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Auf diesen Seiten findest du, alphabetisch sortiert, Erläuterungen zu biblisch-historischen Fachbegriffen.
   
   
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Stichwort

Bibeltext

Erklärung
Qual
Quelle
Qumran
Qumran-
handschriften

Und sein Ruf verbreitete sich in ganz Syrien. Man brachte Kranke mit den verschiedensten Gebrechen und Leiden zu ihm, Besessene, Mondsüchtige und Gelähmte, und er heilte sie alle.

Off12,2-4

Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen.

Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen.

Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war.


Mt4,24

Qual

(gr. básanos, basanízo, basanismós). Das gr. Wort, hat einen Bedeutungswechsel durchgemacht, von »Prüfung eines Metalls« zu »Tortur«, »Folterung«, Q. So werden der Schmerz des Kranken und die Wehen der Schwangeren als Q. bezeichnet. Q.en erleiden besonders die Dämonen, wenn ihnen Jesus gegenübertritt (Mk 57 p). Dem Apokalyptiker Johannes dient das Wort besonders zur Ausmalung der Leiden der Endzeit (Off 95 1410 f 187.10 2010).
[Handwörterbuch: Qual. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5557
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1535)

pfeilQuelle

10 Als die sieben Tage vorbei waren, kam das Wasser der Flut über die Erde,
11 im sechshundertsten Lebensjahr Noachs, am siebzehnten Tag des zweiten Monats. An diesem Tag brachen alle Quellen der gewaltigen Urflut auf und die Schleusen des Himmels öffneten sich.
12 Der Regen ergoss sich vierzig Tage und vierzig Nächte lang auf die Erde.
13 Genau an jenem Tag waren Noach, die Söhne Noachs, Sem, Ham und Jafet, Noachs Frau und mit ihnen die drei Frauen seiner Söhne in die Arche gegangen,

Dtn8,6-7
6 Du sollst auf die Gebote des Herrn, deines Gottes, achten, auf seinen Wegen gehen und ihn fürchten.
7 Wenn der Herr, dein Gott, dich in ein prächtiges Land führt, ein Land mit Bächen, Quellen und Grundwasser, das im Tal und am Berg hervorquillt,

Für den Bewohner Ägyptens und Mesopotamiens, dieser häufig durch Regenfälle im Oberlauf der Flüsse vom Unterlauf überschwemmten Gebiete, enthielt das Wasser neben seiner segnenden Wirkung eine unheimliche Kraft. Daher fürchtete man im Orient das Aufbrechen der Q.n der Tiefe (Gilg. 1197 ff; Gn 711 82 Spr 828). In der Trockenheit Palästinas aber sind Q.n, zumeist in  Brunnen gefaßt, die wichtigste Voraussetzung zum Leben, für Israel jedoch selten Ort kultischer Verehrung eigener Gottheiten (wie in Gn 167 ff).
[Handwörterbuch: Quelle. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5560
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1535-1536)]

Gen24,11
11 Vor der Stadt ließ er die Kamele am Brunnen lagern. Es war gegen Abend, um die Zeit, da die Frauen herauskommen, um Wasser zu schöpfen.
12 Er sagte: Herr, Gott meines Herrn Abraham, lass mich heute Glück haben und zeig meinem Herrn Abraham deine Huld!
13 Da stehe ich an der Quelle und die Töchter der Stadtbewohner werden herauskommen, um Wasser zu schöpfen.
14 Das Mädchen, zu dem ich dann sage: Reich mir doch deinen Krug zum Trinken!, und das antwortet: Trink nur, auch deine Kamele will ich tränken!, sie soll es sein, die du für deinen Knecht Isaak bestimmt hast. Daran will ich erkennen, dass du meinem Herrn Huld erweist.


