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Auf diesen Seiten findest du, alphabetisch sortiert, Erläuterungen zu biblisch-historischen Fachbegriffen.
   
   
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Stichwort

Bibeltext

Erklärung
Paulus
Perle
Petrus
Pfahl
Pfand
Pfingsten
Pilatus
Plage
Predigt
Priester
Propheten

Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß.

Apg 9,1-5
Saulus wütete immer noch mit Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn. Er ging zum Hohenpriesterund erbat sich von ihm Briefe an die Synagogen in Damaskus, um die Anhänger des (neuen) Weges, Männer und Frauen, die er dort finde, zu fesseln und nach Jerusalem zu bringen. Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte.
Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Er antwortete: Wer bist du, Herr? Dieser sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst.

Apg 7,58 Paulus
P., geboren kurz nach der Zeitenwende in Tarsus in Kilikien, aufgewachsen in Jerusalem, römischer Bürger, eifriger, gesetzesstrenger Pharisäer und energischer Gegner der ältesten christgläubigen Gemeinschaften, kam durch eine Vision bei Damaskus zu der Überzeugung, dass Gott ihn dazu ausersehen habe, Jesus, den Sohn Gottes, als Apostel der Heiden unter den nichtjüdischen Völkern zu verkünden.
Paulus. Wörterbuch Theologie, S. 965
(vgl. GB Theologie, S. 366)

pfeilPerle
Site in Bearbeitung
 

Perle

(so Luther für hebr. p·ninim [plur.] »facettiert«, vielleicht Koralle; gr. margarítes), eine kugelförmige, perlmutterartige Masse, die unter bestimmten Bedingungen von einer Molluske produziert wird und aus derselben Substanz besteht, aus der sich auch deren Schale aufbaut.

Perlen sind, obschon als Gemmen hochgeschätzt, keine Edelsteine, sondern organischen Ursprungs. Sie bestehen zu über 90% aus Kalciumcarbonat, dem sich organische Stoffe und Wasser verbinden. Die Sekretion konzentrischer Schichten dieser chemischen Verbindung bewirkt das »Wachstum« der P.n. Sowohl Süßais auch Salzwassermollusken können P.n produzieren; doch liefert die im Indischen Ozean, Persischen Golf und Roten Meer vorkommende Pinctada vulgaris bei weitem die meisten und feinsten P.n. Obwohl schon 2500 vChr die Chinesen die P.n kannten und schätzten, wurden diese erst in Indien, Ägypten und im Römerreich eine besondere Kostbarkeit. Die Römer schmückten mit ihnen Gewänder, Götterbilder, Gemälde, Waffen, Zepter, Diademe und Throne (Plinius, Hist. nat. 376). Dieser Brauch wurde in der Alten Kirche abgelehnt (1T 29); von daher mag sich erklären, warum die »große Hure Babylon« als mit P.n geschmückt (Off 174 1816) vorgestellt wird. – Nach Palästina kamen P.n von Ceylon und dem Persischen Golf wahrscheinlich durch phönizische und arab. Kaufleute.

AT

Es darf jedoch als wahrscheinlich angenommen werden, daß im AT rote Korallen und nicht P.n gemeint sind. Der »gelbe« Marmor (hebr. dar) ist wahrscheinlich als »Perlmutt« zu verstehen (Est 16).

NT

P.n kommen auch in LXX nicht vor, dagegen im NT (Mt 76 1345 f 1T 29 Off 174 1812.16 2121). Weil sie außerordentlich geschätzt waren, gebrauchte man das Wort metaphorisch für die Segensgaben des Himmelreiches (Mt 76 1345 f). Der weit verbreitete Volksglauben, nach dem P.n aus Lichtstrahlen erzeugt seien, kann die Bedeutung des Symbols im NT teilweise erklären.

NT

Ebenso wurde die P. später als Symbol für Christus selbst bzw. für die Inkarnation verwendet, wie es bei Clemens v. Alexandrien und Ephraem dem Syrer der Fall ist (Usener; Rommel, PW). In der P.n-Hymne (Thomasakten 108–13) entdeckt der Königssohn die P. (= die Seele oder die Gnosis?) in Ägypten und bringt sie dem König der Könige zurück (Hennecke3 II, 349–53). Die Mandäer beschrieben ihre Sekte als einen Weinstock, der P.n und Edelsteine trage (Percy). Ihre Schönheit, ihr hoher Wert, die Vorstellung von ihrem Ursprung und somit ihrer Reinheit: all das zusammengesehen macht die schillernde Symbolik verständlich.
[Handwörterbuch: Perle. Biblisch-historisches Handwörterbuch,

S. 5209-11
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1423)

pfeilPetrus    

Petrus

(gr. Pétros »Stein«, entsprechend aram. kepha »Fels«, Kephas; als Name kaum vorchristl.).

Jünger Jesu und Apostel (Mt 418–2P 11).

Der Name war ursprünglich Beiname, der später Personenname wurde; eigentlich hieß er Symeon (Apg 1514 2P 11) oder Simon (L 53). Sohn eines Jonas (Mt 1617) oder Johannes (J 142 2115 ff), aus Bethsaida (J 144), von Beruf Fischer (Mk 116), war er auch sprachlich Galiläer (Apg 28 Mk 1417). Bei seiner Berufung durch Jesus wohnte er in Kapernaum und war verheiratet (Mk 121.29 f 1K 95; seine Frau begleitete ihn später auf seinen Missionsreisen). Im Jüngerkreis Jesu nahm er eine hervorragende Stelle ein (Mk 537 92 1433). Über die Verleihung des Beinamens gibt es zwei Traditionen (J 143 und Mt 1617 ff). Er soll der erste Jünger gewesen sein, der Jesu Messiasgeheimnis durchschaut hat. Die Echtheit dieses Messiasbekenntnisses (Mk 829) und des von Mt angeschlossenen Felsenwortes ist stark umstritten; einige Exegeten sehen darin den Niederschlag nachösterlicher Erfahrungen, doch wird die Überlieferung auch von vielen kritischen Forschern für echt gehalten. Manches spricht für die Echtheit, speziell die Reaktion des P., welche eine andere Messiasauffassung voraussetzt. Synoptiker und J berichten ohne Vorbehalt, daß P. seinen Meister verleugnete (Mk 1466–72p J 1817–27). Er war aber einer der ersten Zeugen des Auferstandenen (Mk 167, speziell hervorgehoben; Apg 1041 1K158). J 2115 ff spricht ausführlich über seine Wiedereinsetzung und sagt sein Lebensende voraus. In der Urgemeinde hatte er anfänglich die Leitung (Apg 115–542), wurde nach Samarien gesandt, unternahm auch Missionsreisen nach Lydda, Joppe, Cäsarea (Apg 814–1118). Jakobus, der Bruder Jesu, übernahm seit etwa 42 nChr seine Stelle in Jerusalem (Apg 1217); P. wurde Apostel der Beschneidung (G 29). Über seine Reisen ist nichts Genaueres bekannt (war er in Babylon, 1P 513; in Korinth, 1K 112 ff?). Die früher stark angezweifelte Tradition (seit dem Ende des 1. Jh.s, 1Cl 5), daß er in Rom gewesen und dort unter Nero getötet worden sei, wird heute seit Lietzmann (1915) allgemein als richtig angenommen (noch bestritten von K. Heussi; dagegen K. Aland). Die seit 1940 unter der Peterskirche in Rom veranstalteten Grabungen haben viel interessantes Material gebracht, doch bisher keinen Beweis, daß P. dort begraben wurde. Von einer »Theologie« des P. kann man schwerlich sprechen, weil dafür die Quellen fehlen. Das gilt auch, falls 1P echt ist; denn sein Zeugnis folgt traditionellen Formulierungen.

Seit dem Anfang des 2. Jh.s hat man apokryphe Schriften auf P. bezogen: Kerygma, Evangelium, Akten und Apokalypse des P. Er wurde der Held der Pseudo-Klementinischen Homilien und Rekognitionen.
[Handwörterbuch: Petrus. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5232-4
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1431)

pfeilPfahl    

Pfahl

(gr. skólops, auch »Stachel«), in der Lutherbibel nur im Ausdruck »P. für das Fleisch« als Bild für einen Engel, der Paulus niederhält (2K 127). Man deutet es oft auf die körperlichen Leiden (vgl. 5.9), die sich Paulus wahrscheinlich bei seiner Missionsarbeit zugezogen hat (vgl. 2K 1123 ff). Über die Art dieser Leiden (Augenleiden oder schwere Hysterie nach G 413 ff?) lassen sich keine gesicherten Aussagen machen.
[Handwörterbuch: Pfahl. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5246
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1435)

pfeilPfand    

Pfand

(hebr. habol, 'abot, gr. arrabôn, semit., wahrscheinlich phöniz. Lehnwort, vgl. hebr. 'erabon »Unter-P.«), Sachwert im Besitz des Gläubigers zur Sicherung der Schuldrückzahlung und zum Teil Tilgung der »Zinsen« durch Nutzung.

Nach Fälligwerden der Schuld durfte der Gläubiger im Hause des Schuldners ein beliebiges P. wählen (habol, Spr 2016 Ez 1812.16). Wollte er schon bei Vertragsabschluß eins, mußte er sich mit dem Schuldner einigen ('abot, Dt 2410 f 156–8). Er hatte das Benutzungsrecht (Hi 243 Am 28). Den gepfändeten Mantel sollte er aber abends zum Zudecken zurückgeben (Ex 2225 Dt 2412 f) oder Lebensnotwendiges gar nicht pfänden (Dt 246–17 Hi 249). – Thamar bekam von Juda ein Unterp., Beweisstücke ('erabon, Gn 3817–23).

In der frühchristl. Literatur heißt Christus Unterp., der heilige Geist Unterp. und Angeld der Herrlichkeit (arrabôn, 2K 122 55 IgnPol 81).
[Handwörterbuch: Pfand. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5248
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1436)

pfeilPfingsten    

Pfingsten

(von gr. pentekoste »fünfzigster [Tag]«, nämlich nach Massoth und Passa [ Fest], Lv 2315 f Dt 169), das Wochenfest, eines der Wallfahrtsfeste.

Im AT heißt Pfingsten nach der ältesten Quelle (Ex 2316) »Fest der Ernte« (hebr. hag haqqasir), d.h. der Weizenernte (Ex 3422); zugleich war es das Fest der Erstlinge der Feldfrüchte im allgemeinen (Lv 2317 Nm 2826). Auf die siebenwöchige Frist nach dem Massothfest bezieht sich die Bezeichnung »(Fest der) Wochen« (hebr. hag schabuot, Ex 3422 Nm 2826); diese wurde im Judentum üblich neben »Schlußfest« (der Passazeit, hebr. 'aseret). Die Bezeichnungen zeigen, daß P., obwohl selbst ein Wallfahrtsfest, als Ausklang des ersten Wallfahrtsfestes betrachtet wurde. Wie das Massothfest die Kornernte einleitete, so schloß sie das eintägige P.fest ab. Außer durch Opfer wurde P. durch die Darbringung zweier Webebrote als Opfergabe gefeiert (Lv 2317 ff).

 

Trotz seiner relativ geringen Bedeutung im Festzyklus, die auch damit zusammenhing, daß es in atl. Zeit nicht wie Passa und Laubhüttenfest historisiert wurde, sammelte P. im Judentum noch zur Zeit des NT viele Pilger (Josephus; Apg 25 ff 2016 2127). Nach dem Fall des Tempels 70 nChr verschob sich der Ideengehalt des P.festes mehr in theologischer Richtung. Die Rabbinen deuteten es (mit Ausgangspunkt in Ex 191) als Fest der Gesetzgebung am Sinai. Wahrscheinlich war aber diese Kombination schon in vorchristl. Zeit in gewissen Kreisen des Judentums verbreitet. So gilt P. im vorchristl. Jub. als Tag der Bundesschließung (Jub 617.19 ff). Viele Forscher sind der Meinung, daß die jährliche Feier der Aufnahme von Novizen in den Bund der Qumrangemeinde (1QS I, 16–III, 12; V, 7ff; VI, 13ff) zu P. stattfand.

