschehen Wirklichkeit werden würde. Wenn auch die atl. V.en einzeln, auf das von ihnen gemeinte Heilsgut gesehen, nichts mit der ntl. V. zu tun haben, so ist doch die Grundzusage Gottes über Israel, daß er dieses Volkes Gott sein wolle, in die ntl. V. aufgenommen und bestätigt, wobei für Israel nun die an Christus Glaubenden eintreten.

– 2. Nach dem Zeugnis des NT.s besteht das V.s-Gut in Sündenvergebung, Gerechtigkeit, Geist, Leben, dem Reich usw. (L 2449 und Apg 14–1 J 225 über 60mal). Wenn hier ein gegenwärtig verfügbares Heilsgut mit einem Terminus umschrieben wird, der ein Künftiges meint, so liegt der Grund dafür 1. in der eschatologischen Bestimmtheit des ntl. Heilsgutes, 2. ist das NT der Meinung, die V., die Gott über Israel ausgesprochen hat, sei in Christus Realität geworden.
[Handwörterbuch: Verheißung. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7396-7
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2084)

pfeilVerklärung    

Verklärung

(gr. metamorphoûsthai »umgestaltet werden«), Umwandlung in Herrlichkeit.

– 1. Mk 92–9 p (eventuell auch 2P 116 ff) berichten, daß Jesus auf einem Berg verwandelt worden sei. Weiße Kleider (Mk 93) sowie strahlende Gesichter (Mt 172) und Lichtgestalten (L 929–31) spielen in der jüd.-apokalyptischen Literatur eine große Rolle als Ausweis der Zugehörigkeit zur Welt Gottes (vgl. 2Bar 5110 4Esr 797 Dn 123 Off 34 f 44 611 79.13). Auch alle anderen Elemente (Erscheinen von Elia mit Mose, Wolke, Himmelsstimme) lassen sich aus atl.- jüd. Wurzeln erklären: Jesus soll als Messias deklariert werden. Das Petruswort vom Hüttenbauen erinnert an die konkreten Gebräuche des Laubhüttenfestes, so daß der V.sgeschichte kaum ein später vorausdatierter Auferstehungsbericht zugrunde liegen kann. Eher ist als Hintergrund ein historisches Ereignis des Lebens Jesu zu vermuten, das eine genaue Parallele zu Mk 1426–42 bildet. Wie in Gethsemane ist Jesus auch hier in großer Anfechtung: die Versuchung durch das jüd.-zelotische Messiasideal (Mt 48–10) ist mit der Nähe des national-eschatologisch verstandenen Laubhüttenfestes gegeben. In der V. jedoch erlebt Jesus die Nähe Gottes und damit die Hilfe zur Überwindung der Versuchung. Elia, die Friedensgestalt der Endzeit (Mk 912), und Mose, dessen Bund Elia wieder herstellen soll (Ml 44–6), bestärken Jesus, seinen Weg als leidender Messias zu gehen. Durch die Himmelsstimme werden Petrus, Johannes und Jakobus in das Geschehen mit einbezogen. Bei Mk ist die V.sgeschichte eine Vorwegnahme der Auferstehung und der Parusie Jesu für die Jünger, wobei Züge der Inthronisation des Messias auftauchen; Jesus ist der Mittelpunkt eines Geheimnisses, das die Einsicht der Jünger übersteigt (Mk 99). Mt zeichnet Jesus als den Herrn der Herrlichkeit, den die Jünger anbeten; das Ganze wird zu einem Vorbild für das gegenwärtige Handeln des Erhöhten mit seiner Gemeinde (Mt 176). L deutet heilsgeschichtlich: Jesus und die Jünger sollen über das bevorstehende Leiden und die folgende Herrlichkeit belehrt werden (L 931 f).-

– 2. Die Christen müssen ihre Sinne erneuern (R 122) und werden zum Bild des Herrn verwandelt (2K 318).
[Handwörterbuch: Verklärung. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7407-8
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2087-2088)



pfeilVerkündigung    

Verkündigung

(als Verb hebr. bissar, higgid, sipper, qara' u.a., gr. euangelízomai, katangéllo und dergleichen, exegéomai, gnorízo, homologéo, didásko, kerýssa, martyréo [ThW III, 702]), die Bekundung eines heilvollen Ereignisses.

– 1. Das AT (und die LXX) verwendet die betreffenden Wörter für die Mitteilung einer Freudenbotschaft oder einer Gerichtsdrohung. – a) Gottes Königtum, Frieden und Heil werden als seine Gaben verkündigt (Ex 916 Js 402 527 Ps 2223). Das Wort der V. selbst schafft die eschatologische Zeit (Js 5116) und läßt Gott selbst zum Zuge kommen. Sie ist vollmächtige Aussage von Gottes Tun. So ist die Aufforderung zu verstehen (Ps 962): »Verkündigt von Tag zu Tag sein Heil.« Neben das Heil treten als Gegenstände der V. Gottes Gerechtigkeit, Friede, Wahrheit, Wunder, Barmherzigkeit, Name, Lob, Kraft, Gutes (agathá), Güter (Ps 912 192 506 u.a.). – b) Propheten verkündigen auch göttliches Gericht (Js 216 Am 39).