Num21,15-18
15 und die Wasserscheide, die sich zum Wohngebiet von Ar hinneigt und sich an das Gebiet von Moab anlehnt.
16 Von dort ging es weiter nach Beer (Brunnen); es ist der Brunnen, von dem der Herr zu Mose gesagt hat: Versammle das Volk, damit ich ihnen Wasser gebe.
17 Damals sang Israel das folgende Lied: Steig auf, Brunnen! Singt über ihn ein Lied,
18 über den Brunnen, den Heerführer gruben, /
den die Edlen des Volkes aushoben /
mit dem Zepter, mit ihren Stäben. Aus der Wüste (zogen sie weiter) nach Mattana,


Jer2,11-13
11 Hat je ein Volk seine Götter gewechselt? Dabei sind es gar keine Götter. Mein Volk aber hat seinen Ruhm gegen unnütze Götzen vertauscht.
12 Entsetzt euch darüber, ihr Himmel, erschaudert gewaltig - Spruch des Herrn.
13 Denn mein Volk hat doppeltes Unrecht verübt: Mich hat es verlassen, den Quell des lebendigen Wassers, um sich Zisternen zu graben, Zisternen mit Rissen, die das Wasser nicht halten.

Joh4,13-15
13 Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen;
14 wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.

15 Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen.

Offb7,15-17
15 Deshalb stehen sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm bei Tag und Nacht in seinem Tempel; und der, der auf dem Thron sitzt, wird sein Zelt über ihnen aufschlagen.

16 Sie werden keinen Hunger und keinen Durst mehr leiden und weder Sonnenglut noch irgendeine sengende Hitze wird auf ihnen lasten.

17 Denn das Lamm in der Mitte vor dem Thron wird sie weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens strömt, und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen.

Für den Bewohner Ägyptens und Mesopotamiens, dieser häufig durch Regenfälle im Oberlauf der Flüsse vom Unterlauf überschwemmten Gebiete, enthielt das Wasser neben seiner segnenden Wirkung eine unheimliche Kraft. Daher fürchtete man im Orient das Aufbrechen der Q.n der Tiefe (Gilg. 1197 ff; Gn 711 82 Spr 828). In der Trockenheit Palästinas aber sind Q.n, zumeist in  Brunnen gefaßt, die wichtigste Voraussetzung zum Leben, für Israel jedoch selten Ort kultischer Verehrung eigener Gottheiten (wie in Gn 167 ff).
[Handwörterbuch: Quelle. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5560
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1535-1536)]
Gen7,10-13

Quelle

(hebr. 'ajin, ma'jan, mabbua', maqor, gr. pege), ein Wunder der Schöpfung (Ps 7415).

Für den Bewohner Ägyptens und Mesopotamiens, dieser häufig durch Regenfälle im Oberlauf der Flüsse vom Unterlauf überschwemmten Gebiete, enthielt das Wasser neben seiner segnenden Wirkung eine unheimliche Kraft. Daher fürchtete man im Orient das Aufbrechen der Q.n der Tiefe (Gilg. 1197 ff; Gn 711 82 Spr 828). In der Trockenheit Palästinas aber sind Q.n, zumeist in Brunnen gefaßt, die wichtigste Voraussetzung zum Leben, für Israel jedoch selten Ort kultischer Verehrung eigener Gottheiten (wie in Gn 167 ff). Die Kreideformationen des Landes begünstigen ihr Entstehen an weit verstreut und oft tief im Trockengebiet liegenden Orten (Dt 87). Nur selten entsteht jedoch ein Bach oder Fluß (Jordan, Jabbok, Jarmuk). An ihnen haben sich die ersten festen Siedlungsplätze gebildet und durch Jahrtausende erhalten (Jericho). Jede Stadt sucht die Nähe einer Q. und sichert den Zugang zu ihr durch Verteidigungs- (tell es-sa'idije) und Tunnelanlagen (Jerusalem, Gezer, tell el-mutesellim, bel'ame, el- dschib, Wasserleitung). Häufig wurden daher die Orte nach der Q. benannt (Endor, Engedi, En-Gannim u.a., En). Die Anlage von Zisternen wurde erst in der Eisenzeit möglich. Auch die Vegetation konnte nur an einer Q. ganzjährig gedeihen (Gn 4922 PS 13).

In der Glaubenswelt sind Quellen ein Ort ergiebiger Begegnungen (Gn 2411 Ex 217 J 46). Gott allein kann Q.n schaffen (Ex 176 Ps 7415 10410 1148 Off 147). Älteste Poesie besingt das Graben eines Brunnens in der Wüste durch Fürsten (Nm 2117 f, Brunnenlied).

