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Auf diesen Seiten findest du, alphabetisch sortiert, Erläuterungen zu biblisch-historischen Fachbegriffen.
   
   
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Stichwort

Bibeltext

Erklärung

Sabbat
Sack
Salbe

Salomo
Sara Sarai

Satan

Sauerteig

Saul
Schaf

Scham

Schatz

Schicksal Schlange

Schlinge

Schloß

Schnee Schöpfung

Schoß
Schuld

Schuldiger

Schutz Schwachheit
Schweigen
Seele

Segen

Sein
Selbst-bezeichnung
Sieg
Siegel

Sohn
Sohn-Gottes

Steinigung
Sterndeutung
Strafe Stummheit Suchen
Sünde
Sünden-bekenntnis

Am sechsten Tag sammelten sie die doppelte Menge Brot, zwei Gomer für jeden. Da kamen alle Sippenhäupter der Gemeinde und berichteten es Mose.
23 Er sagte zu ihnen: Es ist so, wie der Herr gesagt hat: Morgen ist Feiertag, heiliger Sabbat zur Ehre des Herrn. Backt, was ihr backen wollt, und kocht, was ihr kochen wollt, den Rest bewahrt bis morgen früh auf!
24 Sie bewahrten es also bis zum Morgen auf, wie es Mose angeordnet hatte, und es faulte nicht, noch wurde es madig.
25 Da sagte Mose: Esst es heute, denn heute ist Sabbat zur Ehre des Herrn. Heute findet ihr draußen nichts.

 

Lk14,3-6
3 Jesus wandte sich an die Gesetzeslehrer und die Pharisäer und fragte: Ist es am Sabbat erlaubt zu heilen, oder nicht?
4 Sie schwiegen. Da berührte er den Mann, heilte ihn und ließ ihn gehen.
5 Zu ihnen aber sagte er: Wer von euch wird seinen Sohn oder seinen Ochsen, der in den Brunnen fällt, nicht sofort herausziehen, auch am Sabbat?
6 Darauf konnten sie ihm nichts erwidern.

Mk2,23-24
An einem Sabbat ging er durch die Kornfelder und unterwegs rissen seine Jünger Ähren ab.

24 Da sagten die Pharisäer zu ihm: Sieh dir an, was sie tun! Das ist doch am Sabbat verboten.

Joh5,8-11
Da sagte Jesus zu ihm: Steh auf, nimm deine Bahre und geh!

9 Sofort wurde der Mann gesund, nahm seine Bahre und ging. Dieser Tag war aber ein Sabbat.
10 Da sagten die Juden zu dem Geheilten: Es ist Sabbat, du darfst deine Bahre nicht tragen.
11 Er erwiderte: Der Mann, der mich gesund gemacht hat, sagte zu mir: Nimm deine Bahre und geh!


Joh 9,16-17

Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen.


 

Ex16,22-25 Sabbat
(hebr. schabbat, gr. sábbaton), der siebte Wochentag.
Bei den Israeliten taucht zum ersten Male die 7tägige Woche auf, gekennzeichnet durch ihren Schlußtag, den S., der regelmäßig nach je 6 Tagen wiederkehrt. Man hat außerisraelit. Vorbilder der 7tägigen Woche und des S.s gesucht, doch bisher ohne Erfolg. In der Bibel selber wird die Einrichtung auf Moses zurückgeführt (Dekaloge; vgl. Ex 1622 ff); für uns faßbar ist das Gebot, den S. zu halten, aber erst in der frühen Königszeit. Deutlich schimmert die soziale Absicht durch: die Sklaven und das Vieh sollen ihren Ruhetag haben (Ex 2312 3421; vgl. Dt 514 c–15 a). Wahrscheinlich wurde auch ein Gottesdienst am S. abgehalten (Js 113; vgl. Lv 233). Das ist wohl mit ein Grund, warum der S. schon vor dem Exil immer mehr zum Gott geweihten Tag wurde (Ex 2010 Dt 514).

Jesus
scheute sich wegen der Souveränität der Liebe nicht, das S.sgebot in manchmal provokatorischer Weise zu verletzen (Mk 223 ff 31 ff p L 1310 ff 141 ff; vgl. J 51 ff 91 ff). Bei den Juden rief diese Haltung Empörung hervor (Mk 36 p; vgl. J 518 725); die Jünger verstanden die S.brüche Jesu als verhüllte Kundgebungen seiner Messianität. Es dauerte allerdings eine Weile, bis die ersten Christen die Freiheit, die Jesus dem S. gegenüber hatte, für sich in Anspruch nahmen. Zuerst schränkten sie diese Freiheit auf Jesus ein (Mk 228 L 65 D).
[Handwörterbuch: Sabbat. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5893
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1634)
pfeilSack       Site in Bearbeitung  

Sack

(hebr. saq, gr. sákkos),

der geringwertige Stoff aus dunklem Ziegen- oder Kamelhaar (2Sm 2110 Js 324, für die Farbe Js 503 Off 612), die daraus hergestellte Trauerkleidung (1Kg 2031 2Kg 630 Mt 1121 Off 1113; Abb. Trauerbräuche; ANEP, 459) und der S. als Behälter (Gn 4225; dieser auch 'amtahat, 4227; Wagen, Abb. 2). Die Form des S.es, der in vorgeschichtlicher Zeit wohl die normale Kleidung bildete, war bei der Verwendung als Trauergewand anscheinend nach Zeit und Geschlecht verschieden. Teils wird ein den ganzen Körper bedeckender Überwurf mit Löchern für Kopf und Arme analog dem S. als Behälter vorausgesetzt (2Kg 191 f Ps 6912 Est 42), teils ein Stück Tuch in der Art eines Lendenschurzes, das man umgürtete (Js 2212 Jr 48 4837). Der S. wurde nicht zur Selbstkasteiung, sondern als Zeichen der Trauer angelegt (»in S. und Asche«): von Königen (1Kg 2127 2Kg 630) und Priestern (Jl 113), Ältesten (Kl 210), Jungfrauen (Jl 18) und ganzen Familien mitsamt Sklaven und Vieh (Jon 38 Jdt 410).
[Handwörterbuch: Sack. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5907
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1638)

pfeilSalbe    

Salbe, Salböl

(hebr. schemen, mor, LXX élaion, mýron, NT élaion, nárdos). Als S. diente in der Regel Olivenöl ( Öl), in reiner Form oder – besonders für den kultischen Gebrauch – mit Zusatz von aromatischen Stoffen (Ex 3023–25, Kalmus, Kassia, Myrrhe, Zimt). Dem kultischen Salböl (hebr. Schemen hammischha, Schemen mischhat qodesch) entspricht in christl. Tradition chrîsma und mýron. – Die S. wurde von S.nmischern (Ex 3025) und -mischerinnen (1Sm 813) hergestellt; verschiedenartige Gefäße, die zum Mischen und Aufbewahren benutzt wurden (Abb. 1–3, Flasche, Glas), sind in großer Zahl gefunden worden. Gesalbt wurden Haupt (Ps 235 1332 Mt 617 L 746), Füße (L 7387 J 123), der ganze Leib (Rt 33 2Sm 1220 Est 212 Ez 169). Im Vorderen Orient und Israel hochgeschätzt (Spr 279 Prd 71 Js 392), wurde die S. außer bei der Körper- und Krankenpflege (Js 16 Mk 613 L 1034 Jk 514; zu Off 318 Augen-S.) vor allem in kultischem Zusammenhang gebraucht ( Salbung), wobei sich die Arten der Verwendung nicht immer klar trennen lassen.
[Handwörterbuch: Salbe. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5931
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1646)

pfeilSalomo    

Salomo

(hebr. sch·lomo), König in Israel und Juda 965–926 vChr.

– 1. Weil er der Sohn Davids von der Bathseba war (2Sm 1224), geboren wohl um 986, war S. als jüngerer Sohn nicht erbberechtigt. Als Adonia, noch zu Lebzeiten Davids, nach der Krone zu greifen schien, gelang es aber Nathan, dem Erzieher S.s, und Bathseba, seiner Mutter, bei David die Einsetzung S.s als König zu erreichen (1Kg 1). Nach dem Tode Davids wußte S., Adonia (1Kg 224 f) und seine Parteigänger Joab (1Kg 231 ff) und Ebjathar (1Kg 226) zu beseitigen. Wahrscheinlich traten sich bei der Frage der Thronnachfolge Davids zwei Gruppen gegenüber, eine mehr der Tradition verbundene (Adonia, Joab, Ebjathar) und eine nötig erscheinenden Neuerungen aufgeschlossene (S., Benaja, Zadok, Nathan). In der Person S.s hat die zweite gesiegt.

– 2. S. mußte zunächst den Bestand des Reiches sichern. Das scheint im wesentlichen gelungen zu sein. Wohl hat sich Edom, jedenfalls teilweise, unter Hadad (1Kg 1114.21 f. 25) bald wieder selbständig gemacht. Und im Nordosten hat Damaskus unter Reson den Kampf gegen S. aufgenommen (1Kg 1123 ff). Aber im übrigen hat S. seine Herrschaft über die Vasallengebiete im Osten und Westen aufrechterhalten. Darüber hinaus hat er die engen Beziehungen zu Hiram von Tyrus (1Kg 515–26 u.ö.) beibehalten und sogar mit dem (welchem?) Pharao von Ägypten Verbindungen angeknüpft. Die Heiraten (1Kg 31 78 916 111 ff), die ihm später zum Vorwurf gemacht werden, könnten sich aus dem Ziel solcher engeren Verbindung mit den umwohnenden, teils unterworfenen (Moab, Ammon), teils befreundeten (Tyrus, Ägypten) Staaten erklären lassen. Sollte Israel sich als Staat behaupten, mußte es sich auch in seiner Organisation der Umwelt anpassen. Dazu gehörte eine geordnete Verwaltung; der Hofstaat wurde, wohl nach äg. Vorbild ausgebaut; Israel wurde in zwölf Gaue aufgeteilt, deren jeder den Hof für einen Monat zu versorgen hatte (1Kg 4). Das Heer wurde modernisiert durch die Einführung der Kampfwagen; so gewann das stehende Heer eine noch größere Bedeutung gegenüber dem Heerbann des Volkes. Damit waren Bauten mancherlei Art verbunden. Für die Wagen und Pferde bedurfte es besonderer »Wagenstädte« und »Pferdestädte« (1Kg 919 1026, ob die Pferdeställe in Megiddo [Taf. 36, Abb. Pferd] und Hazor auf S. zurückgehen oder erst auf Ahab, ist heute umstritten). Andere Städte hat S. als Festungen und Vorratsstädte ausgebaut. Vor allem hat er Jerusalem ein ganz neues Gepräge gegeben. Er muß die Stadt stark erweitert und neu ummauert haben. Die bedeutendste Neuanlage war der Tempel Jahwes und der große Palast auf dem nördlich an die Stadt Davids anschließenden Hügel (1Kg 6. 7). Alle diese Bauten und Rüstungen erforderten große Mittel. Wie sie im einzelnen beschafft wurden, ist nur zum Teil zu erkennen. Viel Gewinn wurde wohl aus dem Zwischenhandel gezogen. Die Kupferminen bei Ezeon-Geber am Roten Meer lieferten einen wichtigen Rohstoff. Auch die Schiffsfahrten nach Ophir (1Kg 928) brachten manche Ausbeute. Und nicht zuletzt war es wohl der Frondienst, der S. vor allem die Ausführung seiner Bauten ermöglichte.

– 3. Mit alledem öffnete S. Israel den Einflüssen der Umwelt. Das brachte wohl in gleicher Weise Anregung und Gefährdung der Israel eigenen Glaubenswelt. Eine Anregung bedeutete vor allem die Aufnahme der (meist äg.) Weisheit, die wohl mit Recht mit der Person S.s in Verbindung gebracht wird (1Kg 328 59–14 u.ö., »Sprüche« S.s nach Art der in Listenform gebrachten Weisheit). Eine Gefährdung konnte die starke Berührung mit der Umwelt und die damit verbundene Versuchung zum Abfall vom Jahweglauben bedeuten. – So ist wohl verständlich, wenn das Urteil über S. in der Tradition sehr schwankt. Getadelt wird schon bald seine Heiratspolitik, wohl wegen der damit verbundenen Gefahr des Abfalls; aber auch die Heranziehung der freien Israeliten zum Frondienst wird deutlich abgelehnt. Auf der ändern Seite aber lebt S. in der Erinnerung als der glänzendste Herrscher Israels fort (vgl. Hl 311 Mt 629 p 1242 p Apg 747 u.a.), dessen Weisheit seinesgleichen nicht hat, so daß auch die Königin von Saba von fernher zu ihm kommt (1Kg 10); dessen Reichtum keine Grenzen kennt und unter dem Israel in Frieden lebt, ein jeder unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum. Später hat sich an S. eine Fülle von Legenden- und Märchenmotiven angeschlossen. Zur Überlieferung Samuelsbücher, Königsbücher, Chronik, Sprüche S.s, Hohes Lied, Prediger, Psalmen, Oden S.s, S.s Testament.
[Handwörterbuch: Salomo. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5947-50
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1652)

pfeilSara, Sarai    

Sara

(hebr. 'sara »Fürstin«).

– 1. Abrahams Frau schon in Ur (Gn 1129; bis Gn 1715 Sarai [hebr. 'saraj], dann S.) und (nach Gn 2012) seine Halbschwester (die Ehe wäre dann nach Lv 189 Dt 2722 unstatthaft, vgl. aber G.v.Rad, ATD 2–4, 194). Die Erzählung von der Gefährdung S.s ist in verschiedener Form überliefert (Gn 129 ff [J], 20 [E]; vgl. auch 266 ff). – Aus ihrer Kinderlosigkeit entfaltet sich ihre Familiengeschichte mit dem ganzen »Lokalkolorit«, wie es die Maribriefe aus dem 16. Jh. vChr als für den Osten charakteristisch bezeugen (M.A. Beek: An Babels Strömen, '59, 52 f. 56): so die Episode Hagar/Ismael, wo S. »gegen gute Sitten verstößt«, während Abraham nur zögernd nachgibt. Der Verheißung eines eigenen Sohnes begegnet S. mit Skepsis (Gn 1810 ff). Dann wird S. Mutter Isaaks (Gn 212); ihre Reaktion wird doppelt als Scham (wegen ihres Alters) und Freude beschrieben (Gn 216 f). Sie stirbt in Hebron (Gn 232) und wird in Machpela auf einem durch Kauf erworbenen Grundstück begraben (Gn 233–20). Ihre Familiengeschichte geht nicht in Stammesgeschichte über. – Im NT wird S. als Vorbild des Glaubens (H 1111) und der Gattentreue erwähnt (1P 36) und allegorisch Hagar gegenübergestellt (G 421–31). – 2. Tochter Raguels und Gattin des jungen Tobias (Tob. 37 7).
[Handwörterbuch: Sara. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6008-9
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1670)

pfeilSatan    

Satan

(hebr. hassatan »der Verleumder«, aram. satana', gräzisiert satanâs, gr. diábolos »Verleumder«), der Teufel als Ankläger, Versucher oder/und Verderber.

