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Auf diesen Seiten findest du, alphabetisch sortiert, Erläuterungen zu biblisch-historischen Fachbegriffen.
   
   
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Stichwort

Bibeltext

Erklärung
Rabbi
Rache
Rahel
Ratschlag
Recht
Reich Gottes
Rettung
Reue
Richter
Ruhe
Ruhm
Rüsttag

Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder.

Mt26,24-25
Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre.

25 Da fragte Judas, der ihn verriet: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus sagte zu ihm: Du sagst es.


Mk9,5-7
Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.
Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen.
Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.

Mt23,8 Rabbi, rabbuni
(hebr. rabbi, palästin. aram. ribboni, rabbuni »mein Meister«),
seit etwa 70 nChr Titel für die jüd. Schriftgelehrten; in Babylonien sagte man Rab. Schon in der vorhergehenden Periode lehnte Jesus für seine Jünger diesen Titel ab, wurde jedoch volkstümlich mit »R.« angeredet (2625 p Mk 95 1051 1121 J 138 u.a.), entweder um ihn als studierten Schriftgelehrten zu ehren (was er nach J 715 nicht war), oder um ihn als verehrten Lehrer und Meister zu bezeichnen (Mt 819 J 206 passim »Lehrer«, L 55 u.a. »Meister«). Seit Hillel und Schammai (ca. 20 vChr) gab es Gelehrten- oder Rabbinenschulen. Führende Schriftgelehrte aus der Familie Hillels, zB Gamaliel I. und Jochanan ben Zakkai, wurden Rabban genannt.
[Handwörterbuch: Rabbi. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5582
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1542)
pfeilRache
Site in Bearbeitung
 

Rache

(hebr. n·qama, gr. ekdíkesis), Wiederherstellung rechten Verhältnisses.

AT

Das Wort hat in den frühen Schichten des AT einen positiven Klang, wobei der Gebrauch jeweils aus seinem geschichtlichen und soziologischen Zusammenhang erklärt werden muß. Es bedeutet ursprünglich Wiederherstellung der Ganzheit oder des Heilseins einer Gemeinschaft. In diesem ursprünglichen Sinn ist es dort gemeint, wo von Gottes R. oder Gottes Rächen gesprochen wird (zB Ps 941: »Du Gott der R. ... erscheine!« oder Js 612: »einen Tag der R. unseres Gottes, zu trösten alle Trauernden«). Solche Sätze wären unverständlich, würde man aus dem Wort unsere Vorstellung einer hassenden oder rachgierigen Gesinnung hören. Die Notwendigkeit der R. (Wiederherstellung) erwächst aus einer für alle menschliche Gemeinschaft grundlegenden Bestimmung (Gn 95 f Ex 2112). Darauf beruht die Blutr., die der vorstaatlichen Gesellschaftsform angehört. Was sie einmal bedeutete, zeigt am besten die Erzählung Ri 8. – An ihre Stelle trat die Gerichtshoheit und Straf ausübung der Gemeinschaft; damit wurde die Blutr. aufgehoben (Lv 1918), und die in der R. gemeinte Wiederherstellung wurde zur R. an Israels Feinden und Bedrückern (Js 473 Jr 5015 5136 Nah 12; der Tag Jahwes ist der Tag der R. Js 348 634 Jr 461). So wird von Gottes R. auch im NT noch geredet (R 1219 H 1030 L 187 f 2122 2Th 18 Off 610). Aber dieses Reden von Gottes gegen Israels Feinde gerichtete R. wurde schon im AT durchbrochen, dort wo sich die mit der R. gemeinte Wiederherstellung gegen sein eigenes Volk wendet (Js 124 Jr 59 98 Ez 248; vgl. Lv 2625 und Ps 998).

Ein anderer Zusammen hang ist das Flehen um Vergeltung in den Klagen des Einzelnen (Ps 941), besonders eindrücklich in den Klagen Jeremias (Jr 1128 1515 2010 ff). Hier von »R.-Psalmen« zu reden, ist aber irreführend. Alle diese Bitten an Gott um Vergeltung beruhen auf der Anerkennung des Satzes, den Paulus (nach Dt 3235) so wiedergibt: »Mein ist die R., ich will vergelten, spricht der Herr« (R 1219; 1Sm 2413). Dabei ist das Rächen Gottes als eine Funktion seines Richter amtes verstanden.
[Handwörterbuch: Rache. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5592-3
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1546)

pfeilRahel    

Rahel

(hebr. rahel »Mutterschaf«), Labans Tochter, Jakobs zweite Frau (Gn 296–3525 4619–22. 25).

Um ihrer Schönheit willen bevorzugt, teuer mit vierzehn Dienstjahren erkauft, blieb sie doch zunächst kinderlos, daher Neid, Eifersucht, listiges Werben um die gefährdete Gunst des Mannes (Gn 3014; Liebesapfel). Durch ihre Magd Bilha wurde sie Adoptivmutter von Dan und Naphthali, dann selbst Mutter von Joseph. Um ihre Mitgift von Laban betrogen, willigte sie mit Lea in die Flucht und stahl dem Laban dessen Hausgott (Gn 3114–35). M.A. Beek (An Babels Strömen, '59, 56) vermutet, daß Laban keine Söhne hatte und R. auf Grund dieser Tatsache das Miterbrecht ihres Mannes unter Garantie des Hausgottes sichern wollte. Bei der Geburt ihres zweiten Sohnes Benjamin in Ephrat nahe Bethel (Gn 3516) starb R. und wurde bei Ephrat, als Bethlehem in Juda gedeutet, begraben (Gn 3519 f), nach anderen Angaben lag ihr Grab in Benjamin bei Zelzah (1Sm 102) oder Rama (Jr 3115). Neben dieser Familiengeschichte ist mit dem Namen R. die Volksgeschichte verbunden: sie hat darin eine bevorzugte Stellung als Stammesmutter von Benjamin und Juda (Rt 411), die über die Flucht der Leute von Rama (Jr 3115) und den Tod der Kinder von Bethlehem (Mt 218) trauert. Das sogenannte R.-Grab (arab. qubbet rahil) nördl. Bethlehems ist ein Kuppelgebäude aus der Kreuzfahrerzeit.
[Handwörterbuch: Rahel. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5602-3
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1548)

pfeilRatschlag     Ratschlag, Ratschluß (hebr. 'esa »Rat«, »Plan«, gr. boule »Plan«, boúlema »Vorhaben«, symboúlion »Vereinbarung«), Empfehlung, Entscheidung, Vorhaben.

