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Auf diesen Seiten findest du, alphabetisch sortiert, Erläuterungen zu biblisch-historischen Fachbegriffen.
   
   
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Stichwort

Bibeltext

Erklärung
Tag d. Herrn
Tagewähler Talmud
Tanz
Taube
Taufe
Tempel-
reinigung

Testament Thomas
Thron
Tiefe
Tod
Todesschatten

Todesstrafe
Toleranz
Tor, Narr
Tor, Pforte
Trauer
Traum
Trost

Trunkenheit
Tugend

Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen. Feiert ihn als Fest zur Ehre des Herrn! Für die kommenden Generationen macht euch diese Feier zur festen Regel!

 

Jes 58,13
13 Wenn du am Sabbat nicht aus dem Haus gehst /
und an meinem heiligen Tag keine Geschäfte machst, wenn du den Sabbat (den Tag der) Wonne nennst, /
einen Ehrentag den heiligen Tag des Herrn, wenn du ihn ehrst, indem du keine Gänge machst, /
keine Geschäfte betreibst und keine Verhandlungen führst,

Mt7,21-22
Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt.

22 Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, sind wir nicht in deinem Namen als Propheten aufgetreten und haben wir nicht mit deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mit deinem Namen viele Wunder vollbracht?

23 Dann werde ich ihnen antworten: Ich kenne euch nicht. Weg von mir, ihr Übertreter des Gesetzes!

 

Mk13,24-27
Aber in jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern und der Mond wird nicht mehr scheinen;

25 die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
26 Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen.

27 Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.



Mt24,43-44
Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht.

44 Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.


1.Kor1,8
Er wird euch auch festigen bis ans Ende, sodass ihr schuldlos dasteht am Tag Jesu, unseres Herrn.


2Thess 2,1.8

Lasst euch nicht so schnell aus der Fassung bringen und in Schrecken jagen, wenn in einem prophetischen Wort oder einer Rede oder in einem Brief, der angeblich von uns stammt, behauptet wird, der Tag des Herrn sei schon da.

Ex 12,14

Tag des Herrn
(hebr. jom jahwe »der Tag Jahwes«

AT
Der Ausdruck »Tag Jahwes« findet sich im AT trotz seiner theologischen Bedeutung nur selten expressis verbis (16 mal nach G.v. Rad), und zwar allein in prophetischen Abschnitten. Man bringt aber die Formel auch in Zusammenhang mit häufig vorkommenden Ausdrücken wie »an jenem Tag« (45 mal in Js; 17mal in Sach 12–14) oder »es werden Tage kommen«, »in jenen Tagen«, »zu jener Zeit« (häufig von Jr verwendet) oder sogar »am Ende der Tage« (Js 22 Jr 2320 etc.).


Der Tag Jahwes bestätigt, daß der Gott Israels in einem erbarmungslosen Kampf über alle seine Feinde triumphiert. Der Krieg, den Jahwe führt, ist mit seinen verschiedenen Elementen (Kriegsgeschrei, Dunkelheit, Erdbeben, Panik etc.) nichts anderes als der »heilige Krieg«. –

Im NT

NT heméra kyríou, »T.d.H.«), Begriff der Prophetie und Eschatologie.
hat der T.d.H. infolge der Entwicklung der jüd. Apokalyptik (2) eine zeitlich präzisere Bedeutung. – a) Er bezeichnet das Ende dieses Äons, den Beginn einer neuen Ära. Er ist »der jüngste Tag« und wird vom Weltgericht begleitet.

Jesus spricht von »jenem Tag« (Mt 722 L 1012; vgl. auch Mt 2419 u.ö.), den Gott allein kennt (Mk 1332); er kommt wie ein Dieb (Mt 2442 f; vgl. auch 1Th 52 2P 310)

Der T.d.H. wurde so für Paulus nichts anderes als der Tag der Offenbarung Christi (1K 18 Ph 16–10 216 1Th 413 ff); die Geschichte vollendet sich in einer Christophanie (2Th 21.8 2P 34). Der Tag Jahwes oder der T.d.H., so wie ihn Traditionen des AT und des Judentums überliefert hatten, konkretisierte sich zum Tag
[Handwörterbuch: Tag des Herrn. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6834
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1926)

pfeilTage-   wähler Site in Bearbeitung  

Tagewähler

(so Luther für hebr. 'onen »Wahrsagerei treiben«,

Ges-B, 606).

Im AT Wahrsager, die (aus der Art der Wolkenbildung?; hebr. 'anan »Wolke«) die Zukunft erkennen wollten (Dt 1810.14 2Ch 336 Js 26 573 Jr 279), was in Israel als verboten galt.

Im NT

(wo Luther das Wort jedoch nicht hat) wird eine andere Art T. abgelehnt, die im Sinne der jüd. Observanzen heilige und profane Tage ängstlich unterschied (R 145 G 410 Kol 216).


[Handwörterbuch: Tagewähler. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6842
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1927)

pfeilTalmud    

Talmud

(hebr. talmud »Lehre«, »Studium«), Sammelname für Mischna (hebr. mischna »Unterricht«) und Gemara (aram. g·mara' »Vervollständigung«). Jene ist das traditionelle jüd. Religionsgesetz, ca. 200 nChr in Tiberias zusammengestellt. Diese ist die hauptsächlich in aram. Sprache vorliegende Sammlung der Diskussionen der »Amoräer« genannten Schriftgelehrten der Zeit zwischen ca. 200–500 über das in der Mischna kodifizierte Religionsgesetz. Inhaltlich umfaßt der T. Halacha, d.h. das Religionsgesetz, und die sich daran anschließenden Diskussionen, und Haggada, d.h. alle nichthalachische Schriftauslegung. Entsprechend den zwei Zentren der Amoräer: Palästina und Babylonien, unterscheidet man zwischen palästin. (jerusalemischem) T. (Tj), abgeschlossen ca. 400 nChr, und babylon. T. (Tb), abgeschlossen vor oder nach 500 nChr. Die beiden T.e bieten Gemara nicht zu sämtlichen 63 Traktaten der Mischna: Tj zu 39; Tb zu 361/2. Jedoch ist der Tb infolge längerer Diskussionen weit umfangreicher als der Tj und hat – entsprechend der Bedeutung der jüd. Schriftgelehrsamkeit in Babylonien – im Gesamtbereich des Judentums auch weit höhere Geltung erlangt. Zusätzlich enthält er außerkanonische Traktate (zB Abot de Rabbi Natan). Beide T.e sind auf Grund ihres enzyklopädischen Charakters nicht nur für das Judentum, sondern darüber hinaus auch für die gesamte spätantike Kultur- und Religionsgeschichte bedeutsam.
[Handwörterbuch: Talmud. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6851-2
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1929)

pfeilTanz    

Tanz

(hebr. mahol, m·hola, als Verb: hul, m·karker »herumwirbeln«, psh, rqd, shq, gr. orchéomai), durch Musik und Gesang begleitete rhythmische Bewegung.

In der bibl. Umgebung waren die Hauptformen Prozessions-T., Reigen-T. (um ein Kultgerät) und Solo-T. (ANEP, 200.208–10.679).

Im AT ist der Tanz vor allem Ausdruck der Feier und Freude.

a)

Gott wird gelobt mit Musik und T. (Ps 877 1493 1504), er verwandelt »die Klage in Reigen« (Ps 3012). Die heimkehrenden Krieger wurden von spielenden und singenden Frauenprozessionen empfangen (Ex 1520 Ri 1134 1Sm 186 f). Festreigen der Jungfrauen im Weinberg mit Brautraub waren bekannt (Ri 2119–23). Der sogenannnte »Lager-T.« (m·holat hammahanajim) der Sulamith (Hl 71, Luther »Reigen zu Mahanaim«) wird entweder als Schwerter-T. oder Reigen-T. der Braut gedeutet (Ges- B, 415).

b)

Die suggestiv-magische Kraft des T.es, mit der man sich selbst zu lösen und übermenschlichen Erlebens teilhaftig zu werden (Ekstase, Derwisch-T., Dionysos-Kult, Attismysterien) oder auf Umwelt, Natur und göttlichen Willen einwirken zu können meinte (mimischer T., Kriegs-, Jagd-, Ernte-, Liebes- und Toten-T.), indem man den gewünschten Vorgang tänzerisch darstellte, ist im AT nur an wenigen Stellen erkennbar. Das »Hinken« der Baalspropheten (1Kg 1826, ironisch) ist möglicherweise die genaue Beschreibung eines Kultt.es.

c) Davids sakraler T. vor der Lade (2Sm 614) zeigt die Beziehung zwischen Kult und T. in Israel. Diese Art des T.es wird bei David leicht getadelt (2Sm 614.20 ff); sie wird direkt verworfen, wo sie mit Götzendienst verbunden ist (Ex 326.19).

Im NT wird Tanz als bekannte Erscheinung erwähnt, wenn auch nicht von der Gemeinde erwartet. Jesus verglich die Stimmung im Lande bei der Predigt des Johannes mit dem Ärger von Kindern, deren Flötenspiel nicht mit T. gefolgt wird (Mt 1117 p). Salome tanzte am Geburtstagsfest des Antipas (146 p). Israels sorgloser T. (»scherzen«) in der Wüste war ein Götzendienst (1K 107). Eine gnostische Apostelgeschichte läßt Jesus und die Jünger das Loblied nach dem Abendmahl während eines Reigens singen (Act Jo 941–971).
[Handwörterbuch: Tanz. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6862-3
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1932)

pfeilTaube    

Taube

(hebr. jona, tor, gr. peristerá), ein dem Menschen der bibl. Welt sehr vertrauter Vogel.