– 1. Im AT ist S., der Widersacher, meist Appellativ mit Bedeutung aus der Rechtssphäre. – a) »Widersacher« ist besonders der Kläger vor Gericht, der, rechts vom Angeklagten stehend, die Vergehen aufzählt (Ps 1096). Ebenso tritt ein Ankläger vor Gott auf (Hi 16–12 21–7 Sach 31 f). Von Gott bestellt, zu den Gottessöhnen gehörend, nimmt er Gottes Interessen wahr. Bei Hi erhält er Vollmacht zum Beweis seiner Anklage, Sach 31 f heißt ihn die Gnade schweigen. Die erst nachexil. Bezeugung sagt nichts über das Alter der Vorstellung. – b) Nach dem Chronisten versucht auch S. die Menschen (1Ch 211). Ein Vergleich mit dem älteren Parallelbericht (2Sm 241) zeigt die Übernahme einer Funktion Gottes, der fern von allem Bösen bleiben soll (Gn 221 Gott selbst versucht Abraham, 2211 sein Engel redet mit ihm). Dabei ist für den Chronisten S. Eigenname (ohne Artikel). Verbindung zu Dämonen, Geistern (1Kg 2219–23), zu einem Engelfall (Js 1412 Gn 61–4) zieht das AT nicht. Gott gegenüber hat S. keinerlei Selbständigkeit. 2. Das Judentum weist verschiedene Aspekte auf. – a) Qumran hat trotz viel Nachdenkens über das Böse die »Geheimnisse Gottes« stehen lassen. S. kommt nur als Apellativ vor (Gn 3 wird nicht benützt). In S.s Rolle tritt Belial, Fürst der Finsternis und Herr der Verderberengel auf (die wohl in nicht ausgesprochener Beziehung zu Gn 61–4 stehen). Belial bedrückt und verführt die Frommen und straft die Sünder, bleibt aber unter Gott (wie besonders Hod zeigen). Die Ordensregel sucht einen Ausgleich des (iranischen) Dualismus Licht/Finsternis mit dem jüd. Monotheismus (1QS III, 13–IV, 26). Dabei liegt ein Ansatzpunkt im AT (Js 457). Gegen Belial steht der Lichtfürst, Helfer der Frommen und Führer der lichten Engel. Gott haßt Belial und schützt seine Erwählten. Nicht ganz klar ist bei der prädestinierten Zugehörigkeit zu einem dieser Bereiche die Möglichkeit der Umkehr und das Verhältnis Gut/ Böse im Einzelmenschen. – b) Die sogenannten Pseudepigraphen usw. weisen auch einen Dualismus auf (Jub und Test XII). Deutlich ist hier die Verbindung zum Engelbericht (Gn61–4): durch einen Sündenfall sind die ungehorsamen Engel S.sgeister geworden (Jub 56–11 1Hen 546). Schuldbeladen unter dem Gericht, sind sie Gott und Menschen feind, verführen die Menschen und stören Gottes Bund mit Israel. Als Ankläger tritt S. selbst auf. Der Bußengel Phanuel tritt ihm entgegen (1Hen 407.9). In späteren Texten ist S. selbst ein gefallener Engel (Vit Ad 12–16). Die Willensfreiheit des Menschen bleibt bedeutsam. Als S.s Namen begegnen Beliar, Mastema, Sammael. – c) Nach den Rabbinen betätigt sich S. (Sammael) meist als Ankläger, besonders bei Menschen in Lebensgefahr, gern gegen ganz Israel (StB). Verteidiger gegen ihn sind gute Werke, Mose, Michael, die Tora, Gott selbst. Am Versöhnungstag muß S. schweigen. Er wird als gefallener Engel, Schlange (Gn 31) und Herr der Verderberengel angesehen. Er versucht durch Aufreizung des »Bösen Triebes« und vollstreckt in Verkleidung als Todesengel das göttliche Urteil. Als Engel der Weltmacht Rom ist er Kosmokrator. Seine Motive sind Neid, Wollust, Herrschsucht. Einig ist das Judentum darin, daß S. einst beseitigt wird.

– 3. Im NT werden alle Motive aus dem Judentum aufgenommen. Jesus hindert S.s Anklage und stürzt ihn aus dem Himmel (L 1018 [aus der Verbindung dieser Stelle mit Js 1412 ist der Name Lucifer, »Lichtbringer«, für den S. entstanden; RGG IV, 553] 2231 f Off 1210), kennt ein Gericht über ihn (J 1231 1611), was bei Paulus fraglich ist. Besonders ist S. der Versucher (Mt 41–11 p L 223.31 Apg 53 1K 76 2K 211 1T 515). Seine Verstellungskunst wird erwähnt (2Kg 1114). Die Niederlage bei der Versuchung Jesu ist grundlegend für die Deutung des Wirkens Jesu (Apg 1033). Es gibt S.skinder (J 670 844 1J 38.10). Er ist der »Feind«, da er die Menschen von Gott trennen will und in absolutem Gegensatz zum Heilsplan Gottes steht (Mt 4. 1325 Mk 415). Er ist Sünder, Lügner, Mörder von Anbeginn (J 844); alles Lebensfeindliche kommt von ihm und seinen Geistern, auch der Tod (J 844 H 214 Apg 1038). Hochmut und Fall des S.s (wohl Ph 26 2K 615) erinnert an Qumran, jedoch ist S. auch Herr eines finsteren Reiches (Mk 324 Apg 2618). Off 129 sieht ihn als alte Schlange, Mk 322 als Baal-Sebub. Der Antichrist ist sein Diener (Off 132 2Th 28 f). Er ist Kosmokrator (Mt 48 f); Juden, Heiden, Sekten sind seine Diener (Off 2. 39 J 844). Seine Versuchung bringt Not und Leid (1K 1013 1P 16 413). Schwerste Strafe ist Übergabe eines Menschen an ihn (1K 55). Wegen seiner Niederlage gegenüber Jesus kann die Gemeinde es mit ihm aufnehmen und im Vaterunser Bewahrung erbitten. Die Vorstellungen des NT sind nicht neu, wohl aber die Lehre von der Entmächtigung des S.s durch Jesus. Diese steht in der Spannung des »schon« / »noch nicht«.
[Handwörterbuch: Satan. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6023-6
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1675)

pfeilSauerteig    

Sauerteig

(hebr. 's·'or, gr. zýme), gärender Teig, der zum Durchsäuern eines neuen Teiges gebraucht wurde. S. kommt im eigentlichen und übertragenen Sinne in beiden Testamenten vor.

– 1. Im AT wurde durch die Situation des heiligen Exodus die Gewohnheit des Gärenlassens beim Backen durchbrochen. Aller S. sollte während eines daraufbezogenen Erinnerungsfestes aus den Häusern geschafft und sieben Tage ungesäuertes Brot gegessen werden (Ex 1215 133.7). Die Stiftung des Passa vermischte sich mit diesem Traditionsstrang (Ex 1214 Dt 164). Opfergesetze verboten den S. (Ex 2318 Lv 211), Nordisrael aber brachte Festopfer mit S. (Am 45). Solcher Ablehnung lag u.a. die Vorstellung von fäulniserregender Kraft im S. zugrunde.

– 2. Im NT gebraucht Jesus in seinem Gleichnis vom Reich Gottes (Mt 1333 p) diesen Begriff positiv, um den übergroßen Gegensatz zwischen der kleinen Ursache und der großen Wirkung zu verdeutlichen. Negativ erscheint S., wenn er auf die Pharisäer und Herodes bezogen wird (Mk 815 Mt 166.11), vor denen sich die Jünger hüten sollen. Paulus nimmt das Bild vom S. ebenfalls negativ zur Kennzeichnung des alten, falschen Wesens auf (1K 56–8). Auch hier scheint der Gedanke des Ungesäuerten mit dem des Passa verbunden.
[Handwörterbuch: Sauerteig. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6034-5
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1677)

pfeilSaul    

Saul

(hebr. scha'ul).

– 1. König in Edom (Gn 3637 f).

– 2. Simeonit (Gn 4610 Ex 615), Vater der Sauliten (Nm 2613).

– 3. Benjaminit, erster König Israels, ca. 1020–1000 vChr (1Sm 92–2Sm 221 Ps 181 522 u.a., auch 1Mkk 430 Apg 1321). – a) Sohn des Kis aus dem benjaminitischen Gibea, wurde er »durch das ganze Volk« in Gilgal zum König gesalbt, nachdem vor und in der Schlacht bei Jabes gegen die Ammoniter seine Begabung mit dem Geist Gottes erwiesen war (1Sm 11). Einzelheiten aus S.s Leben sind wegen der Dürftigkeit der Quellen nur ungenügend bekannt. Anfänglich erscheint er als lebenslanger Richter, ohne daß irgendein institutioneller Gedanke bei ihm aufkäme. Durch eine Reihe kühner Handstreiche gelang es, die philistäischen Garnisonen im Lande zu beseitigen (1Sm 13 ff): zwar nur ein Lokalerfolg, dessen Wirkung auf den Feind gering war, jedoch die geschwächte Kampffähigkeit Israels erheblich stärkte. Hierbei entwickelte er eine kleine, ständig unter den Waffen stehende Berufstruppe. – b) Bald ergaben sich Schwierigkeiten wegen der unbestimmten Stellung des Königs den alten Institutionen gegenüber. Es kam zu einem Zerwürfnis zwischen S. und Samuel (1Sm 137 b-15 a 151–35), dessen Einzelheiten jedoch nicht faßbar sind; durch die darauf folgende Verwerfung (1Sm 1523) verlor S. eine der Hauptstützen des Reiches, was bei ihm ein an Wahnsinn grenzendes Mißtrauen verursachte (1Sm 18 ff). Dieser Spannung wurde von den Philistern ein jähes Ende bereitet, die entlang der wichtigen Handelsstraße über die Küstenebene nach Norden gezogen und in der Jesreel-Ebene nach Osten abgebogen waren. Am Berge Gilboa angegriffen (1Sm 29–31) und entscheidend geschlagen, fand die königliche Familie den Tod; ihre Leichen wurden auf den Mauern von Beth-Sean gepfählt, von wo sie die Bewohner von Jabes heimlich entfernten und beisetzten. – c) Das Königreich S.s hatte einen geringen Umfang; es ist auch ungeklärt, ob Juda überhaupt dazu gehörte. Strategisch war es schwer zu verteidigen: zwei Enklaven kanaan. Stadtstaaten teilten es in drei Teile: zwischen Juda und Mittelpalästina standen Geser, Ajalon und Jerusalem; zwischen Mittelpalästina und Galiläa die Städte der Jesreel-Ebene, wo der philistäische Angriff erfolgte.
[Handwörterbuch: Saul. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6036-7
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1677)

pfeilSchaf    

Schaf

(hebr. se »Kleinvieh«, gr. próbaton »Vorwärtsgehendes« d.h. bewegliches Eigentum; Muttertier hebr. rahel, Widder 'ajil, Masttier hebr. kar; Lamm hebr. tale, kebesch, gr. amnós, arníon), in ältesten Schichten archäologisch nachgewiesen (Schumacher, Mutesellim, 15. 43. 62. 66. 70. 158; Macalister, Gezer II, 66 ff).

– 1. Zu denken ist an das Fettschwanz-Schaf (Ovis laticaudata; Watzinger, II, Abb. 49), in der Regel weiß (Js 118 Dn 79 PS 14716 Off 114; Versuche, die Farbe zu beeinflussen in Gn 3037 ff). – a) Der Schwanz (hebr. 'alja) galt als eine dem Ehrengast vorbehaltene Delikatesse (1Sm 924). Zweimal werfend gehörte es in bibl. Zeit neben der Ziege zum wesentlichen Bestandteil der Kleinviehherden (hebr. so'n). Seiner Bedürfnislosigkeit genügte die Steppe, wo reiche Züchter einen nach tausenden zählenden Bestand hatten, wie Isai (1Sm 1611 1720.34), Nabal (252). Durch S.zucht berühmt war Moab (2Kg 34), und den Stämmen angrenzender Gebiete werden gewaltige Herden zugeschrieben: Midian (Ex 216 31 Nm 3132), Kedar und Nebajoth (Js 607; vgl. Gn 2512–14 1Ch 519–21). Arab. Stämme lieferten Lämmer, Widder und Böcke ( Ziege) nach Tyrus (Ez 2721). Überhaupt galt eine große Herde als Zeichen ungewöhnlichen Reichtums (Hi 13 4212). S.e gehörten sogar zur Basis königlichen Vermögens (1Ch 2731 2Ch 3228 f). Der hohe Verbrauch bei Hof (1Kg 53) und Opferfesten wurde wohl aus ihrem Bestand gedeckt (1Kg 863 f 2Ch 75.. 1511 3024), die Schur unter Beteiligung der Königsfamilie festlich begangen (Gn 3812 1Sm 257 2Sm 1323). – b) Produkte waren neben Wolle: Milch (Dt 3214 Js 721), Fleisch (1Sm 2518 2Sm 124 1729 Js 2213 Am 64), Fell (2Kg 18 Sach 134 Mt 715 H 1137) und Horn (1Sm 161 Jos 65). – c) Das S. war bevorzugtes Opfertier (Lv 36 432 57 u.a. Nm 283–9). Erstgeburt und die erste Schur gehörten dem Heiligtum (Dt 1519 184), der Zehnte dem König (1Sm 817).

– 2. Bildworte betonen etwa die Gefühlsbindung des Menschen an das S. (2Sm 123) und den Einsatzwillen des Hirten für die Herde, der als Bild göttlicher Sorge für den Menschen erscheint (Ps 231 Mt 1812–14), während der Trieb des S.s zum Hirten das Vertrauen des Menschen zu Gott darstellt (J 103) und die hirtenlose Herde Bild irregeführter, orientierungsloser Menschen ist (Nm 2717 1Kg 2217 Ez 345 Mt 936 2631). Der Widder ist Symbol der Macht des medo-pers. Reiches (Dn 83), die wehrlose Geduld des S.s Symbol stellvertretenden Leidens (Js 537 Jr 1119), daher das Lamm Bild Christi (J 129 Off 56 714 141 199). S.spelzmantel kennzeichnete Propheten (1Kg 1913 LXX 2Kg 28 LXX Mt 715 [falsche] H 1137).
[Handwörterbuch: Schaf. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6055-6
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1682)

pfeilScham    

Scham,

Gefühl der Schmach und Scheu (hebr. buscha von bosch »sich schämen«; gr. aischýne von aischos »Abscheuliches«), in den Übersetzungen auch für S.teile (hebr. m·buschim) oder »Blöße« (hebr. 'erwa usw., LXX u.a. aischýne). Nacktheit; Schande.

– 1. Die Menschen schämten sich zunächst nicht ihrer Nacktheit (Gn 225). Israels stark entwickeltes S.gefühl auf Grund der geschlechtlichen Bestimmtheit des Menschen gründet sich auf den Sündenfall (Gn 37–21). Entblößung der männlichen S.teile führt zum Fluch (Gn 922), ihre Vergewaltigung durch eine Frau wird streng geahndet (Dt 2511 f). Anpassung an das Heidentum wird als Blöße und Schande dargestellt (Ez 161–69 Off 317 f). Zu dieser Auffassung haben das nomadische. Erbe und der Gegensatz gegen Kanaanäer und Ausländer, später gegen die gr.-hellenist. Kultur beigetragen. Daß die Anschauungen über die Anständigkeit nicht ausschließlich theologisch bestimmt sind, sondern sich in verschiedenen Zeiten und Gemeinschaften ändern können, zeigen ntl. Stellen (1K 114–15 1T 29).

– 2. Daneben versetzt die Erfahrung des göttlichen Gerichts den Menschen in S. als Sich-Schämen und Schande, weil er dem Spott ausgesetzt ist, Gott recht geben und sich schämen muß (Ex 1214 2Kg 1926 Ps 3626 4416 Ez 718 Mi 710 R 621). Widersacher des Christus müssen mit S. stehen (L 1317 Tt 28 1P 316). Dagegen braucht der Christ sich weder des von anderen verachteten Evangeliums noch seiner Leiden zu schämen (R 116 Ph 120 2T 18.12 1P 416). Gott und Christus werden sich beim Gericht seiner nicht schämen (Mk 838 p H211 1116), und wer sich auf den verachteten Baustein verläßt, wird nicht S. erleben (Js 2816 zitiert in R 933 1011 1P 26; 1J 228).
[Handwörterbuch: Scham. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6066-7

pfeilSchatz    

Schatz

(hebr. u.a. 'osar »Vorrat«, gr. thesaurós »Ort des Aufbewahrten« [ Schatzhaus, -kammer], »Aufbewahrtes«), aufbewahrtes Gut.

– 1. Materiell gesehen schließt S. Verschiedenes ein, was die Menschen hoch werten und was ihren Reichtum ausmacht, zB Gold, Silber und Edelsteine, Häuser, Vieh, Lebensmittel und Grundvermögen (2Ch 3227 Js 392–4 Jr 418 Mt 211). Kostbare S.e gab es besonders im Tempel von Jerusalem (1Kg 620 ff 2Kg 2513–17 Esr 17–11 514 65 Neh 770 ff Jos.Ant. XIV, 110–8 L 215) und in den Königspalästen (1Kg 1426 203 2Kg 1219 2013 Am 311–15). Mehrmals ist von Plünderungen und Konfiskationen des Tempels.es die Rede (1Kg 1426 1518 2Kg 1219 1414 168 1815 2413 1Mkk 121–24 Jos.Ant. XIV, 109; XVIII, 60). –

– 2. Im übertragenen Sinn sind Furcht und Weisheit des Herrn ein S. (Js 336 Wsh 714), das Himmelreich ist gleich dem im Acker verborgenen S. (Mt 1344 f), der Glaubende darf sich als Gefäß für den S. des Evangeliums verstehen (2K 47), und im Gegensatz zur Gnosis wird Christus als der verkündet, bei dem alle S.e der Weisheit und Erkenntnis zu finden sind (Kol 23). Wenn Jesus die himmlischen S.e den irdischen gegenüberstellt (Mt 619–21 L 2133 f), meint er zwar, daß die irdischen S.e vergänglich und immer eine Versuchung zur Habgier sind, aber er verneint nicht den Besitz an sich; es handelt sich darum, woran das Herz hängt, am Mammon oder an Gott; es geht um den Aufbewahrungsort des Besitzes, ob der Besitz Gott übergeben ist oder nicht, d.h. auch, ob der Mensch im Dienst der Nächstenliebe steht oder selbstbezogen ist.
[Handwörterbuch: Schatz. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6073-4
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1686)

pfeilSchicksal    

Schicksal

(im MT nur bei einem Götternamen hebr. m·ni »Zuteilung«, in LXX gr. týche »Begegnung«).