– 2. Das palästinensische Judentum setzt die Linie heilsgeschichtlichen Verständnisses fort. Inhalt der V. ist Gottes Macht, Sündenvergebung und Gebetserhörung (2Mkk 334 Tob 134 Dn 99 Sir 3521). Man nimmt auf Dtjs (Js 527) Bezug (StB III, 282 f; vgl. R 1015). Gegenstand der V. ist der Name Gottes (Neh 95 Sir 178 [10] ZusDn 329). Ja, Gott selbst verkündigt das Kommende. Es geht also nicht um überzeugende Ausführungen, die sich an die Vernunft wenden, sondern um Proklamationen, die den Willen ansprechen, Gehorsam, Anerkennung und Taten fordern, um vollmächtige Kundgebungen, die Tatbestände schaffen, wie die V. eines Gesetzes dieses in Kraft setzt. So wird das eschatologische Handeln Gottes durch seine V. in Kraft gesetzt. Der von dieser V. Angeredete wird in Gottes Handeln einbezogen und so in eine neue Beziehung zu Gott gesetzt.

– 3. Auf dieser Voraussetzung baut der Begriff V. im NT auf. V. ist in Anspruch nehmende und schöpferische Proklamation. – a) Als eigentliches und letztes Subjekt der V. wird Gott selbst vorgestellt, darum in frühjüd. Denk- und Redeweise auch Engel Gottes, ferner Jesus als Offenbarer des göttlichen Heilswillens schlechthin (J 118 1625 2018), als der Auferstandene, der Juden und Nichtjuden Licht verkündet (Apg 2623; offenbar inner-christl., liturgische Sprache), ferner der Geist Gottes, der Paraklet, durch Menschenmund (zB Apg 321). Die Propheten verkünden die Endzeit, das Kommen des Gerechten und sein Leiden. Die Apostel verkünden das Geschehen in Christus als das von Gott geplante Heilswerk. Sie gelten als Zeugen nicht nur der Tatsachen, sondern auch der gläubigen, bekennenden und werbenden V. (L 2448;
[Handwörterbuch: Diem, 108). Jesus wird – besonders in den Summarien der Evv – als Träger der V., als Lehrer und Lehrender dargestellt, besonders Mt 1218 (vgl. Js 421–4) als der Gottesbote schlechthin. Seine V. ist selbst Heilsereignis. Doch setzt diese Darstellung des verkündigenden Jesus die V. von Jesus voraus. So ist sein Verkündigtwerden und seine V. Gegenwart. So ist in ihm als seiner V. »das Wort nah« (R 108 ff). – b) Adressaten der V. sind Einzelne wie Zacharias oder die Hirten, aber vor allem Menschengruppen, die Judenschaft, eine christl. Gemeinde oder die Christenheit, alle Menschen, ja Mächte und Gewalten (E 310). – c) Gegenstand der V. ist in erster Linie das Heilsereignis Jesus, auch, dies umfassend, der Name Jesu. So wird Jesus als der Christus verkündigt, als der von Gott gesandte Heilsbringer der Endzeit, als der Kyrios, dem alle Gewalt gegeben ist, aber ebenso in Abwehr des Doketismus als der wirklich in das Fleisch gekommene Christus (1J 42). Zurechtweisung und Belehrung jedes einzelnen verbindet sich mit der V. Jesu als des Christus (Kol 128). Jesus wird als der Sohn Gottes verkündigt, als Richter der Lebendigen und Toten. An ihm, d.h. an seiner Auferstehung, wird die Auferstehung der Toten verkündigt (Apg 42). Beim > Sakrament soll sein Tod verkündigt werden, eben als das für jeden Sakramentsteilnehmer bedeutsame Ereignis. Als der Gekreuzigte (1K 123) wird er verkündigt als der, in dessen Ohnmacht und widersinnigem Tod Gottes Kraft und Weisheit zum Zuge kommt. Gerade die Torheit der V. (kerygmatos) wird zum Mittel der Rettung. So wird die V. selbst zum Heilsgeschehen. So wird dann Jesus als Retter (Heiland) einer dem Untergang geweihten Welt verkündigt. Gegenstand der V. ist ferner das mysterion, der geheime, nun aber offenbar gewordene Heilsratschluß Gottes und die mannigfaltige Weisheit Gottes, seiner Kraft (E 310). Gegenstand der V. ist ferner das Reich Gottes, besonders seine Nähe, also die Ausrufung der Theokratie für alle Welt, damit aber verbunden Friede, Heil und Freude. Verkündigt wird der Weg Gottes (Mt 2216), mehr hellenist. und individualistisch ausgedrückt, der Weg des Heils (Apg 1617), damit verbunden neue Bräuche (Sitten, éthe, Apg 1621), ferner Gottes Name (R 917) und seine »Tugenden« (1P 29), johanneisch ausgedrückt, das ewige Leben (1J 12), als das umschrieben, was die »Wir« an Jesus erfahren haben (1J 13). – d) Diese Botschaft als solche, oft – besonders in Apg – als Gottes Wort bezeichnet, auch als Wort des Herrn, fordert Anerkennung als Gottes Wort, darum auch Wort des Glaubens genannt, obschon sie Menschenwort ist (1Th 213). Allein an ihrem Entscheidungscharakter wird deutlich, daß die V. Gottes Wort ist. In dem verkündigten Jesus wird der letzte Zuspruch und Anspruch dieses Wortes kund. So kann Paulus seine V. umschreiben, »als aus Gott reden wir vor Gott in Christus« (2K 217). Gott ist Geber des Wortes. Ohne seine Sendung gibt es keine legitime V. (R 1015). Der Verkündiger ist ihm allein verantwortlich. Allein in dem durch Jesus Christus geschaffenen Lebensbereich (en Christo) geschieht echte V. Durch die V. selbst wird das Verkündigte wirksam (L 421). – e) V. ist immer zugleich Aufforderung zu einem der V. entsprechenden Verhalten, zB »sich zum lebendigen Gott wenden« (1Th 19), oder »einander lieben« (1J 311), oder »Buße zur Vergebung der Sünden« (L 2447 Mt 31 417) oder »dies bewahren« (1T 521), nämlich die apostolischen Anweisungen. Darum sind auch die Ermahnungen (parakaléo) ein Teil der V. – f) Die Wirkung der V. ist Glaube, Buße, Bekehrung, Anerkennung des verkündigten Sachverhalts, daß Gott in dem verkündigten Ereignis Jesus Christus in Erscheinung tritt, und ein entsprechendes, ernsthaft mit Gott rechnendes Verhalten, daher Predigt des Glaubens (akoe písteos G 32) genannt. Daher auch kann Paulus von sich und seinen Mitarbeitern schreiben: »Wir nehmen alle Vernunft unter den Gehorsam Christi gefangen« (2K 105). Der Überwundene wird selbst zum gläubigen Verkünder der Gegenwart Gottes in geistlichen Kräften seiner Gemeinde (1K 1425). V. Gottes und seiner Taten ist also selbst die Art, wie Gott seine Herrschaft zum Zuge kommen läßt, den Menschen und die Welt verwandelt.
[Handwörterbuch: Verkündigung. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7410-15
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2088-90)

