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Auf diesen Seiten findest du, alphabetisch sortiert, Erläuterungen zu biblisch-historischen Fachbegriffen.
   
   
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Stichwort

Bibeltext

Erklärung

Unfruchtbar
Ungehorsam Unglaube Unrecht
Unheil
Unrein

Unschuld Unsichtbar Unsterblichkeit Unterwelt Untreue

Unzucht

Als der Herr sah, dass Lea zurückgesetzt wurde, öffnete er ihren Mutterschoß, Rahel aber blieb unfruchtbar.

 

Dtn 7,14
14 Du wirst mehr als die anderen Völker gesegnet sein. Weder Mann noch Frau noch Vieh, nichts wird bei dir unfruchtbar sein.


Ri 13,3
3 Der Engel des Herrn erschien der Frau und sagte zu ihr: Gewiss, du bist unfruchtbar und hast keine Kinder; aber du sollst schwanger werden und einen Sohn gebären.

 

Lk1,7
6 Beide lebten so, wie es in den Augen Gottes recht ist, und hielten sich in allem streng an die Gebote und Vorschriften des Herrn. 7 Sie hatten keine Kinder, denn Elisabet war unfruchtbar, und beide waren schon in vorgerücktem Alter.



Lk23,29
29 Denn es kommen Tage, da wird man sagen: Wohl den Frauen, die unfruchtbar sind, die nicht geboren und nicht gestillt haben.
30 Dann wird man zu den Bergen sagen: Fallt auf uns!, und zu den Hügeln: Deckt uns zu!

Gen 29,31

Unfruchtbar,

ohne Nachwuchs
(hebr. 'aqara, schakkul der Kinder beraubt, gr. fern, steîra), ohne Früchte (hebr. m·schakkel u.a., gr. ákarpos).
Da im alten Israel das Kind als Gottes Gabe galt (zB Ps 1273), faßte man U.keit der Menschen entsprechend als Unglück und Strafe auf. – a) Das AT bringt diese Ansicht deutlich zum Ausdruck (Gn 1130 301 Ex 2326 1Sm 16 Hos 914 u.a.).


NT
Auch das NT stellt die U.e als unglücklich dar (L 17.36). Erst wenn die messianischen Leiden eintreten, werden die Mütter die U.en beneiden (L 2329). Daß die U.e über Kinder jubelt (Js 541), wird auf das Heidenchristentum bezogen (G 427
[Handwörterbuch: Unfruchtbar. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7265
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2047-2048)

pfeilUngehorsam Site in Bearbeitung  

Ungehorsam

(hebr. m·ri »Widerspenstigkeit«, als Verb mara, sarar, beide »widerspenstig sein«, gr. apeitheia »Eigensinn« von apeithes »wer sich nicht überreden läßt«, parakoe »Überhören«), Weigerung zu hören, beim Tier auf den Menschen (Hos 416), beim Kind auf die Eltern (Dt 2118–21 Steinigung eines widerspenstigen Sohnes; R 130), bei Israel (Nm 1725 R 1021) oder Einzelpersonen (1Kg 1321 R 28) auf Gott bezogen.

Das AT

rügt besonders die Beharrlichkeit, mit der sich Israel durch Götzendienst, Hoffart und Gleichgültigkeit immer wieder von Jahwe und seinem Wort abwendet, das sich in den heilsgeschichtlichen Ereignissen manifestiert (Nm 2024 Dt 97 Ps 1067), vor allem aber im Gesetz zum Ausdruck kommt (Dt 3127 Js 120). U. bewirkt geschichtliches Unheil (Jr 217 ff u.a.). Überwindung des U.s wird in der eschatologischen Heilszeit erwartet, wenn Gott jeden einzelnen innerlich erneuern wird (Jr 3132 ff 3237–40 Ez 1119 ff 3626–31). Daß sie auch im gehorsamen stellvertretenden Aufsichnehmen des Leidens geschehen kann, wird im AT nur am Rande erwähnt (Js 535.11).