1. In den Religionen des Altertums wurden oft als Urheber des S.s die großen Götter verstanden, so in Ägypten u.a. Ammon-Re (äg. schai »Bestimmer«), in Babylonien Enlil und Marduk mit den »S.stafeln« (babylon. schimtu »Bestimmer«), im Iran Ahuramazda und Zervan (iranisch baga »Zuteiler«). Bisweilen wurde das S. einer selbstständigen Macht zugeschrieben, in Griechenland einer von Zeus abhängigen, später freien S.smacht, der Aisa, Moira oder Tyche (gr. moîra »Zuteilung«, auch anánke »Notwendigkeit«). Das setzte sich im Hellenismus fort (gr. heimarmene »Verhängnis«), wo der oriental. Sternglaube zur weiteren Entwicklung des Fatalismus, des Orakelwesens und der Erlösungssehnsucht beitrug. Im AT steht der S.sglaube im Gegensatz zum Gottesglauben. Meni war eine fremde, wohl kanaan. S.sgottheit (Js 6511). Das AT spricht von Weg, Los (hebr. goral), Teil (hebr. heleq) eines Menschen oder einer Menschengemeinschaft (Js 4027 Ps 166); jedoch sind diese niemals in einem neutralen Sinn »S.«, sondern immer unmittelbar Gottes Wirken am Menschen. In der Joseph-Erzählung (Gn 37–50), einer »Führungsgeschichte« (v. Rad), ist das Leiten der Menschenwege durch Gott ein besonderes Thema. Auch der Tod ist nicht S., sondern Handeln Gottes am Menschen (Ps 903–10). – In der Weiterführung der Vergänglichkeitsklage bei Hiob und mehr noch in der Reflexion über die Nichtigkeit des Menschen beim Prediger zeigen sich Ansätze zu einem Fragen nach dem S. (Hi 141–12 Prd 14–11 u.a.). Der Prediger steht einem tragischen S.sglauben nahe (v. Rad).
[Handwörterbuch: Schicksal. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6107-8
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1692)

pfeilSchlange    

Schlange

(hebr. nahasch, gr. óphis, lat. serpens), in Palästina durch etwa 36 meist nicht giftige Arten bekannt, die im allgemeinen als gefährlich gelten.

– 1. Zoologisch ist ihre genaue Identifizierung in der Bibel problematisch, doch wird es sich um Ottern, Vipern (Viperinae, Brehm V, 476 ff) und Nattern (Colubridae, Brehm V, 426 ff) handeln. Zu den Vipern zählen: sch·phiphon (Gn 4917) Cerastes; sepha', siph'oni (Js 118 1429 595 Jr 817 Spr 2332) Vipera palaestinae Wern.; 'eph'e (Js 306 595 Hi 2016) Echis carinatus und 'akschub (Ps 1404; vgl. R 313 aspís), die sehr giftige Horn-S. Cerastes cornutus, falls keine Verschreibung aus 'akkahisch »Spinne« vorliegt (Bodenheimer in IDB); zu den Nattern: peten (Js 118 PS 585 9113 Hi 2014) Naja haje, Uräus-S., Cobra (vgl. R 313) und qippoz (Js 3415) Coluber iugularis. Luther übersetzt alle Arten mit Otter, sepha' und siph'oni mit Basilisk, qippoz mit Natter. In der Wüste wird ein nahasch 'saraph vorausgesetzt (Dt 815; vgl. Nm 218), der (Js 1429 306) als fliegend vorgestellt ist, möglicherweise eine legendäre, mit dem Seraph (Js 62.6) zusammenhängende Größe; vielleicht darf auch an Draco volans (Brehm V, 37 f) gedacht werden (Bodenheimer, Animal and man, S. 67). – Man kannte auch die Fortpflanzung durch Eier (Js 595) und die Vorliebe mancher Arten für Gemäuer (Am 519 Prd 108), Wüste (Dt 815) und Felsen (Spr 3019).

– 2. Im bibl. Volksglauben sind die Fortbewegung der S. auf dem Bauch, ihre Gefährlichkeit für den Menschen und die Vorstellung, daß sie sich von Staub nähre (Mi 717 Js 6525 unter eschatologischem Aspekt), als Auswirkung göttlichen Fluches gedeutet worden (Gn 314–15). Sie galt als unrein und ungenießbar (Lv 1110.42 Dt 1410; vgl. Apg 1012 116). Das Geheimnisvolle und Unheimliche der S. (vgl. Spr 3019), ihre Bindung an die Erde und das Phänomen ihrer Häutung, verstanden als hintergründige Beziehung zu Tod und Leben ( Baum, Paradies), ließen sie weithin als numinoses Wesen ambivalenter Mächtigkeit erscheinen. Darauf beruhen: ihre Verehrung als chthonische Göttin (> Abb.; vgl. Kadesch, AOB, 276), als Seelentier und Repräsentantin vernichtender und heilender, böser (vgl. Gn 313) und guter Kräfte (vgl. Uräus-S. RÄR, 844–7; Ägypten, Abb. 2, 4; Taf. 2b; Isis; Joseph; Kultgeräte; Sonnenuhr), der Glaube an ihre apotropäische Wirkung ( Eherne S.), symbolisiert im S.n-Stab (AOB, 367) und S.n-Greif (AOB, 370 f) und ihre mythische Bedeutung als Verkörperung der Chaosmacht (Js 271 Hi 2613 mit formaler Analogie zum ugaritischen Vorbild, C.H. Gordon: Ugaritic handbook II, '47, 671–7, 1 u. 2; Js 519 Ps 7413 f Hi 38 712 913, Leviathan, Drache, Rahab). Im AT weist die von Hiskia zerstörte Eherne S. (2Kg 184; vgl. den S.n-Stein 1Kg 19, bei dem Adonija Opfer bringt, und die Drachenquelle Neh 213) auf einen ihrer heilenden Mächtigkeit geltenden S.n-Kultus, der durch Nm 216–9 legitimiert erscheint. Man kannte S.n-Beschwörung (Jr 817 Prd 1011 Ps 585 f; vgl. Jk 37). Moses Stab wurde zur S. (Ex 43 715; vgl. 79.12).

– 3. Im allgemeinen ist die religiöse und mythische Bedeutung der S. teils rationalisiert worden – als listiges Tier ist sie Verkörperung böser Verführungsmacht (Gn 31.4 f; vgl. 2K 11 3) –, teils abgeblaßt zum Bild für die sich durchsetzende Macht Jahwes gegen widerstrebende irdische Gewalt (Js 271; vgl. 519). Sie kann als Vollstreckerin göttlichen Gerichts gelten (Nm 216; vgl. 1K 109 Am 93). Bildlich steht sie für den heranrückenden Feind (Js 1429 Jr 817 4622), für die Wehrkraft eines Stammes (Gn 4917), für die Demütigung der Völker durch Jahwe (Mi 717) und für das Unheil, das den Gerechten nicht treffen wird (Ps 9113). Ihr Gift und ihre Zunge sind Abbild der Tücke des Gottlosen (Ps 585 1404 Hi 2016: vgl. R 313). Die Wirkung des Weines gleicht ihren; Biß (Spr 2332). In der Heilszeit ist sie ungefährlich (Js 118 6525; vgl. Ez 3425). Im NT erscheint sie in den Gleichnisreden Jesu in analoger Weise als Bild für Klugheit (Mt 1016), Heuchelei (Mt 2333; vgl. 37 L 37) und Bosheit (Mt 1234; vgl. 710). Seinen Jüngern verheißt er Immunität (Mk 1618 L 1019; vgl. Apg 283). Die eherne S. des Mose (Nm 219) symbolisiert die Erhöhung des Menschensohnes (J 314; vgl. Barn 125 ff). Paulus bezieht sich auf ihre Bedeutung in Gn 3 (2K 113). Im apokalyptischen Denken sind die alte S. (Gn 3), Drache, Teufel und Satan mythisierend vereint worden zu dem von Michael besiegten und vom Himmel gestürzten Verführer des ganzen Erdkreises (Off 129). Die Schwänze apokalyptischer Rosse gleichen S.n (Off 919). Kriechtiere, Beschwörung.
[Handwörterbuch: Schlange. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6134-7
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1701)

pfeilSchlinge    

Schlinge

(hebr. malkodet u.a., gr. pagís), ein Jagdgerät.

– 1. Um Kleintiere zu erjagen ( Jagd, Vogelfang), verwendete man nach dem AT neben Pfeil und Bogen auch Fallen (genauer das Stellholz), Netze verschiedener Art und S.n. In den Übersetzungen werden diese Begriffe nicht immer scharf auseinandergehalten (Hölscher zu Hi 187–10). Genaugenommen ist von S.n wohl nur die Rede in Hi 1810 (hebr. malkodet, par. zu hebel »Strick«), Ri 23 (hebr. sad, par. zu moqesch »Stellholz«, »Falle«) und wohl auch Hi 189 (hebr. sam, par. zu pah »Klappnetz«). Ein Seil wurde auf den Boden gelegt (eventuell vergraben) mit einer S., in der sich das Tier verfing, worauf es der in der Nähe wartende Jäger anzog (AuS VI, 337). – Anderer Art sind die S.n oder Schleifen (hebr. lula'ot), die an den Teppichen der Stiftshütte anzubringen sind, um diese durch Haken miteinander zu verbinden (Ex 264 f. 10 f 3611 f. 17).

– 2. Im übertragenen Sinn spricht auch das NT von S.n (pagís), die unerwartet Gefahr oder Tod bringen (der letzte Tag, L 2135; der Tisch, R 119). Und wie das AT von den »Stricken der Unterwelt« (2Sm 226 = Ps 186) und des Todes (Ps 185 1163) spricht, so das NT von den S.n des Teufels (2T 226; vgl. auch 1T
[Handwörterbu69). Bei der S. von 1K 735 (gr. bróchos) wird es sich um eine Art Lasso, das über das zu erjagende Tier geworfen wurde, handeln.
[Handwörterbuch: Schlinge. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6143-4
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1703)

pfeilSchloß    

Schloß

(mit »schließen« zu verbinden).
– 1. Palast.

– 2. Riegel

(hebr. b·riah, man'ul,gr. in LXX und bei den Apostolischen Vätern kleîthron, mochlós), Stange oder Zapfen mit hakenförmigem Schlüssel (hebr. maphteah »Öffner«, gr. kleís »Schließer«) zum Schließen von Tor und Tür (Dt 35 3325 1Sm 237 Neh 33–15 Bar 617). Die größeren Gebäude in der bibl. Welt vor allem die Tempel, Paläste, Festungen, Vorratstürme und Stadttore hatten verschließbare ein- oder zweiflügelige Türen (vgl. Gn 1910 f Jos 61 325 1Ch 927 u.ö., Abb. Tür). Das S. bestand aus einem Querriegel (Abb. [3]), einer Haltevorrichtung dafür (gewöhnlich an einem Loch im Türpfosten mit Öffnungen für Haltestifte Ri 163; Abb. [2]) und aus dem Schlüssel (Abb. [4]). Riegel und Haltevorrichtungen waren aus (eisenbeschlagenem) Holz oder aus Kupfer bzw. Eisen (Dt 3325). Der eiserne Schlüssel war ein Hebe- oder Schiebeschlüssel von unterschiedlicher Größe (Ri 325). Man schob ihn von außen oder von innen in den Riegel (Hl 54 f), drückte die Haltestifte aus diesem heraus und machte ihn so frei. Der Schlüssel war in der Mitte oder am Griff ende angebogen und mit Zapfen und Löchern zum Einschieben und Greifen versehen.

3. In anschaulichen Bildern beziehen sich diese Begriffe auf verschiedene Gebiete des Kosmos und Lebens. – a. Riegel oder S. versinnbildlicht eine Grenze, Sperre. Davon ist die Rede bei dem Meer (Hi 3810), einer Drangsal (Js 452 Ps 10716), der Unterwelt (Jos 27), einer durch Zank verletzten Seele (Spr 1819), einer geliebten Braut (Hl 55), einer vorsichtigen Zunge (Sir 2825 [28]). – b. Schlüssel bedeutet Kontrolle einer solchen Schranke im Leben. Wer den Schlüssel zum Davidshaus erhielt, durfte über den Zutritt zum König bestimmen (Js 2222). Jesus teilte Petrus mit, er würde ihm die Schlüssel des Gottesreiches übergeben (Mt 1619). Man kann dieses umstrittene Logion so verstehen, daß Petrus als führender Apostel (was er nachher in Jerusalem wurde) Gericht und Gnade vermitteln sollte, wie überhaupt die Inhaber des Lehramts (1818 J 2023). Die jüd. Schriftgelehrten beanspruchten eine Schlüsselgewalt nur in egoistischer Berechnung (Mt 2313 L 1152). Christus hat ferner den Schlüssel zum Todesreich erobert (Off 118) und läßt strafende Mächte denselben anwenden (91 201). Ebenso besitzt er den Schlüssel zum Davidshaus (s.o.), dessen Vollender er ist (37).
[Handwörterbuch: Schloß. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6145-6
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1704)

pfeilSchnee    

Schnee

(hebr. scheleg, gr. chion), eine in Palästina seltene Erscheinung (2Sm 2320 Spr 2513 1Mkk 1322). Meist tritt er im Gebirge auf (Hi 616) und war dem Israeliten besonders vom Libanon und Hermon (Taf. 53) her bekannt (Jr 1814). Oft ist er Bild für »weiß« (Js 118 Ps 519 Mt 283 Mk 93) und »rein« (Js 118 Kl 47), dient aber auch zur Kennzeichnung des Aussatzes (Ex 46 Nm 1210 2Kg 527).
[Handwörterbuch: Schnee. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6162
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1709-1710)

pfeilSchöpfung    

Schöpfung

(als Verb »schaffen« hebr. bara' »bauen«, 'asa »machen«, gr. ktízo »gründen«, als Subst. gr. ktísis), Entstehung des Weltgebäudes als Gotteswerk gedacht (Luther »Kreatur«).

1. Die bibl. S.svorstellungen haben einiges gemeinsam mit denen der anderen Völker des Orients, deren Weltbild im großen ganzen ähnlich erscheint, mit der Dreiteilung Himmel, Erdfläche, Wasser (oberer und unterer Ozean). – a) Im sumer.-akk. Kreis, wahrscheinlich auch im kanaan., wurde geschildert, wie der S. ein Kampf und ein Sieg eines Gottes über andere Götter vorangingen. Der bekannteste und vollständigste dieser S. smythen ist der in Enurna elisch (Taf. 6a) besungene Kampf des Marduk gegen Tiamat (entsprechend hebr. t·hom »Urmeer«, Gn 12). Daß man auch in Israel von einem Kampf Jahwes gegen chaotische Mächte wußte, beweisen einige poetische Texte (Js 519 ff Hi 2610 ff Ps 7413 f Ps 8910 ff). Andere reden von einer Bedrohung des Meeres durch Jahwe (Ps 1047 Hi 388–10). Im AT heißen diese Chaosmächte Leviathan, Tannin und Rahab. – b) Der erste erscheint in den Texten von Ugarit als Ltn, Feind des Baal.
In Ugarit ist ebenfalls die Rede von einem Sieg Baals über Jam, das Meer, das auch im AT (zB Ps 7413 Hi 712) als ein persönliches Wesen behandelt ist. Wenn auch die Deutung der ugaritischen Zeugnisse als S.smythen umstritten ist, ist es sehr wahrscheinlich, daß die Kämpfe Baals gegen die Meeresungeheuer auf die Vorstellung des Sieges und des Königtums Jahwes eingewirkt haben (so zB Ps 93).

