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Auf diesen Seiten findest du, alphabetisch sortiert, Erläuterungen zu biblisch-historischen Fachbegriffen.
   
   
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Stichwort

Bibeltext

Erklärung
Macht
Magnifikat
Mann
Maria
Märtyrer
Matthäus
Meer
Meister
Mensch
Menschensohn
Messias
Milch
Mirjam
Mission
Mittler
Mord
Mose
Mund
Mündig- unmündig
Mut
Mutter
Mutterleib

Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist doch das Reich Gottes schon zu euch gekommen.

 

Kol1,12-20
Dankt dem Vater mit Freude! Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind.
13 Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes.
14 Durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden.
15 Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, /
der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.
16 Denn in ihm wurde alles erschaffen /
im Himmel und auf Erden, /
das Sichtbare und das Unsichtbare, /
Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; /
alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen.
17 Er ist vor aller Schöpfung, /
in ihm hat alles Bestand.
18 Er ist das Haupt des Leibes, /
der Leib aber ist die Kirche. /
Er ist der Ursprung, /
der Erstgeborene der Toten; /
so hat er in allem den Vorrang.
19 Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, /
20 um durch ihn alles zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, /
der Friede gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.
Lk11,20

Macht
(hebr. gobura, zoroa',
hajil u.a., gr. dýnamis, exousía).
Charakteristisch für die Bibel
( Gott, Gottesanschauung) ist, daß alle Mächte Gott unterworfen sind (Ps 82), der sich selbst in machtvollen Taten erwiesen
hat, besonders in Israels
Auszug aus Ägypten und im
Einbruch des Reiches Gottes
durch das Kommen Christi.
Auch die M. des Bösen ist
Gott unterworfen; ein
Dualismus ist der Bibel fremd.
Der Heilige Geist ist das
charakteristische Mittel der
charismatischen Ermächtigung
der Diener Gottes (Richter,
Könige, Propheten, Apostel,
Christen allgemein und sogar
Christi selbst, Js 112 Mk 110
f), in seinem Namen zu
sprechen und zu handeln. In
dieser dynamischen Welt
verkündeten die ersten
Christen das Evangelium.
Vom Anfang der Welt
wurden alle Dinge
(einschließlich der
kosmischen M.e) in Christus
und für ihn geschaffen (Kol
116). Christi Sieg über die
M.e in der Auferstehung (E
120–22) wirkt sich nur unter
Christen aus (G 48 f Kol
220); in dieser Welt dagegen
setzen die M.e, wie Sünde
und Tod, ihre Herrsct(E 21–3
Kol 28 J 336). Die Mis-
[Handwörterbuch: Macht.
Biblisch-historisches Handwörterbuch, S.
4151(vgl. BHH Bd. 2, S.
1120)

pfeil Magnifikat    

Magnifikat

(lat. magníficat »es preist« [meine Seele den Herrn]), Marias Lobgesang

(L 146–55).

Es trägt seinen Namen nach dem ersten Wort der lat. Übersetzung. Da es noch keine Aussage über Jesu Tod und Auferstehung enthält, wird seine Entstehung recht früh zu datieren sein. Einige Forscher (v. Harnack, Burkitt u.a.) legen es der Elisabeth in den Mund, wobei sie der Lesart: »und sie sagte...« (46) den Vorzug geben. Für diese Auffassung spricht: a) die Lesart dreier lat. Handschriften und einige unbedeutende patristische Bezeugungen, b) die Ähnlichkeit mit Hannas Lobgesang (1Sm 21ff), die Elisabeths Situation reflektiert.

– Die Gegenbeweise sind jedoch stärker: a) Marias Stimmung unterscheidet sich von der Elisabeths (42); b) ein Lobgesang der Elisabeth würde sich an 25 angeschlossen haben; c) 48 ist messianisch; d) Gottes Macht hat nicht die Kinderlosigkeit, sondern die »Niedrigkeit« überwunden; e) die verschiedenen atl. Anspielungen richten sich auf den Messias.
Mannigfaltig vertont, wird das M. in der Ostkirche beim Morgengottesdienst, in der abendländischen Kirche zur Vesper gesungen und hat auch einen festen Platz in einigen protestantischen Liturgien.
[Handwörterbuch: Magnifikat. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 4166
(vgl. BHH Bd. 2, S. 1122-1123)