Im AT und Judentum kann menschlicher R. eine nützliche Empfehlung (1Kg 128 Spr 125 Sir 623) oder ein aussichtsloses Vorhaben sein (2Sm 1531 Js 810 Ps 11). Auf die persönliche Fähigkeit übertragen meint das Wort praktischen Scharfsinn im Gegensatz zur Ratlosigkeit (Dt 3228 Js 112 Spr 2130 1Mkk 265). Js und Ps erinnern in bezug auf Gottes Willen öfters an seine Entscheidung (Js 519 1426 1917 usw. Ps 3311 7324 10613).

Das NT trennt den R. der Menschen deutlich von dem Gottes. Juden schmieden Pläne gegen Jesus (Mt 1214 2215 271 p L 2351), Soldaten gegen Paulus (Apg 2742 f), und das Streben der Heiden ist Zügellosigkeit (1P 43). Gott wird aber jegliches Vorhaben der Menschen ins rechte Licht rücken (Apg 538 1K 45). Sein wunderbarer R. im Sinne von Heilsplan (für den sich Lukas besonders interessiert) äußert sich bei David (Apg 1336), dem Täufer (L 730), dem Messias (Apg 223 438), in der Verfolgung (2027) und vor allem in der Erwählung der Gläubigen (R 919 E 111 H 617).
[Handwörterbuch: Ratschlag. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5621
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1551-1552)

pfeilRecht    

Recht

(hebr. din »R.s-Suche«, mischpat »Richterspruch«, sedeq, s·daqa »Ordnung«; aram. dat »Bestimmung«, gr. díkaion »Richtiges«, dikaíoma »R.s-Tat«), Existenz- und Handlungsnorm, objektive und subjektive Forderung ( Gerechtigkeit, R.s-Pflege, Richter).

AT
Für das AT ist R. ein religiöser, politischer, juristischer und sozialer Wert. – a) Zur Erfassung des Wesens des israelit. R.es ist das Verständnis des Begriffs mischpat unumgängliche Voraussetzung. Das Wort bezeichnet zunächst die eine Sache oder Person regierende »Norm«, ihr »normales« Tun (Ri 1312 1Kg 1828 Ex 2630 u.ö.), ihr »normales« Aussehen (2Kg 17 Jr 3018), sowie ihre Rechte und Pflichten (mischpat des Königs: 1Sm 89 ff; des Sklaven: Hi 3113; der Priester: Dt 183; des Bettlers: Ex 236; der Waisen und Witwen: Dt 1018; der Armen: Js 102; des Landesgottes: 2Kg 1726 f usw.). Jeder Mensch, jedes Ding hat den ihm gemäßen mischpat. Sodann aber bezeichnet das Wort die Ordnung der Dinge und Personen untereinander, das »normale«, heilsame Tun und Aussehen der ganzen Lebensgemeinschaft (1Kg 859 2Kg 1733), die ja auch als Person empfunden wird. In absolutem Gebrauch ist der Begriff inhaltlich stark gefüllt: alle Erscheinungen mit je ihrem mischpat stehen zueinander in ausgewogenem, fruchtbarem »Gleichgewicht«, indem zB der mischpat des Königs den völlig andersartigen mischpat des Sklaven gelten läßt und lebendig zur Entfaltung bringt, und so den mischpat des Ganzen fördert. Schließlich aber bezeichnet das Wort die R.s-Pflege (>b) als Mittel zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts, und damit des Schalom, d.h. des allgemeinen Wohlstandes (vgl. Sach 816). – Demgegenüber bezeichnet s·daqa, sedeq eine Handlung, die der Wiederherstellung des verletzten mischpat dient, und zwar durch Hilfeleistung an benachteiligten Gliedern der Gemeinschaft ( Gerechtigkeit). – b) Das so verstandene althebr. R. ist charakterisiert durch die Pflege des traditionellen R.es unter gleichzeitiger Anpassung an das in der Umwelt geltende R. ( R.s-Pflege). Innerhalb der im Laufe der Geschichte zum Volk Israel zusammengeschlossenen Sippen, Stämme und Gauschaften galten überkommene R.s-Vorstellungen wie Kollektivhaftung, Blutrache, sexuelle Tabus usw. Darüber hinaus aber zeigen schon die Erzvätergeschichten in ihren rechtlichen Aspekten (zB Ehe-R., Adoption) bemerkenswerte Angleichung an das gegen die Mitte des 2. Jtd.s geltende Keilschrift-R. ( Nuzi). Die späteren »Gesetzbücher«, insbesondere das sogenannte Bundesbuch, decken sich vor allem in den kasuistischen Teilen (»Gesetzt, es geschieht Folgendes: ..., dann ...« zB Ex 211 ff) stilistisch wie inhaltlich weitgehend mit den R.s-Leitfäden Babyloniens. Die Errichtung des davidischen Königtums brachte die Übernahme weiterer kanaan.-gemeinoriental. R.s-Institutionen: Prärogativen des Königs, königliches Verwaltungs-R. usw. ( König). Mit dem zuerst teilweisen und ab 587 vollständigen Verlust der nationalen Selbstbestimmung begann die Zeit der Unterordnung unter das R. der jeweils regierenden Macht (Assyrer, Babylonier, Perser, Diadochen, Römer); es galt, die bewährten R.s-Traditionen mit dem von außen auferlegten R. zu versöhnen. – c) Mit den Begriffen »Tradition« und »Anpassung« ist jedoch nur ein Aspekt des althebr. R.s umschrieben. Hinzu kommt noch das entscheidende Element des israelit. mischpat: der souveräne Wille Jahwes, des Herrn des Israel-Bundes. Der um 1200 vChr gegründete Jahwe-Bund, äußerlich gewissen Institutionen und R.s-Instrumenten der Umwelt nachgebildet (Vasallenverträge), war eine R.s- bildende Kraft sui generis. Man faßte den Bund auf als eine durch den Willen Jahwes geschaffene Gemeinschaft, die sich den religiösen und moralischen Forderungen des göttlichen Schutzherrn fügte. Der charakteristische Ausdruck dieser Forderungen sind die apodiktischen Gebotsreihen ( Dekalog), die sich trotz gelegentlicher Anklänge zB in hethitischen Vasallenverträgen in dieser Form bisher weder in der außerbibl. R.s-Literatur, noch in der Weisheit, belegen lassen. Die Auseinandersetzung zwischen den kategorischen Forderungen des göttlichen Schutzherrn und dem jeweils geltenden Gewohnheits-R. beherrschte den ganzen Verlauf der israelit.-jüd. Religionsgeschichte ( Propheten) und führte zu offenen Konflikten zB mit Antiochus IV. (167 vChr) und den Römern (66 und 132 nChr). Jesus und seine Jünger versuchten Konflikte zu vermeiden, indem sie einerseits den Gotteswillen radikalisierten und ›eschatologisierten‹, andererseits das staatliche (= röm.) R. anerkannten; doch ließen sich auf die Dauer Zusammenstöße zB mit dem Kaiser-R. nicht vermeiden.