Im NT bezeichnet der Ausdruck P. (gr. he pentekoste) an sich (Apg 21 2016 1K 168) das jüd. P., nicht ein christl. gedeutetes. P. wurde von den Juden auch in der Diaspora gefeiert. Nach dem Bruch mit der Synagoge (Apg 199) erzog Paulus seine Gemeinden wegen der judaistischen Gefahr zu einer grundsätzlich freien Haltung gegenüber dem jüd. Festzyklus (G 410 Kol 216 f.). In derselben Richtung wirkte die Ersetzung des Sabbats durch den Sonntag. 1K 168 zeigt jedoch vielleicht, daß der jüd. Festkalender in den paulinischen Gemeinden noch eine Rolle spielte. – In Jerusalem schloß die gesetzestreue Haltung der Urgemeinde wohl eine Teilnahme an den jüd. Festen in sich. Apg 2016 gibt an, daß Paulus nach der 3. Missionsreise das P. in Jerusalem feiern wollte. Allerdings wird weder in Apg 2115 ff etwas darüber mitgeteilt, noch sonst etwas über die Stellung der Urgemeinde zu den jüd. Festen berichtet. P. bildete also keine Streitfrage. – Der Keim zu einer neuen inneren Sinngebung des P.festes wie des Gottesdienstes überhaupt lag in Jesu Lehre und Werk beschlossen. Umstritten ist, inwieweit im lukanischen P.bericht (Apg 21–42) theologische Motive des jüd. P.festes verarbeitet sind. Zwar werden weder Bundesstiftung noch Gesetzgebung hier erwähnt. Aber der Gedanke des neuen Bundes trägt die ganze Darstellung des Lukas (L 2220 2447). Hauptgedanken des P.berichtes sind, 1) daß P. mit der Ausgießung des Geistes den Abschluß der am Passa beginnenden Heilsereignisse bildet, 2) die Promulgierung derselben (Apg 211) an Israel und alle Völker (25–11.14b), d.h. die Gründung des neuen Gottesvolkes. Das erstere Motiv fügt sich klar in die jüd. Auffassung von P. als Schlußfest des Passa ein. P. bezeichnet die krönende Schlußphase des Passafestes (vgl. »sich erfüllen«, 21). Die neue Ausdeutung des Passa, die sich aus Jesu Tod und Auferstehung ergab, zog eine neue Sinngebung vom P. nach sich. Zum zweiten Motiv ist Jub. (s.o. 1) zu vergleichen, auch Philo, Decal. 33.35; Spec.leg. II, 188f, wo die Sinaioffenbarung, freilich ohne Bezugnahme auf P., in ähnlichen Farben geschildert wird, wie in Apg 2 die Geistesausgießung. Entsprechendes findet sich später bei den Rabbinen, denen P. als Termin der Sinaioffenbarung feststand. Durch diesen Hintergrund des P.berichtes werden zugleich Ansätze der christl. Neudeutung des P.festes aufgedeckt. Wie Jesu Tod und Auferstehung als Heilstatsachen der dem Passa zugeordneten Erlösung aus Ägypten entsprach, so erschien das P.fest, das das Schlußfest des Passa war, als ein höheres Gegenstück zur Konstituierung des Gottesvolkes am Sinai. Zungenreden.
[Handwörterbuch: Pfingsten. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5260-3
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1441)



pfeilPilatus    

Pilatus, Pontius,

aus dem röm. Rittergeschlecht der Pontier, von Tiberius im 12. Jahr seiner Regierung (Eus I, 9, 2) als fünfter Prokurator in Judäa eingesetzt (26–36 nChr). Außerbibl. Quellen zeichnen ihn als unbeugsam und rücksichtslos hart (Philo, Leg. ad Gaj. 38). Gleich nach seinem Amtsantritt verletzte er die Juden, indem er in Jerusalem röm. Insignien mit dem Kaiserbild mitführte (Jos. Bell. II, 9, 2–3, Ant. XVIII, 3, 1). Seine autoritative Politik äußerte sich ferner darin, daß er Weiheschilder mit dem Namen des Kaisers aufstellen ließ (Philo, Leg. 38), das Geld aus dem Tempelschatz für den Bau einer Wasserleitung verwendete (Jos. Ant. XVIII, 3, 2, Bell. 11, 9, 4) und Galiläer im Tempel umbrachte (L 131–5). Im Jahre 36 kam P. zu Fall, als Samaritaner sich bei dem syr. Legaten Vitellius über die Ermordung einer Anzahl Samaritaner beklagten, die auf Anweisung eines Propheten auf dem Berg Garizim nach heiligen Geräten gesucht hatten (Jos. Ant. XVIII, 4,1). Als er in Rom ankam, war Tiberius schon gestorben (16. März 37); ob P. verpflichtet war, Selbstmord zu begehen, ist unbekannt (Eus. II, 7). Die judenfeindliche Haltung des P. scheint im Widerspruch zu stehen mit seiner Unschlüssigkeit und Nachgiebigkeit beim Prozeß Jesu nach dem Bericht der Evangelien. Dafür werden drei Begründungen gegeben: a) P. wollte nicht als Werkzeug der jüd. Leiter fungieren (Blinzler), b) in der altchristl. Überlieferung wird P. auf Kosten der Juden geschont (Klausner, Burkill, Winter), c) infolge des Falles von Sejan (18. Okt. 31), mit dem P. befreundet war, hörten die antisemitischen Maßnahmen Roms auf und wurde die Position des P. untergraben (Bammel, Stauffer, Reicke). In Caesarea wurde 1961 eine Tafel mit einer Inschrift des P. gefunden (> Abb.).
[Handwörterbuch: Pilatus. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5357-8
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1473)

pfeilPlage    

Plage

(hebr. maggepha, negeph, makka, nega »Schlag«, gr. in den Evangelien mástix »Geißel«, in LXX und Off plege »Schlag«, lat. plaga, davon »P.«), Strafe oder Leiden.

Im AT ist Plage ein göttliches Handeln zur Bestrafung der Feinde Gottes. Es trifft fremde Völker: die Ägypter (Ex 714–1110 1229–33, seit Augustin als 10 P.n Ägyptens gezählt: Blut im Nil, Frösche, Mücken, Fliegen, Viehseuche, Geschwüre, Hagel, Heuschrecken, Finsternis, Tod der Erstgeburt) oder die Philister (1Sm 64), aber auch sein eigenes, ihm abtrünnig gewordenes Volk (Nm 1133). Nicht nur größere Gruppen, sondern auch die Einzelperson kann Gott mit P.n strafen (2Kg 155). Diese P.n sind Warnungen Gottes (Jr 153), die zur Buße leiten (vgl. 1Sm 51–621) und zugleich die Größe, Gewalt und Gnade Gottes beweisen sollen (Ex 822). Nur bei verstockten Sündern ist der Zweck der P. die Vernichtung (vgl. Am 49). P. kommt auch als stellvertretendes Leiden (Js 534.8) und als göttliche Prüfung vor, um deren Abwendung der Fromme betet (Ps 7314 11610). P. kann auch von Menschen verursacht werden (Jr 3020). Ägypten, Auszug aus Ägypten, David, Eherne Schlange, Erstgeburt, Mose, Offenbarung des Johannes, Pharao, Propheten, Volkszählung, Würgengel, Wüstenzug der Israeliten, Zauberei. 2. Für das Judentum war die P. eine gottgesandte Strafe (2Mkk 95 Wsh 917) oder eine mechanische Folge der falschen Handlung des Menschen (Sir 213 2725).

Für das NT ist Plage in den Evangelien (gr. mástix) eine als Schicksal, nicht als Strafe beurteilte Krankheit, die Jesus heilt (Mk 310 529.34 L 721). In der Off (gr. plege) bezieht sich der Ausdruck auf die mit den sieben Posaunen und Schalen vom Himmel ausgehenden Katastrophen, die analog den P.n Ägyptens in der Endzeit das ungehorsame Weltreich züchtigen und zerschlagen (Off 812–219). Auch wer in den Text etwas interpoliert, soll diese P.n erleben (Off 2218).
[Handwörterbuch: Plage. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5372-3
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1476-1477)

pfeilPredigt    

Predigt

(hebr. sch·mu'a »zu Hörendes«, q·ri'a »Ausruf«, gr. akoe »zu Hörendes«, kerygma »Heroldsruf«, lógos parakleseos »Mahnwort«), religiöser Vortrag.

Antike
Wie der antike Gottesdienst überhaupt, kannte auch der Israels ursprünglich keine regelrechte P. Apodiktische Spruchreihen, die es an Israelit. Heiligtümern gab, zB die zehn Gebote, sind nicht als solche zu bezeichnen. Dagegen lassen sich Vorträge der Propheten so betrachten (Js 289. 12. 19 531 Jon 32). Ferner finden sich predigtartige Ansätze in dem literarkritisch nicht einheitlichen Rahmen des Dt. Sie zeigen, in welchem Zusammenhang in Israel allmählich P. entstand. Die Besinnung auf das Gesetz erzeugte vielleicht schon in exilischer Zeit ein Novum antiker Religionsgeschichte: Gebetsversammlung ohne kultische Begehung abseits vom Heiligtum, zu der Lesung und Auslegung aus dem Gesetz integriert. Über Einzelheiten sind wir nicht informiert.

Judentum

Belege für Einzelheiten des Ablaufs im Judentum finden sich erst im NT (L 416–21 Apg 1314–41). Der Einblick bleibt lückenhaft. Jedenfalls stand in ntl. Zeit (seit wann?) neben der Lesung aus dem Gesetz Lesung aus den Propheten als seinen legitimen Interpreten. Die Auslegung knüpfte später, wahrscheinlich aber seit es Lesung aus den Propheten gab, oft in formelhafter Wendung an diese an, lenkte aber auf das Gesetz als das Eigentliche zurück. Ihr Charakter war gesetzlich ermahnend. Vermutlich auch im Bereich des aram. sprechenden Judentums, wie wir es für die gr. sprechende Synagoge deutlicher nachweisen können, bildeten Gestalten und Erzählungen aus dem AT gern ihr Illustrationsmaterial, exempla in gutem und bösem Sinne. Es entstanden traditionelle Beispielreihen. Daneben erschienen Reihen der Aufzählung der Taten Gottes (vgl. den Bildschmuck der Synagoge von Dura Europos). Auch aus anderen Bereichen drang geformtes Gut, zB Sündenregister, in die P. ein. Daß das haggadische Gut (legendarische Fortbildung der bibl. Erzählung) Verwendung fand, ist ebenso selbstverständlich, wie daß für die Auslegung die Halacha (kasuistische mündliche Gesetzestradition) bestimmend wurde. – Ihrem Ursprung gemäß bestand kein P. Privileg. Jeder erwachsene Mann hatte das Recht zu predigen. In der Praxis wird sich eine gewisse Gewohnheit herausgebildet haben, die dem angesehenen Mann, insonderheit dem Schriftgelehrten den Vortritt ließ. Bis zu seinem öffentlichen Auftreten scheint Jesus in der Synagoge nicht gepredigt zu haben.

Anderen Ursprungs ist die bellenist. Diatribe der kynisch-stoischen Wanderprediger. Zum Zwecke der Werbung und Popularisation bestimmter auf Praxis ausgerichteter rationaler Vorstellungskomplexe entstanden, bildete sie bald – nicht ohne Einfluß gr. Rhetorik und Dialektik – einen bestimmten Stil aus, zu dem u.a. rhetorische Fragen, Einwand und Widerlegung eines fingierten Gegners, Einführung sprechender, personifizierter, allegorisch gemeinter Begriffsfiguren, kurze Ausrufe, Drastik und Spott und inhaltlich geprägtes Traditionsgut, zB Tugend- und Lasterkataloge, Haustafeln usw. gehören. Dieser Stil hat nicht nur, aber vor allem im Bereich des gr.-sprechenden Judentums auch auf jüd. P.-Weise eingewirkt. Dennoch bewahrte diese, zumindest die synagogische Gemeinde-P., ihre Eigenart. Abgesehen von speziell jüd.-homiletischem Traditionsgut, neben das nun freilich, gelegentlich auch sich mischend, kynischstoisches Lehnsgut trat, blieb auch im hellenist. Bereich jüd. P. Auslegung eines als Dokumentation des Willens Gottes vorverlesenen Textes. Daneben entstand freilich vielleicht auch ein Typ jüd. Propagandarede, dem, wie zeitgenössische jüd. Propagandaliteratur ahnen läßt, eine weitgehendere Anlehnung an kynisch-stoische Diatribe möglich erscheint (Wsh 11–16 u.a.). Aber auch hier bleiben Grenzen. – Reden der Apg zeigen Verwendung auch traditioneller homiletischer Reihenbildung der großen Taten Gottes zu missionarischen Zwecken (Apg 1317–41 u.ö.). Ob sie darin an jüd. Missionspraxis anknüpfen, bleibt zweifelhaft, zumal sich dies in Apg nur im Gespräch mit der Synagoge findet. Sollte es dennoch der Fall sein, dann war der Typ jüd. Missions-P. wohl nicht einheitlich.