pfeilMann    

Mann

(hebr. 'isch, geber, gr. aner).
Während die Frau durch die Kinder räumlich und psychologisch gebunden ist, wählt der M. frei seine Beschäftigung: Spiel und Kampf. Er wird Beschützer der Frauen, Kinder und Alten und durch seine Werkzeuge als Jäger, Hirt und Bauer auch ihr Versorger. – Israel sanktionierte mit der Steinigung des Ehebrechers die tödliche, friedegefährdende Eifersucht des M.es; er mochte sich mehrere Frauen nehmen; ein Schriftstück genügte zur Scheidung: Er war Herr (ba'al) seiner Frauen und seines Hauses. Die Frau hatte Schutz und Einfluß nur durch ihre Familie (2Kg 413), besonders die Söhne ihrer Mutter, mit denen sie aufgewachsen war (2Sm 13), und durch die Liebe ihres M.es (Ri 1925–30) und ihrer Söhne (2Sm 146 f). Die Männer waren Bluträcher und Eigentümer der Produktionsmittel Vieh und Äcker, die sie fast allein bewirtschafteten. Nur sie opferten daher Jahwe und hatten – von Witwen abgesehen – wesentliche Rechtshändel, machten als Richter (aber Ri 45) und Priester Gesetze, exekutierten Verbrecher und führten Krieg. Ein M. war zeitlebens gehorsamer Diener des Vaters. Die Eltern versorgte er pflichtmäßig ( Sohn), Frau und Kinder freiwillig ( Ehescheidung, Sklave). Nach den Eltern (Ri 1416) waren die Freunde des M.es und die übrigen Männer des Orts, nicht seine Frau(en), seine Vertrauten. Die meisten Feste waren primär Männerfeste (1Sm 922 2024 f 2Sm 1326–36 u.ö., vgl. Ex 2317 3423). Der M. mußte mit Wort und Waffe streiten können (1Sm 1618, etwas anders Dn 14). Söhne gaben ihm Ansehen (Ps 1274) und erhielten sein Geschlecht (Ps 3737 f). Aber manch landbesitzloser Tagelöhner kam wohl erst spät oder nie zur Ehe (Gn 2928). Ein Armer ist »ein Wurm, kein M.« (Ps 227). Der Wohlhabende heißt »M.«, »M.essohn« (Ps 43 6210). Mit 20 Jahren wird der Jüngling M. (Lv 273–5). – In ntl. Zeit hatte das Vordringen der Einehe, des Ideals der zweiseitigen ehelichen Treue (Spr 217 518, Ehe), des Jenseitsglaubens u.a. den Vorrang des M.es beschnitten. Aber er fühlt sich noch geistig überlegen: In der Gemeinde soll die Frau schweigen: Sie wurde nach ihm erschaffen (Gn 22 1T 211ff). Mensch, Ehe, Familie, Frau, Frauenvorhof, Vater, Kind, Erziehung, Beschneidung, Eunuch, Kult, Krieg, Älteste.
[Handwörterbuch: Mann. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 4237
(vgl. BHH Bd. 2, S. 1140)

pfeilMaria    

Maria

(entsprechend hebr. mirjam, gr. María), ein Mirjams wegen in ntl. Zeit beliebter Name.

Die Mutter Jesu,

in den Geburts- und Kindheitsgeschichten erwähnt (Mt 116–211 L 127–234), dann namentlich nur 3mal (Mt 1355 p Apg 114), sonst als »seine Mutter« (Mk 331ff p J 21ff 1925ff) angedeutet. Direkte Angaben ihrer Herkunft fehlen. Aus dem Verwandtschaftsverhältnis mit Elisabeth (L 136 und 15) hat man auf levitisches Geschlecht (nach L 127 24 f W-Text auch auf davidische Abstammung) geschlossen. Sicher ist, daß sie aus Nazareth in Galiläa stammte (L 126 239; vgl. Mt 223 Mk 63). Nach L 422 J 145 642 u.ö. war sie mit Joseph verheiratet, der als der Vater Jesu gilt (L 323). Außer Jesus, dem Erstgeborenen (L 27), hatte sie noch Söhne (Mk 63 p Apg 114 1K 95) und Töchter (Mk 63). Zur Zeit des Auftretens Jesu war Joseph wahrscheinlich schon verstorben (Mk 321. 31ff). M. wie die Geschwister Jesu gehören zu Lebzeiten Jesu nicht zur Jüngerschaft, sie versuchen ihn sogar von seiner Verkündigung abzuhalten (Mk 321. 31ff). Unter dem Kreuz erwähnt nur J die Mutter Jesu (J 1925ff), sie weilt aber nach Ostern mit Jesu Brüdern in der Gemeinschaft der Jünger (Apg 114). – Die Geburts- und Kindheitsgeschichten schmücken dieses Bild aus. M. ist erst mit Joseph verlobt (Mt 118 L 127), als sie von Gott begnadet wird, jungfräuliche Mutter des Messias zu werden ( Jungfrauengeburt). Sie nimmt diese Aufgabe in demütigem Glauben an (L 138. 45. 48) und wird deswegen von Elisabeth selig gepriesen (L 145), wie sie nach den ihr zugeschriebenen Worten im Magnifikat von allen Geschlechtern selig gepriesen werden wird (L 148). Nach Mt 119 f will Joseph sie verlassen, nimmt sie auf göttlichen Befehl dennoch zur Frau. Wenn sie das Wort des zwölfjährigen Jesus auch nicht versteht, so glaubt sie doch (L 250 f; vgl. 219). Wie in der lukan. Kindheitsgeschichte die Gnade Gottes und der Glaube M.s betont wird, so stellt sich L 1128 in diese Linie, aber auch gegen eine bereits einsetzende Marienverehrung: Der Seligpreisung der Mutter wird die Seligpreisung derer gegenübergestellt, die (wie M.?) Gottes Wort hören und bewahren. Nach J ist die Mutter Jesu schon bald in seiner Nähe (J 21), betont seine Autorität (J 25), zieht mit ihm nach Kapernaum (J 212) und weilt auch unter dem Kreuz (J 1925ff), wobei das an sie gerichtete Kreuzeswort symbolischen Sinn hat. Aus Off 12 hat die weiter wachsende Marienverehrung die Typologie Eva-M. entfaltet (vgl. den lukan. Stammbaum: Adam- Christus).

Maria Magdalena, unter den von Jesus geheilten Frauen genannt (L 82), die Jesus mit sich ziehen ließ (vgl. Mt 2755 p), später als die reuige Sünderin (L 737–50) verstanden. Als eine der Treuesten stand sie in der Nähe des Kreuzes (Mt 2756 p; nach J 1925 zusammen mit M. 1.) und beim Grabe (Mt 2761), das sie am Ostermorgen besuchte (Mk 161 p); nach J 2011–18 (= Mk 169) traf sie als erste den Auferstandenen.