pfeilVerleugnung    

Verleugnung

(hebr. als Verb kahasch [Pi], gr. arnéomai).

– 1. Im AT wird das Wort sowohl in der Bedeutung von verneinen, leugnen gebraucht (Jos 711) als auch in der tieferen der V. Gottes, d.h. der Abwendung von ihm (Jos 711 Hi 610 3128 Jr 512).

– 2. Wie im allgemeinen Griechisch bezeichnet das Verb auch im NT zunächst ablehnen: Mose wollte nicht Sohn der Tochter Pharaos genannt werden (H 1124). Charakteristisch für den ntl. Wortgebrauch ist jedoch der Sinn von verleugnen. Die V. ist meistens auf eine Person bezogen (zB auf Mose, Apg 735), vor allem auf Jesus selbst (Mt 1033 Apg 313 2T 212). Sie ist Untreue, Ungehorsam, Abkehr von einer persönlichen Bindung, wie die V. des Petrus deutlich zeigt (Mt 2669–75 p). Die Gefahr der V. ist in der Leidenszeit besonders groß; die Gemeinden von Pergamon und Philadelphia sind jedoch nicht vom Glauben abgefallen (Off 213 38). Wer in der Nachfolge Christi steht, erhält die Kraft, nicht an sich selbst zu denken, sondern sich selbst zu verleugnen (Mt 1624 p). Wer jedoch Christus verleugnet, hat keine Gemeinschaft mit ihm und dem Vater (Mt 1033 2T 212). Und doch bleibt die Liebe Christi bestehen, seine Bereitschaft, dem, der sein Versagen und seine Untreue erkennt, zu vergeben (2T 213).
[Handwörterbuch: Verleugnung. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7417
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2090-1)

pfeilVerleumdung    

Verleumdung

(hebr. dibba, rakil, als Verb ragal, gr. katalaliá, als Verb katalaléo und kakologéo, als Adjektiv auch diábolos), Lästerrede, Verdächtigung.

– 1. Das AT warnt vor übler Nachrede eines Volksgenossen (Lv 1916 Jr 93 Ps 153 Spr 1113).