Mannigfaltig, wenn auch stets Gottes Tat in Christus als das eschatologische Ereignis, meist wohl darin gipfelnd, zentral bezeugend, war sicher die P. des ältesten Christentums. – a) Die Missionsreden der Apg zeigen, daß in bestimmten Traditionssträngen aber früh sich hierfür bestimmte Schemata herausbildeten (Apg 214–39 usw.), von denen eines dadurch besonders geschichtsmächtig wurde, daß es Markus zur Rahmung seines Evangeliums benutzte. – b) Neben der missionarischen Proklamation der Tat Gottes in Christus, von Paulus auch terminologisch unterschieden (1K 153), bestand das Bedürfnis immer neuer Unterweisung der Gemeinde in rechter Lebensführung (Mt 52 Mk 42 1K 146 H 62). So verwandt formal dies auch dem Bedürfnis ist, das in der Synagoge Gemeinde-P. entstehen ließ, so fraglich ist doch, ob in der christl. Gemeinde von Anbeginn allenorts regelmäßig gepredigt wurde. Mit regelmäßiger Schriftlesung, die, wenn überhaupt, es in der christl. Gemeinde anfänglich nur vereinzelt gab, entfiel das Bedürfnis der Auslegung. Zumeist waren es wohl nur kurze Sprüche, die Propheten und Lehrer äußerlich in großer Unregelmäßigkeit zunächst den Gemeinden gaben. Auch die von Paulus geforderte Auslegung des Zungenredens ist nicht im Sinne einer P. zu verstehen. In bestimmten Traditionszweigen dominierten Erinnerungen an Aussprüche Jesu als verbindliche Weisung. Aus den Erinnerungen entstanden Reihen und katechismusartige Gebilde. P. im Eigentlichen ist das noch nicht. Dagegen zeigen Meditationen des J über vorgegebene, synoptischer Tradition verwandte Jesustradition gewisse Ansätze zu christl. P., die dem Sohn in den Mund gelegt werden (J 35–8 usw.). Wo Briefe vorhanden waren, wurden diese (gelegentlich, bald vielleicht auch abschnittsweise) der Gemeinde zur Unterweisung verlesen (1Th 527). Der E ist predigtartige Überarbeitung des Kol. P. im Eigentlichen ist aber auch er noch nicht, gleichwie die Paulusbriefe zumindest, trotz Einfluß kynisch-stoischer Diatribe nicht als P. ursprünglich gedacht, sondern als echte Briefe zu Tagesfragen Stellung nehmen. Dagegen ist H und in gewissem Sinne 1P ursprunghaft predigtartiges Gebilde (H bezeichnet sich ausdrücklich so in 1322; vgl. Apg 1315), was ihrer Bezogenheit auf konkrete geschichtliche Situation nicht widerspricht. H zeigt dabei weitgehende formale Anlehnung an jüd.-hellenist. synagogale Tradition, gleichwie er auch inhaltlich (zB H 111 ff), wenn auch christl. modifiziert, zuweilen unmittelbar auf jüd. homiletisches Traditionsgut zurückgreift, obwohl sein eigentlicher P. Text wahrscheinlich trotz fleißiger Benutzung des AT nicht der Schrift entnommen, sondern ein neues Lied der Christenheit ist (H 13 [f]). Auch 1Cl verwendet homiletisches Traditionsgut. 2Cl ist eine christl. P. aus späterer Zeit. – c) Wann das Bedürfnis nach predigtartiger Unterweisung der Gemeinde in der Christenheit entstanden ist, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. E, H, 1P, 1C1 setzen offenbar schon diesbezüglich eine gewisse Tradition in der christl. Gemeinde voraus. Vielleicht hat sie in bestimmten christl. Traditionssträngen von Anbeginn bestanden.
[Handwörterbuch: Predigt. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5408-13
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1486)

pfeilPriester    

Priester

(hebr. kohen, aram. kahen, entsprechend ugarit. *kahinu, arab. kahin, meist auf kun »stehen« bezogen, nach Ges-B u.a. »wer vor Gott steht«, doch wohl eher transitiv »wer Opfer u. dgl. herstellt«; vgl. Hi 3115; für Götzenp. [Lutherübers. »Götzenpfaffe«] das Lehnwort komer, entsprechend assyr., aram., syr. kumru »P.«, von Driver, Lex. 485, mit assyr. kamaru »niederdrücken« verglichen, also »wer Prostration macht«; gr. hiereús »wer Heiliges treibt« [gebildet wie etwa chalkeús »wer mit Kupfer schafft«; E. Schwyzer, Grammatik I, 476f]; vgl. lat. sacerdos »wer Heiliges bestellt«), in der Antike und der Bibel eine für heilige Handlungen besonders zuständige Person.

In der bibl. Umgebung war ein P. entweder Inhaber einer Würde oder Vertreter einer Sippe, eine P.in entweder Gattin eines Würdenträgers oder Ausgewählte einer Gottheit. P. und P.innen galten oft als Mittler zwischen Götterwelt und Gesellschaft, in deren Namen sie Gebet und Riten besorgten, Wissen und Segen mitteilten. – a) Daher standen im Alten Orient, bei Sumerern, Akkadern, Iraniern, Hethitern, Ägyptern u.a. P. und Fürst, Tempel und Hof oft in enger Beziehung zueinander, gelegentlich in Personalunion miteinander. Zu den Aufgaben der P. und P.innen gehörten Agieren im Kultdrama und Beschäftigung mit Orakeln. Ihre religiöse Tätigkeit konnte einen starren Formalismus fördern, hielt aber oft die Gesellschaft zusammen und trug zur Entwicklung von Recht, Kunst, Wissenschaft, Zeitrechnung u. dgl. bei. – b) Hellenismus und Römerreich machten zu P.n hauptsächlich Vertreter von Adels- oder Bürgerfamilien, die ehrenamtlich die Staats- oder Stadttempel beaufsichtigten und die Zeremonien ausführten. Leitend waren in Kleinasien die Asiarchen und in Rom die Pontifices (»Brückenbauer«). Für den Einzelnen lief die hierarchische Beförderung der militärischen und zivilamtlichen parallel. – c) In der Bibel werden auch P. der umgebenden Völker erwähnt. Abraham gab dem jebusitischen P.könig Melchisedek den Zehnten (Gn 1420 H 72), und das Davidshaus übernahm dessen P.tum (Ps 1104 H 56). Joseph wurde Schwiegersohn des Re'-P.s in On (Gn 4145) und achtete auf die Bodenrechte der äg. P. (Gn 4722). Mose heiratete eine Tochter des Erzp.s der Midianiter (Ex 221) und organisierte angeblich nach dessen Vorschlag das hebr. Rechtswesen (Gn 1820 ff). Sonst werden heidnische P. nur kritisch erwähnt: als »Kemarim« oder »Götzenpfaffen« (so in der Lutherübers.) die Vertreter der Naturreligion (2Kg 235 Hos 105 Zph 14), ferner die P. des Dagon (1Sm 55 62), Kamos (Jr 487), Baal (2Kg 1118), Bel (Zus. Dn 27), der Nanäa (2Mkk 113), des Zeus Olympios (1Mkk 115 2Mkk 62), Dionysos (67), Zeus in Lystra (Apg 1413). Im Dienst des Landtags von Asien war der Jude Skeuas zum Rang eines Hohenp.s gestiegen (Apg 1914).

AT

Für das AT sind die P. Israels zum Gottesdienst geweihte Vertreter der Gemeinde (Ex 1922 usw.). – a) Nach dem Pentateuch ist Aaron am Sinai zum P. geweiht worden (Ex 2840 f). Wieweit es in der Zeit vor der Landnahme unter den Sippen und Stämmen des nachmaligen Israel P. gab, bleibt historisch jedoch unsicher. Der hebr. Titel (kohen) ist wohl kanaan. Herkunft, da er auch in Ugarit bekannt ist. – b) Nach der Landnahme konnte zunächst jeder freie Israelit durch »Füllung der Hand« zum P. geweiht werden (Ri 175 1Sm 211 ff 71), doch wurden (wohl um größerer Heiligkeit willen) Angehörige der Gruppen Aaron (Eli? 1Sm 1–4) und Levi (Ri 1710) bevorzugt. Privileg der P. war weniger das Opfer als die Erteilung von Tora über rein und unrein (Dt 3310), von Orakeln (mittels Ephod und Urim samt Thummim) und von kultischem Segen, darüber hinaus der Dienst an Lade und Tempel. Der P. (ohne Grundbesitz, sofern er Levit) erhielt einen Anteil von den gottgeweihten Gaben. Durch den Aufstieg des Heiligtums von Silo gewinnt eine bestimmte P.schaft gesamtisraelit. Bedeutung. – c) In der Königszeit traten bald in Jerusalem Zadok und seine Nachkommen das Erbe der Eliden von Silo an (Ätiologie 1Sm 227–36, Ebjathar). Um Anschluß an ältere Überlieferungen von einer Erwählung der P. zu gewinnen, reihten sich die Zadokiden später unter den Nachkommen Aarons ein (vgl. Ez 40ff mit Ex 25ff sowie Nm 165.7 1720). Der stattlichen P.schaft in Jerusalem stand »der P.« voran, später Groß-P., Haupt- P., gesalbter P. und schließlich Hoherp. genannt. Zu den Privilegien der P. trat die Darbringung des Opfers. Doch war im Südreich dem P.tum der Zadokiden das des erwählten Königs übergeordnet (2Sm 624 1Kg 8. 1610 ff Ps 1104 132), und auch Prinzen fungierten als P. (2Sm 818). Anders waren vermutlich die Verhältnisse im Nordreich, wo von einem P.tum der Könige nichts erkennbar ist (doch vgl. 1Kg 1228 ff 131 ff). Wie die P. an den Reichsheiligtümern Bethel und Dan tätig waren, wird nicht berichtet. Die an den Ortsheiligtümern im Norden und Süden beschäftigten P. sind inzwischen wohl ausschließlich Leviten geworden. – d) Die Bedeutung der P. für das religiöse Denken der Zeit ist kaum zu überschätzen. Zwar ging die Orakelerteilung ( Gottesspruch) weithin an die Propheten über; ob das von Begrich (ZAW 52, '34, 81–92) sogenannte priesterliche Heilsorakel nicht etwa den Kultpropheten zukam, steht dahin. Dafür fiel den P.n das Gottesurteil zu (Dt 178–13 1Kg 831 f Nm 512 ff). Sie tradierten Rituale (K. Koch: Die Priesterschrift, '59), Priestertora als apodiktische Gebote ( Gesetz), Toraliturgien und Opfertora. Kultakte beschlossen sie durch deklaratorische Formeln ( Priesterspruch). Vor allem aber pflegten sie die Überlieferungen der Heilsgeschichte und der Schöpfungslehre (Endergebnis Gn 1!). Von der levitischen Gesetzesverkündigung und - auslegung leitet v. Rad (Theologie des AT I4, 84–6) die Entstehung des Dt her. Freilich stärkten sie damit weithin den optimistischen Envählungsglauben der späten Königszeit und verfielen daher der Kritik der Propheten. – e) Die Reform Josias mit der Kultzentralisation in Jerusalem (2Kg 228–2320) und die großen, wohl exilischen Kultentwürfe von Ex 25–Nm 10 (P) und Ez 40–48 führten zu einer hierarchischen Abstufung. Gegen die Forderung der Gleichberechtigung aller P. im Dt setzten die jerusalemischen Zadokiden und Aaroniden ihren Exklusivanspruch durch, gliederten sich aber in den Hohenp. und die Klassen Eleasar und Ithamar. Sie allein sind zum Altardienst und zu Sühnehandlungen berechtigt. Die ehemaligen nichtjerusalemischen P. wurden als (bloße) Leviten zu Kultdienern degradiert, mit minderer Heiligkeit, blieben jedoch für die rituellen Handlungen unentbehrlich. Priesterliche Rechte des Hauses David wurden beseitigt.