Die Schwester der Martha (L 1039) und des Lazarus

(J 112), in Bethanien wohnhaft, wo Jesus bei seiner letzten Anwesenheit in Jerusalem übernachtete (Mk 1111 p; vgl. J 123 die Salbung).

Die Mutter des Jakobus und Joses, mit M. 2. Magdalena beim Kreuz und Grab (Mt 2756. 61 281 p) und am Ostermorgen erwähnt. Sie könnte mit der M. des Kleopas (J 1925) identisch sein.

Die Mutter des Johannes Markus (Apg 1212), die ihr großes Haus für die Gemeinde zur Verfügung stellte.

Judenchristin, von Paulus gegrüßt (R 166).
[Handwörterbuch: Maria. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 4271
(vgl. BHH Bd. 2, S. 1151)
http://www.digitale-bibliothek.de/band96.htm ]


[Handwörterbuch: Maria. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 4270
(vgl. BHH Bd. 2, S. 1151)

pfeilMärtyrer    

Märtyrer

(gr. mártys »Zeuge«), im antiken Rechtsleben ein prozessualer Beweiszeuge und urkundlicher Rechtsbeistand, religiös ein Glaubenszeuge, im engeren Sinne mit dem Erleiden des Martyritims ein Blutzeuge.

Im AT kennt Dtjs die religiöse Gestalt des Gotteszeugen auf dem Hintergrund einer prophetischen Geschiehtsschau (Js 439ff 447ff). Viele Beispiele standhaften Glaubens aus Chasidäer- und Rabbinenkreisen des Judentums bietet die Makkabäer- und Aufstandszeit (1Mkk 217 2Mkk 6–7 Jos. Bell. I, 648ff II, 151ff VII, 320ff bBer. 61 b). Gesetzestreue, religiöser Eifer und messianische Erwartungen bestimmen ihre Haltung. Kommt es auch nicht zur Herausbildung eines besonderen M.begriffes (Ansätze 4Mkk 1216 1616), so doch zur Entwicklung eines reichen Motivkreises, an den die Kirche anknüpfen konnte (4Mkk 5–17). Er bezeugt zugleich die große Verehrung solcher Glaubenshelden aus religiösem und nationalem Interesse. Damit verbunden ist das Entstehen einer eigenen M.literatur in Form von Berichten, Legenden und Apokalypsen, zum Teil die älteren Prophetenschicksale verherrlichend (Dn 324ff 1Hen 472 Mart Js; Vitae prophetarum; vgl. H 1136ff).

NT

Die Vorstellung des Bekenners ist im NT und im Urchristentum eigentümlich geprägt durch Jesu Forderung entschiedenen Tat- und Wortzeugnisses (Mt 511 1028. 32 f p), dazu durch die österliche Erfahrung, mit der die Wahrheits- und Gottesfrage neu gestellt war. Die andauernde Verfolgungssituation fördert die Ausbildung des spezifisch-christl. M.begriffes. Schon die Apostel gelten als »Zeugen« des Auferstandenen (1K 1515), der selbst kraft seines Leidens als »treuer Zeuge« erstes Vorbild ist (Off 15 314 1T 613). Lukas verbindet Zeugnis und missionarische Verkündigung (Apg 18 315 1039 u.a.). Im joh. Schrifttum herrscht der Gedanke des prophetischen Geistzeugnisses vor (J 1527 1J 414), wobei sich bereits engste Berührungen mit der martyrologischen Zeugenauffassung, besonders in der Off (213 69 113 176 204) ergeben. Jedoch wird zwischen Wort- und Blutzeuge allgemein noch nicht genau unterschieden (vgl. 1P 51 1Cl 53ff). Erst mit dem Martyrium Polykarps (um 166 nChr) ist die Entwicklung abgeschlossen. – Das frühchristl. Denken verrät eine gewisse Martyriumsfreudigkeit (1P 413 2T 23 IgnTr 4, 2 R 61), lehnte aber den blinden Martyriumseifer ab (Eus IV, 15, 8). Der Wunsch, es dem Leiden Christi gleichzutun, lag zugrunde (vgl. Kol 124 IgnR 6, 3). Äußere Übereinstimmungen wurden oft hervorgehoben und angestrebt (Fürbittmotiv in L 2334 Apg 759 Eus II, 23, 16). Zum Teil umfaßte das Imitationsanliegen sogar äußere Umstände, was u.a. zur besonderen Schätzung des österlichen Martyriums führte (MartPol 4; 14, 2; Eus V, 24, 2ff). Überhaupt nahmen Bedeutung und Verehrung der M., die als Geistträger galten (vgl. Mt 1019 f 1P 414) und als Konfessoren Fürbitte für Abgefallene üben konnten (Tert. ad mart. 1), schnell zu. Das Martyrium wurde der Taufe für gleichwertig erachtet (= Bluttaufe; Tert. de bapt. 16). Ein grundsätzlicher Wandel der Martyriumsidee weg von der bedingungslosen eschatologischen Wahrheitszeugenschaft hin zum Heiligenkult war die Folge. Zugleich löste die Heiligenlegende die eigentümliche Literaturform der M.akte ab.
[Handwörterbuch: Märtyrer. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 4290
(vgl. BHH Bd. 2, S. 1157)