In Palästina sind verschiedene Arten bezeugt.

a)

Die Bibel erwähnt die T. sowohl als Wildvogel (u.a. Columba livia, Felsen-T. Jr 4828), wie als Hausvogel (Js 608). – b) Sie wurde kultisch als reiner Vogel betrachtet und teils als selbständiges, teils als Mitopfer gebraucht (Gn 159 Lv 114 usw.). Den Armen war es gestattet, zwei T.n an Stelle eines größeren Tieres zu opfern (Lv 57 128 L 224). Um den Bedarf an Opfertieren zu decken, waren T.nhändler immer am Tempelplatz zugegen (Mt 2112 p).

Die Taube wird oft in bildlicher Rede erwähnt: ihr Gurren (JS 3814 5911), ihre Augen (Hl 115 41), ihr Gefieder (Ps 6814). Sie gilt als unverständig (Hos 711), aber auch als sanft (Mt 1016). In bekannten Erzählungen spielt die T. eine Rolle, indem sie die aus der Sintflut aufsteigende Welt ankündigt (Gn 88–12) und den bei der Taufe auf Jesus kommenden Geist versinnbildlicht (Mt 316 p J 132). Letzteres hängt mit der allgemein verbreiteten Vorstellung vom Seelenvogel zusammen. Die »Seele außerhalb« wurde mit verschiedenen Tieren verbunden, am häufigsten mit einem Vogel (vgl. Abb. Sp. 1057 f), zB in Ägypten, wo Ba als Vogel auftritt, in Griechenland, wo die freien Seelen als Vögel dargestellt werden, und in der Mystik, wo man sich die Seele als einen gefangenen Vogel vorstellt.
[Handwörterbuch: Taube. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6871-2
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1934)

pfeilTaufe    

Taufe

(gr. báptisma, als Verb baptízo »untertauchen«; got. bei Ulfila dampjan, daher »taufen«), in der Urchristenheit eine am Anfang des Christseins stehende, einmalige, durch Untertauchen im Wasser oder durch Besprengung vollzogene, sakramentale Handlung.

Terminologisch wird im NT »T.« (báptisma) von »Waschung« (baptismos) unterschieden. So hebt das neue Wort die T. als Besonderes hervor. Ebenso wird die Bezeichnung »Täufer« (baptistes) für Johannes so gebraucht, daß dadurch das Besondere seines Auftretens gekennzeichnet wird. In vielen weiteren Wörtern wird im NT wahrscheinlich auf die T. angespielt, so in »Bad der Wiedergeburt« (Tt 35), »versiegeln« (2K 122), »abwaschen« (1K 611) u.a.

Der eventuelle Einfluß der Umwelt auf die Entstehung und weitere Entwicklung der ntl. T. kann nur so gedacht werden, daß (a) im palästin.-syr. Raum die Entstehung der T. dadurch mit zu erklären ist, (b) daß bei der Ausbreitung der Gemeinde nach Kleinasien und Griechenland die T. im Sinne hellenist. Kulte gedeutet worden sein kann. – a) Das Judentum kannte Waschungen, deren Ziel die Herstellung der kultischen Reinheit war. In der Essener-Sekte ( Qumran) wird das Bemühen um die kultische Reinheit gesteigert und auch der Reinigung von den Sünden durch den Geist eine große Bedeutung zugeschrieben (1QS III, 6). Von hier können Einflüsse ausgegangen sein, doch findet sich in Qumran keine der T. analoge Handlung als Initiationsritus. Umstritten ist die Frage, ob die sicher seit 80 nChr nachweisbare jüd. Proselyten-T. die Entstehung der T. beeinflußt hat (Mischna-Traktat Gerim »Fremde«). Sie war eine einmalige Handlung, durch die man in das Gottesvolk aufgenommen wurde. Dies aber wurde vorwiegend als Rechtsakt angesehen. Wieweit Frühformen der Mandäer in Palästina eine Bedeutung gehabt haben, ist weiterhin umstritten. – b) Einfluß der hellenist. Mysterienreligionen ist bei der vorpaulinischen T.lehre der hellenist. Gemeinden und bei Paulus vermutet worden. Insbesondere wurde in der religionsgeschichtlichen Schule das paulinische T.verständnis als Mitbegrabenwerden mit Christus (R 63) aus dem angeblich weitverbreiteten Glauben an sterbende und auferstehende Götter erklärt. Ebenso wurde die Deutung der T. als Anziehen des Christus (G 327) aus der Gewandsymbolik des Vergottungsaktes in diesen Kulten erklärt. Diese Mysterien haben aber nie eine einheitliche Anschauung gehabt und meist nur den Glauben an sterbende Götter (Adonis, Attis, Osiris) vertreten (3e). Ihr Einfluß ist daher durchaus fraglich.
– 3. Für die Herkunft der ntl. T. ist eher von drei festen Punkten auszugehen: a) der T. Johannes des Täufers, b) der T. Jesu, c) der frühen Übung der T. in der Urgemeinde. – a) Nach den Berichten der Evv war die von Johannes geforderte T. Ausdruck der Umkehr der Getauften (Mk 14 L 33 Mt 36). Sie vermittelte die Vergebung der Sünden und sicherte vor dem kommenden Zorne Gottes (Mt 37 L 37). Sie war also eschatologisches Sakrament und nicht nur sinnbildlicher Ausdruck der Bußgesinnung. – b) Die Berichte über die T. Jesu dürften einen historischen Kern enthalten (anders Bultmann: »Kultlegende«). Schon Mt zeigt, daß man in dem Bericht eine Schwierigkeit gesehen hat (Mt 314 f). Die T. Jesu erklärt am ehesten das frühe Aufkommen der T. in der Urgemeinde. In der alten Kirche ist die T. Jesu überall als Begründung der kirchl. T. verstanden worden. Nach den Evv empfing Jesus bei der T. den Geist (Mk 110 p J 132 334). Dadurch unterschied er sich vom Täufer (Mk 18p). – c) Die T. scheint von den ersten Anfängen in der Urgemeinde geübt worden zu sein, jedenfalls ist eine Zeit ohne T. nicht nachweisbar. Dem entspricht die Mt-Überlieferung, nach der die Einsetzung der T. durch eine Weisung des Auferstandenen geschieht (Mt 2819, auch Mk 1616).-

NT

So hat die T. auf den Namen Jesu ein hohes Maß an Selbständigkeit, und ihre Eigenart ist eher aus der Beziehung auf Jesus Christus als aus Umwelteinflüssen verständlich zu machen. Ihre Kennzeichen sind:

a)

Sie wird auf den Namen Jesu vollzogen (Apg 238 u.ö.). Die T. mit der triadischen Formel (Mt 2819) ist zeitlich später anzusetzen. In der Urchristenheit kommt aber dem Denken in der Dimension des Namens große Bedeutung zu: im Namen erschließt sich der Genannte, er ist mit seiner Kraft zugegen.

b)

Wie die Johannes-T. gibt die christl. T. die Vergebung der Sünden (Apg 238 u.ö.).

c)

T. und Empfang des Geistes sind einander zugeordnet, aber in verschiedener Weise: der frei wirkende Geist kann vor der T. Menschen erfassen (Apg 10 u. 111 J 57), so vielleicht die palästin. Auffassung. Oder die T. vermittelt den Geist (Apg 191 ff 1K 1213 u.ö.).- d) T. und Glauben sind aufeinander bezogen: Glaubende werden getauft (Mk 1616), aber Gott handelt in der T. durch Jesu Tod und Auferstehung, nicht der Glaubende (R 65 1K 611 2K 122 Tt 35 ff 1P 12 321). e)

Paulus schildert die Beziehung zwischen T. und Christus besonders deutlich: die T. stellt die Menschen einheitlich in den Leib Christi (1K 1213) und verbindet mit Tod und Auferstehung Jesu (R 63 f), ebenso stellt die T. in das Volk Gottes (typologisch in 1K 102), die eine Gemeinde (G 327 f E 45). – f) Auch der berufene Ministrant gehört zur christl. T., denn man tauft sich nicht selbst (Mt 2819). Er hat aber keine grundlegende Bedeutung, da der Name Jesu entscheidend ist (1K 113 ff).
[Handwörterbuch: Taufe. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6874-8
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1934-7)


pfeilTempel-

reinigung

    Tempelreinigung

Im Judentum kam sie neben einem Tempelweihfest unter Makkabäus vor (1Mkk 436–51. 52–59). Kritik am Kultus war im Judentum weitverbreitet (TestLev 14–16 PsSal 18 23 812. 13. 26 AssMos 51–61 1Hen 8973 f 1QHab 88–13 127–9 CD 611 78–18 812 97).