Das nachexilische Judentum bildete grundsätzlich einen Tempelstaat und stand innenpolitisch unter einem P.regiment. – a) Seine nach 539 vChr erfolgte Restauration wurde von den überhaupt tempelfreundlichen Perserkönigen ermuntert und von priesterlichen Remigranten durchgeführt (2Ch 2623 usw.). Diese waren teilweise von mächtigen P.idealen in Babylonien und im Perserreich, wesentlich aber von Hesekiel und anderen kultisch denkenden Propheten beeinflußt. Die vornehmsten P. führten ihren Stammbaum auf Davids P. Zadok, die gewöhnlichen auf Levi zurück (Ez 4046 Esr 262). Sesbazar soll schon um 539, Serubabel um 530 jud.-benjaminitische Patrizier und levitische P. nach dem Zion gebracht haben (Esr 15.8 22. 36. 40). Serubabel ließ Jesua zum neuen Hohenp. steigen (Hg 11). Jener wurde als Davidide, dieser als Zadokide dargestellt (1Ch 317 541 615 Esr 32). Sie konnten 520 vChr mit Hilfe von Haggai und Sacharja den Tempel und P.dienst wiederherstellen (Esr 614–18). Esra legte (nach der Datierung des Chronisten) seit 459, Nehemia 446–34 und etwas später Einteilung, Aufgaben und Wohnorte der P. mehr im einzelnen fest (Esr 71–1044 Neh 111–1331). – b) Für die Zeit 450 vChr–70 nChr lassen Chronik, Sirach, NT, Josephus und Mischna folgende Hauptstruktur des P.tums erkennen: Kompetenz beruhte auf Abstammung, 1. für die adligen P. ursprünglich von Zadok (1Ch 243), 2. für die gewöhnlichen P. von Aaron (1Ch 241), 3. für die Diener und Sänger des Tempels von Levi (1Ch 2420 251). P. und Sänger waren auf 24 Ordnungen geteilt (1Ch 241–2531 L 15.8 Jos. Ant. VII, 367). Turnusgemäß stellte jede etwa zweimal im Jahr von einem Sabbat zum nächsten die Hauptwache in Jerusalem. Die in Wachstuben nördlich des Tempelhauses untergebrachten P. wurden am Morgen durch Los auf ihre Funktionen verteilt, legten die hier aufbewahrten weißen Dienstkleider an: Turban, Langrock, Kniehose (Ez 4417 ff) und führten während des ganzen Tages die Kultakte aus: Räucherung, Brandopfer und verschiedene Opferriten. Sie erhielten Erstlinge und andere Anteile als Sporteln. Außerhalb der Dienstwochen hatten P. und Leviten einen beliebigen Beruf und Wohnort (L 1031f Apg 436). Die überwachende Instanz im Tempel waren die als Konsistorium zu verstehenden »Erzp.«

( Hohep.): der amtierende Hohep., der ihn kultisch oft ersetzende Tempelhauptmann, vier bis fünf Adelsp. (Apg 46) und drei bis vier Finanzleute (Neh 1313 L 2313). Als amtierende Hohep. dienten 520–171 vChr Zadokiden, 152–37 vChr Hasmonäer, zum Teil als Könige, 37 v–6 nChr Boethus mit Familie, 6–62 nChr hauptsächlich Hannas mit Familie. Die gewöhnlichen P. hatten keine geistige, aber kultische, die adligen daneben politische Bedeutung. Mit dem Ende des ersten jüd. Krieges hörte das Kultwesen auf; dessen Erneuerung scheiterte am zweiten und dritten Krieg, aber mehrere P.familien lebten in der Diaspora weiter. – c) Das offizielle Hohep.tum hatte mehrere Kritiker unter Puritanern und Pietisten. Solche waren 161 vChr die Makkabäer und Chasidim (1Mkk 7 18.23), 88 die Pharisäer (Jos. Ant.XIII, 327), nachher vor allem die Qumrangläubigen, die unter sich das zadokidische P.tum zu haben meinten (1QM II, 1; Dam. IV, 1; 1QSI, 18 u.ö.).

4. Das NT setzt P. in der jüd. und gr. Umwelt voraus (Mt 84 usw. Apg 1413). – a) Jedoch begegnen in Jesu Worten P. und P.tum nirgends vorbildlich; im Unterschied zu Späterem wird der Begriff auch nicht christologisch verwandt (auch nicht Mk 1235 ff p). Dagegen nahm Jesus zur Begründung der Sabbatübertretung das Notrecht Davids (1Sm 213–6) gegenüber den priesterlichen Vorrechten des AT in Anspruch (Mk 255 ff; Mt 126 erweitert durch den gewichtigen Hinweis: »Hier [sc. in und durch Jesus] ist mehr als der Tempel«). Jesus gebot einem Geheilten, sich (gemäß Lv 131–59) dem amtierenden P. zu präsentieren (Mk 140 ff p; ähnlich – ohne genauere Kenntnis des Judentums, darum Plural – L 1714). Liegt darin eine Anerkenntnis der politischen Ordnung, so zeigt doch der Zusatz »zu einem Zeugnis für sie« (Plural, Mk 144), daß die Berichterstattung darüber hinaus zugleich die eschatologische Bedeutsamkeit Jesu vor Augen hat, die in der Machttat zutage tritt und dem jüd. P.tum nach seinem Urteil in Eigentlichkeit ein Ende setzt. Ähnlich verhält es sich mit den Qumrangläubigen (3) und vielleicht mit dem Vater des Täufers, dem P. Zacharias, der im Tempel die Verheißung des Zukünftigen empfing (L 15), ebenso vielleicht mit der Begegnung des Täufers und der P. (J 119). – b) Jedenfalls zeigt Lukas, daß er an der jüd. P.schaft auch insofern gerade interessiert war, als viele zur christl. Gemeinde stießen (Apg 67) und damit (auch wenn dies nicht ausgeführt wird) das Ende des P.tums im Rahmen der alten Ordnung anzeigten. Darüber hinaus findet sich bei Lukas auch das härteste Wort gegenüber dem alten gesetzlichen P.tum (L 1031 f). Entsprechend kennt auch die Off für das Eschaton keinen Tempel mehr (Off 2122), versteht jedoch (ähnlich 1P 25) in Erfüllung von Ex 196 die Christenheit als Ganzes als königliches P.tum (Off 16 510 206 225). – c) Eine besondere P.schaft hat die ntl. Gemeinde im Gottesdienst nicht gekannt. Theoretisch wird in typologischer Interpretation des AT dies auch im Hebräerbrief expliziert (H 714 ff). Damit in Zusammenhang steht auch die christologische Prädikation Jesu als P., genauer gesagt Hoherp. (H 414 55 u.ö.).
[Handwörterbuch: Priester. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5416-26
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1491)


pfeilPropheten    

Propheten

(hebr. nabi', gr. prophetes).

Im AT:

Terminologie – A zur Gesch. der P.ie: I. Vorgesch. 1. P. außerhalb Israels 2. die Ekstatiker und P.gruppen 3. die Seher 4. der Gottesmann – II. Die Haupt epochen der P.: 1. Vor den Schriftp. a) die beiden Epochen der P.ie b) Elemente der ersten c) Elia und Elisa d) Micha ben Jimla 2. die Schriftp. bis zum Exil a) Art des Auf tretens b) die Zeit der P. c) P. und Geschichte: die Zu kunft, die Vergangenheit, die Gegenwart d) P. und König e) P. und Gottesdienst, Kultp., Kultpolemik f) P. und Recht – III. Heilsp. und Völkersprüche 1. die drei Arten der Heilsp. 2. die Epochen der Heilsp. a) in der Frühzeit b) in der Zeit der Schriftp. c) während des Exils d) nach dem Exil, Messiasverheißung und Völkerspruch e) Obergang zur Apokalyptik und zur Lehrdisputation – B P.spruch und P.buch –


Im NT

Das hebr. Wort nabbi' wird von der qatil-Form des akk. Verbs nabu »rufen«, »verkündigen« abgeleitet und bedeutet aktiv »der Rufende« oder passiv »der Gerufene«. Sprachliche und sachliche Gründe werden neuerdings überwiegend für die passive Bedeutung angeführt. Nabi wurde in Israel bald Benennung, die den Wortsinn zurücktreten ließ. – Das Verbum, das im ni und hitp verwendet wird, ist vom Nomen abgeleitet und bedeutet »sich als Nabi zeigen oder betätigen (äußern)«. In den älteren Texten überwiegt das hitp, womit meist die ekstatischen Erscheinungen gemeint sind. Später ist das ni häufiger und bezeichnet vorwiegend das p.ische Reden (der Unterschied zeigt sich zB 1Kg 2210 und 12). So auch in den P.büchern, wo das Verb im 8. Jh. nur bei Am, später bei Jr, Ez, Jl, Sach begegnet. – Das Nomen (mehr als 300mal im AT) bezeichnet in den Geschichtsbüchern im Plural Gruppen von P., in den Elisa-Geschichten auch b·ne hann·bi'im. Nabi im Singular bezeichnet Einzelgestalten, in der Frühzeit sehr verschiedener Art, später eingeengt auf solche, die im Auftrag Jahwes reden. – Nachträglich wurde die Bezeichnung nabi' auf Gestalten übertragen, die nicht zu den P. gerechnet werden können, so auf Abraham, Mose, Aaron, Mirjam. – Andere Bezeichnungen für den P. sind »Gottesmann« ('isch ha'elohim) und »Seher« (ro'e, hoze). Sie begegnen nur selten, meist in den Anfängen.