In der Endzeit wandelt sich die Wüste, wenn Q.n aufbrechen (Js 4118 357), und wie ehemals in Eden (Gn 210), so wird im Tempel eine Lebens-Q. aufspringen (Ez 471–12 Jl 3 [4] 18 Off 222 f


Gott selbst ist die lebendige Quelle

(Jr 213 1713 Ps 3610), die Heil bringt (Js 123). Eine gute Lehre (Spr 1011 1314), Klugheit (Spr 1622), die Furcht Gottes (Spr 1427), der Glaube an Jesus (J 738) sind eine Q. des Lebens. Der Gerechte kann sich auch im Leid eine Q. graben (Ps 847). Das Volk Israel ist die Q. Jakobs (Dt 3328). Der Blutfluß und die Scham einer Frau (anatomisch richtig: Uterus) können Q. des Bluts genannt werden (Lv 127 2018 Mk 529). Rede des Mundes ist wie Quellwasser aus einem Springbrunnen, mild oder bitter (Jk 311). Irrlehrer werden mit einer Q. ohne Wasser verglichen (2P 217). Auch die natürlichen Q.n und Flüsse müssen als eines der vier Elemente (Off 147) vom Gericht getroffen werden (Off 810 164). Jesus dagegen gibt Wasser zu trinken, das zu einer Q. wird, die bis zum ewigen Leben quillt (J 414 Off 717 216).
[Handwörterbuch: Quelle. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5560-1
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1536)

Bild: Abraham

Quelle

pfeilQumran

Blick von der Felsenklippe durch die Schlucht des wadi qumran zum Toten Meer

Blick von der Felsenklippe durch die Schlucht des wadi qumran zum Toten Meer.

 

Qumran

(arab. chirbet qumran), Ruinenstätte auf einer ca. 800 m vom Nordwestufer des Toten Meeres (>Taf.) entfernten, etwa 60 m hohen, nach drei Seiten, besonders zum wadi qumran hin steil abfallenden Mergelterrasse (Taf. 47a), die Besiedlungsspuren aus dem 9.–6. und 2. Jh. vChr bis 68 nChr aufweist. Bei den hier 1951–56 durchgeführten Ausgrabungen (Taf. 47b) stieß man auf eine große klosterähnliche Anlage mit Turm und Mauern, bestehend aus einem Versammlungs- bzw. Speiseraum mit Anbau, mehreren Vorratsräumen und Werkstätten, einer Wasserleitung und auffällig vielen Zisternen sowie einem außerhalb gelegenen großen Friedhof. Dieser ganze Komplex bildete offensichtlich das Zentrum des Q.ordens ( Essener). Nördlich und südlich von den Ruinen befinden sich ca. 40 Höhlen (Taf. 48a.b), die zur Zeit des Bestehens des Q.-Klosters vom 2. Jh. vChr bis 68 nChr bewohnt waren. In elf dieser Höhlen (1–11 Q) wurden seit 1947 Handschriftenfunde gemacht

( Q.-handschriften).
[Handwörterbuch: Qumran. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5569
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1537-1538)

pfeilQumran

handschriften

 

 

 

Der Eingang zur Höhle 1.

  QumranhandschriftenI. Übersicht über die gefundenen Schriften:

1. a) Abschriften,

b) Übersetzungen bibl. Bücher –

2. Kommentare –

3. Apokryphen und Pseudepigraphen –

4. Sektenschriften –

II. Bedeutung der Schriften: 1. Für das AT

2. Religionsgeschichte

3. Für das NT

I. Übersicht: Die seit 1947 in der Nähe von Qumran entdeckten Schriftrollen und Fragmente, die im allgemeinen aus Leder sind und aus dem 2. Jh. vChr bis 1. Jh. nChr stammen

( Handschriftenfunde), bestehen 1. zu ca. 25% aus Abschriften (a) und Übersetzungen (b) bibl. Bücher,

2. aus Kommentaren,

3. aus Apokryphen und Pseudepigraphen sowie

4. aus speziellen Sektenschriften. Sie werden nach den Nummern der Höhlen bezeichnet: IQ usw.
1.