NT

Für das älteste Christentum ging es bei der T. Jesu um mehr als einen Akt reformatorischen Eifers: Reinigung des Kultes (vgl. PsSal 1730 f 1Hen 9028 f Off 212–5) war ein Zeichen messianischer Autorität, das eschatologische Heiligtum der neuen Zeit vorwegnehmend (TestBenj 92 1Hen 1021 485 9033).
a)

Nach der Darstellung der Synoptiker stellte Jesu Herausforderung der Tempelbehörden durch die T. den Wendepunkt in der Passionsgeschichte dar, der sein Schicksal besiegelte (Mk 1115–19 Mt 2112–17 L 1945–48). Empört über die Profanierung des Tempels – man benutzte den Tempelvorhof als Straße (Mk 1116), als Verkaufszentrum für Opfertiere und als Eintauschstelle ausländischen Geldes gegen jüd. und phönizische Währung –, jagte Jesus die Käufer und Verkäufer davon. –

b)

Das Johannesev. mag von dogmatischen Absichten beeinflußt sein, wenn es den Bericht über die T. an den Anfang der Wirksamkeit Jesu stellt (J 213–25). Doch liegt wohl eine authentische Äußerung hinter dem (in J 219 erhaltenen) Logion, die vielleicht die wirkliche Grundlage für das Zustandekommen der Koalition gegen Jesus bildete (vgl. Mk 132 1458 Mt 126 2328 Apg 748–50 2K 51 kopt. Thom.ev., log.71).
[Handwörterbuch: Tempelreinigung. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6916-7
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1949-50)

pfeilTestament    

Testament

(so Luther mehrmals für gr. diatheke »Verfügung«, »Anordnung«, lat. testamentum »Bestätigung«), ein auf verschiedenen gr. und lat. Begriffen beruhendes Lehnwort. Bibl. hat es im theologischen, juristischen und literarischen Zusammenhang recht verschiedene Bedeutungen.

Theologisch stand es in Vulg. für Bund (hebr. b·rit, gr. diatheke).

a)

So blieb es in Luthers NT 22mal (Mt 2628-H 1320). In seiner später entstandenen Übersetzung des AT.s lautet der Ausdruck »Bund« (auch in L 172 Apg 325 78 R 94). b)

Paulus spricht von der synagogalen Verlesung »des Alten Bundes« (T.s) im Sinne von »der Schriften des Alten Bundes« (2K 314). Daher wurden diese Schriften allmählich »das AT« genannt. Später entstand der analoge Ausdruck »das NT« (Tertullian u.a.).

Juristisch ist Testament ein Vermächtnis (hebr. kein Wort dafür, Erbe; gr. diatheke im alternativen, lat. testamentum im geläufigen Sinne »Vermächtnis«). Es geht um die Urkunde, in der sich der letzte Wille eines Menschen ausdrückt, der seinen Tod voraussieht. Von den 33 Vorkommen im NT haben 3 diesen Sinn (G315 H 916 f). Offenbar ist das Wort dabei, auch im Hinblick auf das Abendmahl (Mt 2628 p), dem gewöhnlichen bibl. Sinn »Bund« (1) angenähert, weil der Kontext vom neuen Bund handelt (G 317 H 915).

Literarisch bezeichnet Testament eine atl., jüd. und ntl. Formgattung mit folgendem Grundmotiv: vor seinem Tod läßt ein Gottesmann die Seinigen eine Abschiedsrede mit Mahnungen und Warnungen hören. – a) Vorläufer dieser Formgattung finden sich im AT (der Jakobssegen Gn 491–28; das Buch Dt, s. besonders 422 3114).

b)

Die T.e waren im Judentum, vor allem in essenischen oder von den Essenern beeinflußten Kreisen, eine sehr geschätzte Literaturgattung. Abschnitte der sogenannten Pseudepigraphen sind von diesem Typ (Jub 465 f 2Hen 108). Als selbständige Schriften besitzen wir T.e Adams (Rießler, 1084 ff), Abrahams, Isaaks, Jakobs (Rießler, 1133 ff) Salomos und vor allem die T.e der zwölf Patriarchen. Alle diese vereinen in einem stereotypen Rahmen Elemente verschiedenen Ursprungs: haggadische, paränetische, apokalyptische. Die eigentlichen Verfasser wußten, welchen Vorteil ihre Werke aus einer großen Gestalt der Vergangenheit ziehen konnten. Aber ohne Zweifel glaubte man auch im allgemeinen, daß den Sterbenden besondere Offenbarungen zuteil werden. Es ist daher nicht ausgeschlossen, daß prophetische, apokalyptische oder mystische Kreise die letzten Orakel verehrter Gestalten der Vergangenheit mündlich und schriftlich bewahrt haben. –

c)

Formgeschichtlich scheint diese Literaturgattung auf gewisse Partien des NT.s eingewirkt zu haben. Das läßt sich bei vier Fällen vermuten: in der johanneischen Abschiedsrede Jesu

(J 131–1726); in der lukanischen Abschiedsrede des Paulus (Apg 2017–35); in den Abschiedsreden des Paulus und Petrus (2T besonders 46 ff 2P besonders 114).


[Handwörterbuch: Testament. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6932-4
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1953-5)

pfeilThomas    

Thomas

(gr. Thomâs, Kurzform von t·'ama »Zwilling«, Bl-Debr, 52, 2d; 152, 2; J 1116 212 mit gr. Didymos »Zwilling« übersetzt), Jünger Jesu aus dem Kreis der Zwölf (Mt 103 p Apg 113).

Die synoptischen Evangelien und die Apg erwähnen nur den Namen. J schildert T. als Typ des von Zweifeln angefochtenen und nach Anschauung verlangenden Jüngers (J 1116 145 2024–29). Er wurde aber zum klarsten und tiefsten Bekenntnis des Jüngerkreises erlöst (2028) und zusammen mit einer kleinen Jüngergruppe der Erscheinung des Auferstandenen in Galiläa gewürdigt (212).

Spätere Tradition wiesen Thomas Parthien oder Indien als Missionsgebiete zu und berichteten von seinem Tod in Edessa. Ihm wurden die T.akten, die T.apokalypse und zwei T.evangelien zugeschrieben.


[Handwörterbuch: Thomas. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7011
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1974)

pfeilThron    

Thron

(hebr. kisse', entsprechend assyr. kussu gr. thrónos), ein Stuhl oder Hocker (2Kg 410), besonders als Sitz des Priesters (1Sm 19.13.18), des Richters (Spr 208), des Statthalters (Neh 37), als T. des Königs (Gn 4140 Ex 115).

Archäologisch lassen sich folgende Haupttypen unterscheiden:

1)

der hockerartige T.,

a) würfelförmig (Taf. 5b), oft auf Rollsiegeln ( Baum Abb. 3),

b)

mit 4 Beinen (Taf. 5a),

c)

mit Stierprotomen an den Sitzflächen (Abb. Schreiber), d)

mit thereomorphen Füßen (AOB, 187), e) als Klapphocker mit überkreuzten Beinen (AOB, 457).

2)

Der stuhl- oder sesselartige Thron.,

a)

in Ägypten beheimatet ohne Armlehnen mit kurzer Rückenlehne, über die ein Teppich gebreitet war (Abb. Anath, Isis, Joseph),

b)

mit Rückenlehne und theriomorphen Beinen, ebenfalls äg. (Abb. El, Holz); c)

aus Assyrien stammend, mit hoher Rückenlehne, Querleisten, ohne ( Opfer Abb. 1) oder mit Armlehnen ( Babylonien Abb. 4, Sanherib; vgl. ANEP, Taf. 42a, 538, 463 [Persien], 631. 632 [hethit.], AOB, 457 [phöniz.], d) derselbe mit Löwenprotomen an den Sitzflächen, mit Löwendarstellungen neben den Sitzflächen (ANEP, 515, Gudea), neben den Lehnen (AOB, 85, Haremheb) oder als Thronträger (AOB, 84); e) im syr.-phöniz. Raum mit Flügelsphinxen an den Seiten (Abb. Kanaaniter, Taf. 52c). Zum T. gehört zumeist der Schemel. –

Der Thron Salomos, aus Elfenbein und Gold, stand auf 6 Stufen, die, wie die Armlehnen, von Löwen flankiert waren (1Kg 1018–20; Parallelen zu den Löwen an den Stufen: AOB, 84, an den Armlehnen: AOB, 85).

Theologisch ist Thron Inbegriff der Königsherrschaft (2Sm 310). – a)

Im AT, u.a. in der Nathanweissagung, wird dem T. Davids ewiger Bestand zugesagt (2Sm 716, s. auch Ps 13211 f 895. 30. 37 JS 97 Jr 3317). Zu der aus dem kanaan. Bereich übernommenen Königsprädikation Jahwes gehört die Vorstellung vom T. Jahwes T. ist im Himmel (Ps 114 10319) oder der Himmel (Js 661). In der prophetischen Vision erscheint Jahwe auf seinem T., umgeben von seinem himmlischen Hofstaat (1Kg 2219 Js 61 Ez 126 101). Jr 317 ff belegt die (sekundäre) Vorstellung von der Lade als T. Jahwes. – b) In der Apokalyptik sitzt »der Hochbetagte« (Dn 79 ff), der Menschensohn (1Hen 453 513 554 ff) als Weltenrichter auf dem Thron.

NT

Das gilt im NT für Christus (Mt 2531 Off 2011 ff). Vor dem T. Gottes erfolgt die Proskynese der himmlischen Wesen (Off 45). »Der T. Gottes und des Lammes« ist Quellort des Heils (Off 221) und Zentrum der künftigen Gottesstadt (223).

[Handwörterbuch: Thron. Biblisch-historisches Handwörterbuch,

S. 7018-20
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1976)

pfeilTiefe    

Tiefe

(hebr. t·hom [vgl. Tiamat], m·sula, sula, ma'amaqqim, gr. báthos, ábyssos).

Im AT bezeichnet Tiefe an den meisten Stellen das große Weltmeer, auf dem die Erde ruht und von dem sie Wasser empfängt (etwa Gn 82 P). Es kann sich auch um das Chaos, das Urmeer handeln (Gn 12 P Ps 337 1046). Daneben dient der Ausdruck zur Bezeichnung der T. des Meeres (Ps 1356, auch des Schilfmeeres Ps 1069 Neh 911), der Erde (Ps 7120) oder jeder großen Wassermenge (Ez 2619). In übertragener Bedeutung steht T. in Klagepsalmen zur Umschreibung der Bedrängnis (Ps 6916 u. dgl.).