A I: 1. P.ie in einem sehr weiten Sinn gab es und gibt es in der Religionsgeschichte an vielen Stellen. So ist auch im AT mehrfach vorausgesetzt, daß es bei den Israel umgebenden Völkern etwas wie P.ie gibt. Die Philister befragten »ihre Priester und Wahrsager«, was mit der Lade geschehen sollte, und erhielten auch Antwort (1Sm 62 ff). Elia bekämpfte die Baalsp. (1Kg 1819–40). und Dtjs kennt die babylon. Weisen, die »kundtun, was über dich kommen wird« (Js 4713). Wir kennen eine Art von P.ie im alten Ägypten, ein reich entwickeltes Orakelwesen in Babylonien und Assyrien. In der Inschrift des Moabiterkönigs Mesa (Taf. 23b) berichtet dieser von einem Wort seines Gottes Kamos, das ihn zum Krieg gegen Israel ermuntert (Inschrift Z. 14), Zakir von Hamath (Inschrift Z. 11) wird durch eine Seherschar mit einem Heilsorakel begrüßt. – Davon zu unterscheiden ist die besondere Erscheinung des Ekstatikertums. Hier wird allgemein ein direkter Zusammenhang zwischen dem Ekstatikertum zur Zeit Samuels und Sauls in Israel und derselben Erscheinung in Kanaan angenommen. Die äg. Erzählung von Wen-Amon (11. Jh.) berichtet, wie bei einem Fest in der Hafenstadt Byblos »der Gott einen der jungen Männer ergriff und ihn besessen machte«. Aus der Ekstase heraus ergeht ein Wort. Solches Ekstatikertum gab es etwa zu jener Zeit auch in Kleinasien, von wo es sich in den Mittelmeerländern ausbreitete. – Am nächsten kommt der eigentlichen atl. P.ie, was in einigen der Mari-Briefe berichtet ist. Die Parallelität liegt darin, daß hier wie in Israel Männer (in einigen Fällen auch eine Frau) reden, die von sich sagen, daß sie im Auftrag eines Gottes eine Botschaft an den König auszurichten haben. Ein Brief schildert den Wortempfang in der Mitte eines kultischen Vorganges, zwischen dem Niederfallen vor dem Gott im Tempel und dem Darbringen eines Tieropfers. Er geschieht in einem Traum oder in einer Vision. Die Beauftragung des Boten durch einen Gott ist ganz ähnlich wie bei den P. des AT dargestellt. – Adressat der Mari-P.ie ist ausschließlich der König. Aufgabe des P. ist primär das Fördern und Stützen des Königtums durch Heilsworte, dazu kann aber auch ein tadelndes oder anklagendes Einschreiten gegen den König gehören (wie bei Nathan). Dabei hat auch die Geschichtserinnerung ihren Platz, wie eine Parallele zu 2Sm 127b-9 in einem der Mari-Briefe zeigt. Ein durchgehender Zug in diesen Briefen sind Forderungen, die im Namen des Gottes an den König gerichtet werden, meist Kultforderungen. Die unbedingte Gerichtsankündigung findet sich in den Texten von Mari niemals.
2. In der Frühgeschichte der P.ie des AT lassen sich verschiedene Gruppen erkennen. Ekstatiker, von denen zur Zeit Samuels und Sauls berichtet wird (1Sm 105 ff 1918–24), stehen am Anfang. Saul trifft, vom Seher Samuel kommend, auf eine Schar von P.: »vor ihnen her ertönt Harfe, Handpauke, Flöte und Zither, während sie selbst in Ekstase sind« (V. 5). Saul wird selbst von der Ekstase ergriffen und die Leute fragen: »Ist Saul auch unter den P.?« Bei der Verfolgung Davids durch Saul begegnet noch einmal eine solche Schar von Ekstatikern, wobei wieder die ansteckende Kraft dieser Ekstase und einzelne ihrer Wirkungen beschrieben werden (1Sm 1918–24).Worte gehen aus der Ekstase nicht hervor. Solche ekstatische Raserei charakterisiert auch die Baalsp. (1Kg 1819–40). Wo von solcher Ekstase berichtet wird, zeigen die Berichte immer das gewaltsame Überfallenwerden. Es ist wirklich Besessenheit; der so Ergriffene ist »ein anderer Mensch« (1Sm 106). Zu solcher Ekstase gehört Tanz und Instrumentalmusik. In den Zusammenhang dieser ekstatischen »P.ie« gehört auch eine Episode, die erzählt, daß der auf Mose ruhende Gottesgeist 70 Älteste ergriff, so daß sie in Ekstase gerieten (Nm 1124–30). Entgegen der Abwehr Josuas, der Moses bittet, dieser erschreckenden Erscheinung zu wehren, sagt Mose: »Wollte Gott, daß alle im Volk Jahwes P. würden!« Diese der Mosegeschichte nachträglich eingefügte Episode entstand wahrscheinlich in der Zeit, als die ekstatische Bewegung in Israel Eingang fand, »die Erzählung bemüht sich um eine Legitimierung dieses neuen religiösen Phänomens« (v. Rad, Theol. II, 23). – Während die P.scharen zur Zeit Samuels und Sauls sprunghaft auftreten und verschwinden, zeigen spätere Erwähnungen eine mehr kontinuierliche Daseinsform von P.gruppen. Sie begegnen im Zusammenhang mit heiligen Stätten (Bethel 1Kg 1311 2Kg 23; Gilgal und Jericho 2Kg 25), sie lassen Spuren von Organisation erkennen. Elisa ist als Leiter einer solchen Gruppe beschrieben (2Kg 438 61), er wird »Herr« oder »Vater« genannt, die Glieder der Gruppe sitzen vor ihm, offenbar zu einem Unterweisungsvorgang. Es gab besondere P.siedlungen, wohl um ein Versammlungshaus herum (J. Lindblom). Ob hier Zusammenhänge bestehen mit so viel späteren Gruppensiedlungen wie der in Qumran wiedergefundenen, wird noch zu klären sein. Abgesehen von geringen Spuren bricht die Tradition von solchen P.gruppen nach Elia-Elisa ganz ab. Wir wissen nicht, wie lange sie existierten, ob Zusammenhänge mit einer späteren Hof- oder Kultp.ie bestehen oder mit den späteren Gegnern der Schriftp.
3. »Vor Zeiten sagte man in Israel, wenn man ging, Gott zu befragen: Auf, laßt uns zum Seher gehen! Denn der P. heutigestages hieß einst Seher« (1Sm 99). Diese erklärende Bemerkung zu einer von einem Seher handelnden Erzählung gibt zu erkennen: 1) Die selbständige Funktion des Sehers liegt zeitlich vor der des P.; 2) das Amt des Sehers bestand nicht in öffentlichem Auftreten aus eigener Initiative, sondern er wurde aufgesucht; 3) das Amt des Sehers ist allmählich in dem des P. aufgegangen. Dem entspricht es, wenn im AT zwar einzelne Erzählungen das Wirken eines Sehers beschreiben (Nm 22–24 1Sm 9f), daß aber die Überlieferung eine reine Sehergestalt – außer der des Ausländers Bileam – nicht festgehalten hat. Vielmehr haben alle, die einmal Seher genannt werden, daneben noch andere Funktionen: Samuel ist Priester und P., Gad wird Seher oder P. genannt, ja, ein Seherspruch wird David zugeschrieben (2Sm231–7). Das Chronikwerk jedoch hat noch eine besondere Seher-Überlieferung gekannt (2Ch 3319). Daß es sich um verschiedene Funktionen handelt, läßt sich an der Form des Seherspruches noch feststellen. Sicher als solche erkennbar sind Nm 243–9. 15–24 2Sm 231–7. Während der P.spruch Wort des Boten ist, das er empfing und weiterzugeben hat, ist der Seherspruch als Wort jeweils dieses Mannes bezeichnet und durch seine Schauung ausgewiesen (Nm 243.16 f). Wenn das Amt des Sehers in dem des P. aufgegangen ist, so ist anzunehmen, daß Elemente des Seherspruches übernommen wurden; dazu werden Worte wie Jr 423–26 gehören, in denen der P. von ihm Geschautes darstellt, vielleicht auch die Visionsberichte. Sicher aber gelangen wesentliche Elemente des Seherspruches in später Zeit wieder an die Oberfläche in der Sprache der Apokalyptiker, die eigentlich Nachkommen der Seher sind.
4. Die Bezeichnung Gottesmann ('isch ha'elöhim) ist für uns noch weniger klar als die des Sehers. So wird Samuel (1Sm 96), Elia (1Kg 1718), Elisa (2Kg 47), ein unbenannter Gottesmann aus Juda (1Kg 131), aber auch Mose (Dt 331) genannt, dazu noch andere. Die Bezeichnung steht vielfach im Zusammenhang mit Wunderhandlungen, die von einem »Gottesmann« berichtet werden. Für die Wundertaten des Gottesmannes ist bezeichnend, daß sie sich weithin in persönlich-privater Sphäre abspielen und daß sie es mit dem kreatürlichen mehr als mit dem geschichtlichen Bereich zu tun haben (Wunder der Speisung und des Tränkens, der Heilung und der Totenerweckung, Ankündigung des Ausbleibens und des Kommens von Regen u.ä.). Zum Gottesmann gehört auch das wirkende Wort und die Fähigkeit, das Verborgene zu sehen, wie beim Seher (1Kg 142–4 2Kg 610–12); er wird gefürchtet, weil er Heil und Unheil zu bringen vermag (1Sm 164 1Kg 1718). In das Wirken der P. sind vor allem zwei Elemente des Wirkens des Gottesmannes übergegangen: das Verfügen über das mächtige Wort, das Heil oder Unheil zu bringen vermag, und die Kraft, Wunder zu tun, in der wesentlich abgewandelten Gestalt der p.ischen Zeichenhandlungen.