Im NT
steht für Paulus Adams U. allem voran (R 519 a). Zentrales Kerygma ist, daß Christus im Gehorsam »unsere Sünden« und damit auch den U. stellvertretend gesühnt hat (R 58.19 b 1P 224 u.a.). U. ist daher wesentlich Unglaube dieser Botschaft gegenüber (J 336 u.a.). U. ist Lebenshaltung mit sittlichen Konsequenzen (Apg 142 199 E 22 u.ö.), weil das Evangelium totalen Gehorsam fordert. Ihm droht der bleibende Zorn Gottes, die Nichtigkeit (J 336 H 46). Er ist Merkmal vieler Juden und Heiden (Mt 1315 Tt 33), bildet aber auf Grund der menschlich-natürlichen Beschaffenheit auch eine reale Gefahr in der Gemeinde (Mt 1817 2K 106).
[Handwörterbuch: Ungehorsam. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7267-8
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2048)

pfeilUnglaube    

Unglaube

([hebr. hoser 'emuna], gr. apistía), im bibl. Sinne mangelndes Vertrauen.

Im AT

kommt der Begriff nicht vor, wohl aber die Sache (Js 79 531 Jr 422 u.ö.).

Im NT wird der Begriff U. a) durch die Doppelbedeutung des gr. Wortes (ungläubig und unglaubwürdig) und b) durch die Tatsache bestimmt, daß Glaube im NT sowohl in einem weiteren als auch im exklusiven Sinn als »Glaube an Christus« gebraucht wird. Darum bezeichnet U. im NT sowohl den Glaubenslosen (Mt 1358 Mk 66 1611–6 L 2411 J 2027 Apg 2824 H 312.19 Off 218) und Kleingläubigen (Mt 1717 p Mk 924 L 2441 R 420), als auch den Andersgläubigen: Juden (Apg 142 R 1120.23 1531 1T 113 Tt 115 1P 27) oder Heiden (1K 66 712–5 1027 1422–4 2K 614 f). In R 33 H 12 ist Untreue gemeint.
[Handwörterbuch: Unglaube. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7273
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2050)

pfeilUnrecht    

Ungerecht, Ungerechtigkeit

(hebr. 'awon, 'awel, 'awla, scheqer »Lüge«, ma'al »Treubruch«, gr. ádikos, adikía, adikéo), eine sündige Eigenschaft oder Handlung des Menschen.

Im AT

wurde der Mensch immer in seiner Bezogenheit auf Gott gesehen. Sünde und U. können daher parallel gebraucht werden (Js 4324 f). U. wird spezifisch im Sinne von »Unredlichkeit« (Ez 1818.24 2818 3313), als ein Vergreifen an fremdem Eigentum (Lv 521) bestimmt. In LXX wird derjenige, der sich gegen Gott erhebt, der Gottlose (hebr. rascha') als u. bezeichnet (Ex 231 Js 5720), und ähnlich kommt auch U. zu der Bedeutung von »Abfall«, »Untreue« (Ez 1730 3926). Steht U. für »Lüge«, »Trug« (hebr. scheqer, Ps 525 11869.163), so kommt das dem Gegensatz sehr nahe, den im NT Johannes herausstellt.

Im NT
weicht der Gebrauch von »U. begehen« (adikéo) abgesehen von einigen Stellen (Kol 325 Off 2211) kaum vom gewöhnlichen, vulgären Sprachgebrauch ab. Dasselbe gilt von »Vergehen« (adikema), das nur Apg 1814 2420 und Off 185 vorkommt. Stärker sind »u.« und »U.« (ádikos und adikía) von den Hauptgedankengängen der Schriften des NT beeinflußt, vor allem bei Paulus und Johannes, die dann oft, wenn auch auf eigene Weise, den Sprachgebrauch des AT fortsetzen. Als Gegensatz zu Gerechtigkeit (gr. dikaiosyne) hat Paulus die U. zentral mit seiner theologischen Terminologie verbunden (R 613). Das Wort U. bezeichnet hauptsächlich das Angehen gegen die Norm des göttlichen Rechts. U. kann daher das Gegenteil von Wahrheit (aletheia) sein, die ja auch im bibl. Umkreis mit die beständige Welt von Gottes Treue und Herrlichkeit bezeichnet (J 718). Dann ist die U. nicht weit von der Gottlosigkeit entfernt und bekommt ihren besonderen bibl. Charakter einer Sünde gegen Gott (vgl. 1J 19 37 ff 517). Auch die U.en sind dann zuerst die Gottlosen, die Gottes Recht verletzen, die sich seinen Geboten widersetzen, die daher zu denen gehören, die das Reich Gottes nicht ererben werden (1K 69).
[Handwörterbuch: Ungerecht. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7269-70
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2048-9)

pfeilUnheil    

Unheil

(hebr. 'awen, 'amal »Mühe«, nega' »Schlag«, ra'a »Böses«, schöd »Verheerung« u.a.; gr. kakón, ponerón »Böses«, plege »Schlag« u.a.), Unglück, Schaden, eventuell Verderben.