Im NT

ist Tiefe Ausdruck für die Unterwelt (L 831 R 107; vgl. Ps 887) oder eine der drei Dimensionen (R 839 E 318), im übertragenen Sinn wie im Judentum für die Unergründlichkeit des menschlichen Herzens (Jdt 814 LXX), für die Verborgenheit des göttlichen Handelns (R 1133 1K 210) und die Geheimnisse des satanischen Wesens (Off 224).
[Handwörterbuch: Tiefe. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7044
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1984)

pfeilTod    

Tod

(hebr. mawet, gr. thánatos), bei allen Völkern als kompliziertes Phänomen aufgefaßt, das verschiedene, sich auch widersprechende Reaktionen hervorruft.

Für das AT bedeutet der Tod nicht (wie im Platonismus) die Trennung von Seele (immateriell) und Körper (materiell), sondern den Verlust der Lebenskraft, des Lebenshauchs, den Gott dem Menschen für eine Zeit verliehen hat (Gn 27 1Kg 1717 Hi 3414 Ps 10429 ff).

a)

Der Verstorbene ist zu einer unbeständigen Existenz im Todesreich verdammt (hebr. sch·'ol), einem Reich der Schatten (Ps 4915 Js 149), das an den Arallu der Babylonier und an den Hades der Griechen erinnert.

b)

Der T. gehört zum Geschick der Menschheit; denn die Unsterblichkeit ist eine versäumte Gelegenheit (Gn 217 33.22; vgl. die babylon. Mythen von Gilgamesch und Adapa). Der Mensch kehrt zur Erde zurück, von wo er genommen ist (319); das ist unabänderlich (Ps 1464 Prd 121–7). Der T. erscheint auch im Blick auf das Volk als normale Tatsache: wenn nämlich ein Israelite stirbt, existiert sein Volk doch weiter, und der Tote bleibt durch Vorfahren, Familiengrab und Nachkommen mit Israel in Verbindung (Gn 1515 5013 Jos 2432). Der Anstoß beginnt aber bei einem vorzeitigen T. (Js 3810 Ps 10224 f), beim Fehlen der Begräbnisfeierlichkeiten (Js 1419 Jr 161 ff), dem Aussterben einer Familie (Jr 2230 Am 810 2Sm 147 Ps 10913 f). Was das Schicksal der Toten noch verschlimmert, ist, daß der T. einen Bruch bedeutet, der jede Verbindung unmöglich macht. Er trennt grausam den Frommen von seinen Nächsten und von seinem Gott (Ps 66 889. 13. 19 Js 3818); er verdammt ihn zur Einsamkeit, zum Vergessenwerden (Ps 886); der Tote ist der Verschwundene und Vergessene (Ps 3113). In solchen Zusammenhängen erscheint der T. wie eine Strafe, eine Katastrophe, die den Sinn jeder menschlichen Existenz hienieden in Frage stellt, und im besonderen den Wert jeder Verbindung mit Gott (Ps 887.11 ff Hi 1713–16 2126).

c)

Das Problem ist um so schärfer, als der T. als dynamische Macht erscheint, als unersättliches Ungeheuer (1Sm 514 Spr 2710 3016), als Macht, die sich mit dem Urchaos verbindet (Jon 26 f Ps 693) und die eine ständige Bedrohung für die Frommen bedeutet (Kl 120). Gewisse Texte personifizieren den T. (Ps 4911 Hos 1314), der jedoch niemals eine Gottheit ist wie in anderen Überlieferungen, sondern eine relative Autonomie zu genießen scheint.

d)

Indessen besteht kein Zweifel über die Überlegenheit Gottes über den T. (Am 92 Js 711 2619 Hi 266), und eine Bemerkung des AT sieht dessen Vernichtung voraus (Js 258).

Judentum

Die Einstellung gegenüber dem T.e war im Judentum auch von den verschiedenen politischen Verhältnissen beeinflußt. –

a)

In der friedlichen Perserzeit scheint der T. kein theologisches Problem gewesen zu sein. Was sterben wollte, sollte einfach sterben (Sach 119). Damals oder in der Ptolemäerzeit trat sogar eine programmatische Skepsis auf (Prd 111 216 32.19 f 64 71 f 95). –

b)

Die kämpferische Makkabäerzeit führte zur Heroisierung des T.es der Helden (1Mkk 159 1327) und Märtyrer (2Mkk 618–742 1437–46), auch zur Entwicklung der Auferstehungserwartung (Dn 122 f 2Mkk 79.14). –

c)

Apokalyptiker vertieften sich dann in die Geheimnisse des Totenreichs und in das Schicksal der Guten und Bösen (1Hen 171–275 4Esr 846–62). Jüd.-hellenist. Weisheitslehrer schrieben den Gerechten einen unsterblichen Namen (Sir 156 3913 4115 f) oder eine unsterbliche Seele zu (Wsh 223 31 47.14 516). Die pharisäischen Schriftgelehrten hielten an der Auferstehungserwartung fest (Apg 238 Jos. Bell. II, 163; Ant. XVIII, 14; Pirq. ab. II, 8).

NT

Die Lehre des NT setzt die Gegebenheiten des AT und des Judentums voraus. –

a)

Sterben bedeutet den Atem aufgeben (Mt 2750 L 2346); der T. ist der Sünde Sold (R 512 ff 1K 1521); er bestätigt und verewigt den Bruch des Menschen mit Gott. Das NT besteht auf dem geistigen Aspekt des T.es, der Entfernung von Gott als der Folge des Unglaubens und der Sünde (J 524 1J 314 R 710 86 Jk 115), auch dem zweiten T. (Off 211 206.14 218).

b)

Mit einer Gruppe des zeitgenössischen Judentums scheint Jesus das Vorhandensein mehrerer Bereiche in der Totenwelt vorauszusetzen (L 1622 ff 2343).

c)

Er verkündigt vor allem die Auferstehung der Toten (Mk 1218–27). –

d)

Die Besonderheit des NT ist aber die Verkündigung, daß die Macht des T.es gebrochen ist. Die Auferstehung ist schon, wenn auch erst teilweise, dennoch in endgültiger Form eine Tatsache. Ostern legt den Grund für den Anbruch einer messianischen Zeit (Apg 224 und 1330 1K 154). Christus hat den T. besiegt (242 J 201 2T 110), aber er war vorher völlig seiner Macht ausgeliefert und hat an unserer Statt (Mk 1045 1424 R 56 f) die Schrecken des Verlassenseins von Gott und den Menschen kennengelernt (Ps 222 Mt 2656 2746 p). Durch sein Leiden hat Jesus ein für allemal den Bruch, die Einsamkeit und das Nichts auf sich genommen, die den T., soweit er der Sünde Sold ist, charakterisieren; nichts kann von nun an diejenigen vom lebendigen Gott trennen, die sein Versöhnungswerk annehmen (R 839 2K 515). – e)

Die Jünger Christi, durch Glaube und Taufe in sein Leiden und Auferstehen hineingenommen, sind schon vom T. ins Leben hindurchgeschritten (J 524 851 1J 314); sie haben im Geist das Unterpfand der zukünftigen Welt erhalten, zu der sie von nun an gehören (R 823). Gewiß, es bleibt ihnen, dem T., dem letzten Feind, die Stirn zu bieten (1K 1526), aber sie betrachten ihn als feindliche Macht, dessen Tage gezählt sind (Off 118 2014); sie wissen, daß ihre irdische Existenz aufhören kann, ohne daß ihre Verbindung mit Christus unterbrochen wird (Ph 123 2K 58), da sie im T. wie im Leben vom gleichen Herrn abhängen (R 148). In der Erwartung der Auferstehung leben sie befreit von der Furcht des T.es (H 214 1K 1557 f).
[Handwörterbuch: Tod. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7095-7100
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1999-2001)

pfeilTodes-schatten    

Todesschatten

(gr. skià thanátou, volksetymologisch für hebr. salmawet »tiefer Schatten«), Begriff der LXX und des NT.s.

AT
Der zugrunde liegende hebr. Ausdruck bezeichnet eine tiefe Finsternis (Ps 234 4420 10710 Hi 35 usw.). Da aber Finsternis oft mit der Totenwelt verknüpft wurde (Ps 8813 Hi 1818 u.a.), lag eine volksetymologische Zerlegung des hebr. Wortes auf »Schatten« (hebr. sel) und »Tod« (mawet) nahe.

NT

So ergab sich der gr. Ausdruck für eine Jesaja- Prophetie (Js 91), die Matthäus in einem Sammelbericht ausführlich und Lukas im Benedictus kürzer zitieren (Mt 416 L 179). Dadurch wurde die verzweifelte Lage der Menschen unterstrichen.
[Handwörterbuch: Todesschatten. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7101
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2001-2002)

pfeilTodesstrafe     Todesstrafen

Das altoriental. Recht kennt die Todesstrafe in ausgedehntem Maße. So ist sie im Codex Hammurapi für über 30 Fälle vorgesehen: Menschendiebstahl, besondere Fälle von sonstigem Diebstahl, Hehlerei und Unterschlagung, falsche Anschuldigung, Blutschande, Ehebruch der Frau, Notzucht, Hochverrat, Nachlässigkeit im Hausbau und Einsturz mit Todesfolge usw. Noch strenger scheint hierin das assyr. Recht gewesen zu sein. Vollzogen wurde die Todesstrafe bei den Babyloniern vor allem durch Ertränken, bei den Assyrern durch Pfählen; zu diesen Todesarten kamen Verbrennen (zB bei ungehörigem Benehmen einer Priesterin), Erhängen und Zutodeschleifen. Milder waren dagegen das sumerische und das hethitische Recht; das letztere suchte vor allem die Entschädigung des Betroffenen sicherzustellen.