II: 1.a) Mit dem Aufkommen des Königtums gleichzeitig beginnt nach den Quellen die P.ie im eigentlichen, engeren Sinn des Wortes. Es ist für das Verständnis der P.ie in Israel von wesentlicher Bedeutung, daß sie ein zeitlich klar begrenztes Phänomen ist. Sie beginnt und endet mit dem Königtum. Denn die P.ie während des Exils bleibt noch auf das Ende des Königtums und des Staates Israel bezogen, die P.ie nach dem Exil aber ist Nachklang, nicht mehr selbständige Epoche. Dieser zeitlichen Begrenzung und mit ihr der Gleichzeitigkeit der P.ie mit der staatlichen Epoche Israel-Judas entspricht die inhaltliche Besonderheit, die sie von allem unterscheidet, was es sonst in der Religionsgeschichte an p.ischen Phänomenen gegeben hat: daß in ihrer Mitte, bei den Schriftp. des 8. und 7. Jh.s, die unbedingte Gerichtsankündigung steht, die den Untergang der staatlichen Existenz Juda-Israels ankündigt. Nahe hierzu gehört ein Unterschied zwischen ihren beiden Epochen: die Ankündigung des Gerichtes über das ganze Volk und das ganze Land ist nach unseren Quellen erst von Am ab erhoben worden, die P. vor Am haben dem König und dem Königshaus den Untergang angekündigt, nicht aber ganz Israel oder Juda. In diesem Unterschied ist die verschiedene Traditionsweise begründet: von Am ab wurden die P.worte im ganzen gesammelt und bewahrt, eben wegen ihrer einschneidenden Bedeutung für die Volksganzheit. Die P.worte vor Am dagegen wurden in ihrer begrenzten Bedeutung jeweils im Zusammenhang des betreffenden Geschichtsabschnittes diesem in berichtender Form eingegliedert. Welche Bedeutung aber auch dieser früheren Epoche der P.ie beigemessen wurde, zeigt sich schon an der Benennung der Geschichtsbücher als »Vordere P.« – b) Man wird in der Epoche der P.ie vor den Schriftp. zu einer eindeutigen Geschichte der P.ie oder der verschiedenen p.ischen Strömungen nicht kommen können; vielmehr haben sich in der uns überkommenen Überlieferung die verschiedenen Arten, Vorformen, Äußerungen und deren Beurteilung so ineinander und übereinander geschoben, daß uns nur die Möglichkeit bleibt, die verschiedenen an dieser Geschichte beteiligten Elemente herauszustellen. – Das ekstatische Element aus der Ekstatikerbewegung der Frühzeit wirkt in den Elia-Elisa-Geschichten nach, tritt aber stark zurück und ist dann wohl fast ganz verschwunden; eine Nachwirkung zeigt sich in der P.ie Ez.s. – Die P.gruppen scheinen ihren Höhepunkt im 9. Jh. unter Elisa gehabt zu haben. Die Frage, ob sie in einer Hof- oder Kultp.ie weiterlebten, ist noch nicht geklärt. – Im Sehertum läßt sich – mit Vorbehalt, begründet in der Kargheit der Quellen – um die Zeit Davids eine Wandlung beobachten: Der Seher, dessen Fähigkeiten sich ursprünglich im Rahmen des Privat-Familiären auswirkten, wendet sich in der Bileam-Erzählung wie in der Gestalt Samuels dem aufkommenden Königtum zu und damit tritt der Seherspruch in den Bereich der Geschichte hinüber. Wahrscheinlich hat dieser Übergang zum Aufgehen des Sehers im P. geführt. Bei Nathan und Gad tritt insofern ein neues Element auf, als ihr Wirken von vornherein auf den König bezogen ist. Es stimmt darin mit dem aus den Mari-Texten bezeugten P.wirken überein; inhaltlich auch darin, daß es der Stützung und Bestätigung des Königtums dient, auch da noch, wo im Namen Gottes eine Anklage gegen den König erhoben wird. Die Bestätigung des Königtums durch göttliche Verheißung (wie sie 2Sm71–29 ausspricht) hat eine weitreichende Bedeutung bekommen; das zeigt das Anwachsen der ursprünglich kurzen Verheißung (Rost); das zeigt ihre Spiegelung in Königspsalmen (Ps 2. 110. 89), vor allem aber die aus ihr entspringende Messias-Verheißung. – Die Anklage gegen den König geht durch die Geschichte weiter; sie findet sich bei Elia (1Kg 2119.23 2Kg 14), bei Ahia von Silo (1Kg 1129–39), Jehu (1Kg 161–4) und anderen, bis sie von den Schnftp. aufgenommen wird (besonders Jr 21–23). – c) Was die Geschichten von Elia und Elisa verbindet, ist die Art ihres Wirkens im Unterschied zu den Schriftp.: während sich bei diesen die Wirksamkeit als P. auf das Wort beschränkt, sind bei Elia und Elisa Wort und Handlung miteinander verwoben, wobei aber die Handlung bei weitem überwiegt. Sie unterscheiden sich voneinander vor allem darin, daß Art und Bereich der Handlungen bei beiden ganz verschieden sind. Die Besonderheit des Auftretens Elias ist in die Selbstaussage gefaßt (1Kg 1914): »Ich habe um Jahwe, den Gott der Heere, geeifert.« Hier begegnet ein neues Element in der Geschichte der P.ie, das ihr von Elia ab bis zu ihrem Ende angehört: der Eifer für die Einzigkeit Jahwes (besonders bei Dtjs). – Während Elia in all seinem Auftreten ein Einzelner ist, plötzlich da ist und plötzlich wieder verschwindet, gehört Elisa als Haupt zu einer P.-gruppe. Er ist der große Wundertäter. Während wesentliche Züge aus Elias Wirken in der Geschichte der P.ie weitergingen, findet die Art des Wirkens Elisas keine Fortsetzung, jedenfalls keine, von der wir wissen. – d) Micha ben Jimla, ein Zeitgenosse Elias, ist uns nur durch ein einziges Auftreten bekannt (1Kg 228–28), doch ist dies für die weitere Geschichte der P.ie wichtig. Hier zum erstenmal stehen Jahwep. gegen Jahwep. Der andere wichtige Zug in Michas Auftreten ist der andeutende Bericht einer Vision des in der himmlischen Ratsversammlung thronenden Jahwe (19–23), die verändert bei Js wiederkehrt (Js 61–4).
2.a) Für das Auftreten der Schriftp. von Am bis Mal ist von hoher Bedeutung, daß sie alle, ohne Ausnahme, beim Wort geblieben sind. In der Reihe dieser im Namen Gottes Redenden hat nicht ein einziger versucht, dem Reden ein Handeln, Gründen oder Organisieren hinzuzufügen. Um dieses Besondere zu sehen, muß man einerseits die Vorgänger Elia und Elisa vergleichen, die handelnd in die Geschichte eingriffen, andererseits das Priestertum, das in ungebrochener Sukzession neben der P.ie herging und sie lange über lebte und in dessen gesicherter Institution doch nichts von dem geschah, was das ungesicherte Wort der P. vermochte. – Das Erstaunliche ist die Reihe der P. Jeder von ihnen ist einer und bleibt einer. Mancher steht ganz allein, mancher hat neben sich einen Gefährten oder einen kleinen Kreis von Jüngern. Keiner von ihnen hat die Massen bewegt. Jeder hat für sich die Spannung auszuhalten, die durch sein Wort zwischen ihm und dem Volksganzen entsteht, zu dem er doch gehört. Sie hatten alle zu ihren Lebzeiten keinen Erfolg. Sie kamen und riefen – und ihr Ruf verhallte. Die P.ie läßt sich als eine geistes- und religionsgeschichtliche Erscheinung nicht einordnen; es gibt hier nicht das gewohnte Bild von Aufstieg, Entwicklung, Höhepunkt, Verbreitung und Auswirkung, in das man sonst eine solche Bewegung faßt. Aus den einzelnen Punkten des Auftretens je eines P. wird keine Linie. Jeder P. steht am Ende da, wo er am Anfang stand und der nächste muß von vorn anfangen. Am Ende der Reihe, an deren Anfang beispielhaft Elia auf dem Berg Horeb seine Klage erhebt, steht Jr und erhebt die gleiche Klage, nur noch verzweifelter. Und dennoch: gerade so hatte die Reihe der P. ihre weltgeschichtliche Auswirkung. – Eine einzige Art von Handeln ist dem p.ischen Wort dienend zugeordnet: die Zeichenhandlung. In ihr wird auf verschiedene Weise die Person des P. in seine Verkündigung einbezogen. So
in den Zeichen-Namen (Hos 14. 6. 9 Js 73 83). So wird Js geboten, nackt und barfuß zu gehen (Js 202), so Jr, allein zu bleiben (Jr 162. 5. 8), so die Zeichenhandlungen bei Ez (41–12 51–4 123–6) u.a. Die Besonderheit der p.ischen Existenz findet ihren Ausdruck in den Berufungsberichten (Js 6 Jr 1 Ez 1–3 Am 715 Js 406–8), in denen die Autorität des P.wortes allein auf den Auftrag Gottes gegründet wird. – b) Daß die Zeit der P.ie begrenzt war, bedeutet auch, daß sie ihrer weltgeschichtlichen Epoche und deren Phasen zugeordnet ist. Während dieser Zeit traten die P. nicht beliebig und auch nicht regelmäßig auf. An den Krisen- und Wendepunkten der Geschichte wurde ihr Ruf besonders laut und vielfältig vernehmbar. Die Geschichte Israels umgreift vier besonders schwere Krisenpunkte: für Nordisrael die Aramäerkriege im 9. und die Bedrohung durch Assyrien im 8. Jh., die schließlich zum Untergang des Nordreiches führte. In der gleichen Zeit wurde Juda von Assur bedroht, blieb aber wie durch ein Wunder verschont. Schließlich kam für Juda die Krise mit dem Aufkommen des babylon. Reiches, dessen Angriffen es erlag. Um diese vier Krisenpunkte der Israelit. Geschichte gruppieren sich die P. In der Zeit der Aramäerkriege wirkten im Nordreich Elia, Elisa, Micha ben Jimla u.a. Die erste Periode der Schriftp.ie, etwa 750–700, trifft mit der Höhe des assyr. Reiches zusammen. Im Norden wirken in dieser Zeit Am (um 750) und Hos (750–725), im Süden Js (740–701) und Mi (722–701). Die beiden wichtigsten politischen Ereignisse dieser Zeit sind der Fall Samarias (721) und die Belagerung Jerusalems durch Sanherib. Die zweite Periode der Schriftp., etwa 650–587, trifft mit dem Niedergang Assyriens und dem Aufkommen Babylons zusammen. Um die beiden wichtigsten Ereignisse dieser Periode bewegt sich die P.ie: um den Untergang Assurs (612) Nah, Hab und Zph, um den Untergang Judas und die Eroberung Jerusalems (597 und 587) Jr und Ez. Eine dritte Periode schließt sich unmittelbar dem letzten Ereignis an: die P.ie in der Zeit des Exils, Ez, Dtjs und einzelne Worte unbekannter P. Auch diese Periode kreist um ein weltgeschichtliches Ereignis: den Sturz des babylon. Weltreiches durch die aufkommende pers. Macht (Fall Babylons 539). In der Nachgeschichte ist eine so direkte Beziehung zu geschichtlichen Ereignissen nicht mehr zu erkennen. Was in der P.ie geschah, gehört also zum Ganzen jener Epoche der Weltgeschichte. Hinter dem Drama auf kleinstem Raum, das sich zwischen dem Gott Israels und seinem ungehorsamen Volk auf dem schmalen und kargen Boden Palästinas abspielte, zeigen sich die Konturen des weltgeschichtlichen Dramas von Aufstieg und Zusammenbruch der vorderoriental. Weltreiche. Dieser Wechselbeziehung entspricht die Verkündigung der P. darin, daß sie im Auftrag des Gottes reden, der als der Gott seines Volkes Herr der Geschichte ist. – c) Aus dem Vorangehenden ergibt sich, daß das Wirken der P. in besonderem Maß auf die Geschichte bezogen sein muß. Diese Geschichtsbezogenheit, die für alle P. bestimmend ist, macht es unmöglich, die P.ie in religiösen Kategorien zu fassen, sofern unter Religion ein abgesonderter Daseinsbereich verstanden wird. Sie hat auch die Sprache der P.ie geprägt: eine durchaus profane Sprache; spezifisch kultische oder theologisch-reflektierende Spracheinflüsse zeigen sich erst am Ende ihrer Geschichte. In vertikaler Linie erstreckt sich die geschichtliche Bezogenheit auf die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft; in horizontaler auf das eigene Volk mit seinen Komponenten und Funktionen sowie auf die anderen Völker. – Die Beziehung auf die Zukunft ist mit der Grundform p.ischen Redens gegeben: der Ankündigung. Sie ist streng zu unterscheiden von der Vorhersage. Während diese aus der Gegenwart einen Punkt in der Zukunft anvisiert und vorher sagt, was an diesem Punkt geschehen wird, verbindet die Ankündigung in der gegenwärtigen Anrede ein zukünftiges Geschehen mit den in der Gegenwart Angeredeten. Sie kündigt nicht irgend etwas an, sondern ist nur möglich in der Alternative von Gerichts- oder Heilsankündigung. Dabei entsprechen aber einander Heil und Unheil in der Ankündigung nicht; die Unheilsankündigung ist Gerichtsankündigung (jedenfalls allermeist; es gibt aber auch bloße Unheilsankündigung), d.h. sie ist begründet durch ein Verhalten Israels, gegen das Gott richtend einschreitet. Die Heilsankündigung dagegen wird bei den P. niemals durch ein Tun der Angeredeten begründet. Wird es begründet, dann nur von Gott her (so Js 401–8). In diesem Unterschied ist die verschiedene Form von Gerichts- und Heilsankündigung begründet. – Wenn die p.ische Ankündigung in dieser Weise ihr Wesen im Verbinden der Zukunft mit der Gegenwart hat, so bedeutet das nicht, daß die Zukunft mit solcher Ankündigung festgelegt sei. Auch wenn mit dem Ergehen der Ankündigung die Zukunft in ihrem Zukommen auf die Gegenwart schon in Bewegung gesetzt ist (diesen dynamischen Aspekt zeigen viele P.worte), so bleibt sie dennoch völlig unverfügbar, da sie Gottes Wirken bleibt (Jona und Klagen Jr.s). In dieser Unverfügbarkeit des Angekündigten ist es begründet, daß ein Verrechnen von Heils- und Gerichtsankündigung nicht möglich ist; sie bleiben unausgeglichen nebeneinander stehen. Es gibt nur eine Stunde, in der die bloße, unbedingte Heilsankündigung einem P. geboten ist: bei Dtjs und Ez (zweite Phase). Sonst überwiegt durchweg die Gerichtsankündigung; aber bei keinem der Gerichtsp. ist sie so absolut, daß er von Heil oder der Möglichkeit von Heil nichts mehr zu sagen hätte. – Erst in der letzten Phase der P.forschung ist gesehen worden, daß die P. in einem sehr hohen Maß mit der Vergangenheit ihres Volkes beschäftigt sind und daß die Ankündigung des kommenden Gerichts oder Heils nur auf dem Hintergrund der Beziehung auf die Geschichte verstanden werden kann. Entscheidend dafür ist nicht, daß die Verkündigung der P. die Traditionen ihres Volkes voraussetzt und sie in ihren Worten mitsprechen läßt; darum kann auch die Aufnahme solcher Traditionen bei den P. ganz verschieden sein: »Während Hos in der Exodustradition steht, kennt Js nur die Heilssetzungen der David- und der Ziontradition. Bei Jr und Ez und vollends bei Dtjs steht wiederum die Exodustradition im Vordergrund« (v. Rad, Theol. II, 130). Entscheidend ist vielmehr, welche Funktion diese Traditionen im Vorgang der p.ischen Verkündigung haben. Sie ist am besten Am 2 zu erkennen, wo nach der Reihe der Sprüche gegen die umliegenden Völker allein in dem Israelspruch die Anklage gegen Israel durch ein Kontrastmotiv erweitert ist (Am 26–16): »Und ich habe doch vor euch her die Amoriter vertilgt ... Ich bin's, der euch aus dem Lande Ägypten geführt.« Dies ist die wichtigste und häufigste Erweiterung des p.ischen Gerichtswortes, sie begegnet von Am bis Ez bei allen (zB in Hos 910–1311 bei jedem Spruch; Js 51–7 Jr 21–13 Mi 61–4 Ez 161–34 203–29). Die Funktion dieser Geschichtserinnerung im Kontrastmotiv ist das Binden der Vergangenheit an die Gegenwart, das Festhalten der Angeredeten bei ihrer Geschichte. Es kommt zum Ausdruck bei Jr in der Anklage des Vergessens. Das Verlassen Jahwes (Jr 211), das Abfallen von ihm in vielfacher Form bekommt seine Schwere durch dieses Vergessen, das die ganze bisherige Geschichte sinnlos macht. So ist auch das Bild der Ehe und des Ehebruches gemeint, in das Hos, Jr und Ez dieses Geschehen fassen. Ungehorsam und Frevel bedingen nicht als isolierte Fakten den Entschluß Gottes, sein Volk zu vernichten, sondern die darin zutage kommende Verwerfung dessen, was Gott an sein Volk gewendet hat (Js 51–7), und darin das Wegwerfen der eigenen Geschichte. – Innerhalb dieser Grundfunktion der Geschichtserinnerung im Kontrast geschieht die Verwendung und Auslegung dieser Traditionen in größter Freiheit. Die P. bevorzugen nicht nur verschiedene Traditionen; die gleichen Traditionen können auch verschieden gedeutet werden. So die verschiedene Beurteilung der Frühzeit bei Ez und den übrigen P.
Das in die Gegenwart gesprochene Wort der P. ist vor allem die Anklage. Indem sie die Gerichtsankündigung begründet, deckt sie an irgendeiner Stelle die Wirklichkeit der Angeredeten auf. Das Wort Elias an Ahab nach dem Justizmord an Nabot stellt einfach einen Tatbestand fest (1Kg 2119): »Du hast gemordet und in Besitz genommen ...«, den auch jeder andere feststellen könnte. Bei aller Verschiedenartigkeit dieser Anklage in der Geschichte der P.ie bleibt es im Grunde das gleiche Geschehen: Das Volk Israel hatte sich in einem Versprechen an seinen Gott gebunden (Jos 2421–27; Bund). Wenn nun ein schweres Vergehen begangen wurde, und es erfolgte nichts darauf, so war an dieser Stelle der Zusammenhang zerbrochen, aus dem das Volk lebte. Indem der P. hier dazwischentritt und Anklage erhebt, wahrt er diesen Zusammenhang, die geschichtliche Kontinuität, und hält Israel bei Gott und damit bei seiner Geschichte fest. Dies wird allerdings erst im Rückblick deutlich: die Generation des Restes im Exil erkannte, daß die Gerichtsankündigung der P. eingetroffen und damit ihre Anklage als notwendig erwiesen war. Das zeigt vor allem die deuteronomist. Theologie. Jetzt wurde das Ja zur Aufdeckung der Wirklichkeit gesprochen, die die P. durch zweihundert Jahre vergeblich betrieben hatten. Die Fülle der Anklagen, die die P. verbunden mit der Gerichtsankündigung erheben, lassen sich in drei Hauptrichtungen fassen: die soziale, die politische, die theologische. Sie zeigen die dreifache Gefährdung des Gottesvolkes, in der die P. mit ihrer Anklage dazwischentreten mußten. Die soziale Anklage ist bei Am und Mi beherrschend. Js erhob sie wahrscheinlich nur zeitweise. Bei Jr tritt sie zurück, ist aber auch da. Sie fehlt fast völlig nur bei Hos. Bei Ez tritt sie besonders in Kap. 22 hervor. – Eine politische Anklage fehlt ganz bei Am und Mi. Hos klagt besonders die Könige und die Führenden an; bei Js ist die politische Anklage ausgeprägt: die Hybris (Js 25–22) und das Sich-Verlassen auf politische Macht (311 ff). Bei Jr ist es die völlige Loslösung der politischen Entscheidungen vom Willen und Wort Gottes. Bei Ez spricht die politische Anklage mehrfach mit, ist aber nicht besonders ausgeprägt. Bei allen P. ist die politische Anklage zugleich eine theologische. Die Anklage der Abgötterei ist in der Rückschau in und nach dem Exil die völlig beherrschende oder gar die einzige. Das trifft aber den Tatbestand bei den P. nicht genau. Beherrschend ist die Anklage der Abgötterei bei Elia, bei Hos, und dann erst wieder bei Ez. Bei Jr hat sie einen wichtigen Platz (auch bei Zph), ist aber beherrschend nur in der deuteronomist. Schicht des Jr-buches. Sie fehlt fast oder ganz bei Am, Mi und Js. – Die Anklage gegen einen verkehrten oder verderbten Gottesdienst begegnet bei den meisten P.: bei Am und Hos, Js und Mi, Jr, Zph und Ez, rückblickend auch bei Dtjs (Js 4322–28). Sie begleitet wie keine andere die ganze Geschichte der P.ie bis in die nachexilische Zeit, wo wir ihr noch bei Tritojs, Mal und in Einzelworten begegnen. – Es kommt noch die Anklage gegen die falschen P. hinzu, die ihr eigenes als Gottes Wort ausgeben und Heil ankündigen, wo Unheil bevorsteht, besonders bei Jr und Ez. – d) In der Epoche vor den Schriftp. war das Wirken der P. insbesondere auf den König bezogen. Die meisten Worte der P. vor Am sind an einen König gerichtet. Es ist noch zu erkennen, daß (besonders bei Nathan und Gad) der Dienst des P. ursprünglich bestimmt war, das Königtum zu stützen und zu bestätigen. Allmählich aber tritt das gegen einen König gesprochene Wort in den Vordergrund. Die P. erheben Anklage gegen einen König, wo er Abgötterei zuläßt oder fördert, wo er gegen das alte Gottesrecht verstößt (Nathan, Elia, Jr), wo er ein an ihn ergangenes Gotteswort mißachtet. Damit erhält die dem alten Jahwevolk eigentlich fremde Institution des Königtums eine äußerst wachsame Instanz der Warnung und Zurechtweisung an die Seite gestellt. Ausgenommen davon ist nur das Königtum Salomos. Es ist kein p.isches Wort an Salomo überliefert, statt dessen wird von unmittelbarem Empfang von Gottesworten durch ihn berichtet.
Für die Epoche der Schriftp. ist zweierlei bezeichnend: die Gegnerschaft zwischen P. und König steigert sich immer mehr bis zur Verfolgung, Gefangensetzung und Tötung von P. (Uria); andrerseits hat kein einziger Schriftp. auch nur den geringsten Schritt gegen einen König unternommen. Es gibt keine P.partei, keinen von den P. geschürten Aufstand, keine Designation eines Gegenkönigs. Die P. haben den Königen gegenüber nichts einzusetzen als ihr Wort und, wo es nötig wird, ihr Leiden. – Hos geht am weitesten in der Verurteilung der Institution des Königtums überhaupt (Hos 73 84), aber auch bei ihm findet sich keine Spur eines Rufes zur Beseitigung des Königtums. Manche P. haben zeitweise in gutem Einvernehmen mit dem herrschenden König gestanden (Js, Jr). Sie haben nur Anklagen erhoben, wenn ihnen das von Gott geboten wurde und wenn ein eindeutiger Tatbestand die Anklage unausweichlich machte. Daß ein König vom Wort eines P. getroffen wurde und sich ihm beugte (2Sm 1213), ist sicher öfter vorgekommen, als es die Überlieferung erkennen läßt. Die dramatische Zuspitzung des Verhältnisses von P. und König bei Jr zeigt, daß ein König sogar zu dem von ihm gemaßregelten P. schicken und ihn um ein Wort bitten konnte. – Die meisten Worte von P. gegen Könige begegnen in den Sammlungen verstreut (eine besondere Sammlung in Jr 211–238). – e) Die p.ische Anklage gegen den Gottesdienst zielt ebenfalls auf gegenwärtige, konkrete Tatbestände, die eine solche Anklage unausweichlich machen. Sie ist keine grundsätzliche Beurteilung. Dies vorausgesetzt ist aber festzustellen, daß die Mißstände im Bereich des Gottesdienstes eine besonders weitreichende und tiefgehende Anklage nötig machten, die sich durch die ganze Geschichte der P. zieht. – Seit Mowinckel 1923 in den Psalmenstudien III zuerst die These eines institutionellen Kultp.tums in Israel aufstellte, wurde diese Annahme immer weiter vorgetrieben bis dahin, daß auch die Schriftp. insgesamt zu den Kultp. gehören sollten, es also in Israel nur Kultp. gegeben habe. In dieser Form wurde die These fast allgemein abgelehnt; nicht nur wegen der radikalen Kultkritik der Schriftp., sondern auch wegen der unkultischen Sprache und der Art des Wirkens der P. (dies betont besonders v. Rad, Theol. II, 65). Dagegen ist weitgehende Übereinstimmung darin erreicht, daß es in Israel von früher Zeit an etwas wie Kultp.ie gab, daß also im Gottesdienst neben dem Priester gewisse Funktionen dem P. vorbehalten blieben. Die aus den Mari-Texten bezeugte P.ie war ausgesprochene Kultp.ie (s.o.). Zur Funktion des Kultp. in Israel gehörte wahrscheinlich die Vermittlung der Gottesantwort bei der Volksklage und damit im Zusammenhang die Fürbitte; vielleicht auch Orakel und Fürbitte für den König und damit im Zusammenhang Heilsworte nach Art der Völkersprüche. Sofern man von »p.ischen Liturgien« (Gunkel) sprechen kann (Js 331–24), werden sie zu dieser Funktion des Kultp. gehören. Es ist möglich, daß das Buch Nah (auch Hab?) aus solcher Kultp.ie erwachsen ist und daß in nachexilischer Zeit bei Hag und Sach kultp.ische Tendenzen stärker heraustraten. – Bei der p.ischen Anklage gegen Opfer, Gebet, Psalmensingen, Prozessionen, gegen den Tempel und gegen die Priester darf unser Sammelbegriff »Kult« nicht vorausgesetzt werden. Es handelt sich um das Aufdecken bestimmter, begrenzter Tatbestände. Darum ist es sachgemäß, je von der besonderen Anklage auszugehen: Anklage gegen das Opfer (Am 18 44.5 521–25 [und Feste]; Hos 56 f 66 811–13 Js 110–17 4322–28 663–4 Jr 1412 Mi 66–8). Der ursprüngliche Sinn des Opfers in Israels Geschichte mit seinem Gott ist Antwort, und zwar Antwort im Handeln. Das bringt die Frage in Mi 66 zum Ausdruck. Dieser eigentliche Sinn des Opfers ist verkehrt und verderbt worden in einem institutionellen Opferbetrieb, in dem die Opferdarbringung zum toten Werk wurde (Js 4322 ff.) Das Opfer kann nicht mehr aus dem Fragen nach Gottes Willen (Js 664b) erwachsen sein, wo es zusammen mit Frevel geschieht (Am 28 Js 110–17). – Anklage, den Tempel betreffend (Jr 71–15 Hos 814 Mi 39–12 Js 661–2). Den Sinn dieser Anklage zeigt Jr 71–15: Der Tempel wird zur »Räuberhöhle«, wenn Israel darin seinen im Frevel gegen Gott gewonnenen Besitz sichert; der so mißbrauchte Tempel muß vernichtet werden. Dasselbe sagt Am von den Altären (Am 314 91–4). – Anklage gegen die Priester (Hos 44–11 69 Mi 311 Jr 28 530 613 201–6 2311). Sie ist am deutlichsten Hos 44 ff begründet: »Du hast die Weisung deines Gottes vergessen« (6). Nicht der Priesterdienst als solcher wird von den P. verurteilt, sondern das Verkennen der Stunde, das Versäumen des Wegweisens zur Zeit des Abfalles. – Zusammenfassend ist zur Kultpolemik der P. zu sagen: Die P. haben, als in Israel der Gottesdienst zum toten Werk erstarrte, entgegen einer falschen Sicherheit, die sich auf den bloßen Vollzug der gottesdienstlichen Handlungen gründete, den ursprünglichen Sinn des Gott-Dienens wieder aufgedeckt: sein Erwachsen aus dem Hören auf das, was Gott jetzt von seinem Volk haben will. So ist der Satz gemeint: »Gehorsam ist besser als Opfer« (1Sm 1522). – Vom Exil ab kommen P. und Gottesdienst wieder näher zusammen, aber in sehr verschiedener Weise. Für die P.ie Dtis' wird das Wortelement des Gottesdienstes (Psalmen) zu einem Hauptbestandteil seiner P.ie: Heilsorakel, Klage und Gotteslob; bei Ez verbindet sich die P.ie mit Elementen der Priestertora und des sakralen Rechts (Zimmerli); bei Ez (40–48), Hag und Sach bekommt der Tempel wieder eine zentrale Bedeutung. Jedoch geht auch nach dem Exil eine stark kultkritische Linie weiter (Js 661–4 Ps 50.51 Prd). – f) Daß das Recht eine hohe Bedeutung für die P.ie hat, ist erst in jüngster Zeit gesehen und gewürdigt worden. Wenn man früher von hochstehendem Ethos oder ethischem Monotheismus der P. sprach, war in idealistisch-individualistischer Sicht das Entscheidende verkannt worden: daß den P. das alte apodiktische Gottesrecht in den fundamentalen Gottesgeboten vorgegeben ist und daß ein wesentlicher Teil ihres Auftrages darin besteht, diesem Israel anvertrauten Gottesrecht gegen vielerlei Rechtsbruch und Rechtsmißachtung wieder Geltung zu verschaffen. Das geschieht in der Aufdeckung der alten Gebote und Rechtsbestimmungen dort, wo sie verdeckt und darin mißachtet wurden, zB bei Nathan (2Sm 129), Elia (1Kg 2119) und bei den Schriftp. vielfach. Ein eindrückliches Beispiel ist die Tempelrede Jeremias, wo in der Aufzählung »Stehlen und Morden, Ehebrechen und Meineid schwören« eine dem Dekalog entsprechende Reihe apodiktischer Gebote zitiert wird (Jr 79). Das geschieht außerdem in der Anklage gegen die Verderbnis des Rechtswesens, vor allem bei Am, aber auch bei den andern P. bis hin zu Ez. Bei Am setzt diese Anklage schon im ersten Israelspruch ein (Am 26 f) und zieht sich durch die ganze P.ie hindurch (besonders 510–13. 14–15. 24 84–7).