Für das Judentum erhielten Dekrete der oriental. Könige oft eingreifende Bedeutung, positiv oder negativ (Esr 726 Est 28 Dn 213). Dementsprechend wurde das überlieferte Gottes-R. oder die Tora gerne als ein Gesetz, als eine zwar überlegene, aber fixierte Dekretalsammlung betrachtet, mit der zunächst das achämenidische Königs-R. harmonierte (Esr 712–26), später die seleukidische R.s-Willkür kollidierte (Est 38 Dn 66 [anachronistisch] 1Mkk 149). Durchführung der R.s-Dekrete war das Hauptanliegen der sadduzäischen wie der pharisäischen Schriftgelehrten (Jos. Ant. XIII, 297; XX, 199; Pirq. ab. I, 1 usw.), und Versäumnis derselben wurde als Ursache des politischen Untergangs gesehen (Bar 413). Gott handle immer nach dem Maß des R.s (Ljungman, 90–118).

Für das NT aber heißt R. im Sinne des »Richtigen« (gr. díkaion) die jedem Jüngergewissen selbstverständliche Handlungsnorm, von keinem Gesetz abhängig (L 1257 Apg 419 Ph 17 48 Kol 41 2Th 16 2P 113), höchstens von Moses bestätigt (E 61). Es bedeutet ferner im Sinne von R.s-Tat (gr. dikaíoma) entweder die sittliche Tat, die Gott und sein Gesetz verlangen (L 16 R 132 226 84 H 91.10), oder das gerechte Werk, das Gott (Off 154), Christus (R 516.18) und die Märtyrer ausführen (Off 198). Diese auf die göttliche Gerechtigkeit bezogenen R.s-Begriffe der ntl. Verkündiger bildeten keine normativen Prinzipien, sondern nur voluntative Inzitamente für die Beziehungen der Christen zur staatlichen oder kirchlichen R.s-Pflege und Richtergewalt.
[Handwörterbuch: Recht. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5655-9
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1561)

pfeilReich
     Gottes
   

Reich Gottes

(hebr. malkut jahwe u.a., gr. basileía toû theoû »Königtum Gottes«).