a)

Hebr. Handschriften verschiedener Texttypen von fast allen atl. Büchern (außer Est), besonders zahlreich von Dt, Js, Kleinen Propheten und Psalter. Die größte Bedeutung kommt den beiden Js-Rollen (1QJsa und 1QJsb) zu, von denen 1QJsa (Taf. 48c und Taf. 11a) auf 54 coll. alle 66 Kap. des Js in einem Vulgärtext mit vielen orthographischen, aber verhältnismäßig wenigen Sinn-Varianten enthält, 1QJsb jedoch nur etwa das letzte Drittel des Js in einer vormasoretischen Textform bietet.

b)

Bruchstücke gr. Übersetzungen zu Ex, Lv, Nm und den Kleinen Propheten sowie Reste einer aram. Übersetzung von Lv.
2.

Kommentar zu Hab 1–2, Kommentarfragmente zu Js, Hos, Mi, Nah, Zph und zu einzelnen Pss. Die in diesen Texten geübte Auslegungspraxis besteht darin, daß die Bedeutung der betreffenden Bibelworte für die ihre Gegenwart als Endzeit verstehende Qumrangemeinschaft herausgearbeitet wird. Eine besondere Stellung nehmen die kommentarähnlichen Testimonien und das Florilegium, der aram. Targum zu Hi und die aus apokalyptischem Material bestehende Paraphrase zu Gn 4–15, das sogenannte Gn-Apokryphon, ein.
3. Apokryphen und Pseudepigraphen: Mehrere Fragmente der hebr. Originalfassung von Sir, erstmalig hebr. und aram. Stücke aus Tobit, gr. Bruchstücke der EpJr und das bisher unbekannte Gebet Nabonids, das mit Dn 4 Berührungen aufweist. Mehr als zehn aram. Manuskripte von Teilen des 1Hen (mit Ausnahme der Bilderreden) und etwa die gleiche Anzahl hebr. Manuskripte des Jub, ein aram. Bruchstück vom TestLev und ein hebr. vom TestNaph, die eine ursprünglichere Textfassung als die der gr. Test XII aufweisen. Damit sind uns in Qumran Teile der hebr. oder aram. Quellen einiger spätjüd. Schriften zugänglich geworden, die den literarischen Werdeprozeß dieser Schriften erhellen. 4. Die größte Bedeutung kommt den speziellen Sektenschriften zu, die hebr. verfaßt sind. Die in 1Q und später in Gestalt verschiedener Fragmente in 4Q entdeckte Sektenregel (1QS) enthält neben Aufnahmebestimmungen und einer Gemeindeordnung am ausführlichsten die dualistisch ausgerichtete Lehre der Qumranleute. Die durch viele Fragmente und eine stark beschädigte Handschrift bezeugte Kriegsrolle (1QM) beschreibt den 40jährigen heiligen Krieg der Endzeit, den die »Söhne des Lichtes« unter der Führung des Hohenpriesters gegen die Heiden und Bundesfrevler führen und durch das Eingreifen Gottes und seiner Engel siegreich beenden, so daß es fortan nichts Böses mehr gibt. Das sehr beschädigte Manuskript der Hodajot (1QH) enthält Lob- und Danklieder, die den bibl. Psalmen ähneln, jedoch stärker eschatologisch ausgerichtet sind und im Stil schwerfälliger wirken. Die durch mittelalterliche Handschriften seit 1896 bekannte Damaskusschrift (Dam), die aus einer Mahnrede mit einer eigentümlichen Geschichtsschau und Gesetzesbestimmungen für die im Land verstreut lebenden Ordensmitglieder besteht, wurde in 4–6Q in mehreren fragmentarischen Manuskripten gefunden. Neben diesen Hauptschriften wurden noch einige kleinere Ordenstexte entdeckt: eine Kupferrolle in 3Q mit Angaben über Größe und Verstecke verborgener Schätze, eine aus 2 coll. bestehen de eschatologische Gemeindeordnung für ganz Israel (1QSa), eine Sammlung von Benediktionen (1QSb), Bruchstücke eines eschatologisch ausgerichteten Mysterienbuches, eine aram. Beschreibung des himmlischen Jerusalem sowie verschiedene hebr. liturgische Texte, Priestervorschriften und Personenlisten.