1.
Nicht selten wird vorausgesetzt, daß Gott das U. verhängt.

a)

Im Bereich der Religion sieht der Mensch das U. in der Regel als Folge von Sünde (vgl. die altgr. Tragödien), wenn die U.s-Erwartung nicht einfach aus der Tatsache resultiert, daß die Gottheit das furchterregende Numinosum ist. Primitive Anschauung glaubt, daß die böse Tat eine u.-volle Sphäre um sich schaffe, der der Übeltäter dann nicht mehr entrinnen könne.

b)

Diese »magische« Auffassung wandelte sich in Israel: Jahwe sucht als der vergeltende Gott sündige Menschen mit U. heim (Ex 111 Ri 1016 1Kg 1410 Ps 2518). Nur in gelegentlichen Ausnahmefällen konnte man das über einen Menschen hereinbrechende U. auch anders verstehen: als Maßnahme Gottes, die ihn erziehen will (Spr 311 f Hi 517 ff und die Elihu-Reden; im NT H 124 ff). Das U. besteht in Lebensminderung jeder Art (Lv 2614–39): für den einzelnen in Krankheit, Anfeindung, Fehlen bzw. Verlust von Nachkommenschaft oder Besitz, vor allem in jähem, vorzeitigem oder gewaltsamem Tod; für die Gemeinschaft in Hungersnot, Epidemien, Kriegsnöten, Niederlagen, aber auch kosmischen Katastrophen. Das U. wird im AT seit den sogenannten »U.s-Propheten« wohl als ein eschatologisches Verhängnis gesehen, jedoch bleibt es durchaus diesseitiger Natur (Hos 713 Am 94). Wo es Israel und Juda trifft, ist es der Aufhebung des Bundes Jahwes mit dem Volk gleichbedeutend (Hos 81 Jr 11 10 f).

c)

Im apokalyptischen Judentum wurde das in einem letzten Sinne verstandene U. in ein Jenseits verlegt und als ewiges Verderben im Reiche der Finsternis gesehen und ausgemalt (1Hen 107). – d) Für das NT ist von Gott verhängtes U. im Diesseits eine Prüfung der Gerechten (L 1625 R 835 2K 65 E 613 H 1137 133), im Jenseits eine Bestrafung der Ungerechten (L 1247 R 29 1Th 110 Off 918–2218).

2.

Manchmal wird über böse Menschen geklagt, die U. stiften: Ungemach, Schaden oder Verderben (Js 39 101 Hab 13 Ps 717 107 u.a., Spr 241 L 1139 R 130 Ph 322Th 32 Jk 38).
[Handwörterbuch: Unheil. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7274-5
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2050-11)

pfeilUnrein    

Unrein

(hebr. tame', U.heit nidda, gr. akáthartos, ryparós; Luther auch »unsauber«), stärker als profan.

Im AT

bedeuten die Begriffe »u.« (tame') und »rein« (tahor) nicht »infektiös« oder »aseptisch« (die Alten kannten Infektion und Keimfreiheit im modernen Sinne nicht), »schmutzig« oder »sauber«, sondern haben rein kultische Bedeutung: u. oder rein vor Gott, in der Kultgemeinde, fähig oder unfähig, mit dem heiligen (= reinen) Gott durch Gebet und Opfer Kontakt zu haben.

a)

Wer Reines oder U.es berührt, kann diesen Kontakt mit Gott aufrechterhalten oder ihn verlieren. Die Folge ist, daß man den Tempel nicht betreten, Tempelgerät und für den Tempel Bestimmtes nicht eher berühren darf, als bis man sich der sühnenden Reinigung unterzogen hat. Das strikte Verbot, sich zu verunreinigen, besteht vor allem für den Priester (Lv 211–24). Die Pflicht, sich zu reinigen, besteht für den Laien nur dann, wenn er auf die Berührung mit dem Tempel usw. Wert legt. Da jedoch gewisse Verpflichtungen zu Wallfahrten und Opfern in Jerusalem bestehen, hat man darauf zu sehen, daß man zu diesem Termin und Zweck »rein« ist (Dt 162 2Ch 3017 J 1155).

b)

Es gibt zwei Arten von U.heit:

1)

Für Verunreinigungen durch u.e Speisen gibt es kein Reinigungsmittel.