III: 1. Die Heilsp.ie in Israel ist ein äußerst vielschichtiger und vielgestaltiger Komplex, der eine umfassende Darstellung bisher noch nicht gefunden hat. Durch das AT ziehen sich drei Grundformen des Heilswortes: Die Heilszusage ist die perfektische Zusage in eine Not hinein, daß Gott das Schreien erhört hat, daß er sich seinem Volk zugewandt hat. So in den beiden Tiefpunkten der Geschichte Israels: in der Knechtschaft in Ägypten (Ex 37 f) und im babylon. Exil (Js 431 ff). Die Heilsankündigung kündigt futurisch an, daß Gott seinem Volk oder einem Einzelnen Heil zuwenden wird oder daß ein Heilsereignis eintreten wird. Dies ist die gewöhnliche, das ganze AT durchziehende Form des Heilswortes. Sie kann mit der Heilszusage verbunden sein (so Ex 37 f und in den Heilsorakeln Dtjs'), ist aber meist selbständig. So die Worte der Heilsp. (zB 1Kg 2211 Zedekia, Jr 282–4 Hananja), sie begegnen aber auch bei den Gerichtsp. (Js 81–4 Jr 3214 f). Die Heilsschilderung stellt im Unterschied zur Heilsankündigung, die von dem Punkt der gegenwärtigen Notlage zu dem Punkt der Wendung dieser Not weist, flächenhaft der jetzigen eine zukünftige Wirklichkeit gegenüber (Js 111–10). – Jede dieser drei Grundformen des Heilswortes hat ihre eigene Geschichte. Dabei ist die Adresse zu berücksichtigen: an das Volk, an einen Einzelnen oder an Völker.
2. Für die Geschichte der P.ie wird man im Blick auf das Heilswort drei Epochen unterscheiden: vor Am, bis zum und im Exil und vom Exil ab. – a) In der Heilsp.ie der Frühzeit kommen viele Linien zusammen, die nur zum Teil klar zu erkennen sind: die Verheißung des Auszugs aus Ägypten und der Zeit der Wüstenwanderung, die mit der Väterverheißung in Verbindung gebracht wurde; die aus dem Segen erwachsende Verheißung und mit ihr verbunden die Verheißung des Seherspruches (Gn 4910–12 Nm 2417–19), in der wir die Wurzel der Heilsschilderung vermuten können; das der Klage antwortende Heilswort, dessen früheste Phase sich aber nicht mehr erkennen läßt. Hierzu gehört das früheste Stadium der Völkersprüche, in denen dem bedrängten Volk der Untergang des Feindes verkündet wird. Das Unheilswort über Völker ist älter als das Gerichtswort an Israel. In der Frühzeit hat das Heilswort wesentlich größere Bedeutung als das Gerichtswort. – b) Seit Am kamen alle Gerichtsp. von der Heilsp.ie her und haben noch irgendeinen Anteil an ihr, obwohl uns die Überlieferung das absolute Vorherrschen des Gerichtswortes in dieser Epoche zeigt. Der Zusammenhang mit der vorangehenden Heilsp.ie zeigt sich bei Am in der Reihe der Völkersprüche (Am 13–216); anders bei Js, der in bestimmten Situationen Heil zu verkünden hat (Js 73–16). Die perfektische Heilszusage schweigt in der Zeit von Am bis Jr völlig. Wo die Heilsankündigung begegnet, ist sie partiell und begrenzt. So bei Am, das »Vielleicht« (Am 312 56.15), so bei Hos das Läuterungsgericht (Hos 21–25). So besonders bei Js, wenn er im syr.-ephra-emitischen Krieg die Rettung Jerusalems ankündigt (Js 74) oder in dem Wort von der Neugründung auf dem Zion (2814–22), wobei das Bleiben nur den Glaubenden zugesprochen wird. So die bewegende Heilsankündigung Jr.s während der Belagerung Jerusalems (Jr 3215). Die Heilsschilderung ist keine eigentlich p.ische Gattung; in der Frühzeit ist sie die Sprachform der Zukunftsschau des Sehers, in der Spätzeit die des Apokalyptikers. Es ist möglich, daß sich die Schriftp. dieser Form hier und da bedient haben, doch liegt die Herkunft aus anderer Linie bei dieser Form stets nahe (so für die typischen Heilsschilderungen Js 2 = Mi 4 und Js 111–10 mit der Erweiterung 11 ff sowie für Am 911–15 und Mi 51–14). Dazu kommen eine ganze Reihe von Heilsanhängen an p.ische Gerichtsworte. Besonders bezeichnend für die Heilsschilderung ist, daß die gewandelte zukünftige Wirklichkeit die gegenwärtige in mancherlei Weise transzendiert: der Tempelberg wird alle Berge überragen (Js 22), in der ganzen Menschheit, aber auch unter den Tieren wird Friede sein (Js 24 116 f). Die Heilsschilderungen können zum Teil sehr alt sein, sie gehören aber, ob sie von den betreffenden P. selber übernommen oder den Sammlungen der P.-worte nachträglich angefügt wurden, einer anderen Traditionslinie an als der des p.ischen Wortes. c) Der Zusammenbruch 587 und das Exil bestätigten die Gerichtsankündigung der P. des 8. und 7. Jh.s. Die einseitige Heilsp.ie dieser Epoche erwies sich jetzt als Trug und Verführung des Volkes. Wenn jetzt die P.ie noch eine Möglichkeit hatte, konnte es nur eine neue Heilsp.ie sein, die an die Linie der vorangehenden Gerichtsp.ie anknüpfte. Das ist bei Ez und Dtjs der Fall: Ez war selber bis zum Zusammenbruch Gerichtsp., für Dtjs ist die Bestätigung der vorexil. P.ie durch die Geschichte ein Wesensbestandteil seiner P.ie. Der Zeit des Exils gehören außerdem eine Reihe von (namenlosen) Völkersprüchen an, so die Babylonsprüche Js 13–14 Jr 50–51, die Edom-Sprüche (Ob) und viele andere. – d) Gerichtsp. im Sinn der unbedingten Gerichtsankündigung gibt es nach dem Exil nicht mehr, nur einzelne Gerichtsworte hier und da. Der deutlichste Nachhall der Gerichtsp.ie liegt in Mal vor. Für die nachexil. Heilsp.ie ist bezeichnend, daß die bedingte Heilsankündigung beherrschend wird. In ihr wird das Kommen des Heils an den Gehorsam des Volkes gebunden. Bei Hag, Sach und in vielen Einzelworten ist die Heilsp.ie eng mit dem Tempel und dem Gottesdienst verbunden, hier ist die alte Linie der Kultp.ie fortgeführt. Bei Hag und Sach kommt eine ausgesprochen messianische Verheißung hinzu (die von 2Sm 710–29 herkommt). Die Ankündigung, daß Serubabel der König der Heilszeit werden solle, ging nicht in Erfüllung. – Die Reihe der Messias-Verheißungen setzt wahrscheinlich schon früh ein (anknüpfend an 2Sm 712 und an alte Königsverheißungen, Gn 4910–12 Nm 2417). Sie begegnet in verschiedener Gestalt (Js 91–7 111–10 Mi 5 Jr 235–6 3315–16 Sach 99 f u.ö.), aber darin übereinstimmend, daß in der Mitte der Heilszeit ein König steht, der Recht und Frieden bringt. Bei Ez gibt es in der Heilszeit keinen König, sondern einen Fürsten. Für Dtjs ist der Titel des Gesalbten Jahwes auf Kyros übergegangen, wenn auch nur für das Werk der Eroberung Babylons und Befreiung Israels; die beherrschende Gestalt des Heils ist der leidende Knecht, in dessen Zeichnung auch königliche Züge einfließen. – Besonders auffällig divergieren die Ankündigungen das Schicksal der Völker betreffend. Der Völkerspruch als Ankündigung von Unheil gegen Israels Feinde beginnt schon in Israels Frühzeit, im Zusammenhang der Heilsp.ie. Bei den Schriftp. hat er eine Sonderstellung, die sich in besonderen Sammlungen von Völkersprüchen zeigt (Am 1–2 Js 13–23 Jr 45–51 Ez 25–32; Ob Nah Hab Zph 24–15). In Nah und Hab (und Jl) ist der Völkerspruch in einen liturgischen Rahmen gestellt. In nachexil. Zeit stehen einander schroff gegenüber Worte, in denen die Vernichtung der Völker durch Jahwe angekündigt wird (wie Js 63) und solche, in denen die Endzeit auch den Völkern das Heil bringt (wie Js 19). Ein besonders wichtiger Punkt in der Geschichte des Völkerspruchs zeigt sich bei Dtjs (Js 4520–25): Nachdem die Weltmacht Babylons und damit die Macht der Götter Babylons zusammengebrochen ist, werden die Völker zu Jahwes Heil eingeladen: »Wendet euch zu mir und laßt euch retten, alle Enden der Erde!« (4522). In dieser Linie liegen auch eine Reihe von Heilsanhängen in Jr 45–51. – e) In der letzten Phase geht der Völkerspruch in der Apokalyptik auf. Vom Exil ab läßt sich der allmähliche Übergang der P.ie in diese Gattung beobachten. Die sieben Nachtgesichte Sach.s (17–68) zeigen den Übergang am deutlichsten: aus dem P. wird der Seher der Endzeit, dem in Gesichten die Zukunft des Volkes und der Völker offenbart wird. Ähnlich die Kap. 38f bei Ez, Jl, und die kleine, in sich geschlossene Apokalypse Js 24–27. In der Apokalyptik wird die geschichtliche Dramatik, die die P.ie bestimmte, in ein Drama der Endzeit transponiert. In der P.ie Mal.s dagegen ist an die Stelle vollmächtiger Ankündigung in allen Worten die Disputation getreten: die gegen den P. sich wendende Stimme ist in das P.wort selbst aufgenommen. Hier zeigt sich der Übergang von der P.ie zur Lehrdisputation.