AT

Es bedeutet im AT Königtum oder Königsherrschaft Gottes. Luther übersetzt mit R. die vom hebr. Wort für König abgeleiteten Begriffe, besonders malkut (Ps 10319 14511–13 1Ch 1714 285; das Wort wird sonst meist für die Herrschaft des irdischen Königs gebraucht), m·luka (»Jahwe gehört die Königsherrschaft« Ob 21 Ps 2229), mamlaka (1Ch 2911; vgl. Ex 1911 u.ö.) und memschala (Ps 10322 14513; nur dieser Begriff meint einen räumlichen Herrschaftsbereich).
Der Begriff »Königsherrschaft Gottes« begegnet also nur selten und meist in späten Schichten. Jedoch geht dem voraus die Anrufung Gottes als König und der Ruf »Jahwe ist (ward) König!«. Die Königsprädikation Gottes ist, wie jetzt allgemein anerkannt ist, »kein konstitutives Element im ursprünglichen Bestand der israelit. Religion« (Alt, ähnlich v. Gall, Baudissin, Eißfeldt, v. Rad u.a.; anders M. Buber). Sie fehlt daher in den Vätergeschichten und in den Traditionen vom Auszug, der Wüstenwanderung und der Landnahme. Sie entstammt der Begegnung des zum seßhaften Leben übergehenden Israel mit seiner Umgebung, besonders Kanaan. Wenn Jahwe jetzt, wie Marduk in Babylon, wie El und Baal in Ugarit, König genannt, als König verehrt werden kann (zB Ex 1517 f Nm 2321 Dt 335; dies relativ frühe Stellen), so zeigt sich darin eine tiefgreifende Wandlung der Gottesvorstellung: aus dem Führergott, dem kommenden Gott (Ri 54 f) wird der thronende (und wohnende) Gott. Wie tief die mit der Übernahme des Königstitels für Jahwe verbundene Wandlung geht, haben vor allem die ugaritischen Texte gezeigt, in denen mit der Königsherrschaft eines Gottes eine ganze Reihe von Zügen verbunden sind, die auch im AT begegnen. Im kanaan. Baal-Mythos ist sowohl El, der Göttervater, wie auch Baal, der Chaosdrachen-Besieger, König; beider Königtum zeigt eine verschiedene Prägung (W. Schmidt). Für Els Königtum ist kennzeichnend der Königstitel (wie Js 65 Ps 986), die Huldigung vor dem Götterkönig (wie 967–10), die Götterversammlung, der er vorsteht, und das Schöpfersein; für Baals Königtum der Sieg über die kosmischen Mächte (Jam, Leviathan, Tannin u.a.); wahrscheinlich ist damit ein Gegner gemeint (wie Ps 933 f Js 519), das Thronen auf dem Gottesberg im Norden (Zaphon), das Richteramt (richten = herrschen) und das Erhalten des vegetativen Lebens. Züge beider Arten des Königtums kehren in Psalmen des AT wieder, in denen Jahwe als König gefeiert wird. Das sind vor allem die Jahwe-König-Psalmen (oder Thronbesteigungspsalmen [Mowinckel], aber die Thronbesteigung Gottes stellt nur PS 47 dar) 47. 93. 96–99, dazu Ps 95. 24. 29. 82 u.a. Die Königsprädikation und das Feiern Gottes als König gehörte insbesondere zum Tempelkult von Jerusalem (vielleicht schon vorher in Silo? W. Schmidt), wo offenkundig Elemente des vorisraelit. Kultes des Stadtgottes El-eljon (Gn 14) übernommen wurden (Kraus, Ps.komm. Exkurs 4 und 5).
Mit der Übernahme des Königstitels für Jahwe vollzog sich aber zugleich ein tiefgreifender Prozeß der Entmythisierung (Maag, W. Schmidt). In Babylon wie in Ugarit war die Bezeichnung eines Gottes als König zunächst und eigentlich gemeint als Herrschaft über die anderen Götter, es war also eine ausgesprochen mythische Prädikation (W. Schmidt). Gerade diese Funktion aber fiel für Jahwe als König radikal fort. Für Jahwe gibt es keine Göttergeschichte, daher auch kein Königsein über andere Götter. Zwar kann auch von Jahwe gesagt werden »ein großer König über alle Götter« (Ps 953 964 977.9); zwar begegnen oft Anspielungen auf einen himmlischen Hofstaat (Js 6 1Kg 22 Ps 82 Hi 1f u.ö.); aber das ist »mehr eine übernommene Formel-(sprache) als eine konsequent durchgeführte Vorstellung« (Maag). Das erste Gebot des Dekalogs und das Bekenntnis zu Jahwe als dem einen Gott (Dt 64) ließ diese mythischen Vorstellungen nicht zum Tragen kommen. Das zeigt sich nun vor allem in einer Abwandlung: Da Jahwe als König nicht Herr der Götter sein kann, wird er zum König Israels. Häufig begegnet im AT der Königstitel Gottes bezogen auf Israel, dagegen fehlen Analogien zu »unser, euer, ihr, mein König« in den kanaan. Texten völlig. Wo in sicher vorexilischen Texten der Königstitel Gottes begegnet, überwiegt diese Beziehung auf Gottes Volk und dessen Geschichte. Das zeigt sich besonders in (1Kg 22 und) Js 6, wo Gott zwar der thronende König ist, von einem himmlischen Hofstaat umgeben, dieser aber zu den Thron umgebenden Dienern geworden ist und das Handeln des Königs allein auf das Wirken an seinem Volk beschränkt, zu dem er seinen Boten sendet. Ähnlich tiefgreifend ist die Thronvorstellung bei Hesekiel abgewandelt (Zimmerli, Maag).
Bei Dtjs wird die Königsherrschaft Gottes auf die Zukunft des Volkes Israel bezogen: In Js 527 faßt der Prophet die Botschaft des Israel angekündigten Heils in die Worte: »dein Gott ward König!«. Der Antritt der Königsherrschaft Gottes ist identisch mit der Stunde des Heils für Israel. Es wird perfektisch von ihr gesprochen, sie liegt aber noch in der Zukunft. Den Klang der Erwartung hat eine Gruppe weiterer Stellen (Js 2433 3322 Zph 315 Ob 21 Sach 1416 f; v.Rad). 2. In den Zusammenhang der Apokalyptik des Judentums tritt der Begriff Königsherrschaft Gottes bei Daniel (244 422 727). Mit stark nationaler Färbung begegnet der Begriff in der späteren Apokalyptik (1Hen 842 9030 924 1031). Der rabbinische Begriff malkut schamajim (nicht »Himmelreich«, sondern »Königtum Gottes«) ist im Zusammenhang der allgemeinen Tendenz des Judentums zu sehen, verbale Aussagen über Gott durch Abstraktbildungen zu ersetzen (StB I, 172ff. 862ff). Er ist im wesentlichen auf zwei Redewendungen beschränkt (ThW I, 571): a) »das Joch des Gotteskönigtums auf sich nehmen«, ein Bekenntnis zum jüd. Glauben und Bejahen des Gesetzes, b) ein eschatologischer Begriff: »wenn offenbar wird das Königtum Gottes«. Beide gehören insofern zusammen, als das erwartete Offenbarwerden der malkut die Entscheidung für oder gegen das »Joch der malkut« fordert. Im heilenist. Judentum ist der Begriff, besonders bei Philo, vergeistigt und ethisiert worden (ThW I, 574f). 3.