2)

Verunreinigung des Körpers kann durch einen Reinigungsakt aufgehoben werden: a) Berührung mit Aas und Leiche (gradueller Unterschied) durch Sündopfer und Reinigungswasser (Lv 52 Nm 1913); b) physiologische oder pathologische Ausflüsse aus den Genitalien bei Mann und Frau ( Eiterfluß, Blutfluß, Wöchnerin, Geburt) durch Brandopfer und Sündopfer und Waschungen (Lv 126 1513 f. 16. 18. 29 f); c) Aussatz an Menschen (Lv 131–1457), Häusern (Mauersalpeter, Hausschwamm?) und Kleidern (Lv 1347 143) durch umfassendere Opfer und Reinigungen; d) Handhabung des Azazelbocks und des Reinigungswassers durch Waschungen (Lv 1626 Nm 1921).
W. Bunte

Das nachexil. Judentum beschäftigte sich eifrig mit Fragen der U.heit (Hg 213). Als u. galt schon alles Nichtjüd. in Palästina (Esr 911 Sach 132 2Mkk 527, auch J 1828) und der Diaspora (Dn 18 Tob 111), obwohl eine Neigung zur milden Beurteilung der Umgebung vorkam (Wsh 136). Von den Rabbinen wurden die Bestimmungen über Reinigung in Mischna und Talmud gesammelt (besonders Seder Tohöröt »Reinigungen«).

Im NT bekämpft Jesus die »u.en Geister«, die die Menschen plagten (Mk 123 usw.). Er lehnte die jüd. Vorstellungen über äußere U.heit ab und warnte vor innerer Verunreinigung (Mt 1511 p). Für seine Jünger war es nicht leicht, die Reinheitsgesetze, Speisevorstellungen und andere Kultbestimmungen zu überwinden, ohne daß es zur Reaktion oder zum Übermut kam (Apg 1014 R 141 1K 87 1027 G 212 Kol 221 1T 43). Die innere U.heit oder schmutzige Gesinnung mußte aber wiederholt gebrandmarkt werden (R 124 619 2K 1221 G 519 E 419 53 1Th 47 Jk 121 Off 174 2211).
[Handwörterbuch: Unrein. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7282-4
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2052-4)

pfeilUnschuld    

Unschuld

(hebr. niqqajon, unschuldig sein naqa, unschuldig naqi, gr. haplótes »Ehrlichkeit«, als Adjektiv athôos »unsträflich« und mehrere Bildungen mit

a-), Unsträflichkeit.

Das AT spricht oft von U., d.h. Freisein von Frevel oder Blutschuld. – a) Das war im alten Israel die unbedingte Voraussetzung für die Teilnahme am Kult: »Wer darf treten an seine heilige Stätte? Wer unschuldige Hände hat« (Ps 243 f). Zur Bezeugung solcher U. gehört der Ritus des Handwaschens: »Ich wasche meine Hände in U.« (Ps 268 7313). Da der Gottesdienst das ganze Leben des einzelnen wie der Gemeinschaft bestimmt, ist der Erweis und die Bezeugung der U. lebenswichtig. – b) Darin ist es bedingt, daß in manchen Pss die U.s-Beteuerung eine solche Bedeutung hat. Eine Gruppe von Pss (5.7.17.26) kann man geradezu als U·s-Pss bezeichnen (H. Schmidt: Gebete unschuldig Angeklagter); darüber hinaus begegnet die U.s-Beteuerung in vielen anderen Texten (zB Ps 58 65–8 285 594 862 119101. 104. 128 13923 f Jr 123), häufig in den Reden Hiobs. Dieses U.s-Motiv in den Pss kann nur verstanden werden, wenn bedacht wird, daß die Gemeinschaft, in der die Betenden so leidenschaftlich ihre U. beteuern, gleichzeitig kultische und bürgerlich-politische Gemeinschaft ist. Sie ist in ihrer Existenz bedroht, wenn sie Frevel und Blutschuld, um die es ja bei diesen U.s- Beteuerungen geht, nicht »aus ihrer Mitte austilgt« (Dt). Um diese die Gemeinschaft gefährdenden Frevel geht es in der U.s-Beteuerung. – c) Wo die Gemeinschaft mit ihren Rechtsmitteln im Gerichtsverfahren nicht zu klären vermag, ob ein Angeklagter schuldig ist oder nicht, kann ein Gottesurteil (Ordal) die U. erweisen (Nm 511 ff). – d) Ein Frevel gegen Unschuldige, das Vergießen »unschuldigen Blutes« ist daher ein besonders schwerer Frevel (Js 597), der mit dem Tode gesühnt werden muß, selbst wenn der Täter ein König ist (1Kg 2119). Ebenso schwer aber wiegt schon die wissentlich falsche Beschuldigung eines Unschuldigen (Ps 9421). Auf diesem Hintergrund ist zu hören, was das AT vom Leiden des Unschuldigen sagt, d.h. vom Leiden, das Gott dem Unschuldigen auflegt. Es ist (besonders noch im Angesicht des Glücks der Frevler) einer der wichtigsten Anlässe der Klage. Daß Gott den Unschuldigen leiden läßt, bedeutet eine Gefährdung des Glaubens, die bis zur schwersten Anfechtung durchkämpft und durchlitten wurde (Ps 7313 f Hi 923 u.ö.).