pfeilMatthäus    

Matthäus

(gr. Matthaîos; Matthanja 4.5), Apostel und Jünger Jesu, in den Apostelverzeichnissen des NT (Mt 103 Mk 318 L 615 Apg 113) an siebenter (Mk, L) bzw. achter (Mt, Apg) Stelle erwähnt. Mt 103 nennt ihn den »Zöllner«, und er ist nach diesem Ev identisch mit dem Zöllner, dessen Berufung in 99–13 geschildert wird. In den parallelen Berufungsgeschichten Mk 214ff und L 527ff heißt der Zöllner Levi. Nach diesen wäre die vom Mt behauptete Identität des Zöllners mit dem Apostel M. nicht richtig. Hat aber das Mt recht, dann muß der Zöllner beide Namen getragen haben (vgl. Simon Kephas). Man hat vermutet, daß der Name M. ihm als Apostel beigelegt worden ist. Nach einer anderen Vermutung sollte »Levi« als Beiname die levitische Abstammung des Zöllners bekunden. Nach altkirchlicher Überlieferung ist M. der Verfasser des Matthäusevangeliums; er habe das Mt auf hebräisch (d.h. aramäisch) für seine Volksgenossen in Palästina geschrieben. Ob M. als »Verfasser« in irgendeinem Sinne hinter dem ersten Ev steht, ist eine komplizierte Frage, die nur im Zusammenhang mit den vielen Fragen über die Entstehung der Evangelien zu losen ist ( Synoptische Evv, Matthäusev).
[Handwörterbuch: Matthäus. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 4328
(vgl. BHH Bd. 2, S. 1171)

pfeilMeer    

Meer

Geographisch:

In der Bibel werden das Mittel(ländische) M., das Rote M., das Tote M., das Galiläische M. (See Genezareth), das Adria-M, erwähnt (>Einzelartikel).

Symbolisch:
Das Urm. (die Tiefe, der Abgrund, Weltbild), a) als Urstoff (Gn 12), wobei die Bedeutungen »Welt«, »Völkerm.« verwandt sind (Off 1715); b) als böse Sphäre, häufig als Wohnort des gottfeindlichen Drachen (Js 519 f) oder als Sinnbild des Totenreiches (Ez 2619 f). Ähnliches kommt auch in äg., babylon., ugaritischer und klassischer Literatur vor. Manchmal werden diese Bedeutungen kombiniert, um feindliche Völker darzustellen (Js 1712 f). In den Evv ist möglicherweise das M. Symbol der Welt, entweder durch böse Mächte beherrscht (Mk 435ff p), oder als Gegenstand der christl. Mission (L 54ff J 211ff). In Mt 1422ff p wird der durch Christus besiegte Tod vielleicht durch das M. versinnbildlicht. In 1K 101 f wird das Rote M. allegorisch auf die Taufe bezogen.
[Handwörterbuch: Meer. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 4362
(vgl. BHH Bd. 2, S. 1181)

pfeilMeister    

Meister

(von Luther vielfach gebraucht), Handwerker oder Gelehrter.

Im AT meist ein Handwerker (hebr. harasch »Gießer, Hauer« u.a.), der Erz oder Holz bearbeitet (Gn 422 Js 4019 f), so auch einmal im NT (R 920).

Im NT sonst ein Lehrer (gr. didáskalos), gelegentlich ein jüdischer (J 310) oder ein christlicher (H 512), aber häufiger Jesus (Mt 819-J 2014). Im letzteren Fall entspricht es Rabbi (hebr. rabbi »mein Übergeordneter«), dem Titel der jüd. Gelehrten (Mt 237), der in volkstümlicher Weise als höfliche Anrede für den Täufer (J 326) und Jesus (Mt 2625-J 2016) gebraucht wurde. Lukas bringt einen gr. Ersatz (gr. epistátes »Vorsteher«) für diesen Titel (L 55–1713).
[Handwörterbuch: Meister. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 4383
(vgl. BHH Bd. 2, S. 1185)

pfeilMensch    

Mensch

(hebr. 'adam, 'enosch, gr. ánthropos).
Das hebr. Wort hat Kollektivbedeutung = M.en, der einzelne wird als ben 'adam bezeichnet.

1.

Er ist ein Geschöpf ( Kreatur) Gottes (Gn 127 Sir 1022 Apg 1726). Die Bibel kennt nicht den M.en überhaupt, weshalb das Abstraktum »M.« in der Bibel kaum begegnet. Auch Jesus wird nicht als Typ des »wahren M.en« angesehen. Die Bibel kennt nur den jeweils besonderen M.en. Sie kennt auch nicht den M.en, der distanziert nach seinem eigenen Wesen fragt, sondern nur den leidenden und handelnden M.en selbst. Darum stellt die Frage nach dem M.enbild der Bibel den Fragenden selbst in Frage.
So wie Gott für die Bibel nicht ein höheres Wesen ist, sondern der Herr, der den M.en beansprucht, so versteht auch der bibl. M. sich nicht als Naturwesen, als Teil des Kosmos (wie im Griechentum), als Produkt einer Entwicklung (wie in der modernen Naturwissenschaft), sondern in seinem Bezogensein auf Gott. Diese Tatsache erlaubt es, bei allen Differenzen im einzelnen von dem bibl. M.enbild zu sprechen. In dieser Tatsache ist auch die für die bibl. Hermeneutik wichtige Erscheinung begründet, daß theologische Aussagen der Bibel anthropologische Bedeutung haben – und umgekehrt. Ferner wird deutlich, daß die Bibel eine allgemeine wissenschaftliche Anthropologie weder ersetzen will noch kann. – Gilt auch in der Bibel als M. vorzüglich der Mann, so ist doch der Gedanke beherrschend, daß es in Christus weder Mann noch Frau gibt (G 328).
Grund der Bezogenheit des M.en auf Gott ist die Erkenntnis, daß der M. Gottes Geschöpf ist. Um des M.en willen ist die Welt geschaffen (Gn 28ff Ps 86ff). Der M. ist Herr der geschaffenen Erde und darin Gottes Ebenbild (Gn 126). Was der M. ist und hat, verdankt er Gott (1K 47). Sein rechtes Verhalten zu Gott ist darum demütiger Gehorsam (Jr 922 f Mi 68) und dankbares Vertrauen (Ps 146). Als Gottes Kreatur ist der M. eine Einheit. Die Differenzierung Fleisch Seele oder Leib – Seele – Geist erfolgt innerhalb dieser Einheit und bezeichnet die verschiedenen Aspekte, unter denen der eine M. gesehen werden kann: in seiner Vergänglichkeit (1Sm 1744 Ps 7839 Js 406 f); als Leben, Person (Gn 27 Ps 1464 Mt 1626); als verantwortliches, wollendes Wesen (Ps 5112ff Ez 1119) usw. Natürlich kann Fleisch auch einfach den Körper bezeichnen (Hi 25) und Geist den göttlichen Lebensodem (Ps 10429). Im NT sind die Begriffe Fleisch, Seele und Geist stellenweise, besonders bei Paulus, vom hellenist.-gnostischen Dualismus bestimmt (zB R 81–11), der den M.en in der Doppelheit irdischer und himmlischer oder teuflischer und göttlicher Substanz sieht, ohne daß sachlich im NT die Wendung zur Auflösung der kreatürlichen Einheit des M.en mitvollzogen wäre. Fleisch und Geist bezeichnen zB bei Paulus die möglichen Existenzweisen des M.en, der als Ganzer entweder Sünder oder Erlöster ist.