Das Israelit. Recht umfaßt verschiedene Bestimmungen. a)

Die folgenden Verbrechen werden ausdrücklich mit dem Tode bestraft:

1. Religiöse Vergehen: Zauberei (Ex 2217), Anstiftung zu fremdem Gottesdienst (Dt 13), fremder Gottesdienst (Ex 2214 Dt 172–7), Verfluchung des »Namens« (Jahwes; Lv 2414), Ungehorsam gegen die Priester und den »Richter Israels« (Dt 178–13), Kinderopfer (für Moloch: Lv 202), vermutlich auch Befragung der Totengeister (Lv 206), nach P Sabbatschändung (Nm 1535 f).

2. Sexualdelikte:

Umgang mit einem Tier (Ex 2218 Lv 2015 f); Ehebruch des Mannes (Lv 2010) und der Frau (Lv 2010); Umgang bzw. Ehe mit der Stiefmutter (beide Partner getötet: Lv 2011), mit der Schwiegertochter (Lv 2012), mit der Frau des Onkels (Lv 2020), mit der Schwägerin (Lv 2021), mit einer Menstruierenden (Lv 2018; es werden immer beide Partner getötet); Ehe mit der Tochter und ihrer Mutter (alle drei getötet: Lv 2014); Beziehungen zwischen Halbgeschwistern (Lv 2019), Beziehungen mit einer Verheirateten bzw. Verlobten (außer bei vermutlicher Notzucht werden beide Partner getötet: Dt 2222 ff); Eheantritt der Frau in nicht-jungfräulichem Zustand (Dt 2220 f); Unzucht einer Priestertochter (Lv 219); homosexuelle Beziehungen (Lv 2013).

3. Totschlag

(Ex 2112) und Mord (Ex 2114 Dt 1911–13).

4. Auflehnung gegen die Eltern:

Verfluchung (Ex 2117 Lv 209); Schlagen (Ex 2115 Lv 209); Ungehorsam gegen elterliche Mahnung (Dt 2118–21).

5. Menschendiebstahl

(Ex 2116 Dt 247).

6. Falsches Zeugnis

(Dt 1920).

7. Dazu kommen in der Königszeit die Majestätsverbrechen. –

b)

Gegenüber den altoriental. Gepflogenheiten fällt die Gravität des falschen Gottesdienstes auf, ebenso die breite Behandlung der Sexualdelikte. Indessen muß man sich trotz der weitgehenden Übereinstimmung mit babylon. Recht fragen, wieweit die Todesstrafe für die Gesamtheit der erwähnten Vergehen wirklich zur Anwendung kam. Zu dieser Frage berechtigt die Tatsache, daß in wichtigen Texten die Todesstrafe theologisch unterbaut, d.h. in predigtartigen Ausführungen erklärt bzw. empfohlen wird. So betont das Heiligkeitsgesetz, daß die Heiligkeit Gottes das »Wegschneiden« (krt) alles Entweihenden aus Volk und Land verlange. Noch deutlicher ist die paränetische Behandlung der Todesstrafe im Dt. Dort wird zur Begründung neunmal die Formel zitiert: »So entfernst du (ubi'arta) das Böse aus deiner Mitte, bzw. aus Israel«, und zwar in Fällen, die offensichtlich Vergehen gegen die Gebote des Dekalogs bzw. gegen amphiktyonische Zentralinstitutionen darstellen: Anstiftung zu falschem Gottesdienst (Dt 136), falscher Gottesdienst (177), Auflehnung gegen die Eltern (2121), Ehebruch (2222.24), wirkliche oder wahrscheinliche Unzucht der Frau vor der Ehe (2221), Menschendiebstahl (247), falsches Zeugnis (1920) sowie Ungehorsam gegen (die Priester und) den »Richter Israels« (1712). Verwandt ist die Formel »so entfernst du unschuldiges Blut aus deiner Mitte, bzw. aus Israel« (1913 219), die sich direkt auf das Verbot des Tötens bezieht. So scheint es, daß die Todesstrafe im Rahmen der Paränese über die zentralen Institutionen der altisraelit. Amphiktyonie gefordert wurde. –

c)

Als vornehmlichste Hinrichtungsart wird die Steinigung genannt (Ex 1913 Lv 202 u.ö.); ihren Vollzug schildern rabbin. Texte (3). Analog dem babylon. Recht ist für gewisse Verbrechen Verbrennen vorgesehen (Ehe mit Tochter und Mutter, Lv 214; Unzucht einer Priestertochter, Lv 219; vgl. auch Jos 725). Manchmal wurden die Leichen der Hingerichteten, unter Umständen nach Verstümmelung (2Sm 412), »am Holze aufgehängt«, d.h. gepfählt (Jos 829 1026); jedoch stipuliert Dt 2122 f, daß sie noch am selben Tage begraben werden müssen. Das »Ausstellen« der Leiche (Nm 254 2Sm 216.9) gehört wohl in denselben Zusammenhang. Außerdem kennt die Königszeit bei Majestätsverbrechen und bei Hochverrat die Hinrichtung durch das Schwert (zB 1Kg 225.29 ff. 46 Jr 2623; vgl. Dt 1316).

Für das Judentum kam seit der Perserzeit dazu noch die Kreuzigung. Im Unterschied zur Bibel kennt die rabbin. Systematik (Mischna Sanh. VII, 1) vier Hinrichtungsarten: Steinigung (mit nachfolgendem Aufhängen des Leichnams), Verbrennung (d.h. Bleiguß in den Mund), Enthauptung und Erdrosselung.

NT

Die zur Zeit des NT.s zuständigen röm. Behörden sollten eigentlich als höhere Instanz über T. entscheiden. Wie mehrmals bei der Hinrichtung von Mitgliedern des Herodeshauses geschah das bei der Kreuzigung Jesu (Mt 272 p J 1831). Sie werden aber bei der Steinigung des Stephanus (Apg 758) und der Enthauptung des Jakobus (122) nicht erwähnt.


[Handwörterbuch: Todesstrafen. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7102-6
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2002-2004)

pfeilToleranz    

Toleranz

(gr. epieíkeia »Sanftmut«, philanthropia »Menschenfreundlichkeit«), eine neutrale Haltung zu volksfremden oder andersgläubigen Elementen der Umgebung, im Gegensatz zur Int., Eifer.

In der bibl. Welt treten Toleranz und Intoleranz unter verschiedenen Aspekten auf.

a)

Im AT zeigt sich Jahwe gegen die Götzen intolerant (Ex 203 ff 2324 3413 usw.). Israel und Juda wurden der assyr.-babylon. Int. gegen unterdrückte Völker ausgesetzt (2Kg 176 259 ff).

b)

Vom pers. T.-Edikt desKyros (Taf. 24c Kyros-Zylinder) profitierte das Judentum (2Ch 3623 = Esr 12), das sich jedoch zur Int. gegen fremdes Wesen verpflichtet sah (Esr 91–1044). Die hellenist. Int.-Politik des Antiochus IV. (1Mkk 141 f) verschärfte diese Haltung (244–48 u.a.). Opfer der makkabäischen und später zelotischen Int. wurden auch Samaritaner (Jos. Ant. XIII, 254–99) und Jesusjünger (Apg 758 u.a.). In den hellenist. Städten kämpften Griechen manchmal ebenso intolerant gegen Juden (Philo, In Flaccum, Legatio ad Gaium; Jos. Ap.; Alex. Märtyrerakten). Trotzdem gab es auch jüd. Mahnungen zur T. (Wsh 16 723). –

c)

Das NT verkündigt T. gegen die Menschen (Mt 539 usw. L 955 Ph 45 Tt 32), Int. gegen Verführung und Götzendienst (Mt 529 u.a., R 122 1K 1020 2K 615). Im Römerreich war die T. gegen oriental. Religionen durch Bestimmungen eingeschränkt (Religionsprozeß zB 58 nChr, Tac. Ann. XIII, 322), die aber seit Caesar nicht für das Judentum galten (Jos. Ant. XIV, 190–267) und deshalb erst später (vielleicht unter Domitian, deutlich seit Trajan) gegen das Christentum ausgespielt wurden (Plin. Epist. X, 96, 7).

Toleranz und Intoleranz im modernen Sinne als volle mitmenschliche Anerkennung bzw. Ablehnung oder Unterdrückung von Andersgläubigen sind dem Denken der primitiven und älteren Kultur-Religionen insoweit fremd, als mit ihnen ein lehrhaft-rationales und juridisches Verständnis der Religion verbunden wird. Solange das kultische Motiv in der Religion vorherrscht, beziehen sich T. und Int. immer auf das Miteinander der Träger von Kulten und Kultgemeinschaften im gemeinsamen sozio-politischen Raum. Noch für bibl. Religiosität ist das Zusammenleben verschiedener Kulte nichts Ungewöhnliches, ebensowenig aber ihr Konkurrenzkampf. Erst durch missionierende Religionen und durch geschichtliche Umstände werden T.und Int. zu einem wirklichen Problem. Dabei darf T. nicht mit Indifferentismus, Int. nicht mit religiösem Absolutheitsanspruch verwechselt werden.