– 2. Das Judentum fand V. schändlich, besonders die Weisheitslehrer (Sir 1514 [17] Wsh 111) und die Mitglieder der Qumransekte (1QS VII, 15 f).

– 3. Das NT erwähnt V. im Lasterkatalog als Kennzeichen des Ungehorsams gegen Gott (R 130 2T 33). Gläubige dürfen nicht der V. verfallen (Mt 154 p 2K 1220 1T 311 Tt 23 Jk 411 1P 21), und trotz V. von Seiten der Juden und Heiden müssen sie aushalten (Apg 199 1P 212 316).
[Handwörterbuch: Verleumdung. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7418
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2091)

pfeilVernichtung    

Vernichtung

(hebr. kala, gr. apoleia u.a.).

– 1. Im AT häufig als Tat Gottes beschrieben und als Ausfluß seines Zornes, Eifers oder Gerechtigkeit verstanden (Gn 1816 ff Ex 153 ff Nm 2511 Dt 819 ff). Die Androhung der V. gilt in der Frühzeit vor allem den Urbewohnern und den Nachbarn des Landes (Jos 824 1039 f 1Sm 1518). Sie wird faktisch durch den Stämmebund vollzogen in der Aktion des heiligen Krieges (Dt 2010 ff 1Sm 1111 3017 2Sm 82 ff). Die späteren prophetischen Fremdvölkerreden besagen die V. der umgebenden Großmächte (Js 1423 Jr 2515 ff). Doch gehört auch die V. Israels selbst zum festen Bestandteil der Gerichtsrede (Js 55 f Jr 427 519 f Ez 1113).

– 2. In nachexil. Zeit wird das Thema der V. vertieft, teils durch die Einbeziehung einer kosmisch-universalen Weltschau (Zph 114 ff Dn 235), teils durch eine individualisierende Frömmigkeit (Ps 1841 ff 547 7327).

– 3. In Wahrung dieser bibl. Traditionen kennt auch das NT – bestimmt von der Krisisbedeutung des Christusgeschehens – die Vorstellung einer letzten V. und Strafe der Gottlosen im Gerichte Gottes (Mt 713 Ph 128 319 2Th 23 H 1039 2P 37).
[Handwörterbuch: Vernichtung. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7425
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2092-2093)

pfeilVernunft    

Vernunft

(hebr. da'at, sekel, aram. manda', gr. noûs [Luther meist »Sinn«], diánoia, sýnesis [Luther »Verstand«]), Einsicht und Urteil.

– 1. Das AT schätzt praktische Klugheit (1Sm 253). Diese läßt sich bei Weisheitslehrern erwerben (Spr 14 u.ö.).

– 2. Das hellenist. Judentum entwickelte letzteres Ideal (Sir 329 [31] u.ö.) bis zur Übernahme des stoischen Rationalismus (4Mkk 115).

Lit.: Erkenntnis. – DBV V, 937–40 – ThW VII, 886–90.
B. Reicke

3. Für das NT ist die V. nicht ein besonderes Organ des Menschen, sondern das menschliche Ich selbst – im Hinblick darauf, daß der Mensch ein vernünftig denkendes, verständig urteilendes und bewußt wollendes Wesen ist. – a) Die V. steht dem Willen sowie dem Gewissen nahe und darum in der Entscheidung zwischen Gehorsam und Ungehorsam (R 723.25 122 E 423). V. ist darum mehr als logisches Denken und als Erkenntnis bzw. Weisheit. – b) Doch ist der bibl. V.-Begriff bis auf geringe terminologische Anklänge (1K 216 b) gänzlich frei von den in der hellenist. Umwelt begegnenden Vorstellungen einer göttlichen Hypostase oder der Welt-V. – c) Die V. ist Gottes Gabe. Sie wird mißbraucht, wenn der Mensch sich dem Nichtigen zuwendet, wie es die Heiden tun (R 128 E 417), oder er seine V. nicht unter die Offenbarung Gottes stellt, wie es durch die Irrlehrer der Gnosis geschieht (2K 105 Ph 47 1T 65 Kol 218).
[Handwörterbuch: Vernunft. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7427-8
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2093)

pfeilVersöhnung    

Versöhnung

(hebr. kipper »sühnen«, kopher »Sühne oder Lösegeld«, gr. katallage, als Verb hiláskomai, [apo]katallásso, diallásso), Ersatz und Ausgleich bei einem Schuldverhältnis.