– 2. Freilich hat das AT im Laufe der Zeit diese mythologischen Züge verändert. – a) Sie wurden entweder historisiert – Rahab als Ägypten, Leviathan als Schöpfung Jahwes, oder zu einfachen Bildern hinabgerückt. Trotz dieses Entmythologisierungsprozesses ist noch in späteren Texten das ursprüngliche Kampfmotiv erkennbar (4Esr 647). Die S. als Kampf gegen das Chaos und die Organisation des besiegten Chaos sind andererseits nicht die einzigen Vorstellungen in Israel; wir haben auch ein Echo der S. durch die Weisheit (Spr 822–31), die in ihrer ursprünglichen mythologischen Form eine Göttin gewesen sein mag, die bei der S. Jahwe zur Seite stand. – b) Die Mannigfaltigkeit der S.svorstellungen kommt in den beiden klassischen S.sberichten klar zum Ausdruck. – 1) Im jahwistischen Bericht (Gn 24 b–24) ist die S. ein Sieg über die Wüste, in der ohne Bewässerung kein Leben gedeihen kann. Aus dieser durch eine Quelle (hebr. 'ed) bewässerten Wüste der Erde bildet Gott ('asa »schaffen«), als Töpfer dargestellt, was zugleich seine Freiheit und seine Unmittelbarkeit in der S. zum Ausdruck bringen soll, den Menschen als erstes aller lebendigen Wesen. An zweiter Stelle kommen die Tiere, die dem Menschen zur Hilfe gegeben werden, an dritter Stelle steht die Erschaffung der Frau. Das Thema der S. als Gegensatz zur Wüste hat Deuterojesaja wieder aufgenommen in seiner Schilderung der eschatologischen S. (Js 4320 443 513). Was der Jahwist an außerisraelit. Material seinem Bericht einverleibt – die Erschaffung der Frau geht wahrscheinlich auf den sumer. Mythos von Enki und Ninhursag zurück, wo das Wort ,ti' zugleich Rippe und Leben bedeutet, die Nachricht von der Lage des Paradieses (Gn 210–14) bildet wohl ebenfalls ein mesopotamisches Element – wird seiner Gesamtkonzeption dienlich gemacht und erhält dadurch einen neuen Sinn. – 2) Der spätere Bericht des priesterlichen Erzählers (Gn 11–24 b) bringt die gesamten S.swerke, acht an der Zahl, auf etwas gewaltsame Weise in einem sechstägigen Schema unter. Die Ordnung von Kosmogonie, Zoogonie und Anthropogonie ist eine ganz andere als bei J. Das sechstägige Schema mit dem siebenten Tag als Ruhetag – Ruhe ist aber auch ein S.swerk – ist durch die Heiligkeit des Sabbats bestimmt. Die Darstellung der verschiedenen S.swerke beruht auf dem Prinzip der Scheidung: Licht und Finsternis, Wasser und festes Land, Vögel und Fische, Tier und Mensch müssen voneinander getrennt sein, damit die S. bestehen kann. – In beiden Berichten ist der Mensch, im ersten am Anfang, im zweiten als Abschluß der S., ihre Krone. Daß er als Bild Gottes erschaffen ist, soll weniger seine äußere Ähnlichkeit mit Gott betonen als seine besondere Stellung in der Welt: er steht zwischen Gott und den Tieren. Auf keinen Fall darf der Ausdruck auf eine geistige oder ethische Eigenschaft des Menschen beschränkt werden: der Mensch trägt nicht Gottes Bild, sondern er ist Gottes Bild in seiner totalen Erscheinung. Die S. durch das Wort hat Analogien in Ägypten und Mesopotamien (zB Ptah und Marduk); jedoch durch die Beseitigung jeglichen Polytheismus und Dualismus und vor allem dank der Besonderheit des Gottes Israels wird hier das Wort zu dem alleinigen und allwirksamen Grund der S.: »Er spricht, so geschieht's« (Ps 339). Das hier benutzte Verbum (bara'), bei P und den Propheten der terminus technicus für das göttliche Schaffen, das immer etwas Neues zum Vorschein bringt, drückt seinerseits auch die Souveränität Gottes aus. – c) Die atl. Vorstellungen vom Schöpfergott gehörten nach einer verbreiteten Meinung nicht zu den ältesten und wichtigsten Glaubensaussagen Israels. Jahwe kann auch die Rolle des Schöpfers zum Teil vom kanaan. El übernommen haben. El wurde in Ugarit als Schöpfer der geschaffenen Dinge (bni bnwt) bezeichnet; seine Wohnung an der Quelle der Ozeane zeigt Ähnlichkeiten mit dem babylon. Ea. In der Begegnung Melchisedeks und Abrahams haben wir eine der ältesten Bezeugungen des Elglaubens ('el 'eljon qone schamajim wa'ares, Gn 1419) und seine Übertragung auf Jahwe. Obwohl schon sehr früh die Verehrung Jahwes als des einzigen Gottes die S. notwendig in seinen Herrschaftsbereich aufnehmen mußte, kam es zu einer S.stheologie erst in Verbindung mit den Eltraditionen nach der Eroberung Jerusalems durch David, einer Theologie, deren Wurzeln aber schon seit Abrahams Zeit vorhanden waren. – d) Die Erwählungs- und Bundestheologie ist in Israel zeitlich und sachlich der S.stheologie übergeordnet und wurde von der Bundestheologie aufgenommen. So kam der Ausdruck auf: Bund mit der S. (Gn 98 Jr 3135 u.a.). Bei den vorexilischen Propheten ist die S. immer von der Geschichte abhängig und nimmt am Lauf der Geschichte teil; so zieht zB die Sünde die gesamte S. in Mitleidenschaft. Doch ersehen wir aus den prophetischen Doxologien Am 313 58, die Zitate aus kultischen Hymnen sind, daß schon in der prophetischen Verkündigung die S.swerke ein eindrückliches Zeugnis der Größe Gottes sein konnten. Die hymnische Form, in die meistens die S.svorstellung eingebettet ist, erweist diese als ein kultisches Thema. Im Kultus wurde Gott als der Herr der Welt gepriesen und in den Theophanien dargestellt. Manche kultischen Züge können im priesterlichen Bericht nachgewiesen werden: das Sabbatmotiv, die gehobene Sprache, die Wiederholung des »und Gott sah, es war gut« und die enge Verwandtschaft mit Ps 104. Die Einbeziehung des S.smotivs in die Geschichtstheologie als integrierender Bestandteil der Heilsgeschichte findet sich erst bei Dtjs (Js 4027–31 4424–28). In dieser Perspektive gehört die S. nicht der Vergangenheit an, sondern ist im Werden: Creatio continua, bis zur Neu-S., wo sie endgültig von der Bedrohung durch das Chaos befreit ist (Js 344 516 6517 6621 Ps 10226–28). Eine eigenartige S.stheologie haben wir im Buche Hiob; die S., nicht in ihrer Ordnung, sondern in ihrem geheimnisvollen und widersinnigen Aspekt, führt schließlich die Erlösung Hiobs herbei. – e) Ob man im AT von einer Creatio ex nihilo sprechen darf, ist hauptsächlich eine terminologische Frage. Der Ausdruck als solcher begegnet erst im hellenist. Judentum (2Mkk 728). Insofern die S. fast immer als Organisation einer vorhandenen Materie dargestellt wird, ist der Ausdruck ungeeignet; insofern aber die wirkliche S. nur mit dem Reden oder Handeln Gottes beginnt und das Chaos sich rein passiv verhält (zB Gn 12), hat nur das, was Gott schafft, ein selbständiges Sein, so daß der Begriff der Creatio ex nihilo das letzte Ziel des atl. S.sglaubens ist.

3. Das nachexilische Judentum pries seinen Schöpfer manchmal als den universalen Himmelsgott, der über alle Weltreiche herrscht und daher gegebenenfalls von Nebukadnezar in Babel (Dn 443) und den Großkönigen in Persien anerkannt wurde (Js 451 2Ch 3623 Esr12 511 610), letzteres wohl als Übereinstimmung mit dem Ahuramazda-Glauben zu verstehen. Übrigens wurde vor allem in heilsgeschichtlich orientierten Bußgebeten und Lobgesängen der S. gedacht (Neh 96 Tob 85.15 Jdt 13.17 2Mkk 124 ZusDn 33–37 1QH I, 7–16 u.a.). Betrachtungen über die S. führten in der Weisheitslehre zur Empfehlung eines Skeptizismus (Prd 113), Moralismus (Sir 19 f), Idealismus (Wsh 114) oder Stoizismus (4Mkk 221 ff), auch zur Entwicklung einer Philosophie (Philo, De opificio mundi u.a.). An den Werken der S. sollte man Gott erkennen (Wsh 131–9; vgl. R 118–21). Für die Substanzen und Ordnungen der S. interessierte sich die Apokalyptik (1Hen 171–364 721–8220), ebenso die Qumrangemeinde (1QS III, 13–IV, 26; 1QH XII, 4–11). Rabbinen sahen die Grundlagen der S. in Tora, Kultus und Liebe (Pirq. ab. I, 2). Sie warnten allerdings vor publiken Erörterungen der sogenannten Anfangswerke (StB Reg. s.v. Geheimlehren), beschäftigten sich aber in theologischen Traktaten mit S.swoche, Sündenfall und Vergänglichkeit der Welt (4Esr 638–54 711 Gen. R. 1–10; StB III, 247–55).

4. Das NT setzt die S.slehre des AT und des Judentums voraus, gibt ihr aber eine neue Interpretation, die von der Botschaft Jesu und vom Christusglauben bestimmt ist. – a) Jesus griff auf die atl., für seine Botschaft grundlegende Vorstellung zurück, daß der Mensch zum Bilde Gottes geschaffen ist (Mt 548 2230 p). In analoger Weise gingen die Theologen des NT von der S.serzählung der Gn aus, aber faßten sie christologisch auf (J 11 ff Kol 116 H 12.10). Nach der ntl. Lehre vom Schöpfergott (Apg 424 749 1415 1724 R 120 Off 411 147 u.a.) hat Gott die Welt durch sein Wort gegründet (H 113 2P 35), und der Mensch ist zu seinem Ebenbild geschaffen (L 338 R 829 1K 112–16). Zu dem Neuen gehört aber vor allem, daß die S. durch Christus zustande gekommen ist (J 11–18 1K 86 Kol 115–23 H 12). – b) Es gibt im NT auch eine Lehre von der Creatio nova, der Neu-S., Christus ist der neue Adam und verbürgt die Neu-S. in der Endzeit (R 517). Er ist der schöpferische Geist Gottes (1K 1545 2K 317) und der Erstgeborene des neuen Geschlechts (R 829). Indem er das Abbild Gottes ist (2K 44 Kol 115), konzentriert sich in ihm die ganze Gottbestimmte Wirklichkeit (Kol 29.10). Christus ist selbst der neue Mensch und schafft den neuen Menschen; denn es gibt durch ihn ein neues menschliches Dasein, jeder Christ ist ein neuer Mensch, ja die Menschheit wird durch Christus »ein neuer Mensch« (G 326 E 422 ff Kol 39 f). In der Gemeinschaft mit Christus liegt diese neue, andersartige S. (2K 517). – c) Die ntl. S.slehre kommt besonders im Sakrament, in der Ethik und in der Eschatologie zum Ausdruck. Die Taufe wird als die Neu-S. durch Christus bezeichnet (2K 46 Tt 35). Daß das Abendmahl denselben Sinn hat, geht aus einer Lehrrede Jesu hervor (J 626–59). Das christl. Leben (die Ethik) wird letzten Endes immer mit der Tatsache der Neu-S. in Christus motiviert (E 210 420 ff Kol 39 ff 1P 22). Das ethische Problem kann nach ntl. Auffassung nicht ohne die Neu-S. gelöst werden. Das NT spricht im Sinne des präsentisch-eschatologischen Christusglaubens gleichzeitig von Erfülltsein und Vollendung (J521 R 65). Die neue S. ist also gegenwärtig da, mit Christus und seiner Kirche (2K 517 G 615), aber es gibt dennoch eine Zukunft, eine Endzeit (R 819–22 2P 313 Off 211.5). Die Neu-S. und Wiederherstellung wird im eschatologischen Vollsinne dann eintreten, wenn Gott alles in allem ist (1K 1528 Off 2122). – d) Die Einheit der bibl. Wirklichkeitsauffassung zeigt sich in dieser Lehre von der Neu-S. Um des Menschen willen wurde die Welt geschaffen (Gn 126); durch einen Menschen wurde etwas Neues geschaffen (1K 1545–49). Auch dieses Neue gehört zu der Geschichte, von der die Schriften des alten Bundes erzählen (Js 6517); denn Christus bedeutet ihre Vollendung (R 321), und er ist Alpha und Omega, Anfang und Ende (Off 18). Durch ihn wurde die Welt geschaffen (J 13), durch ihn wird sie neu geschaffen (Off 215).
[Handwörterbuch: Schöpfung. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6179
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1711-15)

pfeilSchoß    

Schoß, Busen

(hebr. heq, beten, gr. kólpos).

– 1. (hebr. heq, in der Lutherübersetzung oft »B.«), nach Ges-B der von den Hüften umschlossene Teil des Körpers (Gn 165 u.ö.), übertragen vom Gewandbausch, in dem etwas getragen wurde (Ex 46 f u.ö. L 638), daher auch Bild für Vergeltung: in den B. oder S. heimzahlen (Ps 7912 Js 656 Jr 3218).

– 2. Mutterleib (hebr. beten Gn 2523 u.ö.).

– 3. Bild für den Ehrenplatz (gr. kolpos) beim Festmahl (L 1622 f J 1323 2Cl 45, Brust), auch Ausdruck inniger Gemeinschaft (J 118). Das Motiv vom S. Abrahams (L 1622) steht unter dem Einfluß jüd. Vorstellungen (ThW III, 825). In der patristischen Literatur wird der S. Abrahams als die für die Gerechten bestimmte Abteilung in der Unterwelt gedeutet.

– 4. Im nicht revidierten Luthertext auch für Steuer (Esr 413.20 L 2022 232 R 136 f).
[Handwörterbuch: Schoß, Busen. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6183
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1716)

pfeilSchuld    

Schuld

(hebr. 'ascham, 'aschma juristisch »Strafbarkeit«, aram.-neuhebr. hob[a] finanziell »Zahlungspflicht«, rabbinisch im religiösen Sinne als »Versagen« und »Verpflichtung« gedeutet; gr. opheile, opheílema »Zahlungspflicht«, ferner aitía »Anklagegrund«, énochos »strafbar«), Belastung durch eine strafbare Handlung, eine ausgebliebene oder zu erwartende Leistung. Eine juristische oder finanzielle S. muß nicht Sünde sein. Religiös betont S. die Belastung, Sünde die Verfehlung.

– 1. Im AT (hebr. 'ascham) handelt es sich um Belastung durch ein schweres Verbrechen (Gn 2610 PS 6822), und für bestimmte Vergehen werden S.opfer (von Sündopfern getrennt, Opfer) vorgeschrieben (Lv 514–67 71–10).

– 2. Das Judentum hat die Begriffe weiter entwickelt. – a) Esra machte S. als Strafbarkeit ('aschma) zum Hauptbegriff im Sündenbekenntnis (Esr 96–15 1010.19). – b) Die Rabbinen ließen S. als Zahlungspflicht (hob[a], im AT nur Ez 187) Versagen = Sünde und auch Verpflichtung gegenüber Gott bedeuten (ThW V, 561).

– 3. Dementsprechend läßt das NT die Zahlungspflicht (opheile usw.) gelegentlich Versagen = Sünde (Mt 612 Vaterunser; 1834 L 742 134) und auch Verpflichtung bedeuten (G 53). Sonst ist S. juristisch gemeint (aitía, énochos): sie ist Anklagegrund (Mt 12 & Mk 1526 J 1838) und zu bestrafen (Mt 521 f 2666 p Mk 329 1K 1127 Jk 210).
[Handwörterbuch: Schuld. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6225-6
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1739)

pfeilSchuldiger    

Schuldiger, Schuldner

([hebr. hajjab], gr. ophei- létes), mit einer nicht erfüllten Verpflichtung Belasteter.

– 1. Die Lage des altoriental. S.s war hart (Spr 227 PS 10911): Der Zins (hebr. neschek, tarbit, gr. tókos), seit Beginn des 2. Jtd.s allgemein üblich, betrug in Akkad und Ägypten 33 bis 40 %, in Nuzi bis 50%, in neubabyl. Zeit 20%, im Röm. Reich immer noch 12% (Mt 2527 p). Ein besonders krasser Fall von Zinseszins ist aus Elephantine bekannt.

– 2. Nach dem AT nahm der Gläubiger (hebr. nosche, gr. daneistes) oft das Unentbehrlichste als Pfand (hebr. habol, gr. enéchyron, Ex 2225 f Am 26.8 Hi 226) und gab es manchmal nicht zurück (Ez 187); er konnte die Schuldsumme mit rücksichtsloser Härte – selbst von der Witwe – eintreiben (2Kg 41), so daß der S. seine Kinder (Neh 52 Js 501) und schließlich sich selbst in Schuldknechtschaft verkaufen mußte (Lv 2539.47 vgl. Mt 1825). Bürgschaft für fremde Schuld war daher gefährlich (Spr 1115 1718 2016 Sir 2922–4). Bundesbuch, Deuteronomium und Heiligkeitsgesetz suchen das Los des israelit. S.s zu mildern (Ex 2224 f Dt 157–15 2320 f Lv 2535–43).

– 3. Doch zeigen die Gleichnisse Jesu, welche unmenschlichen Härten auch in ntl. Zeit noch vorkommen konnten (Mt 1823–35 525 f). So wird der S. zum Bild für die unbedingte Verpflichtung gegenüber Gott (Mt 612 L 741 f R 319) und dem Nächsten (R 114 138 1527).
[Handwörterbuch: Schuldiger. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6228-9
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1739)

pfeilSchutz    

Schutz

(hebr. u.a. schamar »hüten«, seter »Versteck«, auch misgab »Höhe«, sel »Schatten« und dergleichen; gr. sképé, im NT nur teréo, phylásso »hüten«), neben Nahrung und vor Kleidung, Wohnung usw. wichtigstes menschliches Bedürfnis.