2.

Die Wirklichkeit der Beziehung zu Gott wird vom M.en her durch seine Sünde bestimmt. In der Sünde verliert der M. seine Eigentlichkeit, freilich nicht infolge eines moralischen Fehls oder wegen eines intellektuellen Mangels, sondern durch die schuldhafte Bestimmung seines Willens, wie Gott sein zu wollen (Gn 35). Der sündige M. nimmt sein Leben in seine eigene Hand und versucht, aus dem ihm Verfügbaren zu leben und so sein Leben zu sichern, statt sein echtes Leben in ständigem Warten auf die Begegnung mit Gott je gegenwärtig zu gewinnen. Paulus und Johannes, die das Wesen der Sünde am radikalsten erfassen, erkennen auch und gerade den Versuch des frommen M.en, durch eigene Gesetzesgerechtigkeit Anspruch und Ruhm vor Gott zu gewinnen, als Sünde. Der M., der in der Sünde sich selbst von Gott löst, bindet sich damit in die Ausweglosigkeit von Mühsal, Leiden und Tod (Gn 316–19 R 623).

3.

Diese negative Wirklichkeit der menschlichen Beziehung zu Gott wird von Gott durch die Erlösung aufgehoben. Gilt Gottes erlösendes Handeln im AT primär dem Volk, dessen Glied der Einzelm. ist, so gilt es im NT primär dem einzelnen, der als Erlöster dem eschatologischen Gottesvolk eingegliedert wird, ohne freilich aus seiner sozialen Bindung herausgenommen zu werden. Während im AT die Erlösung als zukünftig verheißen wird, wird sie im NT als in Jesus Christus geschehen verkündigt. Die Bedeutsamkeit Jesu kann dabei mittels gnostischer Begrifflichkeit in der Gegenüberstellung von Adam und Christus als erstem und letztem M.en ausgedrückt werden (R 512–21 1K 1545). Das Werk Christi, das in mannigfaltiger Weise und Terminologie beschrieben werden kann, befreit den M.en von seiner Sünde. Dem Glaubenden ist die Welt des Verfügbaren gekreuzigt (G 614); das Alte ist vergangen, der M. ist neues Geschöpf (2K 517); er ist von neuem geboren (J 33), mit Christus der Sünde gestorben (R 63–10) und der Auferstehung teilhaftig (1K 15). Er gewinnt die verlorene Zukunft zurück und ist in der Freiheit von der Sünde zugleich frei zu neuem Gehorsam. Dieser neue Gehorsam aktualisiert sich wesentlich in der Liebe zum Mitm.en, dem »Nächsten«. So wirklich diese Erlösung einmal und extra hominem geschehen ist, so ist sie doch kein Naturvorgang. Der M. muß seine neue Wirklichkeit im Gehorsam des Glaubens ergreifen (J 524 812) und stets neu verwirklichen (Ph 312 f G 51).
[Handwörterbuch: Mensch. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 4410
(vgl. BHH Bd. 2, S. 1191)

pfeilMenschensohn    

Menschensohn

(hebr. ben 'adam, aram. bar nascha, gr. hyiòs toû anthropou), semit. Ausdruck für einen Menschen als Individuum, bibl. auch ein Mensch im besonderen Gottesverhältnis oder eine als Mensch hervortretende Himmelsgestalt.

Im AT findet sich der Begriff zunächst neben »Mensch« dort an geführt, wo der Abstand zwischen Gott und Mensch betont wird (Nm 2319 Hi 256). »David« aber preist Gott für das Erlebnis einer gnädigen Aufhebung dieser Verschiedenheit (Ps 85 [in H 26–9 auf Jesus bezogen] 1443). Gott redet Hesekiel als seinen »Wächter« unter den Juden immer wieder mit M. an (Ez 21 u.ö., besonders 337 »du M., ich habe dich zu einem Wächter gesetzt über das Haus Israel«).