1. Im AT geht die V. der Sünde und Schuld immer von Gott aus. – a) Gott kann die Folge der Sünde rückgängig machen (Mi 718 Sach 34), sie wegwerfen (Ps 10312), er wischt sie weg (Js 4422 Ps 513 Jr 1813), er deckt sie zu (Ps 325 853) oder er trägt sie selber; in dem letzten Fall kommt der Ernst, mit dem Gott die Sünde nimmt und das Leiden, das ihm durch sie verursacht wird, am besten zum Ausdruck (Lv 16 Js 53). – b) Das Wort für Vergebung (salah »vergeben«) wird besonders in den rituellen Texten gebraucht, die Tatsache aber der Vergebung ist das, was Gottes Wille im Kampf gegen die Sünde ist; Vergebung gehört zu den Gütern der messianischen Zeit (vgl. Jr 3134). Die V. benötigt aber die Einwilligung des Menschen: der Mensch muß sich zu Gott wenden. Das Wort Umkehr (schub) ist überaus wichtig; es drückt zugleich die Wendung zu Gott und die Abwendung von dem Bösen aus. Es gehört weiter zu den Bedingungen der V., daß der Mensch seine Sünde bekennt, d.h. vor allem, Gott Recht geben (Ex 927 Kl 118 2Ch 126 Dt 328) und sich unter sein gerechtes Urteil beugen. – c) Das AT kennt drei Wege der V.:1. den Weg des Rechts mit der Wiedergutmachung des angerichteten Schadens, 2. den Weg des Kultus mit dem Opfer und anderen Reinigungsmitteln, wobei Blut und Wasser eine große Rolle spielen, 3. den Weg der Fürbitte, welche eine Vertiefung und Vergeistigung des Opfers ist, in der Gott durch einen Mittler selber den zerbrochenen Bund wiederherstellt. Alle drei Wege zeigen, wie die Sünde ernst genommen wird und nur durch Aufwand aller göttlichen und menschlichen Kräfte überwunden wird.

2. Der Ausdruck V. erscheint im NT relativ selten. Er bezieht sich einmal auf die zwischenmenschlichen Beziehungen, wo Versöhnlichkeit Voraussetzung für rechtes Verhalten ist (Mt 524 1K 711), zum anderen auf das Verhältnis zwischen Gott und Mensch und hier hängt der Begriff sehr eng mit Gnade, Rechtfertigung, Sühne und Erlösung zusammen. Bei Paulus werden dabei zwei Stellen besonders relevant (R 510 f 2K 518–20), die deutlich machen, daß die V. von Gott ausgeht, der den Menschen das Amt der V. (diakonía katallagês) gegeben hat. Jedesmal wird der Bezug zwischen Vergangenheit und Gegenwart thematisch. Die Gegenwart hebt damit an, daß Gott durch den Tod seines Sohnes (vgl. Mt 2028 p 2628 p) die V. mit der Welt herbeiführt und die Sünde zur Vergangenheit macht. Gottes Liebe (1J 47) ermöglicht das befreiende Wort von der V. (2K 519), das das Wort vom Kreuz ist (R 118) und das den Glaubenden in seinen Dienst stellt (2K 518; vgl. auch 2K 36 64 1123). Dort, wo dieses Wort von Christi V.s-Tat, die für unsere Sünden sühnt (H 217 1J 22), verkündigt wird, geht das von Gott in Bewegung gebrachte Werk weiter. Ein wahrscheinlich vorpaulinischer Hymnus (Kol 120.22) preist Christus als den Versöhner dessen, was ehemals verfeindet war, nämlich Gott und Mensch, Israel und die Heiden (E 216).
[Handwörterbuch: Versöhnung. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7441
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2096-2096-8)

pfeilVersuchung    

Versuchung

(hebr. massa, als Verb nissa; gr. peirasmós), Prüfen der Treue, entweder bei Menschen oder bei Jesus und Gott.

– 1. Der Mensch wird manchmal versucht. – a) Gott versucht ihn, um seine Treue zu prüfen (Gn 221 Ex 1525 Dt 133) oder ihn zur Einkehr über seine Untreue zu leiten und zu läutern (Hi 23.10 Ps 6610). Jedoch ist Gott kein Versucher zum Bösen (Jk 113) und läßt nicht zu, daß die V. die Tragkraft des Menschen überschreitet (1K 1013; vgl. 2P 29). Darum bitten die Frommen ihn um Prüfung und Läuterung (Ps 262 13923; vgl. Jk 12). – b) Der Teufel dient als Versucher zum Bösen, um das Werk Gottes im Menschen zu vereiteln (Gn 31 Hi 16–27 L 2231 1Th 35 1K 75). Bundesgenossen des Teufels sind das Fleisch und die Welt (Mt 2641 J 1518 1T 69 1J 216). Waffen gegen V. sind Wachsamkeit und Gebet (Mt 613 Mk H1438); der Schild des Glaubens und das Schwert des Geistes (E 616).