– 1. Der S. von Leben, Eigentum u.a. Interessen des Einzelnen wurde in Israel zu sichern gesucht 1. durch Zusammenschlüsse zu Familien, Sippen und Stämmen (männliche Nachkommen bedeuteten Vermehrung der Wehrkraft); 2. durch ein von den einzelnen Gruppen respektiertes übergreifendes Recht, d.h. vor allem Kriegs-, Friedens-, Blut-, Gastrecht und Asylie (innerhalb der Gruppen war oberstes Prinzip der Rechtsübung nicht Wahrung des Rechts-S.es des Einzelnen, sondern des Gruppenfriedens; S. war immer S.herrschaft, Patronat); 3. durch das Solidaritätsgefühl der Israelit. Stämme untereinander, das durch gemeinsame Sprache, Traditionen, Schicksale, Religion und Kultausübung genährt wurde; 4. durch Verträge mit anderen Mächten oder Unterwerfung unter sie (Ex 1812 Ri 36 116 Js 301–5 und dergleichen); 5. durch Befestigungen und Waffen; 6. durch Gebete, Opfer, Weihgaben, Amulette u.a. (zB 1Sm 710 ff). In der Königszeit traten 1–3 zurück. Jahwe wurde als Schützer, Friedens- und Heilsgarant gesehen, fast mehr denn als Fruchtbarkeitsspender und Ernährer, mit mannigfachen Benennungen aus 1–5, den Zeiten entsprechend, zB »Vater«, »Onkel«, »Herr«, »Bluträcher« (Ps 913), »Asyl« (Ps 178 368 u.ö.), »Hilfe« (Ps 3320 u.ö.), »Burg« (2Sm 222 Ps 183 u.ö.) usw. 2. Das nachexil. Judentum suchte, im Vertrauen auf den Himmelsgott (Esr 12), für seinen Tempeldienst den S. des Perserkönigs Darius (610 ff. 22) und später des Seleukiden Antiochus III. (2Mkk 32 f). Von der Politik der nachfolgenden Seleukiden bedrängt, richteten Apokalyptiker ihre Hoffnung auf Israels S.-engel (Dn 111 121), während sich Makkabäer und Hasmonäer unter den S. der Römer stellten (1Mkk 81 usw.). Weisheitslehrer äußerten sich voller Zuversicht über das geschützte Leben der Weisen (Sir 64.29 Wsh 516).

– 3. Im NT ist von einem solchen S. nicht mehr die Rede. – a) Weil das Leben für das Gottesreich und in der Nachfolge gerade ungeschützt ist und das Leiden erst bei der Parusie aufgehoben wird (Mt 54.10 usw., R 52 ff usw.), wird Erwartung eines physischen Gottes-S.es als Versuchung abgelehnt (L 410). Es findet sich nur die Hoffnung auf Errettung oder Bewahrung vor dem ewigen Untergang (Mt 613 L 924 J 1225 1712.15 1K 55 1013 2Th 33 2P 25 1J 518 Jd 24 Off 310). – b) Das im Römerreich bekannte Verhältnis zwischen Patronus und Klienten (Schützling) wird bei Phoebe und den Christen in Kenchreä erwähnt (R 162, gr. prostátis »Beschützerin«).
[Handwörterbuch: Schutz. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6246-48
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1744-6)

pfeilSchwachheit    

Schwachheit

(hebr. kaschal »straucheln«, »erschöpft, müde sein«, 'umlal »verwelken« u.a.; gr. astbeneia), nicht nur die körperliche Kraftlosigkeit (Nm 1318) oder Krankheit (2Ch 2815), sondern auch das Fehlen geistiger und sittlicher Kräfte (Ps 63 R 56) und die Machtlosigkeit im sozialen Bereich (1Sm 24 1K 127; arm, elend). Propheten und Psalmisten wußten, daß Gott dem Schwachen hilft und seine Pflege gebietet (Js 3324 Ez 344. 16. 23 Ps 63 719 u.ö.). Diese Forderung wird von Christus, der dem Notleidenden hilft (L 531 u.ö.) und selbst in S. stirbt, ganz erfüllt (vgl. Mt 817, Zitat von Js 53, u.ö.). Darum preist Paulus die S. als Stärke (1K 127 2K 1130 129; Kraft) und fordert, die Schwachen zu tragen (R 141 151 1K 89).
[Handwörterbuch: Schwachheit. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6251

pfeilSchweigen    

Schweigen

(hebr. harasch »stumm, still bleiben« u.a., gr. sige »Ruhe«, siopáa »verstummen«), Nichtreden oder Stillbleiben ( Stummheit). Das S. Gottes ist schrecklich für den Frommen (Ps 281 Js 6411), erfreulich für den Gottlosen (Ps 832). Die Spruchdichtung weiß, daß S. überhaupt klug ist (Spr 513 1728); vor Gott schweigt der Mensch in Demut und Schuld (Ps 393.10 Apg 2114). Jesus schweigt vor seinen Richtern (Mt 2663 wegen Js 537). Im Protest gegen Emanzipationsbestrebungen der Gnosis wird der Frau geboten, im Gottesdienst zu schweigen (1K 14 34 1T 212). In der Endzeit wird (wie vor dem ersten Schöpfungswort Gottes) S. im Himmel entstehen (Off 81). Ignatius läßt den Logos aus Gottes S. kommen (IgnMg VIII, 2).
[Handwörterbuch: Schweigen. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6263
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1748)

pfeilSeele    

Seele

(hebr. nephesch, gr. psyche).

– 1. Im AT bedeutet S. (nephesch) eigentlich »Kehle, Gurgel«, dann »Atem, Lebenshauch«. Weil der Atem das »Plus« ist, durch das sich das Lebendige vom Toten unterscheidet, kann S. dann die Bedeutung »Leben« bekommen, meint aber immer das an einen Körper gebundene Leben. Mit dem Tode verläßt die S. das Lebewesen und verschwindet. Eine Bedeutungswandlung ist in der jahwistischen Schöpfungsgeschichte festzustellen: hier heißt das, was durch den aus Erde geformten Körper und durch den Gottesodem zustande gekommen ist, »lebendige S.« (Gn 27). Das lebende Individuum selbst kann man nun als S. bezeichnen. In der Linie dieser Bedeutungsentwicklung liegt es, wenn S. schließlich zum freilich feierlich betonten Reflexivpronomen wird; ähnlich ist es zu verstehen, wenn (Ps 1031.22 1041.35) der Psalmist seine »S.« als eine Art höheres Ich auffordert, Gott zu loben. Vom Moment der Lebendigkeit aus kann S. auch die Bedeutung »Empfindung, Stimmung, Gefühl« (1Sm 115), ja auch »Gier« annehmen. Insgesamt: S. ist die von Gott als Schöpfer in das Lebewesen hineingelegte Lebenskraft, die nur in Verbindung mit dem Leibe da ist und mit dem Tode wieder genommen wird. Von hier aus zeigt sich, wie problematisch unsere Übersetzung »S.« für das hebr. Wort ist.

2. Im ganzen ist das NT im Traditionszusammenhang atl.-jüd. S.nvorstellungen geblieben. Die S. (gr. psyche, oft pneûma) ist das vom Schöpfer gegebene konkrete Leben: der Mensch ist S. (Mt 625 1039 Mk 34 1045 R 29 1P 19). Auf einer Unterscheidung zwischen Leib und S. liegt kein Gewicht, da es vor Gott (zumal im Endgericht) um das Geschick des ganzen konkreten Menschen geht (Mt 1022. 1Th 523). Wohl kann das Ich den Leib zeitweise verlassen (2K 122 ff); nach dem Tode existiert die S. im Totenreich (1P 319 f), während der Leib verdirbt (1K 1535 ff). Aber die endzeitliche Totenauferstehung wird eben den sterblichen Leib in die Herrlichkeit Gottes hinein verwandeln (1K 1553 ff). Ein leibloses Dasein einer »nackten« S. fürchtet Paulus (2K 51 ff). Eben darauf liefen jedoch die vielerlei gnostischen Tendenzen im Urchristentum hinaus: der Gnostiker überwindet das Leibliche und ist als Erlöster reiner Geist (als pneumatikos unterschieden vom psychikos 1K 210 ff).
[Handwörterbuch: Seele. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6294-6
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1756)

pfeilSegen    

Segen

(hebr. b·raka, gr. eulogía), in der Bibel ein Begriff von erheblicher Bedeutungsweite und -tiefe.

1. Im AT ist die ursprüngliche Bedeutung des Verbs segnen »mit heilvoller Kraft begaben« (Köhler). Gegenüber dem Gebrauch in den Religionen der Umwelt hebt sich ein spezifisch bibl. S.sbegriff ab. – a) Die Herkunft von einem magisch-dynamistischen S.sbegriff zeigt sich allerdings noch deutlich; zB im Isaak- S., wo mit dem S.sritus (die stärkende Speise!) sich die Übertragung der S.skraft unwiderruflich vollzieht (Gn 271–41). Der S.sbegriff wird aber entscheidend gewandelt 1. dadurch, daß Gott das alleinige Subjekt des Segnens und damit alle S.skraft Gott unterstellt wird (die Bileam-Geschichte Nm 22–24), 2. dadurch, daß durch den Jahwisten der ganze ungeschichtliche S.sbegriff mit der Geschichte verbunden wird in der S.sverheißung (Gn 121–3). Mit dieser Zuordnung des S.s zu Jahwe und zur Geschichte Jahwes mit seinem Volk hat der S.sbegriff seinen magischen Charakter verloren. Diese Wandlung des S.sbegriffes ist darin begründet, daß nach der Landnahme der Retter- und Führergott auch zum segnenden Gott wird. – b) Die Geschichte des S.s im AT zeigt drei Hauptstadien: 1. In den Vätergeschichten (Gn 12–50) ist die Familie der Bereich des S.s und des S.swirkens. Der S. ist die vom Vater an den Sohn weitergegebene Lebenskraft. Die Weitergabe vollzieht sich in einem vorkultischen Ritus (Gn 2725–30), zu dem Handlung und Wort gehören; das S.swort ist geschichtsmächtig und hat Rechtskraft. Besonders im Kreis der Jakob-Esau-Erzählungen hat der S.sbegriff eine die Erzählungen wesentlich bestimmende Bedeutung. 2. Im Dt ist das Volk der Bereich des S.swirkens. Er ist die Kraft der Fruchtbarkeit und des Gedeihens für den Menschen, für das Vieh und für den Acker (Dt 283–6). Der S. ist hier dem Wirken Gottes an seinem Volk in der Weise zugeordnet, daß er als von den Vätern her verheißener S. in seiner Auswirkung an den Gehorsam des Volkes gebunden wird. Er ist ständig bedroht von der Gegenkraft des Fluches, und die bedingte Verheißung ist im Dt seine deutlichste und häufigste sprachliche Ausdrucksform. 3. Allmählich wird das Reden vom S. immer mehr auf den Gottesdienst eingeengt und auf die priesterliche S.s-handlung bezogen, wie es die Einsetzung des aaronitischen S.s (Nm 622–26) und die vielen Psalmstellen zeigen, die vom S. reden. Daneben geht aber das vortheologische Reden vom S. und das theologische von der S.shandlung unabhängige Reden von Gottes S. bis in die späteste Zeit weiter. – c) Zum S. gehört ursprünglich und dann wieder im gottesdienstlichen S. Wort und Handlung (bzw. Geste). Der sprachliche Ausdruck ist ursprünglich das wirkende Wort: »gesegnet seist du« (hebr. baruk 'atta), später die des Wunsches oder der Bitte (zB Nm 624–26). Der S.sspruch war einmal eine feste, offenbar reich entwickelte Redeform (zB Gn 926 f und die Sammlungen Gn 49 und Dt 33). Häufig, besonders in kultischer Sprache, sind S. und Fluch kombiniert. Der S. gehört ursprünglich in die Situation des Abschieds, daher wird er im Gottesdienst bei der Entlassung erteilt. Zu jedem Zusammenkommen des Volkes bzw. der Gemeinde gehört der S.; in früher Zeit vom Führer (Mose, Josua) oder König (2Sm 618 1Kg 814.55) erteilt, später nur noch vom Priester (Ps 11826). Das Ziel der Prozession ist der S. vom Heiligtum her (Ps 1343); er gehört zum Opfermahl wie zur Darbringung der Erstlinge. Immer aber ragt der S., wie in der ganz frühen Zeit, über den Bereich des Kultes hinaus: es bleibt das Segnen der Eltern (Tobit), der S. bei Geburt, Abschied, Hochzeit, vor dem Sterben, das tägliche Brot wird gesegnet. Darüber hinaus hat der S. seinen wichtigsten Ort im Gruß; Gruß und S. gehören zusammen. Seine häufigste Form ist der Friedenswunsch; Friede (= Heilsein der Gemeinschaft) ist nur da, wo der S. wirkt.

2. Im Judentum sprechen Vertreter einer optimistischen Frömmigkeit gerne vom S. (Tob. 524–1316 Sir 119–5023).

– 3. Das NT dagegen ist vom Gefühl der erfüllten Heilswirklichkeit getragen. Es erwähnt daher ganz emphatisch Gottes S. im Rahmen des Bundes und der Verheißung (G 314 E 13 1P 39 H67 1217). Jesus segnet mit Vollmacht (Mt 53–11 p 1419 p 2626 p Mk 1016 L 2450), und seine Worte und Werke stehen überhaupt im Zusammenhang des S.swirkens (Mt 724 p 83 usw.). Er sendet seine Jünger nicht nur mit einer Botschaft, sondern auch mit einem S. aus (Mt 544 p 1013). In den Briefen hat das Segnen und S.swirken seinen Ort in den die Briefe rahmenden S.s- und Friedensgrüßen (R 17 1620 usw.) und in den Mahnungen zur Friedfertigkeit (R 1214–1P 39). Wird Gott gesegnet, geht es um Dank u. Lob (L 164 228 2453 1K 1016 Jk 39).
[Handwörterbuch: Segen. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6301-4
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1758)

pfeilSein    

Sein

(als Verb hebr. haja, gr. eimí), in der Bibel nicht als abstrakte Existenz, sondern als konkrete Wirklichkeit gemeint.

– 1. Im AT bedeutet das Schöpferwort »es sei Licht« (Gn 13), daß das Licht nicht nur zur Existenz, sondern auch zur Erscheinung und Tätigkeit gebracht wurde. Jahwe deutet seinen Namen nur etymologisch, nicht ontologisch als »Ich bin der ich bin« (Ex 314). Bei den Selbstbezeichnungen Gottes steht sonst keine Kopula (Gn 151 »Ich bin dein Schild« und dergleichen). Das hebr. Verb (haja) drückt auch verhältnismäßig selten ein Sichbefinden aus (Gn 48 sie »waren« auf dem Felde), häufiger eine Bewegung und Berührung (Jr 14 Gottes Wort »kam«, »traf«).

– 2. Das Judentum konnte Gott (wegen Ex 314) den ewig Seienden nennen (1QS XI, 4), so besonders Philo (H. Leisegang, Indices I, 34. 226 f), der auch den philosophischen Begriff des S.s verwendete (ebd. 227 f).

– 3. Im NT steht das gr. Verb (eimí) als Kopula u.a. bei Ich-bin-Worten und anderen Selbstbezeichnungen Jesu (Mt 1129 u.a.). Analog zur Wendung »hier ist das Bundesblut« (Ex 248) läßt sich auch bei der Formel »dies ist mein Leib, Blut« (Mt 2626 f) mit einer Kopula rechnen (Motiv des Vorhandenseins, nicht der Verwandlung oder Bezeichnung). Gott und Christus heißen »seiend« nicht im Sinne zeitloser Existenz, sondern urzeitlicher, gegenwärtiger und zukünftiger Machtfülle (J 11 858 175 H 116 Off 14.8 48 1117 165 A und O). Paulus benutzt nicht die Begriffe Seiendes und Nichtseiendes ontologisch, vielmehr meint er Wertvolles und Wertloses (R 417 1K 128).
[Handwörterbuch: Sein. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6313-4
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1760)

pfeilSelbst-

bezeichnung

   

Selbstbezeichnung, Selbstprädikation,

eine Aussage Gottes oder seines Sohnes über ihren Namen oder über ihr Wesen. In der antiken Religionsgeschichte gibt es dazu viele Analogien (ThW II, 341).

1. Das AT läßt manchmal die Gottesbezeichnungen als Selbstprädikationen Gottes hervortreten, oft mit »Ich bin« als Einleitung. Am häufigsten nennt sich Gott mit seinem Namen, Jahwe oder El(ohim), eventuell mit einem Zusatz wie »Abrahams«, »der Heilige« (Gn 157 171 u.a., Js 428 4311 u.a.). Daneben tut er sein Wesen kund und heißt dabei ein Schild (Gn 151), »Ich bin« (Ex 314), Heilender (1526), Eifriger (205), Vater (2Sm714 Jr 319), Erster und Letzter (Js 414), Erlöser (4926), Tröster (5112), Gnädiger (Jr 312), König (Ml 114).