II. Die Bedeutung dieser Q. bezieht sich erstens auf das AT, zweitens auf die Religionsgeschichte und drittens auf das NT.
1. Weil die Bibelhandschriften Qumrans ca. 1000 Jahre älter sind als die bisher bekannten Manuskripte, bieten sie einen wertvollen Einblick in das der endgültigen Fixierung des hebr. Bibeltextes unmittelbar vorangehende Stadium. Dabei zeigt sich, daß bis 70 nChr drei gleichberechtigte Textformen in Geltung waren, eine vormasoretische, eine vorsamaritanische und eine hebr. Vorstufe der LXX, wozu sich einige Mischformen gesellen.
2. Religionsgeschichtlich interessant sind die Q. deshalb, weil uns damit erstmalig die Selbstzeugnisse einer ordensähnlichen jüd. Gemeinschaft, wahrscheinlich der Essener, bekannt wurden. Die in diesen Texten vorliegende Betonung der Tauchbäder, der gemeinsamen Mahlzeiten, des Zölibats, der Gütergemeinschaft, der Reinheit und Heiligkeit macht deutlich, daß die Qumrangemeinde Priestervorschriften des Jerusalemer Tempels für alle Mitglieder ihres sich als »Tempel« verstehenden Ordens verbindlich gemacht hat. Wahrscheinlich verdankt diese Gruppe ihr Entstehen einer unter dem »Lehrer der Gerechtigkeit« auf Grund von Gesetzes- und Kalender-Streitigkeiten im 2. Jh. vChr erfolgten Sezession vom Jerusalemer Tempel nach Qumran. Die betont eschatologischen Gemeindebezeichnungen und die an Ez 40–48 orientierte Enderwartung dürften damit in Zusammenhang stehen. Zugang zum Heil gibt es nur durch die nach zweijährigem Noviziat mögliche Aufnahme in den Orden in Gestalt einer Wissensprüfung und die Befolgung der rigorosen Gemeindesatzungen. Der diese »Einigung« prägende Dualismus zwischen ihr als den »Lichtsöhnen« und der Welt als dem »Finsternisgeschlecht« sowie die strenge Prädestinationslehre und die Wertschätzung von Wissen und Erkenntnis weisen auf außerjüd. gnostisierende, wahrscheinlich parsistische Einflüsse hin. Diese Texte korrigieren somit unser bisheriges Bild vom Spätjudentum, indem sie deutlich machen, daß das palästin. Judentum zur Zeit Jesu eine außerordentliche lebendige und vielgestaltige Größe war.
3. Das NT weist in manchen seiner Schriften eine starke Berührung mit Aussagen der Q. auf. Besonders die Schriftauslegungsmethode, das eschatologische Gemeindeverständnis, die dualistische Weltsicht, der Radikalismus vieler Gesetzesbestimmungen und die Abwertung des Reichtums lassen auf eine Verwandtschaft beider Schriftgruppen miteinander schließen. Gegen eine direkte Abhängigkeit ntl. Schriften von Q. sprechen aber die großen Unterschiede im Aufbau der Gemeinde, in der Messianologie und der Soteriologie; denn der »Lehrer der Gerechtigkeit« stellt keine messianische Größe dar, sondern ist klar unterschieden von den zukünftigen drei Heilspersonen: dem Propheten, dem Messias aus Israel und dem Messias aus Aaron, wobei letzterer die höchste Rangstufe einnimmt. Die für die ntl. Christologie typische Verbindung von Menschensohn- und Davidssohn-Vorstellung fehlt völlig in den Q. Die Heilszueignung ist in Qumran nicht an den Glauben an einen Messias gebunden, sondern – gut jüd. – an die peinlichste Erfüllung kasuistischer Gesetzesbestimmungen. Insofern wird gerade auf dem Hintergrund der Q. die Besonderheit des NT klar erkennbar.
[Handwörterbuch: Qumranhandschriften. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5571-6
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1540)

       
 
 

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