[Handwörterbuch: Toleranz. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7106-08
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2005)

pfeilTor, Narr    

Tor, Narr

(hebr. nabal, 'ewil, gr. morós).

Die genaue Beschreibung einer Geisteskrankheit gibt die Bibel nicht. Sie macht einige Andeutungen über das Wesen des N.en: Jähzorn (Spr 1216), Streitsucht (Spr 186 203), Unmut und Unzufriedenheit (Hi 52 Sir 2017), Manie, funktionelle Psychose, die in den leichteren Formen (mania levis, Hypomanie) durch krankhaft heitere bzw. zornige Stimmung (Exaltation) bei raschem Stimmungswechsel, schlagfertiger Redesucht, Ablenkbarkeit usw. charakterisiert ist (Spr 1014 149.16 2911 Prd 45 76 Sir 2128 f). Von einer Behandlung derartiger Kranker wird nichts erwähnt, unruhige und gewalttätige Irre hat man wohl an die Kette gelegt (Mk 53 f), hat sie geprügelt (Spr 1013 1710 1929 263) usw.

Infolge begrifflicher Zusammenfassung des Intellektuellen und Ethischen ist der T. zugleich auch der Gottlose (Js 325 f Ps 141 Spr 149), Uneinsichtige (L 2425), Unkluge (Ps 948). Der T. ist ohne Gotteserkenntnis (Jr 422), er ist ratlos und hilflos (Js 1911 358). Israel in seinem Abfall ist ein Volk von T.en (Dt 3221 Ps 7418.22). Das Evangelium wird von dem vermeintlich Klugen als T.heit beurteilt (1K 118 214), Gott aber urteilt anders (120–25 319). Wahnsinn.
[Handwörterbuch: Tor, Narr. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7123
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2008-2009)

pfeilTor, Pforte    

Tor, Tür

(hebr. scha'ar, gr. thýra, pýle, ferner pylon »T.bau«), Einlaß zur Stadt, zum Palast (2Kg 1119), zum Tempel und zum Lager (Ex 3217 ff u.ö.).

Die kanaan. Städte der Br-Zeit hatten meist ein T., selten mehr als zwei. Erst seit der E-2-Zeit gab es Städte mit sieben T.en wie Jerusalem (>II, 839 f). – a) Etwa seit der MBr-Zeit hatte der 3–4 m breite T.-Durchgang rechts und links je zwei bis vier einander gegenüberliegende Mauervorsprünge, damit man das T. bei Belagerungen verrammeln konnte. Sonst wurden die T.e abends durch eine meist zweiflügelige Holz – Tür (Jr 5158) mit Querbalken (Ps 1471) innen verschlossen (Jos 25 Js 6011). In Mizpa (tell en-nasbe), Thirza und Lachis (Abb.) fand man Bänke an den Mauern des Durchgangs. Seitlich vom Durchgang befanden sich in mehreren Stockwerken übereinander Räume für die T.-Wache (2Kg 710). Das T. hatte ein Dach, von dem man Ausschau halten konnte (2Sm 1824), und meist zwei vorspringende Türme. – b) Gegen Ende der Königszeit kam das T. mit indirektem Zugang auf: Man mußte zuerst die Mauer entlang, dann über einen Hof, und konnte erst dann rechts durch die Mauer, so in Tell ed-Duwer. Bemerkenswert sind weiter die T.e von Hazor (Taf. 21e), Megiddo (vgl. Abb. 1), Sichern, Beth-Sean, Beth-Semes, Tell Bet Mirsim, Tell el-Far'a, Geser, Ezeon-Geber. – c) Die Gassen der alten Städte waren eng. Nur vor dem T. gab es einen kleinen Platz, die verkehrsreichste Stelle der Stadt. Hier wurden nach dem AT Waren feilgeboten (2Kg 71 Spr 3131). Wer sich Müßiggang leisten konnte, zeigte sich, setzte sich, schwatzte über den Nachbarn (Ps 6913), schloß Geschäfte ab (Rt 41.10). Ein Prophet versuchte, sich da Gehör zu verschaffen (Jr 1719), jemand erzählte laut, was Jahwe ihm Gutes getan hatte (Ps 915), ein Weisheitslehrer sammelte einen Kreis Lernbegieriger um sich (Spr 121 83). Die Ältesten saßen und berieten die Angelegenheiten der Stadt (Spr 3123 Kl 514) oder entschieden über einen Rechtsfall (Dt 2119 2215 257 Js 2921 Am 510–15 Sach 816). Ein Mord auf dem Gerichtsplatz bedeutete, auch als Blutrache, gewiß einen Insult gegen den Richter und die Asylie des Gerichtsplatzes (2Sm 327); die Todesstrafe wurde immer sofort vollstreckt, aber nie im T. Wer viele Söhne hatte, konnte im Stadtparlament persönliche Feinde überstimmen (Ps 1275). Daher der Segenswunsch: »Möge dein Geschlecht wachsen und das T. seiner Feinde gewinnen« (Gn 2217 2460). – d) Jerusalem.

Die Städte des Judentums, des Hellenismus und des NT.s hatten starke T.e oder T.-Bauten zur Überwachung des eingehenden Verkehrs (1Mkk 521.48 950 1076 1238.48 1333 1539) und ebenso des ausgehenden (Apg 924). Der offene Platz vor dem Stadt- T. diente auch Kultzwecken (1413). Häuser hatten manchmal einen T.-bau an der Straße (Mt 2671 Apg 1213). Das »Schöne T.« in Jerusalems Tempel (Apg 32.10) und das Nikanor-T. trennten die Vorhöfe der Heiden, Frauen und Männer. Das »Goldene T.« bewahrt im Namen die Erinnerung an jenes, liegt aber östl. des äußeren Vorhofs ( Jerusalem, Abb. 3).

Bildlich bezeichnet Pforte oder Tor in der Bibel die Durchgangsstelle zwischen verschiedenen Seinssphären. Jakob fand in einem Traum die Pforte des Himmels offen (Gn 2817), ebenso Johannes in einer Vision (Off 41). Jesus lehrte von der engen Pforte des Lebens in seiner Nachfolge (Mt 713 f L 1324) und bezeichnete sich selbst als die Tür, durch die die Glaubenden zur Seligkeit gehen (J 107.9).
Pforten der Hölle zerstören oder bedrohen das Leben (Js 3810 PS 914 10718 Hi 3817), jedoch nicht die Kirche Christi (Mt 1618). Jesus mußte vor dem T. des irdischen Jerusalem leiden (H 1312), ebenso muß es seine Gemeinde ohne den Schutz des Judentums. Die zwölf Perlen-T.e des himmlischen Jerusalem (vgl. Tob 1320) entsprechen den zwölf Stämmen Israels und führen aus allen Richtungen in die Herrlichkeit hinein (Off 2112. 15. 21. 25 2214).


[Handwörterbuch: Tor, Tür. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7125-28
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2009-11)

pfeilTrauer    

Trauer, Trauerbräuche (hebr. 'ebel, 'one u.a., gr. lyýpe).

AT
Die Trauer-Bräuche des AT.s ( Brauchtum) waren durch die Sitte genau geregelt. –

a) Sofern sie nicht Ausdruck des Schmerzes und der Selbstdemütigung waren (s.u. b), dienten sie teils der Fürsorge für den Toten, teils der Abwehr der von ihm ausgehenden Gefahren; doch war die ursprüngliche Bedeutung später sicher weithin vergessen. Wenn der Tod eingetreten war, wurden die Augen des Verstorbenen zugedrückt (Gn 464). Die Leiche wurde auf einer Bahre zum Grabe getragen (2Sm 331). An das Begräbnis, das meist noch am Sterbetage erfolgte, schloß sich eine siebentägige strenge T. an (1Sm 3113), die auf dreißig, bzw. siebzig Tage ausgedehnt werden konnte (Dt 348 Gn 503). –

Die T.-Bräuche wurden vor allem von den Angehörigen, aber auch von den Anteilnehmenden (2Sm 112) oder dem ganzen Volk ausgeübt (Dt 348 1Sm 251). Die Trauernden weinten und fasteten (2Sm 112), schlugen sich an Hüften und Brust (Grundbedeutung von kópta und spd; vgl. Js 3212), machten sich Einschnitte (Jr 166), lösten den Kopfbund, scherten das Haupt und stutzten oder verhüllten den Bart (Ez 2417 Am 810). Zum Verbot des Ritzens und Scherens (Dt 141 Lev 1927 f 215) Verstümmelung. Man streute Erde aufs Haupt (2Sm 12), zerriß seine Kleider, legte den Sack an (2Sm 331) und ging barfuß (Ez 2417). Die dumpfe Klage ho ho (Am 516) oder der Ruf »ach Bruder«, »ach Schwester« erschallte (Jr 2218), während die eigentliche Leichenklage von Klageweibern (Jr 917 f; vgl. Abb. u.Taf. 52c) ausgeführt wurde (vgl auch die Leichenklagelieder in 2Sm 117 ff 333 f. Vgl. 2Ch 3525). Den Trauernden wurde von Freunden Speise und Trank ins Haus gebracht (Jr 167). – b) Auch bei anderem Schmerz verhielt sich der Israelit ähnlich wie bei der T. um einen Toten (vgl. zB Gn 4413 2Sm 1319 1530 Hi 212), desgleichen bei der kultischen Klage des Einzelnen und der Gemeinschaft (Ps 6911 f Jl 113 ff Jon 36 ff). – c) Symbolisch war die prophetische T. (Am 51 f Mi 18 ff Jr 91.10 ff Ez 19. 27. 2811 ff u.ö.). Verzicht auf die T. als symbolische Handlung begegnet in Ez 2415 ff Jr 165 ff. – d) Eine kultische T. begingen die Frauen Jerusalems zu Ehren des Tammuz (Ez 814).