Das Judentum

interessierte sich für unschuldig verfolgte Glaubenshelden, für einzelne Idealgestalten (Dn 623 Sus 53.62) und die Gesetzestreuen der Makkabäerzeit (1Mkk 237 2Mkk 18).

Im NT erscheinen Jesus und seine Jünger in Bezug auf das Sabbatgebot als unschuldig Angeklagte (Mt 127). Jesus wird ferner im Zusammenhang der Passion als der unschuldig Leidende und Sterbende dargestellt (Mt 274 Apg 1328 1P 119 222 H 726). Von seinen Jüngern wird eine unschuldige, lautere Gesinnung verlangt (gr. verschiedene Ausdrücke: Mt 622 1016 R 1618 Ph 215 u.a.).

In der alten Kirche wurde die ursprüngliche U. des Menschen diskutiert (Iren. Adv. haer. IV, 381), und die »unschuldigen Kinder« (Mt 216 Kindermord) erhielten ihren Gedenktag (im Abendland 28. 12.).
[Handwörterbuch: Unschuld. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7285-7
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2054-5)

pfeilUnsichtbar     Unsichtbar (hebr. kein Wort, gr. aóratos).

Das AT geht davon aus, daß Gott sichtbar ist (vgl. Ex 249–11), aber seine Heiligkeit und Unverfügbarkeit machen es für den unreinen (Js 65; vgl. Mt 58 H 1214) und sündigen Menschen gefährlich, Gott sehen zu wollen. Lots Frau wird für ihren Ungehorsam bestraft, als sie wagt, Gott bei seinem Strafgericht zuzuschauen (Gn 1917–26). Wer Gott sieht, ist erschrocken (Ex 36 Ri 622 1332 1Kg 1913) und erwartet seinen Tod. Selbst der Glanz von Moses Antlitz flößt dem Volk Furcht ein (Ex 3430; vgl. auch Dt 522 f). Daß Moses Gott gesehen hat (Ex 3311), wird als eine besondere Ausnahme betont (Dt 3410). Der Mensch darf Gott nicht sehen, weil er vor ihm nicht bestehen kann. Nur im übertragenen Sinn wird der Ausdruck Gott schauen in den Psalmen gebraucht: vor sein Angesicht treten (Ps 117 2225 633 952 1002; auch Hi 3326 3429; vgl. Nm 625 f).

Das hellenist. Judentum spricht von einer u.en höheren Wirklichkeit (Philo De opif. mundi III u.ö.).