– 2. Jesus wurde versucht durch den Satan (Mt 41–11); durch Menschen (Mt 161.22 193 1K 109); durch die Schwachheit der angenommenen Fleischesnatur (Mt 2638); doch bleibt er ohne Sünde (H 415). – Gott wird durch den Menschen versucht, welcher seinem Wort mißtraut und im Ungehorsam lebt (Ex 172.7 Dt 616 Ps 7841 H 39). Solche Versucher werden durch Gottes Strafe getroffen (Nm 1422 Mt 47 p).
[Handwörterbuch: Versuchung. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7450-1
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2101)

pfeilVertrauen    

Vertrauen

(hebr. 'emuna, bittahon, gr. pístis, pepoíthesis), die Gewißheit der Zuverlässigkeit dessen, worauf sich V. richtet, für die Zukunft. Gegenstand des V.s kann theoretisch eine Person oder eine Sache sein. Es handelt sich nicht nur um eine speziell religiöse Verhaltensweise; V. ist vielmehr auch im innerweltlichen Bereich möglich (Js 594 Mk 1024 vl).

– 1. Benachbart ist im ÄT der Begriff der Hoffnung (Jr 177). Ohne diese immanenten Bezüge grundsätzlich auszuschließen, jedoch mit dem Anspruch auf Eigentlichkeit in dem Sinne, daß nichts von diesem in Konkurrenz zu dem Anspruch Gottes treten darf, Gott vielmehr der unverbrüchliche Grund unserer Existenz in Eigentlichkeit ist, ist V. im bibl. Zeugnis integraler Aspekt des Anspruchs Gottes auf Glauben (Js 79). Dem korrespondiert der apostrophierte Hinweis auf die Wahrheit Gottes (hebr. 'emet), was zugleich auch als Treue übersetzt werden kann und muß (Gn 3210). Dieser Wahrheit wird der Mensch als Zusage (vgl. den Begriff des Wortes Gottes) inne, und zwar in der Weise, daß er auf solche Zusage hin existiert und das heißt, V. übt (2Sm 2231). Es gibt kein Vorauswissen um solche Wahrheit, weshalb die Frage des Pilatus (J 1838) grundsätzlich keine Antwort empfangen kann.

– 2. In dieser Ausrichtung auf Zukunft ist von Anbeginn ein eschatologischer Aspekt beschlossen, der jedoch erst wachsend zu Bewußtsein und im NT zu seiner Eigentlichkeit kommt. Grund des V.s ist nach ntl. Zeugnis Gottes Tat in Christus, vor allem seine Auf erweckung von den Toten (2K 19.20 E 312); vgl. die frühchristl., von Paulus oft zitierte, liturgische Formel: Gott, der Christus von den Toten auferweckt hat (R 424 u.ö.). Hinzu tritt in Einheit damit eine existentiale Interpretation des Todes Jesu, die einen Höhepunkt in der paulinischen Rechtfertigungslehre erreicht (K 34), aber auch eine Betonung der Bevollmächtigung Jesu, die seinem Wort als dem verbindlichen Anspruch Gottes apodiktisches Gewicht verleiht (Off 314). Im Johannesev. wird Glauben häufig mit dem Dativ konstruiert (J 222 u.ö.); so wird auch der Glaube an Jesus formuliert (1037 u.ö.). Das V. in Eigentlichkeit wird damit unmittelbar auf Jesus bezogen, und zwar in Einheit mit dem Gott gebührenden V. Der Prozeß zeigt ein allmähliches Wachstum des Innewerdens der Bedeutsamkeit Jesu und damit eine Steigerung der Christologie. Ohne das personale Gegenüber von Gott und Jesus aufzuheben, kann darum im Johannesev. geurteilt werden: Wer den Sohn sieht, sieht den Vater. Ich und der Vater sind eins (J 1030). Amen.
[Handwörterbuch: Vertrauen. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7455-6
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2102-2103)

pfeilVolk    

Volk

(hebr. goj 555mal im AT, 'am ca. 1800mal, poetisch l·'om, gr. éthnos, laós, auch óchlos), ein Begriff, dessen Entwicklung vom AT über das Judentum bis zum NT zwei deutlich geschiedene Linien erkennen läßt.

– 1. Im AT bedeutet a) göj eine politische, vor allen Dingen geographisch bestimmte Einheit von gemeinsamer Staatsform, Sprache und Recht (Gn 1020). Gelegentlich auch für Israel gebraucht (Gn 122 Ps 3312 Js 14), wird goj bald immer ausschließlicher, besonders im Plural, Bezeichnung der Fremdvölker (»Heiden«) im Gegensatz zu Israel (Gottes V., Eigentums- V.), vor allem in religiösem Sinne (Js 1426 Ps 21). – b) 'am, ursprünglich eine Verwandtschaftsbezeichnung (»Vaterbruder«), bezeichnet dann die Blutsverwandten (Ex 19) überhaupt ( Familie, Sippe), später das V. als Blutsgemeinschaft (Lv 1710). 'am wird ausschließlich Bezeichnung des Gottes- und Bundes-V.es Israel (Dt 76 1Sm 224). – c) 'am ha'ares ist term. techn. für die Gesamtheit der in Rechtsprechung, Militärdienst und Kult vollberechtigten grundbesitzenden Bürger (Gn 237), besonders in Juda die Oberklasse mit weitreichendem politischen Einfluß (1Kg 1114. 18–20 Jr 3419).