Judentum

Die Trauer-Bräuche des Judentums, wie Einreißen des Obergewandes (seltener Entblößen der Schulter), Anlegen des Sackes, Ritzen des Armes, Scheren des Haares, Bestreuen des Hauptes mit Asche, Verzicht auf Salbung, Sitzen auf der Erde, Schlafen auf umgestürzten Betten, standen in engem Zusammenhang mit den im AT bezeugten.

a)

Die Trauernden enthielten sich schwerer Arbeit. Der Tote wurde sorgfältig durch Scheren des Haares, Waschen und Salbung für das Begräbnis vorbereitet und in die linnenen Sterbegewänder gehüllt. Der Sarg wurde erst in rabbin. Zeit allgemein gebräuchlich. –

b)

Die Teilnahme am feierlichen Toten-Geleit, dessen Form je nach Alter und Geschlecht verschieden war, galt als Liebespflicht. Beim Trägerwechsel wurde Totenklage gehalten, für die mindestens zwei Flötenspieler und ein Klageweib vorgeschrieben waren. Die Frauen klatschten in die Hände, die Männer schlugen sich, stampften mit den Füßen und priesen die Verdienste des Toten. Als T.-Redner fungierte gewöhnlich ein Rabbi. –

c)

Die Leidtragenden empfingen nach der Bestattung den Trost des T.-Gefolges. Freunde versorgten sie mit Speise und Trank. Die T. währte mindestens sieben, in minder strenger Form dreißig Tage, beim Tode der Eltern ein ganzes Jahr (Belege bei Krauß und StB).

NT

Im NT werden diese jüd. T.-Bräuche vorausgesetzt (vgl. Mk 538 1546 ff 161 Mt 1116 f J 1117 ff Apg 82 937). Die Totenklage ist grundsätzlich hinfällig, weil Jesus der Herr des Lebens ist (J 1125 f). Doch werden in der Endzeit viele trauern müssen (Mt 2430 Off 17).


[Handwörterbuch: Trauer. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7170-2
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2021-2)


pfeilTraum    

Traum

(hebr. halom, gr. ónar), Erlebnis im Schlaf, oft als Offenbarung gedeutet.

AT

Im AT und in damit verbundenen Schriften des Judentums finden sich mehrere Gattungen und Deutungen des T.es. – a) Inkubation ist nur durch ein Beispiel vertreten (1Kg 35–15): Gott erscheint Salomo am Heiligtum zu Gibeon im T. und verheißt ihm Weisheit, Reichtum und Ehre. Salomo dankt für diese T.-Offenbarung durch Dankopfer und Opfermahl. – b) Symbolische T.e bedürfen einer Deutung. Zu dieser Gattung gehört Jakobs T. (Gn 2810–17). An heiliger Stelle träumt Jakob seinen T. von der Leiter, auf welcher die Engel auf und nieder steigen. Anschließend erhält er in einer Gottesrede eine Verheißung. Bei dieser Erzählung sind zwei Stufen zu unterscheiden: Die ursprünglich kanaan. Sage von der Entdeckung einer heiligen Stätte und die spätere Verbindung mit Jakob und damit mit dem Komplex der Vätersagen. Die Erzählung gehört zur Gattung der ätiologischen Kultsage: Jakob erkennt erst durch den T. den Charakter der heiligen Stätte. Josephs T.e (Gn 375–8 Garben, 379 f Sonne, Mond und Sterne) sollen in der Komposition der gesamten Josephs-Erzählung dessen spätere Erhebung vorausverkünden, ohne daß aber klar wird, wer die T.e sendet. Die Spannung zwischen einer Auffassung der T.e als göttlichen Weissagungen oder als Projektion eines hochmütigen Herzens (378.10) wird in der Schwebe gelassen. Deutlich tritt jedoch zutage, welche Wichtigkeit hier wie auch sonst in der Antike den T.en zukommt. Sie gelten als Wirklichkeit mit zukunftsschwangerer Bedeutung. Im übrigen bedarf es für diese T.e keines T.deuters: Josephs Brüder verstehen den T. sofort. Anders ist es bei Pharaos Mundschenk und Bäcker (Gn 405–23). Hier erweist sich Joseph als kluger T.-Deuter, der die aus der Lebenssphäre der Hoffunktionäre stammenden T.e enträtselt. Seine Methode der Deutung ist einfach: ein angenehmer T. bedeutet Positives, ein unangenehmer etwas für den Träumenden Negatives. Die Erzählung dient dazu, Joseph Zugang zum äg. König zu ermöglichen, und ist daher Teil der sinnvollen und feinen Erzählungsart der Josephsgeschichte. Josephs Fähigkeit als T.-Deuter kommt schließlich bei den T.en des Pharao von den sieben Kühen und sieben Ähren in besonderer Weise zum Ausdruck (Gn 411–32). Hier soll die Gabe des hebr. Mannes gegenüber der Unfähigkeit der äg. Weisen hervortreten. Joseph führt seine Erkenntnis auf Gott zurück (4132), der die T.e auch gesandt hat. Sie sind Zeichen Gottes. Ebenfalls hat Gideon einen symbolischen T. (Ri 713–14), der seinen kommenden Sieg über die Midianiter vorausverkündet und so dem israelit. Helden Zuversicht für die bevorstehenden Kämpfe vermitteln soll. Der T.-Inhalt ist überaus deutlich und enthält bereits eine Vorhersage des israelit. Sieges. Daniel soll bei Nebukadnezars erstem T. nicht nur wie Joseph T.e deuten, sondern auch erraten (Dn 21–4); die Erzählung ist mit Gn 41 verwandt und bewußt durch diese Steigerung angereichert. Der Weisheit des Israeliten steht die Unfähigkeit der babylon. Magier gegenüber. Daniel vermag beides: T.e erraten – und deuten. Den T.-Inhalt bildet eine Apokalypse, deren Ausage in dem Gedanken besteht, die Weltgeschichte habe das Kommen der Gottesherrschaft zu erwarten, doch wird die Frage nach dem Zeitpunkt des Endes der Geschichte offengelassen. Bei Nebukadnezars zweitem Traum handelt es sich auch nicht um einen jemals geträumten T. (Dn 331–434). Dessen Gewand wird als Mittel verwendet, um Gott handelnd in das Menschenleben eingreifen zu lassen. Daniel ist auch hier der charismatische Weise, der den Willen seines Gottes zu deuten vermag. Der T. ermöglicht dem jüd. Weisen, kraft besonderer Gabe, seine Klugheit der Heidenwelt zu beweisen. Wie im ersten Fall, so ist auch hier der T. bewußt auf das Hervorheben der Erhabenheit Gottes und seines Volkes gerichtet, das in Daniel vertreten ist. – c) T.-Befehle, durch die Gott seinen Willen kundtut, kommen in Patriarchentraditionen vor (Gn 203–7 3111 ff. 24). Eine Variante zum T. Abimelechs (Gn 20) findet sich in einem in Qumran entdeckten aram. Text über die Gefährdung der Ahnfrau Sara (Avigad- Yadin: A Genesis apocryphon, '56, Kol. XIX, Z. 14 ff). Abraham erzählt hier seinen T. von der Zeder und der Palme der Sara, und bietet ihr zugleich die Deutung. – d) Die atl. und jüd. Beurteilung des T.es hängt jeweils vom Zusammenhang ab. Nm 126 ff wertet den T. positiv, möchte aber gerade deshalb die besondere Art hervortreten lassen, in der Gott mit Mose verkehrt; denn ihm offenbart sich der Herr durch das jeder Deutung entzogene Wort, das nichts Rätselhaftes besitzt. 1Sm 286.15 kennzeichnet den T. als Befragungsmittel, um dem Menschen eine Antwort der Gottheit zukommen zu lassen. Jl 31 verheißt den T. in der Endzeit für die gesamte Gemeinde Israels, welche durch den T. Empfänger der Offenbarung wird. Hi 713 f 3314–16 erwähnen T.e als von Gott gesandte Qualen oder als göttliche Mahnung, dem Menschen den Weg zu weisen. In 2Mkk 1511–16 erscheint der T. als »Schlachtenhilfe«, d.h. als ermutigendes Zeichen vor dem Gefecht; und in Wsh 1817–19 wird durch ihn den Erstgeborenen Ägyptens mitgeteilt, warum sie sterben müssen. Der T. kann aber nicht der göttlichen Offenbarung dienen, wenn er als flüchtig charakterisiert wird (Js 297 f Hi 208 Ps 7320 1261). Der schärfste Kritiker ist Jeremia. Er verneint eine dem T. innewohnende göttliche Botschaft, da sich vor allem die falschen Propheten des T.es bedienen (Jr 2325–32 279–10 288 f). An die Stelle des T.es tritt für Jeremia das eindeutige Gotteswort. Ähnlich wie Jeremia spricht auch das Dt (132–6) von den T.en und Sach 102 bringt sie in den Zusammenhang mit anrüchigen Wahrsagern. Prd 56 sieht in T.en nur eine Täuschung. Sir 311–8 weiß sich über das Ernstnehmen der T.e erhaben, denn nur Toren verlassen sich darauf, und die T.e erregen grundlose Furcht (405 ff). Auch in Arist. 213 ff wird dem T. kein realer, bedeutungsvoller Charakter mehr zugebilligt. Ebenso schwankten die Autoren in ihrer Herleitung der T.e. Der Weg führt von der Auffassung der T.e als Offenbarungsmittel zu der Meinung, körperliche Innenvorgänge erzeugten sie (Js 297 f) oder viele Geschäftigkeit (Prd 52). Hier wird also der T. aus der theologischen Sphäre herausgehoben und dem menschlichen Tun zugeordnet. Diese verschiedenen Auffassungen sind zeitlich nicht scharf voneinander abzugrenzen. In der vorexil. Zeit finden sich bereits bei Jeremia und im Dt dem T. gegenüber kritische Urteile, in der nachexil. Epoche bestehen positive und negative Meinungen über den T. nebeneinander. Entscheidend dürfte hier sein, welcher Literaturgattung der betreffende Beleg angehört.