Im NT
gilt: »Gott wird nicht sichtbar, sondern offenbar« (ThW V, 370), in Jesus Christus (Mt 1127 p J 118 646 149 2K 44 Kol 115 1T 616 H 13). Jesu Wirken wird von den Synoptikern als göttlich dargestellt: Seine wunderbaren Taten erregen Staunen, Verwunderung und Entsetzen (Mk 542). Jedoch ist in diesen Geschichten nicht das Entscheidende die Schau, sondern das Wort (Mk 650). Die ntl. Briefe nennen Gott ausdrücklich u. (R 120 2K 418 Kol 116 1T 117 H 1127). Nur indirekt macht die Schöpfung das göttliche Wesen sichtbar (R 120). Es gibt keine Schau Gottes oder des Erhöhten (2K 57). Gott sehen, heißt bei Johannes: glauben, daß Gott in Jesus sich offenbart (J 148 f; vgl. die Verbindung von Glauben und Sehen J 640 1244). Paulus lehnt entsprechend eine Gnosis ab, die eine direkte Schau zum Ziel hat, und stellt ihr die Liebe gegenüber (1K 82 f). Unverhüllt die Herrlichkeit des Erhöhten zu schauen, bleibt der Zukunft vorbehalten, der der Glaubende mit Gewißheit entgegengehen kann (J 1724 1K 1312 2K 318 1J 32 Off 224).
[Handwörterbuch: Unsichtbar. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7288-9
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2055-2056)

pfeilUnsterblichkeit    

Unsterblichkeit, Unvergänglichkeit

(ein hebr. adäquater Begriff fehlt, gr. athanasía, aphtharsía).

AT
Nach dem AT hat Adam die U. als paradiesisches Leben vor Gott verloren (Gn 322). Das Leben nach dem Tode wurde in Israel als Schattendasein vorgestellt (1Sm 2813 f), das man fürchtete (Hi 79 1410 ff Ps 66 Js 3817 f). U. und Unvergänglichkeit waren ausschließlich Attribute Gottes, was jedoch nur sinngemäß Ausdruck findet (Ps 902).

Anders das ältere Griechentum, das diese Thematik im eigentlichen Sinn für seine Götter und für das Wesen der Welt mannigfach reflektierte (Diog. Laert. I, 24). Plato versicherte sich auf logischem Wege der U. der menschlichen Seele (Dial. Phaidon). In der Folge entsprachen eine an ihn anknüpfende Philosophie und das Mysterienwesen der U.s-Sehnsucht des antiken Menschen, jedoch ohne sie durch pantheistische Lehren und rituelle Praktiken zur Gewißheit erheben zu können. Skepsis und Resignation prägten die Aussagen der Stoa und des Epikuräismus.

Das Judentum blieb von dem antiken U.s-Glauben nicht unberührt (4Mkk 146), stellte ihm jedoch grundsätzlich seinen eigenen teleologischen Messianismus entgegen (1Hen 221 ff; Jos. Bell II, 154; 4Esr 796 f). Die gr. Ideen der U. der Seele und der Unvergänglichkeit des Menschen bzw. der Welt erscheinen eingebaut in die Hoffnung auf eine neue Auferstehungsleiblichkeit und abhängig gemacht von der Erfüllung der Tora (Wsh 223 619 4Mkk 1712; Philo, De aetern. mundi).

Das NT übernahm die teils hellenist. teils jüd. Kategorien, jedoch nicht ohne sie durch den österlichen Christusglauben entscheidend zu vertiefen (1K 1542 ff). Die Themen der U. und Unvergänglichkeit stellen sich dabei selbst für Paulus als nicht typisch dar (R 123 27 1K 925), wenn es auch feststeht, daß die hellenist. Gemeinde, wie die deuteropaulinische Literatur ausweist, stark in dieser Begrifflichkeit dachte (E 624 1T 117 616 2T 110 1P 14). Der Tatbestand des Einflusses gr.-hellenist. Vorstellungen wird in der Folge besonders für die sogenannte frühkath. Literatur offensichtlich (Ign., Diogn. u.a.).
[Handwörterbuch: Unsterblichkeit. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7290-1
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2056)

pfeilUnterwelt    

Unterwelt

(hebr. sch·'ol, tahtijjot 'eres, gr. ábyssos u.a.), eine unter dem Bereich des Lebens gedachte Sphäre des Todes und anderer Mächte.