NT

Die zwei Bedeutungen »Herrscherwürde« und »Herrschaftsbereich« gelten auch im NT beim Begriff R.G., der von der jüd. Umschreibung etwa des Satzes »Jahwe regiert als König« abgeleitet wird. Es kann auch R. des Sohnes, des Vaters, Himmelreich, das R. heißen (vgl. R. des Satans). Allerdings begegnet der Begriff nicht überall und mit gleicher Bedeutung (eine kritische Aufarbeitung der Frage fehlt zur Zeit). Wir beobachten wenigstens zwei urtümliche Bedeutungsnuancen: – a) R. des Sohnes (und des Vaters). Kol. 113 preist den Vater, der uns aus der Finsternis »in das R. des Sohnes seiner Liebe versetzt hat«, E 514 26 sagen von denen, die in Sünden tot waren: »Er erweckte und setzte uns mit ihm ein (auf den Thron) in den Himmeln in Christus Jesus.« Der Getaufte hat das R. empfangen (H 1228 Off 16 510 u.ö.), ist Teilhaber an Bedrängnis, R. und Geduld (Off 19), »regiert mit«, wie Paulus im Spott den Korinthern vorhält (1K 48). Die Taufe führt in Tod und Erhöhung Jesu und macht auch der Herrscherwürde Christi teilhaftig. Vgl. J 33.5 (R.G. und R. des Sohnes begrifflich nicht mehr unterschieden!): Niemand wird in das R.G. kommen, er sei denn von neuem geboren.Christus ist kraft der Erhöhung (1K 1524 f) Herr der Welt (Ph 29–11; vgl. »eingesetzt«). Noch Off 1115 preist den Moment, da »die Weltherrschaft unsers Herrn und seines Gesalbten« eintritt. Schon bald rückt Jesu Leben unter den Gesichtspunkt der Herrscherwürde (Mk 1110 Einzug nach Jerusalem; vgl. L 2229 f J 1836 f); 2T 41 ordnet Erscheinung und Herrschaft Jesu einander zu, im Hymnus L 133 wird dem Jesuskind ewige Herrschaft angesagt. – b) R.G. Mit der Passionsgeschichte verbunden ist das Jesuswort, er werde Wein erneut im R.G. trinken (Mk 1425 L 2216.18). Hier wird R.G. als eine künftige Größe verstanden (vgl. L 2131 »wenn ihr das seht geschehen, so wißt, daß das R.G. nahe ist«). So nahe ist das R.G., daß »einige hier stehen«, die nicht sterben werden, ehe sie es sehen (Mk 91). Die Erwartung, Anteil an R. und Herrlichkeit Gottes zu gewinnen, gibt den Bedrängten Kraft (L 1232). Schon Paulus macht sie in Gemeindeparänesen fruchtbar (1K 69 f 1550 G 521 u.ö.; E 55 setzt kaum zufällig »R. Christi und Gottes«). Wie der Schacher zur Rechten (L 2342) und Paulus nach 2T 418 bittet man auch später um die Rettung ins R.G. (Did 94 »führe zusammen deine Gemeinde von den Enden der Erde in dein R.«), das den Erwählten vom Weltbeginn her bereitet ist (Mt 2534). Dort werden sie aus allen Himmelsrichtungen vereint (Mt 811). Dort wird groß bzw. der Kleinste heißen, wer Gottes Gebote hält oder auflöst (Mt 519 f). – c) R.G. bei Jesus. So wenig wir über Jesu eigene Worte sagen können, weil die Gemeinde diese weitergab und dabei möglicherweise veränderte, so empfiehlt sich doch die Annahme, beide R.G.-Anschauungen seien auf Jesu Wort zurückzuführen. Das R.G. ist »mitten unter euch« (L 1720 f). Jesu Vollmacht gegen Dämonen zeigt an, daß es »zu euch gekommen« ist (Mt 1228 L 1120). Man kann es »annehmen wie ein Kind« (Mk 1015 L 1817; Mt ändert: Wenn ihr nicht wie Kinder werdet, werdet ihr nicht hineinkommen!). Der Geringste in ihm ist größer als Johannes der Täufer (L 728), während, wer am Pflug zurückschaut, nicht »brauchbar« für es ist (L 962). Nach einem dunklen Wort rauben (berauben?) es Gewalttätige von den Tagen des Täufers an (Mt 1112 Lb 1616). Vielleicht gehört auch das Wort hierher, Zöllner und Huren gingen in das R.G. den Angeredeten voraus (Mt 2131), denen es genommen wird (2143; 812). Auch die Gleichnisse Jesu reden von der Gegenwärtigkeit des R.esG.: Die Saat wächst von selbst (Mk 426), aus dem kleinen Senfkorn wird ein großer Strauch (Mk 430). Das R.G. wächst kraft eigener Gewalt. – d) Die weitere Entwicklung. – Paulus verbindet beide Linien: Gott hat uns »in sein R. und seine Herrlichkeit berufen« (1Th 212), aber nur die Geheiligten werden es erben (1K 66–11). Das R.G. ist mit seiner Gewalt da, nicht nur im Wort (1K 420), und fordert die Gewissen der Glaubenden auf (R 1417). – Die Stellung des Mk wird an einigen redaktionellen Stellen des ältesten Ev.s deutlich. Die Überschrift zu Jesu Predigt (Mk 115) sagt: Das R.G. ist genaht (vgl. Mt 32 417 107). Die Jünger haben Einblick in das »Geheimnis des R.esG.« gewonnen (Mk 411). Die Deutung der Gleichnisse als R.G.-Bilder beginnt Mk an zwei Stellen (426.30). Gegen Schluß seiner Lehre antwortet Jesus dem Schriftgelehrten, der sich zu Gottes- und Nächstenliebe bekennt, er sei nicht fern vom R.G. (1232–34). Gilt der in Jesu Wort Unterwiesene als »dem R.G. nahe«? Jedenfalls macht Mt 2757 Joseph von Arimathia (»der das R.G. erwartete«, Mk 1543 L 2351) zu einem von Jesus Unterwiesenen! Mk deutet die Gegenwärtigkeit in die Nähe zum R.G. um. – Mt deutet die Bildworte konsequent als R.G.-Gleichnisse und verlegt den Ton auf die Künftigkeit (vgl. Mt 519 f): Dein R. komme (610; ähnlich im jüd. Achtzehngebet und L 112). Das R.G. tritt wie bei Fischfang (Gleichnis vom Netz 1347) und Ernte (Deutung des Gleichnisses vom Unkraut 1336 ff) mit der Trennung der Guten von den Unnützen (vgl. das Gericht in 2531 ff) oder mit dem endgültigen Ruf zur Hochzeit (Mt 251 ff zehn Jungfrauen) ein. Die Änderung in Himmelreich (R. der Himmel, wörtlich nach einer jüd. Formel) hebt noch etwas deutlicher auf die Zukunft ab. – L bekämpft die Meinung, das R.G. bzw. Israels werde in berechenbarer Zeit erscheinen ( Verzögerung), mit dem Hinweis auf die Unberechenbarkeit der Stunde (Apg 16 f) und die Forderung des Richters (L 1911 ff Gleichnis von den Pfunden). Der Ton liegt auf der Predigt vom R.G., die nahezu inhaltsgleich mit »Evangelium Jesu Christi« ist (L 109.11 Apg 13 198 2025 2823).
[Handwörterbuch: Reich Gottes. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5699-5706
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1577)

pfeilRettung    

Rettung

(hebr. hissil »herausreißen«, hoschia' »Weite geben« [Gegensatz zu srr »beengen«], hosi' »herausgehen lassen«, histir »bergen«; gr. exairéo »herausheben«, rýomai »herausziehen«, sozo »heil bewahren«), Befreiung aus Bedrängnis ( Erlösung, Freiheit, Leiden, Not, Tod, Verfolgung).