Das apokalyptische Judentum entwickelte letzteren Aspekt. In der Endzeit erschien dem Propheten Daniel aus den Wolken kommend der M. als Volksvertreter und Völkerbesieger (Dn 713 f); da sich daneben ein Engel mehrmals »gleich einem Menschen« offenbarte (Dn 815 1016. 18), war für Dn auch beim M. das Himmlische wesentlich, das Menschliche akzidentiell. In den Henochüberlieferungen tritt der zu Gott entrückte Henoch als M. im Sinne eines Vertreters der Gerechten auf (besonders 1Hen 37–71; diese Bildreden sind im Gegensatz zu anderen Teilen des 1Hen bei Qumran nicht gefunden worden, aber ihr Inhalt erscheint doch jüd.). Später begegnen Vorstellungen über einen göttlichen Urmenschen und Heilbringer (Philo, De opificio 134; De confusione 146; 4Esr 131–52). – Analogien aus der Religions geschichte sind manchmal angeführt worden (gnostische, mandäische, manichäische, pers.), da aber die Texte aus nachchristl. Zeit stammen, bleibt der Ein fluß des Heidentums auf jüd. und urchristl. M.vorstellungen nur eine unbestimmte Möglichkeit.

 

Im NT ist Menschensohn die charakteristische Selbstbezeichnung Jesu (Mt 820-J 1331), die außerhalb der Evangelien nur ein paarmal vorkommt (Apg 755 H 26 Off 113 1414). – a) Die theologische Forschung sieht den ntl. M.-Begriff heute fast ausnahmslos in engem Zusammenhang mit Dn 7, den Bildreden von 1Hen und 4Esr 13. Dort ist der M., unbeschadet der Unterschiede im einzelnen, eine Gestalt der Endgeschichte von noch größerer Hoheit als die Engel. Offen bleibt die Frage, ob die kollektive Deutung in Dn 718. 27 sekundär ist (Noth) oder konstitutiv (Manson), bzw. ob nicht individuelle und kollektive Deutung zusammengehören (Preiss). – b) Einige wenige Forscher (Eichrodt, Quispel) haben mit Recht auf die Wichtigkeit des Ausdrucks M. in Ez (passim) und in Ps 85 (Schlatter) hingewiesen. Dort ist die Bezeichnung zunächst eine Niedrigkeitsaussage und meint die Schwäche (Ez) bzw. die erdgebundene Menschenart (Ps 8) ihres Trägers. Nur wenn man diese Aussagenreihe, zu der noch einige Hiobstellen kommen (zB 256), neben die erste stellt, bekommt man Zugang zum ntl. M.-Begriff. – c) In den synoptischen Evangelien zählt man nach Abstrich der Parallelstellen 37 (39) M.aussagen. Der Begriff findet sich nur im Mund Jesu als die Selbstbezeichnung des Herrn. Die Belege sind im einzelnen von einer gewissen Differenziertheit. Man muß wahrscheinlich mit Bultmann zwischen Aussagen vom kommenden und solchen vom (zum Leiden) gekommenen M. unterscheiden. Die neuesten Untersuchungen stellen vor die Frage, ob nur die erste Gruppe (Toedt mit Vorgängern) oder eher die zweite (Schweizer) in der Verkündigung des historischen Jesus denkbar war. Die Antwort wird m. E. lauten: beide (gerade auch wenn man das unter b) Gesagte berücksichtigt). Künftige Hoheit bei seiner Parusie und gegenwärtige Niedrigkeit gehören beim M. zusammen. – d) In J 1–13 (12 Belege) und der trotz aller Besonderheit verwandten Stelle Apg 756 ist der Inhalt des M.titels den Synoptikern gegenüber leicht verschoben. Der Begriff der »Erhöhung« des M.es ist hier (abgesehen von J 527) an die Stelle der Parusie getreten, seine Doxa auch im Niedrigkeitsstand wird betont und auf seine Präexistcnz hingewiesen. Aber grundsätzlich findet man die gleiche Doppelheit von Hoheit und Erniedrigung wie bei den Synoptikern und wird bei einseitigem Ausgehen von der spätjüd. Apokalyptik (Schulz) dem Titel nicht überall gerecht. – c) Der M.begriff könnte übrigens, wie die kollektive Deutung (Taylor, Manson u.a.) zeigt, über die exegetische Forschung hinaus Bedeutung für die Ekklesiologie gewinnen, ja grundlegende Anstöße für die Dogmatik überhaupt vermitteln (Cullmann).
[Handwörterbuch: Menschensohn. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 4416
(vgl. BHH Bd. 2, S. 1193)

pfeilMessias Site in Bearbeitung   Messias
(gräzisierte Form des aram. moschiha, hebr. hammaschiah »der Gesalbte«).