Die im AT vorausgesetzte Sphäre steht in religionsgeschichtlichem Zusammenhang mit den Hadesvorstellungen des Zweistromlandes (Abb. vgl. Weltbild 1). – a) Die U. als das Land der Toten ist ein Land ohne Wiederkehr (Ps 1610 8949 u.a.). Die U. hängt zusammen mit den Chaosmächten des Meeres (Ps 887) und ist lokalisiert in der Tiefe überhaupt (Dt 3222 Js 599 u.ö.). – b) Zugleich bestimmt die U. durch Krankheit und Unheil aber schon jetzt die menschliche Existenz (Spr 727 Ps 189). Bilder vom Schlund eines unersättlichen Tieres (Nm 1630 ff Ps 914 Spr 2720) und von den Toren (Ps 914) unterstreichen diesen Sachverhalt. – c) Die U. als »Land ohne Wiederkehr« (babyl. ersit la tari, vgl. Hi 79) ist der Ort für die Schattenwesen (Ps 4915) und der Gottferne schlechthin (Ps 66 8811). Aber im AT bleibt Jahwe der Herr der U. (Ps 1398 ff Dt 3222 1Sm 26).

Im NT wird der Bereich der U. »Abgrund« (gr. ábyssos) und »Totenreich« (gr. háides) genannt, während die »Hölle« (gr. geenna; Gehenna) scharf davon geschieden ist. Der Unterschied ist der, daß die U. die Gottlosen nur für die Zwischenzeit zwischen Tod und Auferstehung aufnimmt, während die Geenna ihr Strafort nach dem Endgericht ist.
a)

Auch das NT setzt das dreistöckige Weltbild voraus: Himmel, Welt und U. (Mt 1123 Off 91 f). Wie im AT ist die U. die Totenwelt, also der neutrale Ort der Toten bis zur Auferstehung und zum Gericht (Off 227 R 107 1Th 413).
b)

Über die Entstehung der U. wird nicht reflektiert, ihre Existenz hängt mit der Sünde und dem Tod zusammen. Nach Off 91 201.3 wird die U. als Geistergefängnis verschlossen gedacht; den Eingang bildet ein brunnenartiger Schlund, bei dessen Öffnung Rauch hervorkommt. Inhaftiert sind hier der Antichrist (Off 117 178), der U.s-Fürst (Off 911), Dämonen (L 831) und Skorpionskentauren (Off 93 ff).
c)

Wie im AT hat auch im NT Gott die unumschränkte Macht über die U. Nach der Parusie ( Wiederkunft Christi) wird der Satan für die Dauer des tausendjährigen Reiches in der U. eingeschlossen (Off 201 f). Zweifellos hat das NT mit der Übernahme von U.s- Vorstellungen Anleihen in der Antike gemacht. Das kerygmatische Motiv der Hadesfahrt Christi (1P 319 46) unterscheidet sich von der Menschensohnchristologie der Logienquelle und von der Präexistenz- und Erlöserchristologie der (vor)paulinischen Sphäre (Ph 25–8). Andeutungen eines nur passiven Hadesaufenthaltes finden sich jedoch (Mt 1240 Apg 224. 27. 31R 107 und E 48), während die erwähnten Stellen (Off 118 1P 319 46) eine Wirksamkeit Jesu in der U. voraussetzen, die dann in nachntl. Zeit zur kirchl. Descensusvorstellung ausgebaut wurde.
[Handwörterbuch: Unterwelt. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S.7298- 7300
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2057-8)

pfeilUntreue     Untreue, Treulosigkeit (hebr. beged, gr. apistía), Verletzung eines persönlichen Vertrauensverhältnisses.

Im AT

spielt wie im ganzen Alten Orient wegen der relativen Ungesichertheit der Verhältnisse und der starken Verwurzelung des Individuums in übergeordneten Gemeinschaften (Sippe, Stamm) die Treue (hebr. 'emuna, gr. pístis) eine gewichtige Rolle. Entsprechend gilt U. als schweres Vergehen (Hos 41), während die Treue zu einem der Kennzeichen Gottes (Ex 346 Dt 324 Hos 121) und des Frommen (Neh 72 97 f Ps 1016) wird. – a) Erwiesene eheliche U. wurde mit dem Tode durch Steinigung bestraft (Dt 2222–7 Lv 2010). Beim Verdacht auf U. mußte sich die Frau einem Ordal ( Gottesurteil) durch Trinken des »bitteren Wassers« unterziehen (Nm 511–31). – b) Kindliche U. galt als fluchwürdiges Verbrechen (Dt 3220 2716 Ex 2117 Js 301). – c) Der u. Freund wird verachtet (2Sm 1617), der treue gerühmt (1Sm 20 Spr 1824). – d) Bei den religiösen (Nm 127 1Sm 235) und weltlichen Führern (Ps 7872 Spr 2914) wird Treue besonders hervorgehoben. – e) Gegen die vertragliche U. suchte man sich durch Eid zu sichern (Gn 2123). – f) Bei politischer U. haftete nicht nur der Täter, sondern seine ganze Sippe (1Sm 2216–9 2Sm 211–9). – g) Die religiöse U. wird mit der totalen Vernichtung bedroht (Ez 1413 158 1720). Der Abfall von Jahwe erscheint, da das Gottesverhältnis als Sund aufgefaßt wird, auch als Bundesbruch (Jr 3132 Ps 4418) oder im Bild der ehelichen U. (Hos 1. 3 Ez 16. 23).