AT

Die Auffassung der R. ist im AT bedingt durch das Verständnis des Leidens. Dieses ist charakterisiert durch die Totalität des Erlebens. Das kommt schon in den verschiedenen Bedeutungen der Doppelwurzel srr zum Ausdruck: einerseits »einschnüren, beengen«, andererseits »befeinden«. Not ist, wie die Klagepsalmen zeigen, immer zugleich Krankheit, Schwäche, Hungersnot, Feindesnot, Tod, Gottferne, Sünde, kurz: Aufenthalt im Bereich der als finstere Macht empfundenen Unterwelt (hebr. sch·'ol). Dementsprechend ist R. im Vollsinn der Übergang aus dem Bereich des Todes in denjenigen des Lebens, d.h. Auferstehung, Heilung, Sieg, Fülle, Vergebung. Dieser Übergang kann jedoch nicht durch den »Toten«, den Leidenden, bewerkstelligt werden: er ist Eingriff eines Mächtigeren, Gottes selber (1Sm 1018 f Js 4515 4926 usw.). Weder Menschen (Ps 1463), noch Armeen (Ps 3316), noch Götter (Js 467 4520) sind dazu imstande. Daß R. nur »von oben« möglich ist, zeigt sich auch in den einschlägigen Vokabeln (s.o.).

Im NT liegt derselbe Sachverhalt vor. Alle in Frage kommenden Vokabeln (s.o.) bezeichnen die Entnahme aus dem Bereich der Krankheit, der Sünde, der Gottferne, des Zornes, der Finsternis, der Feinde, der Leiden, des schlimmen Aion (Mt 613 Apg 240 R 724 G 14 1P 320). Dieser durch Christus gewirkte Vorgang wird mit Vorliebe kurzweg »die R.«, oder »das Gerettet werden« genannt, in absolutem Gebrauch, wobei jedoch nicht zwischen »gewöhnlicher« und »religiöser« Verwendung des Ausdrucks zu scheiden ist (L 171 Apg 725 Ph 128 u.a.). Das Erlebnis ist immer ein totales; darum ist es auch sowohl zukünftig (R 59 1K 315 2K 510 usw.) als gegenwärtig (2K 62).
[Handwörterbuch: Rettung. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5768-9
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1593-1594)

pfeilReue    

Reue

(hebr. nihham niph., hitnahhem »betrübt sein, bedauern«, gr. metamélomai »anders gestimmt werden«), Betrübnis über ein Faktum. Diese innere Empfindung kann auch in aktiver Buße und vitaler > Umkehr oder »Sinnesänderung« zum Ausdruck kommen (für letzteren Begriff hebr. schub »Umkehr«, gr. metánoia »Umstellung des Interesses«, vgl. gr. eúnoia »Wohlwollen«).

Das AT rechnet scheinbar anthropopathisch mit R. bei Gott. Es reute Gott, daß er den Menschen geschaffen (Gn 66) und Saul zum König gemacht hatte (1Sm 1511). Je nach den Umständen kann es heißen, Jahwe bereue niemals seine Gnade (Nm 2319) und Strafe (Jr 428 Ez 2414), oder umgekehrt, er bereue jene (Jr 1810) wie diese (2Sm 2416 Ps 10645 Jr 188 Jl 213). Es geht jedoch nicht um menschliche Willkür, sondern um die Hoheit des Königs, der mit Eifer alles verlangt (1Sm 1522) und in Gnade alles vergibt (Am 73), so daß man ihn fürchten und lieben muß. Nur gelegentlich wird bei Menschen die innere Empfindung der R. erwähnt (Ri 216 Jr 86), die sich andererseits von praktischer Buße und vitaler Umkehr kaum unterscheidet (Jr 3119 Hi 426).

Im nachexilischen Judentum wagten es nur Missionskreise, von Gott auszusagen, er könne die über die Heiden beschlossene Strafe bereuen (Jon 39 f 42). Sonst blieb man vorsichtig. Auch in bezug auf Menschen sprach man wenig von R. im engeren Sinne. Nach der Rückkehr zum Tempel und Gesetz genügte dem Volk als Kennzeichen der Gerechten keine bloße R. über die Sünde. Vielmehr verlangte man, in Analogie zur prophetischen Forderung einer Umkehr zu Gott (Hos 54 usw.), eine formale Umkehr zum Gesetz: das wurde die Parole des Judentums (Neh 929 Dam IV, 2 Pirq. Ab. II, 10b). LXX setzte für R. 14mal den gr. Begriff Sinnesänderung (metánoia) ein (1Sm 1529 usw.), der gelegentlich unmittelbar neben Umkehr (epistrophe) gestellt wurde (Js 468 Jr 3118 f Sir 1724 f). Sinnesänderung wurde das Schlagwort gr.-philosophisch beeinflußter Verfasser (TestRub 19 usw.; Phil. All. II, 60 Jos.Ant. II, 23). Es konnte bei Sirach und in den nachseptuagintalen Versionen die Umkehr direkt ersetzen (Sir 4815; ThW IV, 986 f). R. der Menschen interessierte das Judentum eigentlich nur bei Heiden und Sündern, entweder im Blick auf die göttliche Gnade (Sir 1724 Wsh 1123 12n 10.19) oder Strafe (1Hen 501 631).

Das NT versichert, daß Gott seine Erwählung nicht bereut (R 1129 H 721). In bezug auf Menschen wird eigentliche R. nur in speziellen Fällen von Matthäus und Paulus erwähnt (Mt2129.32 273 [Judas] 2K 78.10). Sonst ist der charakteristische Begriff die Umkehr, als Sinnesänderung verstanden (gr. metánoia). Er findet sich bereits in der Verkündigung des Täufers und Jesu, dann besonders in der ersten und letzten Schrift des NT sowie bei Lukas im Reisebericht und in der Apg (Mt 32 p–1241 L 1013–174 Apg 238–2620 Off 25–1611). Sowohl im Blick auf den vorauszusetzenden jüd. Grundbegriff (hebr. schub »Umkehr«) – wobei auch Qumran zu berücksichtigen ist (2, Dam) – wie im Blick auf die Verwendung des Begriffs im NT ist diese christl. »Sinnesänderung« nicht als Bußobservanz, sondern als Bekehrung im Sinne von Umstellung des Interesses auf Gott statt auf die Welt zu verstehen (zB Mk 115 Apg 822 2021 H 61).
[Handwörterbuch: Reue. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5770-2
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1595)

pfeilRichter    

Richter

(hebr. schophet, gr. krites), Vertreter der auf geltende Gerechtigkeit oder geltendes Recht gegründeten Rechtspflege, besonders als Träger der Entscheidungsgewalt im Gerichtsverfahren.