Das Wort begegnet im AT nirgends als Bezeichnung für eine eschatologische Rettergestalt. Dieser Gebrauch findet sich erst im Judentum (außer in den Qumranschriften) in den PsSal (1732 185. 7) und 1Hen (4810 524), jedoch nur in Verbindung mit dem Gottesnamen oder mit einem auf Gott bezüglichen Personalsuffix. Der absolute Gebrauch ist mit Sicherheit erst im 1. Jh. der christl. Ära belegt (J 141 425 4Esr 728 f 1232 2Bar 293 301). – Daß man den Begriff M. im eschatologischen Sinne auf den König der Endzeit zu beschränken habe (so Mowinckel), steht nicht im Einklang mit der Erwartung zweier M.gestalten in Qumran, den verschiedenen messianischen Traditionen, die im NT durchschimmern (Friedrich), und ebensowenig mit dem nicht-eschatologischen Gebrauch des Begriffes im AT. Im letztgenannten Sinne konnten im AT Könige (Kyros Js 451), Priester und Propheten (so diese noch in den Qumranschriften!) als »Gesalbte« bezeichnet werden. Daß der Hohepriester als der rechtmäßige Erbe des Priesterkönigs erst nach dem Exil gesalbt worden sei, unterliegt ernstem Zweifel und ist überdies beim Nebeneinander der als ölsöhne bezeichneten Priester Josua und Statthalter Serubbabel gleich nach dem Exil (Sach 414) nicht wahr scheinlich. Die Salbung wenigstens bestimmter Propheten vor dem Exil ist gut bezeugt (1Kg 1916; vgl. Js 611). Daher dürfte die eschatologische Bedeutung des Begriffes M. als term. techn. für den Erlöser der Endzeit den dreifaltigen nichteschatologischen Gebrauch der Termini fortsetzen. Von einer M.erwartung wäre in dem Falle nicht mehr zu reden, wenn auch zu sagen ist, daß der königliche Gesalbte nachher als »der M.« schlechthin bezeichnet werden konnte. Die an bestimmte Kreise gebundenen messianischen Erwartungen scheinen je länger je mehr in eine Gestalt, und zwar in die des königlichen M., zusammengeflossen zu sein. Die anderen Gestalten werden dann erst noch zu Vorläufern des nunmehr einzigen M. degradiert (Mose, Elias).

Der Ursprung

der israelit. Heilandserwartung sei nach Ansicht der Wellhausen-Schule erst in nachexilischer Zeit zu suchen. Die in den Büchern der vorexilischen Propheten vorkommenden Heilsprophetien seien alle unecht, weil nicht im Einklang mit ihrer Gerichtspredigt. Von Gall konkretisierte diese Ansicht durch die Herleitung der Heilandserwartung aus dem Persertum. Dagegen verficht Greßmann den Gedanken, daß die eschatologische Hoffnung in Israel schon sehr alt sei (Am 518ff). Sie sei aus der altoriental. Eschatologie zu erklären. Doch haben Mowinckel, Dürr u.a. die Existenz einer solchen Eschatologie mit Recht abgelehnt. Die zur Unterstützung der These Greßmanns beigebrachten Belege aus der äg. und assyr.-babylon. Literatur beziehen sich nicht auf eine künftige Heilsgestalt bzw. Heilsära, sondern sind entweder als Äußerungen im Sinne des Hofstils oder als vaticinia ex eventu zu betrachten. Die meisten skandinavischen Alttestamentler suchen den Ursprung der israelit. Heils- und Heilandserwartung im Kult, bei dem der sakrale König als Mittler zwischen Gott und Menschen eine entscheidende Rolle gespielt habe. Im Völkerkampfmythus als demokratisierter Form des Götterkampfmythus widersetzten sich die Völker Jahwe und seinem Gesalbten. Dieser König ist der Urmensch, der »von alters her« ist (Mi 51). Damit verbindet man ebenfalls den Gedanken des Menschensohnes als Urmenschen und Urkönigs, während auch der leidende Knecht Gottes den beim Neujahrsfest repräsentierten Aspekt des leidendenden sakralen Königs aufweise. Dieser eindrucksvollen und in sich geschlossenen Theorie stehen folgende Bedenken entgegen: es ist sehr fraglich, ob der Alte Orient je eine gemeinsame kultische Grundlage (»common pattern«) gekannt hat, wie sie sich die Skandinavier vorstellen. Von dem Königtum ließe sich gegebenenfalls in Ägypten, aber nicht im mesopotamischen Raum reden. Daß Israel den sakralen König gekannt hat, unterliegt schweren Bedenken, weil wir dafür keine sicheren Beweise haben und das charismatische Königtum des Zehnstämmereiches sich überdies grundsätzlich von der erblichen Dynastie der Davididen unterscheidet. Vor allen Dingen ist die allgemeine, immer wieder aktualisierte und im zyklischen Denken verwurzelte Königsideologie nicht imstande, das historisch bestimmte Element des erwarteten eschatologischen Wendepunktes zu erklären. Daß somit die Eschatologie Israels aus dem Kult allein nicht zu verstehen ist, gesteht letzten Endes auch Mowinckel, wenn er Israels Gottesauffassung und den bestimmten geschichtlichen Charakter seiner Religion als Motiv für die Historisierung der kultischen Erwartungen aufweist. Dies »geschichtliche« Element ist nun jedoch grundlegend für den Glauben Israels vom Anfang her. Darum bringt man die Heils- und Heilandserwartung Israels wohl richtiger mit seinem Gott als dem in der Heilsgeschichte handelnden Herrn in Zusammenhang. Am Wissen, daß er auch in der Zukunft für sein Volk dasein wird, entspringt dann späterhin die Erwartung eines von ihm zur Erlösung beauftragten Gesalbten, die sich in mannigfacher Form in atl. und spätjüd. Zeit gestaltete und in den verschiedensten Kreisen den verschiedensten Ausdruck fand. Die M.erwartung ist daher eine spezifische Form und Konkretisierung der allgemeinen israelit. Heilshoffnung, ohne für die letztere eine unbedingte Voraussetzung zu sein. Viele Propheten und manche apokryphen und pseudepigraphischen Schriften erwähnen den M. überhaupt nicht.