B. Die P.bücher enthalten

a) P.worte,

b) Berichte (Selbst- und Fremdberichte),

c) an Gott gerichtete Worte (Klage und Lob). – Die Verteilung dieser drei Hauptformen ist sehr verschieden; einige Bücher enthalten keine Berichte; Jona besteht nur aus einem Bericht, wie die P.ie vor Am nur in Berichten überliefert ist. Am hat b) in Kap. 7–9; c) in den Doxologien (Am 413 58 f 95 f) und bei der in den Visionen angedeuteten Klage; a ist alles andere. In Jr ist b der ganze Baruch-Bericht, c vor allem die Klagen Jr.s. – Von diesen drei Hauptformen her sind die ersten Umrisse der Tradition des p.ischen Wortes zu gewinnen. In der ersten Periode ist das p.ische Wort nur im Zusammenhang des Berichtes überliefert worden. In der zweiten entstanden kleine Sammlungen von P.worten, die zu größeren Sammlungen und dann zu Büchern anwuchsen. Hierbei wird den P.worten in verschiedenen Stadien und auf verschiedene Weise Bericht und an Gott gerichtete Antwort hinzugefügt (so zB der an die Sammlung Js 1–11 gefügte Ps 12 oder die zur P.ie Dtjs' gehörenden Loblieder als Responsorien der Gemeinde, Js 4210–13 u.ö.). Die P.worte haben darin eine Nachgeschichte, daß während des Traditionsprozesses viele P.sprüche Weiterbildungen erfahren. Schriftliche Aufzeichnung von P.worten hat oft schon zu Lebzeiten des betreffenden P. eingesetzt, wurde aber noch lange von mündlicher Tradition begleitet. Bei einigen der im NT als P. bezeichneten Gestalten treten die ekstatischen und prophetischen Züge besonders hervor (zB Apg 1127 Off 1011), andere unterscheiden sich jedoch nicht wesentlich von den Lehrern (zB Apg 131). Die enge Beziehung zwischen Prophet und Lehrer wird insbesondere in Paulusgemeinden sichtbar. Die Weissagung wird als Gottesgabe, Charisma, neben anderen Geistesgaben angesehen (R 126 1K 1210 141 E 411). Dieses Charisma sollten alle Gläubigen, sogar Frauen besitzen (Apg 217 219 1K 115 1426). Da jedoch in den urchristl. Gemeinden nur einige Gläubige weissagen, werden die andern nicht als geringer angesehen. Die Spannung, die im AT besteht zwischen dem Propheten und dem Volk, zu dem er spricht, ist im NT aufgehoben. Der ntl. Prophet unterscheidet sich im Rang nicht von den übrigen Gliedern der Gemeinde. So entsteht für diese die Aufgabe, die Weissagung zu »richten« (1K 1429). Erst nach dieser Beurteilung kommt es zu einem klaren gemeinsamen Standpunkt der Gemeinde in dieser oder jener Frage. Es handelt sich um das Suchen und die Bildung der christl. Stellungnahme unter neuen Umständen, um die Übertragung des christl. Glaubens in die konkrete Situation des Hörers. Deshalb soll die Weissagung im Einklang mit dem Glauben geschehen (R 126), aber auch in Übereinstimmung mit dem Verstand (1K 1414 f). Durch diese Betonung der Verständlichkeit der Prophetie verhindert der Apostel eine Überbewertung des ekstatischen Zungenredens, bei dem es zu unverständlichen Worten kam. Die Weissagung stellt im Verhältnis zum Zungenreden eine höhere Gabe dar, die der Erbauung der Gemeinde und nicht nur des Weissagenden selbst dient.
[Handwörterbuch: Propheten. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 5447-82
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1512)

 
 

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