Das AT erwähnt zunächst Gott als Schiedsr. (Gn 165 3153) und als Wehr. (Gn 1825 Ps 712 Js 313); Gericht. Auf der Ebene der Sippenverbände, aus denen nach der Landnahme die lokalen Rechtsgemeinden hervorgingen, lag die Rechtspflege in den Händen der Ältesten, die im Tor Recht sprachen, wobei aber alle Vollbürger Mitspracherecht hatten (vgl. Dt 2119 2215 ff 257–9 Rt 41–12 1Kg 2111–13). Den Priestern war die »Weisung in kultischen Dingen (Entscheidung über rein und unrein, heilig und profan) vorbehalten. Außerdem hatten sie beim Eid und bei Gottesurteilen mitzuwirken (Ex 216 226–8 Lv 13–14 Dt 215 3310 Hg 211–13 Sach 73). In nachexilischer Zeit bekommen die Priester größere Kompetenzen (2Ch 194–11, Hoher Rat). Die Einführung des Königtums brachte keine Verstaatlichung der Rechtspflege; doch besaßen natürlich der König bzw. die von ihm eingesetzten Beamten in Königsstädten (zB Jerusalem), Festungen und Krongütern die richterliche Gewalt. Eine außerbibl. Illustration dazu bietet das 1960 gefundene hebr. Ostrakon von Yavneh-Yam südl. Jaffa mit der Klage
[Handwörterbuch: Richter. Biblisch-historisches eines Erntearbeiters an den lokalen Beamten des Königs (letztes Drittel des 7. Jh.s). In Ausnahmefällen konnte der Israelit, dem das Recht vorenthalten wurde, direkt an den König gelangen (2Sm 121–6 144–11 151–6 1Kg 316–28 2Kg 81–6), gehörte es doch zu den vornehmsten Aufgaben des Königs, für Recht und Gerechtigkeit zu sorgen (2Sm 815 Ps 721–2). Es scheint außerdem, daß der König das Erbe der älteren Institution des »R.s Israels« übernommen hat, auf die man erst in neuerer Zeit aufmerksam geworden ist. Seit den Arbeiten Alts und Noths betrachtet man weithin die sogenannten »kleinen R.« (Ri 101–5 127–15; R.-Buch und die Einzelartikel) in Analogie zum isländischen Amt des »Gesetzsprechers« als Träger eines gesamtisraelit. vorstaatlichen Amtes, das mit der Wahrung und Verkündigung speziell des Rechtes des Stämmebundes betraut war. Als solche R. Israels kämen auch Josua (Jos 24), Debora (Ri 44–5) und namentlich Samuel (1Sm 715–83) in Frage. Nachwirkungen dieser Institution werden in Mi 414 und Dt 178–13 vermutet. Neben dem König übernahmen auch die Propheten gewisse Funktionen dieses Amtes, das mit der Ablösung der alten Ordnung des sakralen Stämmebundes durch das Königtum seine selbständige Bedeutung verloren hatte.

Die »großen R.«

( R.-Buch und die Einzelartikel) des R.-Buches stehen in den alten Überlieferungen, also abgesehen vom späteren deuteronomistischen Rahmen, in keinem Zusammenhang mit der Rechtsprechung. Als charismatische Anführer sind sie nicht Träger eines institutionellen Amtes. Erst später ist ihnen vom Deuteronomisten die Bezeichnung R. und damit die Funktion eines gesamtisraelit., in einer gewissen Sukzession auftretenden Amtsträgers und Vorläufers der Könige beigelegt worden. Für diese ausgeweitete Bedeutung des R.-Titels (R. = Regent) gibt es zwar entferntere Parallelen in den Texten aus Mari (schapitu als Stammesautorität), Ugarit (tpt parallel zu mlk »König«) und in phönizisch-punischen Inschriften (Suffeten), auch im AT für Moab (Am 23). Aber näher liegt es, an eine sekundäre Übertragung des Titels von den »kleinen R.n« auf die »großen R.« zu denken. Diese Übertragung war dadurch erleichtert, daß Jephtha nach den dem Deuteronomisten vorliegenden Quellen sowohl zu den Befreiern als auch zu den »kleinen R.n« gehörte. So fügte er die über ihn vorhandene umfangreiche Retter-Erzählung (Ri 106–126) unmittelbar vor der Nennung Jephthas innerhalb der Liste der »kleinen R.« (127) ein, wodurch die Liste in ihre beiden jetzigen Stücke auseinandergesprengt wurde. Weil sich aber in der Person des Jephtha die Liste der Amtsträger und die Sammlung der Heldengestalten schnitten, konnte der Deuteronomist die Heldengestalten analog auch als »R.«bezeichnen und ihnen gesamtisraelit. Funktionen zulegen, die sie ursprünglich noch nicht besessen hatten.

Judentum

Für die Rechtspflege im Judentum wurde bedeutsam, daß Esra auf Grund der Gesetzesstudien die R.-Tätigkeit von Schriftgelehrten in Juda förderte (Esr 725 1014). Weisheitslehrer empfahlen Respekt vor R.n im allgemeinen (Sir 76 814 4118). Daniel wurde ungerechten jüd. R.n in Babylon gegenübergestellt (Sus 5.41). Gelegentlich wurde auf die atl. R.-Zeit hingewiesen (Sir 4611 f Bar 21). Häufiger aber erinnerte man an das göttliche Endgericht über die Heiden, grundsätzlich von Gott selber vollzogen (Jdt 1617 Dn 710 1Mkk 742 2Mkk 126 Wsh 1110), der sich aber teilweise durch seine Frommen (Sir 415 Wsh 38) oder seinen Messias vertreten läßt (1Hen 453 494 554 622 6927 9031 4Esr 1232 f 1310 Sib 5418 f).