– 2.Durch Bedeutungsverschiebung wird 'am ha'ares im Judentum Bezeichnung der nichtjüd. Oberschicht, besonders der Samaritaner (Esr 44 Neh 1031). In der rabbin. Literatur wird es verächtliche Bezeichnung der religiös und soziologisch minderwertigen breiten Masse. LXX gibt, in religiöser Scheidung, goj(im) fast durchweg mit éthnos (-e) wieder, 'am mit laós; éthne sind die Heiden, laós das Gottesvolk.

– 3. Im NT setzen sich die genannten Gruppierungen fort. – a) So ist laos neben einem Allgemeinbegriff für »Volksmenge« (L 121) spezifischer Israel (L 168) im Gegensatz zu éthne, den »Heiden« (>b). Mehrmals wird laós als Würdetitel auf die christl. Gemeinde übertragen (Apg 1514 R 925 1P 29 u.ö.). – b) Gelegentlich wird ethnos im Singular auch für die Juden gebraucht (Apg 1022). In der Regel steht éthnos im Singular oder Plural für »Heiden« (Mt 105 u.ö.), gelegentlich für Heidenchristen (R 1113). – c) Auf die verächtliche Nuance von 'am ha'ares geht die vom Johannesevangelium angeführte Rede der Pharisäer über den ochlos, »Pöbel« zurück (J 749).
[Handwörterbuch: Volk. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7495-6
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2112)

pfeilVollkommen    

Vollkommen

(hebr. schalem, tamim; gr. vor allem téleios und Ableitungen von télos »Ziel«; lat. perfectus), im sachlich-formalen Sinn »fehlerlos« (zB Hom. II. 1, 66; Ex 125); »ganz« (vgl. die Definition in Arist. Metaphys. IV, 16 [die von der Scholastik als »perfectum cui nihil deest« übernommen wurde], im NT zB 1K 1310 Jk 14. 17. 25); »erwachsen« (zB 1Ch 258 H 514 E 413).

– 1. Neben diesen vorwiegend profanen Sprachgebrauch tritt der sittlichreligiöse, im Griechentum als ethisch-abstrakter Begriff: V.sein ist das Ziel (telos) und Ideal menschlicher Ethik, das dem Weisen zu erreichen vorschwebt; es ist Rückerinnerung an das einst im Ideenreich Geschaute (Platon Phaid. 249) und wird durch Weisheit und wahre Tugend ( arete) erreicht; Vollkommenheit bedeutet Flucht vor der Welt und durch äußerste Anstrengung ein Ähnlichwerden mit dem Göttlichen (Platon, Theaitet 176).

– 2. Im AT ist v. dagegen ein religiös-konkreter Begriff, es ist die alle Lebensbereiche umfassende Haltung vor Gott, wie sie von Noah (Gn 69), Abraham (Gn 171) oder Hiob (23 820) berichtet wird. V. ist gleichbedeutend mit »gerecht«, »ohne Tadel«, »ganz«, »heil« (Dt 1813); es geht dabei nicht um Abschluß einer sittlichen Entwicklung, sondern um Gottes Tun am Menschen durch sein Wort und Gesetz (Ps 198).

– 3. Dieses atl. Verständnis herrscht auch im NT vor. Im Gegensatz zur gr. Abstraktion (so Mt 1921 2K 1311) weist die Vollkommenheit auf eine aus dem Zusammenhang zu entnehmende konkrete Beziehung: auf die Liebe (»Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist«, Mt 548; vgl. Kol. 314 1J 25) oder auf die Barmherzigkeit (L 636). Diese Vollkommenheit kann nur erwartet werden (Ph 313 ff). »Die Lehre von der christl. Vollkommenheit ist in den Wurzeln atl., im Aufbau auf das Wort und Werk Jesu bezogen, in der Richtung und im Zielpunkt dagegen eschatologisch« (O. Michel, 348). Wo das Letztere nicht gesehen wurde, entwickelte sich im gr. Sinne ein Streben nach Vollkommenheit um seiner selbst willen (Perfektionismus, Askese), an Stelle des Liebesgebotes um der anderen willen.
[Handwörterbuch: Vollkommen. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7508-9
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2116-7)

pfeilVorbild    

Vorbild

(hebr. tabnit »Bauplan«, gr. týpos »Muster«), Idee oder Sache, Geschehnis, Handlung oder Person als Modell für ein Geschehen, wobei die Nachbildung entweder naturgegeben oder absichtlich erscheinen kann.