NT

Zwei der Schriften des NT.s führen revelatorische Träume an, wodurch sie anschaulich und volkstümlich beleuchten, wie die Heilsgeschichte nach Gottes Willen verlaufen ist. – a)

In der Kindheitsgeschichte des Matthäus empfangen Joseph, die Weisen und dann beide Eltern derartige Anweisungen wegen Jesus (Mt 120.24 212. 13. 19. 22), in der Passionsgeschichte die Gemahlin des Pilatus (2719). b)

In der Apg des Lukas gibt Christus Paulus mehrmals Trost und Mahnungen im T. (Apg 169 189 2311 2723).

c)

Dargestellt wird ein solches T.-vermitteltes Erlebnis einer Offenbarung, wie übrigens auch das spontan-sinnliche (Mt 172 p Apg 129) und ekstatische (Apg 1010 2217; vgl. Off 110), niemals als merkwürdiges Wunder oder Leistung begabter Medien. Vielmehr begegnet es immer, auch wenn Engel beteiligt sind, als ein im heilsgeschichtlichen Rahmen natürliches Mittel, dessen sich Gott bei auserwählten Menschen bedient. Außerhalb der gewöhnlichen Erfahrungswelt stehen nur Urheber und Inhalt der Botschaft.

Für den oriental., gr. und röm. Hellenismus dagegen war der Traum ein menschliches Erkenntnismittel von übernatürlicher Reichweite. Hier florierten also T.- Orakel, T.-Spekulation (Cic. De Somn., Somn. Scip.) und T.-Analysen (Artemid. Oneirocriticon), auch Inkubation (Aristides, Orat.).


[Handwörterbuch: Traum. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7175-81
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2023-25)

pfeilTrost

   

Trost

(hebr. nehama u. dgl., gr. paráklesis), Beruhigung. Die durch das Leiden des Lebens gehen, bekommen

im AT Traum von Gott und das vor allem durch sein Wort (Jr 1516).

NT

Im NT hängt diese T.-Gabe mit Jesus Christus als dem Wort Gottes und dem Heiligen Geist, der der Fürsprecher oder Tröster ist, zusammen (J 1416).
[Handwörterbuch: Trost. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7197
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2027-2028)

pfeilTrunken-
      heit
   

Trunkenheit

(hebr. schikkaron; vgl. schekar »starkes Getränk«, schakar »sich volltrinken«; gr. méthe; vgl. méthy [mit »Met« verwandt] »Wein«, methýo »berauscht sein«), hervorgerufen durch Bier, Met, Feigenwein, Traubenwein und ähnliche Getränke, deren Spiritusgehalt allerdings verhältnismäßig schwach war und bei der natürlichen Gärung höchstens 16% erreichen konnte (Destillation wurde erst im Mittelalter üblich).

Im AT wird sie verschieden beurteilt.

a)

Die erzählenden Verfasser sehen im fröhlichen Trinken keine Sünde (Gn 4334 Ri 913 1Kg 420), zeigen aber mehrmals, wie der Berauschte gegen Anschläge ungeschützt ist (Gn 921 1933 2Sm 1113 1Kg 169). Enthaltsamkeit gilt für Priester während des Tempeldienstes (Lv 109), Nasiräer und Rechabiter (Nm 63 Ri 137 Am 212 Jr 356).

b)

Propheten schreiben den Abtrünnigen notorische T. als eine Schande zu (Js 511 f 281.3 Hos 418). Sie machen aber wie die Psalmisten die T. noch öfter zum Bild für eine Strafe, ausgelöst durch den Kelch des göttlichen Zorns (Js 299 Jr 1313 517 Ez 2333 Nah 311 Ps 605 759 Kl 421). –

c)

Weisheitslehrer verbinden das Rauschgetränk mit Unfrieden (Spr 201 2117 2330 314). 2. Im Hellenismus, besonders im stoischen Lasterkatalog geläufiges Glied, wurde der Begriff durch die Wanderpredigt der Stoiker aus der Alltagssprache aufgenommen. T. erscheint oft mit Schwelgerei (kômos) als Parallelbegriff für übermäßig üppiges Essen.

Judentum

Auch die Literatur des Judentums tadelt die T. wie die Schwelgerei (zB Sir 3137 AssMos 73 ff TestLev 145–8). Philo verwendet T. und Schwelgerei in vielen seiner Lasterkataloge (vgl. De Cherubim 92; Spec. Leg. I, 281 u.ö.). T. wird als Laster getadelt, weil sie in das sittliche Bild jener Zeit gehört, das keinen erfreulichen Anblick bot. Die sittliche Entartung hatte sowohl in den großen Städten wie auch in den reichen Schichten der Gesellschaft um sich gegriffen.

NT

Auch im NT kommt T. im Lasterkatalog vor, in erster Linie bei Paulus (T. in R 1313 G 519–21; Trunkenbold in 1K 510–11 69–10; vgl. 1P 43). Der Ausdruck wird teils auf Vorkommnisse in den jeweiligen Gemeinden abzielen, sogar beim Herrenmahl (1K1121) und Liebesmahl (2P 213 Jd 12), teils einfach traditioneller Begriff der Paränese sein (1Th 57).
[Handwörterbuch: Trunkenheit. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7200-2
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2028-2029)

pfeilTugend    

Tugend

(hebr. kein spezielles Wort; gr. arete »Trefflichkeit«, mit arésko »gefallen« verwandt; lat. virtus »Männlichkeit«; dt. T. mit »taugen« und »tüchtig« verwandt), rühmliche Eigenschaft oder Leistung.

AT
Das hebr. AT spricht nicht von T., enthält aber Begriffe, die so übersetzt wurden. – a) In bezug auf Gott geht es um Aussagen, die mit der Gattung der Aretalogie (Beschreibung der Machtwirkung einer Gottheit) verglichen werden können. Die göttliche Ruhmestat (hebr. t'hilla Ex 1511 u.ö.) tritt im Prophetenteil der LXX als T. auf (gr. arete; Js 428.12 4321 637 Hab 33), die hier dynamisch, nicht moralisch zu verstehen ist, und diese Übersetzung wurde vermutlich durch hellenist. Aretalogien nahegelegt (ob Isis-Hymnen oder andere Texte, s.A. Kiefer und ThW I, 459). – b) Das »tugendsame« Weib (so Luther für hebr. 'eschet hajil »tüchtige Frau«; Zürcher Bibel »wakkeres Weib«) wird nicht wegen »Ehrbarkeit«, sondern Tüchtigkeit gepriesen (Rt 311 Spr 124 3110.29).

Die gr. Philosophie hat für die Nachwelt die Bedeutung des Begriffes entscheidend geformt. –

a)

Neben der Auffassung T. gleich Wissen findet sich bei Plato die klassische Ausprägung der vier »Kardinal-T.en«: Weisheit, Tapferkeit, Besonnenheit, Gerechtigkeit. –

b)

Als Mitte zwischen zwei Extremen (Selbstbeherrschung zwischen Zügellosigkeit und Stumpfsinn) wird T. bei Aristoteles zur Bestimmung des Maßes durch die Funktion der Vernunft. –

c)

Auch in der Stoa ist die T. als vernunftgemäßes Verhalten verstanden. Im praktischen Handeln führt die T. dadurch zur inneren Freiheit von der Welt, so daß man dieser unabhängig gegenübersteht. So ist das Ziel der Eudämonie und der inneren Haltung zu erreichen. Dieser T.-Begriff hat nicht im NT, aber im hellenist. Judentum und nachbibl. Christentum (>3. 5) nachgewirkt.

Das hellenist. Judentum übernahm auch gr. T.-Begriffe. –

a)

Der Lobpreis Gottes hieß daher Aretalogie (Sir 3616 [19]), die Ruhmestat Gottes eine T. (so LXX, 1a; ferner etwa Philo Spec. leg. I, 209). b)

Die gr. verstandene T. des Menschen (2) wurde bei jüd. Helden (2Mkk 631 u.a.) und Weisen (Wsh 41 u.a.) hervorgehoben, auch im Anschluß an die Kardinal-T.en (Wsh 87).

NT

Das NT geht von atl. und gr. Begriffen aus. – a) Atl. gedacht sind Gottes Ruhmestaten (1P 29 [Js 4321]) und seine Rühmlichkeit (2P 13). – b) Gr. beeinflußt ist die von den Christen erwartete T. im Sinne sozialer Ehrbarkeit (Ph 48) und christl. Glaubensstärke (2P 15).

Das nachbibl. Christentum entwickelte unter gr.-röm. Einfluß das Ideal der richtigen Seelenhaltung (Herrn[m] I, 2; VI, 23 u.a.) und das System der Kardinal-T.en (im Anschluß an Cicero Ambros. De off. I, 17–50; August. De mor. eccl. I, 9 u.a.).
[Handwörterbuch: Tugend. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7207-9
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2029-30)

 
 

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