Das nachexil. Judentum klagt wie die Propheten über allgemeine U. (Sir 1130). Positiv wird vor allem der treue Freund gelobt (Sir 614–6 2512) und die Treue der religiösen Vorbilder hervorgehoben (Dn 65 Sir 454 2Mkk 12). Politisch wird der Begriff in den Mkk verwandt für Vertragsbruch (1Mkk 718 f 1152 f) und Verrat (1Mkk 714 1617).

Auch das NT

kennt im Lasterkatalog die allgemeine U. (R 131) und ermahnt gelegentlich zur Treue in den natürlichen mitmenschlichen Beziehungen (1T 311 Tt 210). Doch dominiert der Gedanke an die Treue Gottes (1K 19 2Th 33 H 1023) und Christi (H 217 Off 15 314 1911) und darum auch der geistlichen Diener der Gemeinde (1K 725 Kol 17 1T 112 1P 512 Off 213). Veruntreuung.
[Handwörterbuch: Untreue. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7301-2
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2058-2059)

pfeilUnzucht    

Unzucht

(hebr. z·nut, als Verb na'aph, zana »Hurerei treiben«; gr. porneía von pórne »Hure«; vgl. pérnemi »verkaufen«), sexuelle oder religiöse Übertretung.

Im AT bezeichnet U. primär Verstöße im Bereich des Geschlechtslebens. Sie wurden besonders angesichts des Strebens nach Reinheit und Unversehrtheit der Ehe streng beurteilt und bestraft, so Ehebruch und Vergewaltigung (Dt 2220 ff), Blutschande (Lv 186–18), Päderastie bzw. Homosexualität (Gn 195 Lv 1822 Dt 2319 1Kg 1424), Sodomie (Ex 2218 Lv 1823 Dt 2721) und die Sünde Onans (Gn 389 f). Gleiches galt grundsätzlich für Prostitution ( Dirne, Tempeldirne) und unzüchtige Praktiken, die ihren Ursprung in anderen Religionen hatten (Dt 225 232). Die häufigen Verbote bezeugen nicht nur die sittlichen Maßstäbe des Jahweglaubens, sondern auch die von den altoriental. Fruchtbarkeitsriten stets drohende Gefahr der Verwilderung. Unter den Propheten haben besonders Hosea, Jeremia und Ezechiel den religiösen und sittlichen Abfall Israels von seinem Gott im Zusammenhang mit dem Bild der Ehe als U. bezeichnet (vgl. Hos 1–3 Jr 223 ff 31 Ez 1623).

Das NT bezeichnet mit »Unreinheit« (gr. akartbasia) seltener die ursprünglich gemeinte kultische Unreinheit (Mt 2327). Vielmehr geht es um die sittlich-religiöse, die als völlig gottwidrig von der Gottesgemeinschaft ausschließt (R 124 E 419), besonders die geschlechtliche Unsittlichkeit der hellenist. Welt (2K 1221 G 519 E 53 ff). Ferner bezeichnet »Üppigkeit, Schwelgerei« (aselgeia) mehrfach die geschlechtliche Ausschweifung (R 1313 2K 1221 G 519 2P 22.18). Vor allem umschreibt »U.« (porneia) von Anfang an die geschlechtliche U. aller Art (Mt 532 199 R 118 ff 1K 51 69 Off 214.20 f). Betont Paulus die Unvereinbarkeit von U. und Gottesherrschaft, so kennzeichnet Johannes mit U. die irdische Weltmacht als Mittelpunkt des Heidentums (Off 171–192).
[Handwörterbuch: Unzucht. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7306-7
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2059-2060)

 
 

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