– 2. Entsprechend kommen im NT Christusbezeichnungen als Selbstprädikationen des Gottessohnes vor Zunächst erscheinen sie in der dritten Person, indem Jesus vom Menschensohn redet (Mt 820-L 247 72mal, Parallelen und Varianten mitgezählt; J 152–1331 12mal). Nach der Darstellung der Evangelisten meint er dabei seine eigene Person im Status der Erniedrigung und Erhöhung. Von der nachösterlichen Gemeinde wird Jesus nur einmal Menschensohn genannt (Apg 756) und einmal mit einem Menschensohn verglichen (Oft 113; 1414 bezieht sich auf einen Engel). Also läßt sich diese S. schwerlich als Jüngererfindung abfertigen. In der ersten Person mit »Ich bin« als Einleitung spricht Jesus von seinem Wesen, bei den Synoptikern nur gelegentlich (Mt 1129 »ich bin sanftmütig«; L 2227 »ich bin wie ein Diener«), im Johannesevangelium häufiger (J 426 »ich bin es [der Messias]; 635 »ich bin das Brot« u.a.; 3). Ähnlich sagt der auferstandene Christus nach johanneischer Überlieferung mehrmals »Ich bin« (Off 18 »ich bin das A und O«; 117 f »der Erste und der Letzte, der Lebendige«; 223 »der die Herzen erforscht«; 2217 »der Wurzelsproß Davids«). Für die Urgemeinde gab es zwischen den S.en des Fleischgewordenen und des Auferstandenen keinen bestimmten Unterschied. Die heute umstrittene Frage, inwieweit die S.en auf Jesus oder auf Christus zu beziehen sind, geht von neuen Alternativen aus.
[Handwörterbuch: Selbstbezeichnung. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6325-6
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1762)

pfeilSieg    

Sieg

(im Hebr. Ausdrücke für »Hilfe«: j·/t·schu'a, 'azar ni., salah hi., und »Stärke«, g·bura; gr. níke), das Ergebnis von Kriegen (Ex 1711 2Sm 193) wie vom Einzelstreit (Hos 125 Off 128).

– 1. Für das AT und das Judentum spielen menschliche Klugheit und Tapferkeit eine Rolle (Spr 2018 246), aber S. ist eigentlich Gnadentat Jahwes (1Ch 2911 Spr 2131 Hab 38 2Mkk 1315), der ihn ohne menschliche Macht verleihen kann (Ri 7 1Sm 77 ff Js 311.3 1Mkk 319 2Mkk 1521 Jdt 913). So fehlen prahlende S.es-Stelen, wie sie Israels Umwelt kannte, nicht aber S.es-Lieder (Mirjam, Debora, Ps 18 u.ö.) und S.es-Feiern (1Sm 186 ff 2Ch 2026 ff Nah 21 ff).

– 2. Im NT ist Christus S.er über Welt (J 1633), Fleisch (Mt 2639.41 H 415), die Mächte (Mt 41 ff 1228 1K 1555 Kol 215), und im Glauben hat der Christ Anteil an diesem S. (J 1611 1K 1557 1J 54 f). Wie der göttliche Gerichtsvertreter über die Weltmacht siegt (Off 62 128), so wird der S. der Märtyrer in S.es-Liedern gepriesen (Off 1219 ff 152 ff).
[Handwörterbuch: Sieg. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6401
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1786)

pfeilSiegel    

Siegel

(hebr. hotam entsprechend äg. htm, tabba'at entsprechend äg. db'·t »Ring«; aram. 'izqa; gr. sphragís), Petschaft, Stempel, Original und Abdruck, letzterer zur Bestimmung von Ursprung oder Inhalt eines Gegenstandes. Der Begriff ist allgemeiner als der eines keramischen Stempels.

– 1. Das S. ist dem AT in der Form eines S.ringes (Gn 4142 Jr 2224 Hg 223; vgl. auch L 1522), eines Stempel-S.s und vielleicht auch als Roll-S. (Gn 3818.25, Luther fälschlich »Ring«), das an einer Schnur um den Hals getragen wurde, bekannt. Sein Abdruck, das eigentliche S. (lat. = sigillum »Bildchen«), vertritt in allen rechtlichen Angelegenheiten den Eigentümer des S.s: beim Abschluß eines Vertrages (Jr 3210.44); beim Handel zum Versiegeln eines Kruges oder zur Bezeichnung des Eigentums, Kauf, Verkauf (Abb. Handschriftenfunde); bei einem königlichen Befehl (1Kg 218 Dn 618 Neh 101 f Est 312 u.ö.; vgl. Mt 2766). Es wird daher hoch geschätzt (Ez 2812) und besonders sorgfältig aufbewahrt (Hl 86).

– 2. Ausgrabungen haben mehrere Hunderte von S.n und Stempel-S.n zutage gefördert. – a) Im mesopotamischen Bereich waren seit der ältesten Zeit die Roll- S. in Gebrauch (Herodot I, 195, Strabo XVI, c. 20), während der 1. und 2. Dynastie vereinzelt auch in Ägypten. Es handelt sich hierbei um im Durchschnitt 2–8 cm hohe, ca. 1 cm dicke Zylinder (daher auch S.zylinder genannt) aus Stein (Basalt, Jaspis u.a.) oder Ton mit einer Bohrung in Längsrichtung mitten durch den Zylinder, um eine Schnur durchziehen zu können. Der Mantel des Zylinders wurde mit bildlichen Darstellungen aus dem Bereich des Mythos (Abb. Baum) oder des kultischen, vereinzelt auch des täglichen Lebens versehen. Besonders wertvoll sind die Roll-S., die neben dem Bild eine Inschrift, die sich auf die Darstellung beziehen konnte, zumeist aber den Namen des Eigentümers angab, enthalten. Auf dem weichen Ton abgerollt ergaben sie ein rechteckiges Bild. – b) In Palästina wurden Roll-S. aus vorisraelit. Zeit in Megiddo, Thaanach (aus schwarzem Syenit, ca. 2000 vChr, mit akk. Inschrift: Atanach-ili, Sohn des Habsu, Diener des Nergal, Abb. 1) u.a. gefunden. Aus Ägypten, das statt Ton Papyrus zum Schreiben verwendet, kömmt die Form des Skarabäus, die in zahlreichen Exemplaren aus Grabungen in Palästina zu belegen ist. – c) Eine durchaus eigene Form hat der nordsyr.-kleinasiatische Raum entwickelt: das ovale Stempel-S. (Galling), auch Skarabäoid genannt ( Skarabäus, Abb. 2). Es ist auch in Palästina am häufigsten vertreten, wohin es zum Teil importiert wurde, verrät aber hier in vielen Einzelheiten auch typisch israelit. (u.a., zB ammonitische) Herkunft, neben dem deutlich wahrnehmbaren, durch Phönizien vermittelten äg. Einfluß. Es besteht aus Ton oder Halbedelsteinen und wurde anfangs mit Bild (Löwe, Stier u.a.) und Inschrift (oberhalb und unterhalb), vom 7. Jh. an auch nur mit Inschrift (gewöhnlich zwei Zeilen, durch parallele Striche getrennt) geschnitten (Ex 2811. 21. 36), was eine Folge der Bilderfeindlichkeit und eine Betonung des persönlichen Moments in der Anschauung des AT sein kann. Mythologische Szenen fehlen fast ganz. Die Inschrift gibt in althebr. Schrift oft nur den Namen (vereinzelt auch den weiblichen) und den des Vaters an, häufig aber auch neben dem Namen den Titel oder Rang. Vor dem Namen steht das Dativzeichen »l«. Im 7. Jh. wird das ovale Stempel-S. auch im mesopotam. Raum heimisch, wo es auch vorher nicht ganz unbekannt war. – d) Aus der Königszeit können als bekannte S. hervorgehoben werden: 1) das S. des Schema (Abb. 2). 2) Der S.ring des »Jotham« (Königs von Juda). 3) Das S. des »Jaasanja, des Ministers des Königs«, Onyx, aus tell en-nasbe, mit der Darstellung eines kämpfenden Hahns; ältester Beweis, daß Hühner, obwohl im AT nie erwähnt, bekannt gewesen sein müssen, um 600 vChr (vgl. 2Kg 2523 Jr 408; Abb. 3). 4) Der S.abdruck des »Gedalja, der über dem Haus ist« (vgl. zu diesem Titel 1Kg 46 u.ö.), Krongutsverwalter, aus te1l ed-duwer (vgl.2Kg 2522–25). 5) Das S. des »Eljakim, des Ministers des Jaukin« (= Jojachin), aus T. Beit Mirsim, Beth Semes und Ramat Rahel; es zeigt, daß auch unter Zedekia noch Jojachin als rechtmäßiger König angesehen wurde. – e) Hellenismus und Römerreich kannten neben den S.n auch die als Schmuckstücke gebrauchten, nur ein Bild wiedergebenden Gemmen. Das S. ist über Kreta dem gr.-röm. Kulturbereich bekannt geworden. – f) Die wissenschaftliche Forschung kann aus den S.n Aufschluß in vielfacher Hinsicht gewinnen: Die Archäologie für die Bestimmung der Chronologie und der Schichtenfolge; die Ikonographik für die Art der Darstellung des Bildes und damit für die Verbindung der Kulturen; die Onomastik für zeitbedingte Wort- und Namensformen; die Kulturgeschichte für die Erfassung der jeweiligen Lebensumstände; die Religionsgeschichte für die hinter den S.n stehenden Vorstellungen. Freilich müssen Bestimmungen dieser Art Hand in Hand miteinander gehen und können nicht losgelöst voneinander getroffen werden.

3. Im übertragenen Sinne zeigt das S. an, daß das darunter Befindliche (zB das Geschick Israels) verborgen und verschlossen ist oder bleiben soll (Dt 3234 Js 816 2911 [vgl. Off 2210] Dn 124.9 Hi 97 1417 Hl 412; im NT: Off 104 203). Für Paulus war die Beschneidung ein S. (R 411), und ähnlich konnte auch die christl. Taufe als S. verstanden werden (2K 121 f E 113 430 Off 94; deutlich ausgesprochen in Herrn. sim. IX, 164). S. seines Apostolates waren für Paulus die Korinther (1K 92). Johannes sah ein himmlisches Buch mit sieben S.n (Off 51 f. 9 61–81). Mit sieben S.n sind auch Sklavenkaufverträge aus spätpers. Zeit gesiegelt worden (F.M. Cross, BA 26, '63, 110–21), hier aber geht es um Strafgerichte, die vom AT vorausgesagt und von Christus ausgelöst werden. Alle Diener Gottes werden mit seinem S. gezeichnet (Js 445 Ez 94 Off 72 141; vgl. Gn 415 Off 94). Christus ist selber der Abdruck des Wesens Gottes (H 13; vgl. J 627).
[Handwörterbuch: Siegel. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6402-6
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1789-1790)

pfeilSohn    

Sohn

(hebr. ben, gr. hyiós), nächster Verwandter und Vertreter eines Mannes.

– 1. Nur in einem S. kann nach dem AT der Israelit weiterleben und damit auch den Fortbestand seiner Sippe gewährleistet sehen. Keine S.e um sich zu haben, ist gleichbedeutend mit ohne Namen sein, da niemand da ist, der ihn weitertragen könnte (Gn 301–3). Für den seßhaften Israeliten wäre damit gleichzeitig die Aufgabe seines Besitzes verbunden. Daher macht es die Gesetzgebung möglich, den ersehnten Erben und Namensträger zu erhalten ( Magd, Nebenfrau, Schwagerehe). Andererseits bringen S.e Ansehen und Ehre für die Mutter, aber auch Macht und Einfluß für den Vater (Ps 1273–6 1283). Der Erstgeborene ist eigentlich Eigentum der Gottheit (Ex 1313 2228 3420; vgl. Gn 22) und genießt besondere Rechte (Gn 274 493 Dt 2117). Noch entfernte Nachkommen nennen sich nach dem Stammvater (Mt 11 J 837.39 H 216), so besonders die Glieder des Volkes Israel: »S.e Israel« (Gn 3233 usw.) = Israeliten (nie im Singular). »S.« kann auch von nicht verwandten Personen als vertrauliche Anrede gebraucht werden und führt so eine Art Abhängigkeits- (1Sm 2617 u.ö.) oder Lehrer-Schüler-Verhältnis (Prd 21 1T 12 1P 513) herbei. Der Begriff S. kann für Glieder einer Gattung oder Zunft o.ä. gebraucht werden (Ps 85 Am 714 Mt 1227 L 1119 Apg 325 u.ö.). Auch Tierjunge können »S.« heißen (Gn 187 4911 Dt 226 u.ö.).

– 2. In übertragenem Sinn wird der Todgeweihte S. des Todes (1Sm 2031 2616 2Sm 125 Ps 7911 10221), der Übeltäter S. der Bosheit (2Sm 710 2Th 23 ähnlich Mt 2315 u.a.) und der Friedfertige S. des Friedens (L 106) genannt. Das Alter wird mit der Wendung »S. einer bestimmten Zahl von Jahren« angegeben (Gn 532 u.ö.). Pfeile sind S.e des Köchers bzw. Bogens (Kl 313 Hi 4120), die Funken S.e der Flamme (Hi 57) und der Morgenstern S. des Morgenrots (Js 1412). Im NT werden die Hochzeitsgäste S.e des Brautgemachs genannt (Mt 915). Es kennt S.e des Reiches (Mt 812 Das), des Lichtes (L 168 J 1236 E 58 1Th 55), dieser Welt (L 168 2034) und des Unglaubens (E 56).
[Handwörterbuch: Sohn. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6501-2
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1818-1819)

pfeilSohn

     Gottes

   

Sohn Gottes

(hebr. sing, ben »der Sohn« oder b·ni, b·no »mein, sein Sohn« [»Jahwe« nur im Kontext], plur. b·ne 'elim, 'elohim »Gotteswesen« [»Gott« hier als Bestimmung]; aram. sing, bar 'elahin »ein Gotteswesen«; gr. [ho] hyiòs [toû] theoû »der S.G.«), bibl. Bezeichnung für a) Engel, b) Israel, c) den König, Messias, Christus. Kindschaft.

1. In der Welt der Religionen findet sich oft die Tendenz, eine Funktion der Gottheit als den jungen Gott, den S.G. oder dergleichen auszugestalten. Im Alten Orient wurde manchmal der König als Träger dieser Funktion dargestellt, so ganz betont der äg. König (S. Morenz, Äg. Religion; vgl. RGG), teilweise auch der westsemit. (zB Mesa in Moab als Sohn des Kamos, mehrere Herrscher von Aram namens Benhadad), ebenso der sumerisch-akk. (I. Engnell, Kap. 2).

– 2. Im AT hat der Ausdruck verschiedene Bedeutungen. – a) Angelologisch bezeichnet die Pluralform »Gotteswesen« ( Gottessöhne) himmlische Wesen, sowohl die in der Urzeit auf die Erde gekommenen Götter, die nach der atl. Interpretation von Gott abgefallene Engel waren (Gn 62), wie die ihm dienenden Geister vor seinem Throne (Ps 291 Hi 16 21) oder unter den Wolken und Sternen (Ps 897 Hi 387). – b) Korporativ stehen die Singularformen »mein« oder »der Sohn« für Israel als Gegenstand der Errettung (Ex 422 f Hos 112 Ps 8016). – c) Individuell beziehen sich diese Wendungen auf David und den König aus seinem Hause (2Sm 714 Ps 27), der Gott zum Vater hat und der Erstgeborene ist (Ps 8927 f). In einer Schilderung der Allmacht des Schöpfers wird nach dem geheimnisvollen Namen »seines Sohnes« gefragt (Spr 304).

– 3. Das nachexil. Judentum weist ähnliche Varianten auf. – a) Von Daniel wird berichtet, der vierte Mann im Feuerofen habe wie ein Gotteswesen ausgesehen (Dn 325). – b) Korporativ wird Israel als S.G. bezeichnet (PsSal 1727 184 Wsh 1813). – c) Individuell wird der Begriff in der Weisheitsdichtung auf den vorbildlichen Gerechten bezogen (Sir 410), in der Apokalyptik auf den kommenden Messias (1Hen 1052 4Esr 728 f 1332. 37. 52 149). Für den ntl. Begriff S.G. erscheinen damit fragmentarische Voraussetzungen gegeben, obwohl die zugänglichen Texte erst in christl. Zeit mehr ausdrücklich den jüd. Messias als S.G. darstellen (4Esr ebd.).