– 1. Im Griechentum können somit die gebräuchlichsten Ausdrücke für V. (typos, auch parádeigma »Beispiel«) von so verschiedenen Erscheinungen gebraucht werden wie der Idee eines Dinges im platonischen Sinne, dem Muster, dem ein Künstler in seiner Arbeit folgt, einer Regel für das menschliche Zusammenleben, einem Menschen, der in moralischer Hinsicht ein nachfolgenswertes Exempel ist, usw.

– 2. Das AT nennt in technischer Hinsicht ein himmlisches V. für Stiftshütte und Kultgeräte (Ex 259.40), aber auch ein syr. für den Altar des Ahas (2Kg 1610). Religiös-ethisch wird Gott selbst im Helligkeitsgesetz als ein V. ad imitandum dargestellt (Lv 1144 192 208).

– 3. Im rabbin. Judentum wurde dieses Prinzip aufgenommen und weiter entwickelt (StB III, 411–5). Da aber die Idee der Nachahmung Gottes in einem Gegensatz zum Gedanken seiner Erhabenheit über alles Menschliche stand, wurde sie nie dominierend. Eher wurden Menschen als religiös-ethische V.er aufgefaßt, wie Joseph (TestBenj 31 41), jüd. Märtyrer (4Mkk 923 139), jüd. Toralehrer (StB I, 528 ff).

– 4. Im NT ist Jesus zentrales V. – a) Dieses kommt expressis verbis dort zum Ausdruck, wo Jesus sich als V. zum Nachahmen darstellt (Mk 1042). Genauso tritt das V.-Motiv an anderen Stellen auf (Mt 1129 J 135.13 u.a.). Aber nicht nur Jesu Lebenshaltung hat diesen vorbildhaften Charakter, sondern sein Lebensschicksal ist auch in gewissem Sinn V. für seine Nachfolger: der Ruf zur Nachfolge bedeutet, daß sie in den Leidenszusammenhang mit ihm eingefügt werden, in dem Jesu Tod und Auferstehung die gestaltende Norm sind (Mk 831 p J 1224 ff). – b) Christus und das an ihn gebundene Erlösungsgeschehen stehen nach Paulus als V. und Muster für das christl. Leben, was in der paulinischen Tauftheologie besonders deutlich hervortritt (R 61–11 Kol 211–13. 20 31–4). Tod und Auferstehung Christi sind hier das Muster dafür, was dem Menschen in der Taufe widerfährt. So wie Christus starb und begraben wurde, so stirbt und wird auch der Mensch in sakramentaler Hinsicht begraben, aber die Taufe bedeutet den Anfang seiner Auferstehung (R 64). Der Mensch soll sich weiter um das Auferstehungsleben bemühen, das in der Taufe begann. Ebenso kann man dem Tod- und Auferstehungsschema der Christusgeschichte in den paulinischen Leidenstexten nachgehen (R 817 1K 49 ff 2K 48 ff 64 ff Kol 124). Es ist ferner offenbar, daß Christi Auferstehung und Erhöhung das V. der endgültigen Verherrlichung des Menschen sind (R 817.29 Ph 321 Kol 34). – c) Eine besondere Form des V.-Denkens kommt in etlichen paulinischen Texten vor, in welchen der Apostel sich selbst als V. seiner Gemeinden darstellt (1K 416 111 G 412 Ph 317 1Th 17 214 2Th 39). Es ist jedoch deutlich, daß es auch in diesen Fällen um Christus als eigentliches V. geht. Als Lehrer und »Vater« seiner Gemeinden fungiert der Apostel als ein unmittelbares V., das doch über sich hinaus auf Christus zeigt. – d) Auch in späteren Briefen wird dem Weg Jesu durch Erniedrigung und Leiden zur Herrlichkeit vorbildhafte Bedeutung zugemessen. Jesus hat sich einen Weg in die himmlische Welt gebahnt (H 29–18 416 ff 619 f 911 ff 122 ff), in der er jetzt als Fürsprecher für seine Nachfolger auf Erden wirkt, und diese sollen ihrerseits auf Jesus als den »Häuptling und Vollbringer des Glaubens« blicken, um aus seinem Beispiel Kraft für die Wanderung zum himmlischen Ziel zu schöpfen (H 122 ff). Christus hat ein V. (gr. hypogrammós) hinterlassen (1P 218–23), dem die Christen nachzueifern haben. – e) Die typologische Betrachtungsweise des NT.s hängt mit einer besonderen Geschichtsauffassung zusammen. Personen, Handlungen, Ereignisse und Institution des AT.s werden als prophetische Typen für Momente der Geschichte Christi oder der Kirche betrachtet, zB die Erhöhung der Schlange für die Erhöhung Christi (J 314), Adam für Christus (R 514 1K 1545).
[Handwörterbuch: Vorbild. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7510-3
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2118)

 
 

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