NT

Für den Begriff R. im NT war die im Kerygma ausgedrückte Überzeugung grundlegend, daß Gott der unerbittliche R. aller Sünde ist. – Von jeher steht der Mensch unter dem göttlichen Zorn (Mt 32 p 417 p J 318 R 118 1410 1Th 59 H 1223 Jk 412 Off 157). Jetzt wird aber im Sohne Gottes dieser Zorn aufgehoben (Mt 96 p 2628 p J 317 R 59 1Th 110). Das soll beim Endgericht bestätigt werden, indem Christus dann als R. der Guten und Bösen erscheint (Mt 312 p 1627 p J 527 Apg 1042 1731 R 834 2K 510 2T 48 Jk 59 Off 55 1911). Infolge des Vergleichs der Guten und Bösen werden dabei im übertragenen Sinne die einen den anderen zu R.n werden (Mt 1227 p 41 f p), Christen sogar Engeln (1K 63). Von menschlichen R.n wie auch von christl. Richten und Rechten wird grundsätzlich Abstand genommen (Mt 525 p 40 71 p 2025 L 1214 186 2020 1K 43 61.7 Jk 24 411 f). Jedoch wird die staatliche R.-Gewalt ( Autorität, Gewalt, Obrigkeit) gelegentlich für eine göttlich zugelassene, menschlich nützliche Ordnung gehalten (Mt 521.22 b 2221 p Apg 2410 2511 R 134 1T 22 Tt 31 1P 214). Dabei vertritt sie kein normatives, absolutes Recht (R 132 Off 154). Normativ ist nur die göttliche Gerechtigkeit, absolut nur das bibl. Liebesgebot (Mt 522a. c. 48 712 194–8 p 2236 p J 117 1334 R 138 G 514 Jk 28). Das ist bei der empirisch notwendigen Entwicklung einer kirchlichen R.-Gewalt ( Rechtspflege) zu berücksichtigen (Mt 1619 1815–18. 21 1K 53 65 1T 519 f 1Cl Did).
[Handwörterbuch: Richter. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5783-8
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1599)

pfeilRuhe    

Ruhe

(hebr. nuah »sich entspannen«, schabat »aufhören« u.a., gr. ánesis »Erleichterung«, aná-, katápausis »Aufhören«, sabbatismós »Sabbat-R.«; hesychía dagegen »Ruhigbleiben«, Stillschweigen), physische und psychische Entspannung und Erquickung.

AT
Für den Menschen des AT.s war Freiheit von Mühe, Sorge, Feinden ein Ideal (Gn 22 Arbeits-R. für Gott selbst am Sabbat, Ex 2312 Dt 514 für Tiere und Diener ebenso; 2Sm 71 Js 143 R. vor Feinden). Im gelobten Land erwartete man R. im Sinne von Frieden und Freiheit (Dt 320 u.ö., Ps 9511). Kultische und ethische Gemeinschaft mk Jahwe gibt der Seele höchste R. (Js 2812 Jr 616 Ps 232). Ganz von Sorgen befreit wird aber der Mensch erst im Tod (Hi 313).

Im nachexil. Judentum betonten Schriftgelehrte das Gesetz der Sabbat-R. (Neh 1315–22). Weisheitslehrer hoben die (nunmehr auch hellenistisch verstandene) Weisheit als Quelle der Seelen-R. hervor (Sir 628 [29] Wsh 8[15] 16). Apokalyptiker wiesen auf die R. der verstorbenen Gerechten hin (Dn 1213 4Esr 990.95).

NT

Jesus stellt im NT (im Anschluß an jüd. Weisheitslehrer, >2) seine eigene Person als Quelle der Seelen-R. dar (Mt 1128). Paulus beanspruchte keine R. in der Gegenwart (2K 213 75), erwartete sie aber bei der Parusie (2Th 17). Ruhigbleiben ohne soziale und eschatologische Ungeduld ist den Christen wichtig (1Th 411 2Th 312), auch den Frauen (1T 211 f 1P 34). Christus gibt der Kirche die Sabbat-R. des gelobten Landes (H37–411 [Predigt über Ps 957.11]). In der Engelwelt vollzieht sich ohne R. die Anbetung Gottes (Off 48), so wird auch die Bestrafung der Sünder erfolgen (1411), aber die Märtyrer haben R. (1413).
[Handwörterbuch: Ruhe. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5868-9
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1625)

pfeilRuhm    

Ruhm

(hebr. kabod eigentlich »Gewicht«; hillel »loben«, gr. kaüchesis eigentlich »Ausruf«), eine nur Gott zukommende Ehre (Dt 1021 Js 428), da der Mensch alles, dessen er sich rühmen könnte, empfangen hat (1K 47). Gegenüber dem Selbst-R. (hebr. hithallel, hitromem) als der Grundhaltung des sündigen Menschen (Ps 737) besteht der einzig legitime R. in der Beugung vor Gott (Jr 923 1K 131). Lob.
[Handwörterbuch: Ruhm. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5870
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1625)

pfeilRüsttag    

Rüsttag

(hebr. 'ereb schabbat »R. des Sabbats«, 'ereb happesah »Pesach-R.«, gr. paraskeue »Inordnungstellung«), im Judentum der Vorbereitungstag entweder auf den Sabbat (Jdt 86; Jos.Ant. III, 255 f; M. Schabb. II, 7; Mk 1542 Mt 2762 L 2354 J 1931.42) oder auf einen hohen Festtag, besonders den Passatag (J 1914; Pesachim IV, 1. 5. 6 usw.). Am R. zum Sabbat (Vorsabbat, gr. prosábbatori) erinnerten Trompetensignale mittags um drei Uhr die Einwohner Jerusalems an die Sabbatsvorbereitungen. Diese bestanden u.a. in der Zubereitung der Sabbatspeisen, dem Waschen und Anziehen der Festkleider und dem Anzünden der Lampen. Nach J war der Todestag Jesu R. sowohl auf den Sabbat als auf den Passatag, während er nach den Synoptikern bloß R. auf den Sabbat war.
[Handwörterbuch: Rüsttag. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5874
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1625-1626)

 
 

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