4. Das NT nennt Jesus den S.G. über 100mal, Parallelen) mitgezählt (Mt 215-Off 218). – a) In bezug auf den Ursprung nimmt die Forschung in Deutschland vielfach an, die Bezeichnung S.G. sei erst von der hellenist. Urgemeinde auf Jesus angewendet worden, und zwar in dem mythischen Sinn, den sie in der ausgehenden Antike hatte. Die Jerusalemer Urgemeinde habe höchstens im Anschluß an Ps 2 vom Auferstandenen als dem S.G. reden können, vorausgesetzt, daß S.G. ein Messiastitel des Spätjudentums war. Eindeutige Belege dafür fehlen. Neuerdings vermutet man auf Grund der Funde vom Toten Meer, daß S.G. bei den Essenern als Titel für den erwarteten messianischen Hohenpriester gebräuchlich gewesen sein könnte. – b) Wichtiger ist die Frage nach dem Inhalt dieser Bezeichnung für Jesus. Sie umschreibt einmal die Hoheit ihres Trägers, die in seiner einzigartigen heilsgeschichtlichen Beziehung zum Vater besteht – ohne daß in der Weise der späteren christl. Theologie über Substanzgleichheit oder Natureneinheit spekuliert würde! – und zum anderen den völligen Sohnes-Gehorsam Jesu. Das zweite Moment ist dabei im NT noch wichtiger als das erste; der Titel wird nicht in

hellenist. Weise in Verbindung mit Wundergeschichten gebracht, sondern mit Aussagen, die in sachlicher Nähe zu Js 53 stehen. – c) Die wichtigsten Einzel-Beobachtungen im NT sind: Unter den Synoptikern betont besonders Mk, daß Jesus der (zunächst verborgene) S.G. ist (Mk 11 vl 111 311 829 vl 1461 1539). Doch tritt bei Mt und L der oben genannte doppelte Inhalt des Titels schon durch die Voranstellung der Geburts- und der Versuchungsgeschichte deutlicher zutage. Für J ist der Glaube an Jesus als den S.G. geradezu zentral, die Hoheit und Offenbarungseinheit Jesu mit dem Vater wird stärker betont als in den anderen Evangelien, ohne daß das Gehörsamsmoment übersehen wäre (J 519). Paulus verwendet den S.G.-Namen seltener. Das Zeugnis vom Gehorsam Jesu wird bei ihm bis zur letzten Erfüllung des Heilsgeschehens ausgeweitet (1K 1528), das von seiner Hoheit durch den eikon-Gedanken verdeutlicht. Im 1J ist die S.-schaft Jesu grundlegendes Bekenntnis (1J 17 u.a., 520), im H wird sie von der Würde der atl. Gottesmänner und der Engel abgehoben (= einzigartige Hoheit, H 12–8 usw.), in Verbindung mit dem hohenpriesterlichen Amt Jesu gebracht (H 217) und das Moment des Gehorsams in besonders auffallender Weise betont (H 58). In den Past, bei Jk und im 1P fehlt die Bezeichnung ganz; Erklärungsversuche dafür bleiben fraglich.
[Handwörterbuch: Sohn Gottes. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6504-7
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1819-20)



pfeilSteinigung    

Steinigung

(hebr. saqal, ragam, gr. lithoboléa »steinigen«).

– 1. Sie war im AT und Judentum die sakrale Todesstrafe (Lv 2410–16 Dt 172–7 Mischna Sanh. V, 3–VII, 5). Der zu Steinigende wurde von einem Felsen oder einer Mauer rückwärts hinabgestürzt, und wenn er nicht davon starb, ließen die zwei Zeugen und andere Leute schwere Steine auf seine Brust fallen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen S. als Lynchjustiz, die in allen Kulturen vorkommt, und einem entsprechenden öffentlichen Rechtsverfahren, das bei Griechen, Juden und Arabern möglich ist. Im AT findet sich die Spur der Lynchjustiz an den Gottesboten (Nm 1410). Als Strafverfahren begegnet die S. als Verstoß gegen die Heiligkeit Gottes in verschiedenen Fällen: Sabbatentweihung (Nm 1535 f); Gotteslästerung (Lv 2416 1Kg 2113 f); Götzendienst (Dt 175); Verführung zum Abfall (Dt 1311); Antasten des Gott gehörenden Banngutes (Jos 725); Totenbeschwörung und Wahrsagung (LV 2027); bei sexuellen Vergehen (Dt 2221 Ez 1640 2347); bei der Unbelehrbarkeit eines widerspenstigen Sohnes (Dt 2121 f). Das deuteronomische Recht betont die Öffentlichkeit des Verfahrens, die Ausrottung des Bösen aus der Mitte des Volkes und die Bekanntgabe des Geschehens an ganz Israel. Vor allem war die Erzählung von der S. des Sacharja, des Sohnes des Priesters Jojada, typisch für den Mord an einem Propheten an heiliger Stätte und in der Folgezeit besonders einflußreich (2Ch 2420–22).

– 2. Im NT wird S. mehrfach erwähnt. – a) Matthäus liebt den festen Hinweis auf die Schuld Israels gegenüber den Gottesboten: Man tötet und steinigt sie (beide Verben nebeneinander: Mt 2135 2337). S. steht auch in einer Aufzählung als erstes Glied (H 1137). – b) Allgemein rechnet man mit der Durchführung einer Lynchjustiz, wenn die Leidenschaft des Volkes wachgerufen wurde (L 206 Apg 526 145.19 2K 1125). Auf das atl. Recht (Dt 2222–24) weist die Erzählung von der Ehebrecherin zurück (J 753–811), genauer gesagt handelt es sich um die Strafe an einer Verlobten (StB II, 520). Mehrfach finden sich Spuren davon, daß man Jesus den Abhang hinabstürzen (L 429) bzw. bei seinem Auftreten in Jerusalem zu steinigen versuchte (J 859 1031.39 118). In allen derartigen Fällen handelt es sich um eine leidenschaftliche Gegenwehr gegen eine bestimmte Äußerung Jesu. – c) Vor allem ist aber die S. des Stephanus (Apg 758–60) ein wichtiges Beispiel eines gegen einen Boten Jesu durchgeführten Rechtsverfahrens. Man berief sich auf das Vergehen der Gotteslästerung (Lv 2416). Wieweit dabei die rechtlichen Vorschriften der Mischna (Sanh. VI, 1) beachtet wurden oder ob es sich hier ebenfalls um Lynchjustiz des Volkes handelt, wird lebhaft diskutiert. – d) Josephus erzählt das Rechtsverfahren des Hohenpriesters Ananos gegen den Herrenbruder Jakobus, das mit der S. endete (Jos.Ant. XX, 200). Es fand aber Kritik sowohl von eifrigen Vertretern des Gesetzes wie auch vom Statthalter Albinus. Auch zelotische Hinrichtungen wurden gemäß atl. Recht durchgeführt (Jos. Bell. IV, 360).
[Handwörterbuch: Steinigung. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6636
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1861)

pfeilStern-

    deutung

    Sterndeutung, Astrologie.

– 1. In der Religion entwickelte sich mit der Sternanbetung besonders in Babylonien und Assyrien diese Orakelkunst. Priester glaubten, durch Beobachtung der Konstellationen eine Schicksalsbestimmung durchführen zu können, was Klerus und Laien auch zu »Tagewählern« machte (Luthers Ausdruck für Wahrsager in Dt 1810 u.a.). In der assyr. und neubabylon., dann in der pers. und gr.-röm. Zeit verbreiteten die oft Chaldäer und Magier genannten Hofastrologen die S. nach dem Westen, auch zu Juden, Griechen und Römern. In bibl. Schriften begegnen ein assyr. Obermagier (Jr 399.13), neubabylon. Horoskopsteller (Js 4713, LXX astrológoi, Luther »Sterngucker«) und »Chaldäer« (Dn 22 usw.), ebenso ein jüd. »Magier« des röm. Prokonsuls auf Zypern (Apg 136.8). Die jüd. Apokalyptik beschäftigte sich auch mit astrologischen Geheimnissen (1Hen 72–82 2Hen 11).

– 2. In der Bibel steht die S. in unvereinbarem Gegensatz zur Verkündigung der Propheten und Apostel, da Gott seinen Willen nicht durch die Gestirne offenbart, sondern durch seine Auserwählten, mit denen er von Person zu Person redet. Nach den Sternen zu schauen und daraus die Zukunft wahrzusagen, ist nutzlos (Js 4713), die Gesetze des Himmels erforschen zu wollen, ist Überhebung (Hi 38 33), und Observanzen von Tagen und Zeiten heißt Götzendienst (G 410 Kol 216). Daß große Katastrophen durch Vorgänge am Himmel angezeigt werden, war aber auch den Propheten, Jesus und seinen Jüngern selbstverständlich (Js 1412 Hab 311 Mt 2429 fp Off 810 121).
[Handwörterbuch: Sterndeutung. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6659
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1867-1868)

pfeilStrafe    

Strafe

(hebr. p·qudda »Heimsuchung«, schephet »Gericht« u.a.; gr. díke »Gericht«, ekdíkesis »Rechtsdurchführung«, kólasis »Züchtigung«, timoría »Ehrensache«, »Vergeltung«), göttliche oder menschliche Maßnahme gegen jemanden, der den gestellten Forderungen nicht entspricht.

– 1. Grundlage der Strafpraxis im AT ist der Begriff des »Rechts« (hebr. mischpat), genauer: des lebendig empfundenen, dem einzelnen wie der Gemeinschaft förderlichen Gleichgewichts in der Gesellschaft und Natur. – a) Jedes Verbrechen ist definitionsmäßig Störung des Gleichgewichts und löst eine unbewußte oder bewußte Gegenaktion aus, die das Gleichgewicht wieder herstellt. »S.« ist nichts anderes als das Verbrechen mit umgekehrten Vorzeichen. Darum besitzt das Hebräische kein spezifisches Wort für »S.«. Ein und dasselbe Wort (zB 'awön) bezeichnet sowohl das Vergehen, die Störung des Gleichgewichts, als auch die Sühne, deren Aufhebung (ähnlich paqad »einen Fehler feststellen« und »ahnden«). Aus demselben Grunde ist das jus talionis (Ex 2123–25 Lv 2418.20 Dt 1921) prinzipiell die Norm jeder S. – b) Die S. hat, als Wiederherstellung des »Rechts«, verschiedene Aspekte. Einerseits wurde das Recht erlebt als selbsttätig handelnde, die Verletzung des Gleichgewichts automatisch neutralisierende, d.h. »rächende«, »strafende« Macht (mischpat erscheint personifiziert noch an der späten Stelle Jr 4821). Sie bewirkt, daß auf jede Handlung die ihr gemäße Gegenhandlung folgt (Spr 116.31 1214 1321 Hos 41–3 Jos 71–12). Diese strafende Ordnungsmacht kann durch Fluchformeln verstärkt werden (Dt 2715–26 2815–18 Ri 172, Fluch). Sie gilt als derart aktiv, daß zur Vermeidung der schlimmen Folgen eines von unbekannter Hand verübten Mordes besondere Schutzmaßnahmen notwendig sind (Dt 211–9): die Störung des Rechts trifft nicht nur den Täter, sondern die ganze Wohngemeinschaft. Andererseits aber, und zwar in überwiegendem Maße, gilt Jahwe als Träger und Garant des Rechts (Spr 1611.33 2023 2212). Bei jeder Verletzung greift er selber ein, er stellt selber das Gleichgewicht wieder her (Js 121–26 1Kg 831 f Lv 2627–33 Dt 2820–29). Die von Menschen verhängte S. ist nur die konkrete Form des Strafhandelns Jahwes (vgl. Lv 201–5 Jos 710–15). – c) Je mehr sich die Rechtsüberlieferung festigte und je mehr sie sich in formulierten Rechtsgrundsätzen niederschlug ( Bundesbuch, Heiligkeitsgesetz, deuteronomisches Gesetz), um so bewußter wurde die Handhabung der S. Es bildeten sich die Grundlinien des Strafrechts, und zwar sowohl in apodiktischer wie in kasuistischer Formulierung (Ex 2112–27. 37 224. 17–19 Lv 20. 219 2413–23 Dt 13. 172–13 1911–13.16–21 2118–21 2213–21. 22–29 247 251–3. 11–12). Damit verbunden ist die Ausbildung einer eigentlichen Strafprozeßordnung (Dt 1313–18 172–7 1916–21 251–3, Gerichtsverfahren). – d) Von großer Bedeutung in der Strafpraxis ist das Fehlen des befristeten Freiheitsentzuges, falls man nicht das zeitlich begrenzte Schließen in den Block (mahpeket, Jr 202 f 2926 2Ch 1610) anführen will. Grundsätzlich gilt überall das jus talionis (s.o. 1). Infolgedessen kennt das Israelit. Recht keine differenzierte Strafpraxis (doch vgl. Dt 252 b). In Einzelfällen ist vorgesehen: Bezahlung einer Abfindungssumme (Ex 2122 Dt 2219.29, Schadenersatz), bzw. (bei Mord und Totschlag) Übergabe an den »Blutlöser« (Dt 1911–13, Blutrache); Abhacken der Hände (Dt 2511–12); Prügel (Dt 2213–19 251–5, Geißel); vielleicht auch Geldbußen (2Kg 1217). Bemerkenswert ist bei Diebstahl die doppelte (Ex 223. 6. 8) bzw. die vielfache Ersatzpflicht (Ex 2137). Religiöser Hochverrat, Sexualverbrechen, Menschendiebstahl, Auflehnung gegen die Eltern, falsches Zeugnis werden mit dem Tode bestraft ( Todes-S.). Alle diese S.n gelten natürlich nur für die bewußte, von Menschen gehandhabte Strafpraxis; die automatische Straffolge besteht in dem in den Fluchformeln vorgesehenen Unglück: Kinderlosigkeit, Unfruchtbarkeit von Tier und Acker, Mißwuchs, Feindesnot, Krankheit usw. – e) Da die S. am Begriff des Rechts orientiert ist, hat sie eine eminent erzieherische Bedeutung. Sie unterstreicht, wie schwerwiegend Vergehen gegen die Rechte des Einzelnen und der Gemeinschaft sind. Nach dem Dt soll die streng gehandhabte Todes-S. Furcht einjagen und so weitere Verbrechen verhindern (Dt 1713 1920 2121). Gott verhängt S., um den Einzelnen (Hi 361–25 Jr 1023 f H 124–9) oder die ganze Volksgemeinschaft (Am 48–13 Ps 9410 f) zur Erkenntnis der Fehler und damit zum Recht zu führen. Darum soll auch der menschliche Erzieher vor Körper-S. nicht zurückschrecken (Spr 1324 1918 2313).

2. Im nachexil. Judentum interessierten sich besonders Makkabäerkreise und Weisheitslehrer für das Problem der S. – a) Gerne wurden göttliche S.n über Feinde und Sünder angeführt (2Mkk 438 811.13 3Mkk 26 4Mkk 932 Sir 57 [9] 717 [19] usw., Wsh 18 115 usw.). S.n über Gerechte wurden als göttliche Prüfung dargestellt (2Mkk 612 Wsh 34). – b) Eine wirkliche Straf-Kompetenz der heidnischen Besatzungsmacht wurde geleugnet (2Mkk 626 4Mkk 424). – c) Luther übersetzt mit »S.« auch Ausdrücke von milderer Bedeutung (élenchos »Überführung«, epitimía »Vorhalt« u.a.).

3. Jesus, Paulus und andere erinnern im NT warnend an die göttliche S. über die Ungerechten (Mt 2546 L 2122 R 1219 2K 106 1Th 46 2Th 18 f H 1029 f 2P 29 Jd 7). – a) Jedoch werden Gericht und Vergeltung immer durch Vergebung und Versöhnung modifiziert (Mt 2028 p 2628 p R 325 u.a.). Schon die Angst enthält S. in sich (1J 418). Gott allein hat zu bestrafen: Der Mensch soll vergeben (Mt 525.39 usw., R 1219 Jk 213). – b) Die jüd. Strafpraxis wird als Schikane dargestellt (Mt 1017 J 922 1242 Apg 225 2515 2611 2K 1124). Als christl. Zuchtmittel sollte nicht einmal die Ausschließung übernommen (Mt 1329.48 J 637 3J 10), sondern durch ernste Zurechtweisung ersetzt werden (Mt 1815 f Jk 520 Jd 22), sofern nicht die Gemeinde gefährdet ist (Mt 1619 1817 f 1K 55 2K 711 106 Tt 310). Die röm. Strafjustiz wird als Ordnungsmacht anerkannt (R 134 1P 214). Prozesse vor heidnischen Richtern sollen aber vermieden werden; man lasse statt dessen einen klugen Christen entscheiden oder verzichte auf seine Rechte (1K 65.7). Die gr. Strafgöttin Dike wird nur in einer Aussage der Heiden erwähnt (Apg 284), – c) Luther übersetzt im NT »S.« meistens als »Rache«. Dafür heißen die milderen Begriffe »überführen« und »vorhalten, tadeln« (gr. eléncho, epitimáo) bei ihm »strafen«.
[Handwörterbuch: Strafe. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6687-92
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1880)

pfeilStummheit    

Stummheit

(hebr. 'illem »gebunden«, d.h. »stumm«, auch »S.«; gr. kophós »abgestumpft« d.h. »taub«, auch »stumm«), konstitutionell oder accidentiell bedingte Redeunfähigkeit ( Schweigen). Physiologisch oft auf Taubheit bezogen, kommt sie auch als motorische Aphasie oder neurotischer Mutismus vor.

1. Nach dem AT und Schriften des Judentums macht Gott, wenn er will, die Menschen stumm und taub (Ex 411). Sich unter Gottes Willen beugend, bleibt der leidende Gerechte wie ein Stummer (Ps 3814 Js 537). Gott läßt einen Propheten für eine Zeit physisch stumm werden (Ez 326). Eine heillose S. kennzeichnet aber nur die Götzen (Hab 218 Bar 641) und die falschen Wächter (Js 5610). Gott hebt sonst nach seinem freien Willen die S. auf (Ex 412 Js 356 Ez 2427 Wsh 1021). Das konnte auch der auf der Grenze zum neuen Bunde stehende Vater des Täufers erfahren (L 120.22).
B. Reicke

2. Für das NT deutet, weil die Sprache den Menschen vor der übrigen Kreatur auszeichnet (Js 5610 1K 1410 2P 216), S. auf das Einwirken numinöser Mächte hin. Gott selbst verursacht S. (L 120 ff; vgl. Mk 439), aber vor allem die Dämonen, von Jesus bekämpft (Mt 1222 ff p, 932 ff; vgl. Js 356). Die S. der Götzen zeigt deren Nichtigkeit an (1K 122). Schweigen.
[Handwörterbuch: Stummheit. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6714
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1886)
http://www.digitale-bibliothek.de/band96.htm ]


pfeilSuchen    

Suchen

(hebr. darasch, biqqesch, scha'al, gr. zetéo).

– 1. Im AT sucht der Hilfsbedürftige mit Opfergaben das gnädige Angesicht Gottes (Ps 246). Dazu gehört das Gebet im Heiligtum (Dt 429 2Ch 154 ff Ps 278), auf das die Gottheit im Orakel- oder Prophetenspruch antwortet (2Sm 211 Am 812). Später verdrängt die schriftliche Tora den Altar (Js 3416; vgl. J 539).

– 2. Rabbin. Gelehrsamkeit sucht in der Deutung des Gesetzesbuchstabens den göttlichen Willen, zB Pinhas ben Jair (StB I, 131).

– 3. Die Berührung der Menschen des NT.s mit der gr. Welt fügt zum kultischen und ethischen das intellektuelle Moment der Frage nach der Weisheit und der in das Mysterium eindringenden Gnosis (Apg 1727 1K 122). Jesu Predigt und die apostolische Mahnung drängen zum S. der verborgenen Basileia (Mt 633 77 1345 Kol 31).
[Handwörterbuch: Suchen. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6720
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1887)

pfeilSünde    

Sünde

(hebr. het', hatta't, 'awa, 'awon, pescha', gr. hamartía, hamártema), Verfehlung. Schuld (hebr. 'awon, 'ascham, gr. opheile) ist biblisch nur teilweise damit verbunden.

Die Ursache der Sünde

ist für das AT das Böse (ra), eine Macht des Todes und der Lüge, die sich dem Willen Gottes widersetzt und deren Folge Tod und Zerstörung sind (Gn 322 47 65 821). – a) Über den Ursprung des Bösen (ra') sagt die Bibel wenig; denn für sie ist nicht die Existenz des Bösen an sich das Wichtige, sondern die Tatsache, daß der Mensch dieser Macht ausgeliefert ist und ihr erliegen kann. Die Geschichte vom Sündenfall in der Genesis zeigt das Böse vorhanden, das von außen kommt, das aber seine Kraft nur beweist, wenn es ins Blickfeld des Menschen tritt (Gn 31–7): daß der Mensch dieser Macht nicht ausweicht, das ist S. Sie ist da, wo der Mensch einer anderen Stimme als derjenigen Gottes gehorcht. S. ist also Abwendung von Gott und kann darum nur als ein Beziehungsbegriff verstanden werden. – b) Das kommt zum Ausdruck in den Wörtern, mit denen das Hebr. die S. bezeichnet. Unter den sehr zahlreichen Wörtern, die den Ungehorsam und den Abfall ausdrücken, heben wir die drei Hauptbezeichnungen für die S. hervor: het' (hatta't) ist die Verfehlung; der ursprüngliche Sinn des Verbums hata' ist den Weg verfehlen, abseits gehen (zB Ri 2016 Js 6520 Spr 836 192), meistens mit der Präposition b· oder l·, denn S. ist immer Verfehlung gegen jemand, einen Menschen (Gn 209 Ri 1127) oder Gott (Ri 1010 2Sm 1213 1Kg 833.35 Ps 415 516 usw.). Die Wurzel 'awa, 'awon bezeichnet ursprünglich das Gekrümmte, das, was nicht mehr gerade ist; das subjektive Element tritt stärker hervor als bei hatta't; es ist der Zustand, in den man sich durch den Akt des Sündigens versetzt hat. Mit pescha' wird der Widerstand stärker hervorgehoben; es ist der Bruch einer Beziehung und hat seinen Ursprung in der Welt des Rechts (vgl. Ex 228). Man übersetzt es meistens mit Auflehnung, zB des Sohnes gegen den Vater (Js 12), des Volkes gegen die bestehende Ordnung (1Kg 1219), gegen das Gesetz (Hos 81). Der spezifische Sinn dieser Wörter hat sich mit der Zeit gemildert, und oft sind sie austauschbar. Synonym mit den drei Wörtern steht oft: »das Böse (ra') tun in den Augen Jahwes«. Die Terminologie zeigt deutlich, daß die S. ihren Ursprung in dem Ungehorsam und der Auflehnung des Menschen hat. – c)

Man kann sagen,

das AT hat es weniger zu tun mit der Sündhaftigkeit des Menschengeschlechts als mit Menschen, die sündigen. Dabei werden auch verschiedene Kategorien von S. und Sündern auseinandergehalten. Jedoch ist der Gedanke, daß den Menschen im allgemeinen ein Hang zum Bösen innewohnt, dem AT nicht ganz fremd. Die Stellen des Jahwisten (Gn 65 821) beziehen sich auf den Sündenfall, aber in Weisheitsaussagen wird die Sündhaftigkeit im Menschen auf seine Schwachheit und seine Vergänglichkeit, wie sie in der Schöpfung begründet ist, zurückgeführt (zB 1Kg 84.6 Js 5716 Spr 209 Prd 720 Hi 417–27 254–6). Die prophetische Literatur redet kaum von einer allgemeinen Sündhaftigkeit des Menschen; denn durch Erwählung, Bund und Gesetz ist Israel der Welt der S. entrissen worden; hingegen ist vielfach die Rede von der S. als Ungehorsam und Auflehnung gegen den Bund; diese kann ein solches Ausmaß nehmen, daß sie sozusagen eine Umwandlung der menschlichen Natur zur Folge haben kann (zB Jr 1323). Jedoch werden die sündige Art wie das steinerne Herz niemals mit der unvollendeten Schöpfung in Verbindung gebracht (Ez 1119 3626 Sach 712). – d) Durch das Tun der S. versetzt sich der Mensch in einen Zustand der Schuld (hebr. 'ascham, Gn 2610 Lv 413 usw., Ps 696). Der enge Zusammenhang zwischen S. und Schuld ist durch das Wort 'awön ausgedrückt, das S. und Schuld bezeichnet. Die Erzählung vom Sündenfall zeigt in besonders eindringlicher Weise, wie die S. sofort bei dem Menschen das Gefühl seiner Schuld bewirkt; diese Schuld wirkt sich aus objektiv als eine Last, die der Sünder zu tragen hat und die ihn niederdrückt (Gn 413 Js 14 Ez 3310) oder als eine Krankheit, die den Organismus zugrunde richtet (Js 16 Hos 513 61 71 117 Jr 322 usw.). Die Schuld ist an sich schon die Strafe, aber meistens ruft sie ein Eingreifen Gottes herbei, denn durch den Bruch mit Gott stellt sich der Mensch unter seinen Zorn. Der Tod ist die normale Folge der S., sei es, daß Gott seinem Zorn Raum gibt, sei es, daß er sich verbirgt und den Sünder langsam der Vernichtung preisgibt. Die Schuld trifft zuerst den Sünder, aber im Bereich des kollektiven Denkens (corporate personality) bleibt sie nicht auf ihn allein beschränkt. Daß aber die kollektive Verhaftung niemals die Schuld des Einzelnen aufhebt, zeigt sich an der Intensität des Schuldbewußtseins: der Sünder erkennt seine Schuld und sucht nicht, sich ihrer zu entledigen, indem er sie anderen zuschiebt; im Gegenteil, die kollektive Schuld läßt die der Einzelnen nur stärker hervortreten (vgl. Js 65 Ps 517).

Für das Judentum waren die Ursachen der S. zunächst heidnische Unreinigkeit und Israelit. Halsstarrigkeit (Esr 911 Neh 916), später Adam und Eva (Sir 2524 [32] 2Bar 234 4Esr 7118), böse Engel (1QS III, 21 ff; IV, 9–14) und der böse Trieb (Gn 821; StB IV, 466–83). Unwissentliche und wissentliche S. wurden verschieden beurteilt (ebd. II, 192. 264). Der vor einer freien Wahl stehende Mensch sollte durch Gesetz und Weisheit die S. meiden (Sir 1514 1827 Tob 13–12) und den Trieb unterdrücken (Pirqe abot IV, 1). In der Messiaszeit wird die Gerechtigkeit triumphieren (1Hen 1044 Ps 1736 Test Lev 189 StB IV, 482 f).

Das NT geht davon aus, daß alle Menschen sündig und damit schuldig sind (R 118–323 G 322; vgl. R 1132), weil sie vor Gott stehen, ihm verantwortlich sind und vor ihm nicht bestehen können. S. ist nicht eine Eigenschaft oder Qualität des Menschen, von der er sich distanzieren könnte, sondern der Mensch ist ganz und gar Sünder. Sein böses Herz (Mt 94, sein Wollen 621) ist gegen Gott gerichtet gerade dort, wo es meint, mit seinen Leistungen Gott entgegenkommen zu können (L 1810 ff R 103). –

a) Bei den Synoptikern machen es Jesu Gleichnisse (zB L 15 Mt 1823–34 201–16) und seine Spruchüberlieferung (vgl. Mt 5–7 Mk 1026 f) deutlich, daß dem in S. und Schuld verstrickten Menschen nur geholfen werden kann, wo ihm Buße und absolute Vergebung geschenkt wird. Jesus spricht nicht über die S., sondern zu Sündern (L 151). Er hält Tischgemeinschaft mit denen (Mt 910 f. 13 1119 L 152 p), die von den »Frommen« ihrer Umgebung als Sünder verschrieen sind. Das sind allerdings auch gleichzeitig die, die bereit sind, sich von ihm das Wort vom nahen Gott als gewisses Wort zusprechen zu lassen. –

b) S. bei Johannes zeigt sich in der Ablehnung des Offenbarers (J 15.10 319), denn ohne sein Kommen gäbe es keine S. im eigentlichen Sinne (J 1522.24). Weil Jesus aber geredet hat und Werke getan hat, an denen die Welt erkennen konnte, wie es um ihre Situation bestellt ist (J941), gibt es keine Ent-Schuldigung mehr. Der johanneische Dualismus von Licht und Dunkel, oben und unten, aus Gott sein und aus dem Teufel sein, ist kein absoluter mehr, sondern er ist gebunden an die Entscheidung für oder gegen den Offenbarer. Der Mensch kann jetzt die Möglichkeit, »von neuem geboren« zu werden (J 37), ergreifen oder verfehlen. Wer sie verfehlt, d.h. nicht glaubt, verfällt unter das Gericht des Parakleten (J 168 f). –

c) Paulus argumentiert, daß mit dem Kommen des Gesetzes die S. erst als S. (R 77) und der Tod als ihre Folge (R623 1K 1556) erkannt wurde. Das Gesetz steht der S. entgegen, und die S. prüft ihre Kraft an ihm. Sie ist erfolgreich (R 710 f), weil der Mensch entweder das Gesetz übertritt oder meint, mit dem Gesetz von sich aus etwas erreichen zu können. »Unter dem Gesetz« wird gleichbedeutend mit »unter der S.« (R 614), nicht weil das Gesetz schlecht wäre (R 712), sondern weil es wegen seiner Neutralität nicht von der S. befreien kann. So erscheint die S. als selbständige Macht, die – mit Adam in die Welt gekommen (R 512 ff) – den Menschen völlig unterworfen hat (R 521 66.17 714. 17. 20). Mit der S. ist der Mensch auch gleichzeitig an das Fleisch verfallen. Bedeutet katà sárka (»nach dem Fleisch«, beim Verbum R 81.4 2K 117 102) im Unterschied zu en sarkí (»im Fleisch«) sündiges Verhalten, so wird dem das katà pneûma (»nach dem Geist«, R 81.4 G 529) gegenübergestellt als die durch Christi Heilstat (G 14) geschenkte Möglichkeit, als »neue Schöpfung« mit Gott versöhnt ( Versöhnung) zu leben (2K 516). Ein Leben katà pneûma ist aber unvereinbar mit den in den Lasterkatalogen (R 129–31 1K 69 f G 519–21 u.a.) aufgezählten Vergehen.
[Handwörterbuch: Sünde. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6739-41
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1893)

pfeilSünden-

bekenntnis

   

Sündenbekenntnis

(hebr. toda »Lobpreis« und »S.«, gr. [ex]homologeomai »preisen« und »Sünden bekennen«).

Die Doppelbedeutung des Wortes (töda) im ÄT beruht darauf, daß es Antwort des Menschen auf einen vorausgegangenen gnädigen Machterweis oder auf ein geschehenes oder doch befürchtetes Gerichtshandeln Gottes ist. Die Antwort ist entweder Lobpreis (zB Ps 1051 f 1061 f) oder S. (zB Ps 325). – a) Das S. erfolgt oft im Zusammenhang mit kultischen Gegebenheiten: Ermittlung durch Losorakel (Jos 716–21); S. und Opfer (Lv 55 f Nm 56 f); Ritual des Versöhnungstages (Lv 1621); Vollstreckung des Bannes (1Sm 1524 f); Berufung im Tempel (Js 65); Bestimmung des Tempels als Ort des S.ses (1Kg 831 ff). Gewöhnlich wurde auf das S. Vergebung und Entsündigung erwartet, die jedoch die Vollstreckung eines Teiles der verwirkten Strafe nicht ausschlossen (Ex 346 f 2Sm 1213 f). Die Annahme des Gottesgerichts dürfte der Hintergrund mehrerer Amos-Doxologien sein (Am 413 58 95 f). – b) Besonders in Gesetz, Geschichtsschreibung und Prophetie kommen S.se durch Vertreter des Eigentumsvolkes (ausnahmsweise eines Heidenvolkes) vor (Ex 1016 Pharao; 3231 Mose; Lv 55 jeder Schuldbeladene; 1621 der Hohepriester; 1Sm 1219 Samuel; 1525 Saul; 1Kg 828–53 Salomo; ferner Js 65 Jr 313 [nach 716 soll es im Moment nicht helfen] Hos 143 Mi 79; auch K 1340 ff). – c) Zugleich tritt aber in Poesie und Weisheit eine bemerkenswerte Individualisierung des Inhalts der S.se ein; und die Übertretung des Einzelnen spielt eine stärker hervortretende Rolle (zB Ps 325 3819 4013 415 512–15 Spr 2813 Hi 422–6).

Im Judentum entwickelte sich das nationale S. (Esr 96–102 Neh 91–37 Dn 94–20 PsSal 215–18 87–13 u.ö.). Für die Qumransekte waren individuelle S.se wichtig (1QS I, 24–11, 1; IX, 4–5; X, 10 ff; XI, 9f; 1QH IV, 95ff).

Im NT ist das gr. Wort ([ex]homologéomai) im Sinne von Bekennen der Sünde nicht sehr häufig (Mk 15 p bei der Johannestaufe; Apg 1918 1J 19 Jk 516). Das S. hat aber einen festen Platz in der Verkündigung Jesu und im urchristl. Gemeindeleben eingenommen (ebd. und Mt 612 p L 58 1518 1813 2447 R 216 320 1K 1425 G 14 1J 18 ff Did 141 1Cl 51–52 Herrn v 1, 13). Zu den schwerwiegendsten Verfehlungen dürfte unbrüderliches und die Gemeinschaft schädigendes Verhalten gehört haben (Mt 1815 G 63 f): diese Sünde wird im Endgericht zu bekennen sein (vgl. 2K 510 E 68).
[Handwörterbuch: Sündenbekenntnis. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6743
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1893-4)

 
 
 

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