Das sogenannte Protev (Gn 315) widersetzt sich einer messianischen Deutung, weil mit dem Weibessamen ein Kollektivum gemeint ist. Unter der Voraussetzung, daß nibroku passiv zu übersetzen ist, könnte man die Abrahams Verheißung (Gn 121–3) doch nur als indirekt-messianisch ansehen, insoweit alle Völker durch die Nachkommen des Erzvaters gesegnet werden sollen. Der Judaspruch im Jakobssegen (Gn 4910) ist, wenn sich hinter dem bisher ungedeuteten schilo ( Silo) eine Person verbirgt, nicht mit Sicherheit als vaticinium ex eventu auf David zu beziehen. Ebensogut könnte hier eine nicht näher genannte, tatsächlich erwartete Heilsgestalt gemeint sein. Dasselbe gilt vom Bileamspruch (Nm 2417). Die Deutung des »Sternes aus Jakob« bzw. des »Zepters aus Israel« auf David ist auf Grund der geweissagten Unterwerfung Moabs und Edoms zwar möglich, aber nicht gesichert. Daher erscheint die These, daß die israelit. M.erwartung an »die in der Rückschau glorifizierte Davidsgestalt geknüpft und in der Nathansweissagung (2Sm 7) gegründet« sei (RGG IV, 902), als fraglich, wenn auch zu betonen ist, daß David als Typos der erwarteten Erlösergestalt schon früh eine entscheidende Rolle spielt und der Chronist (1Ch 17) infolge der deuteronomistischen Überarbeitung von 2Sm 7 die Prophetie schon messianisch gedeutet hat. Von Haus aus ist 2Sm 712. 14 f jedoch ebensowenig im messianischen Sinne zu verstehen wie 2Sm 233 f. Bei Js unterliegt die Deutung der bekannten Immanuel-Prophetie (Js 714) auf eine messianische Gestalt ernstem Zweifel. Auf Grund von Js 818 bezieht sich das dem König Ahas geweissagte Zeichen wohl am ehesten auf das Kind, das als Träger des in seiner Bedeutung ambivalenten Namens Immanuel zugleich die Verkündigung von Gottes Heil und Gericht verkörpert. Daß hier die Geburt vieler Immanuele geweissagt sei, ist unwahrscheinlicher, während die als 'alma bezeichnete Mutter des Kindes eher die offenbar als Kultprophetin (nobi'a) wirksame Frau des Jesaja (Js 83) ('alma könnte kultischer term. techn. sein; vgl. Ps 6826) als eine Gattin des Königs sein dürfte. Erst als der Text später messianisch gedeutet wurde und LXX 'alma als parthénos übersetzte, ergab sich von selber die im NT bezeugte Erwartung der Jungfrauengeburt. Der Trauer des Volkes anläßlich der in den beiden Feldzügen Tiglatpilesers III. (734, 732) erfolgten Abtrennung der nördl. und östl. Gebiete Israels tritt der Prophet in Js 823–96 mit der Verheißung eines Friedefürsten entgegen, zu dessen Zeit nicht nur das Joch der Bedrückung gebrochen, sondern auch das lange ersehnte Friedensreich gekommen sein wird. Man braucht diese Prophetie Js ebensowenig abzusprechen wie die des Kapitels Js 11, wo der Aufstieg eines neuen Sprosses aus dem Wurzelstock des dem Untergang geweihten davidischen Königshauses geweissagt wird. Die zur Zeit dieses gerechten, von Gott mit seinem Geiste begabten Herrschers anbrechende Ära wird eindrucksvoll durch die Schilderung der Wiederherstellung des Friedens zwischen Mensch und Tier versinnbildlicht. Die an einen kommenden Davididen geknüpfte Erwartung wird ebenfalls in Mi 51ff, zwar in mehr national-partikularistischer Weise, ausgesprochen. Der zukünftige Herrscher wird aus Bethlehem Ephrat hervorgehen, ist aber zugleich mit den Tagen der Urzeit verbunden, womit die Legitimität aus uraltem Geschlecht hervorgehoben zu sein scheint. Er wird angesichts der drohenden (assyr.) Gefahr den Frieden wahren.
In den schicksalsschweren Tagen unmittelbar vor dem Exil hält auch Jeremia an der Erwartung eines idealen Herrschers aus dem Hause Davids fest, obgleich sie in seinen Prophetien nur verhältnismäßig selten anklingt. Als Gegenbild zu den schlechten Königen jener Zeit wird in Anspielung auf Zedekia ein echter Sproß Davids verheißen (semah saddiq), dessen Namen »Jahwe sidqenu« dem künftig durch Gott gewirkten Heil entsprechen wird (Jr 235ff). Der wohl nicht von Jeremia selbst stammende Abschnitt 3314–18 deutet diese Prophetie distributiv auf kommende Davididen, denen es, wie den levitischen Priestern, nie an Nachfolgern fehlen wird. Die öfters als nicht-jeremianisch bezeichnete Stelle Jr 309 spricht noch einmal vom König David, den Gott seinem Volke erstehen lassen wird. Auf ähnlicher Linie bewegt sich Hesekiel beim Bilde des »Reises vom Wipfel der hohen Zeder« (Ez 1722ff), das deutlich an Js 111ff und Jr 235 (3315) erinnert (vgl. auch Sach 38 612): das erniedrigte davidische Königshaus wird sich von neuem zu einer herrlichen Zeder entwickeln. Ez 3423 f 3724 f wird der erwartete Hirt des wieder vereinigten Volkes Israel und Juda ausdrücklich als »mein Knecht David« bezeichnet. Andererseits ist Ez 2132, wo die meisten Ausleger eine Anspielung auf Gn 4910 vermuten, wohl im Sinne einer Unheilsprophetie zu verstehen (»zur Zeit, da der kommt, dem das Gericht zusteht«, Zimmerli, BiblK).
Die Frage, ob man den leidenden Knecht Gottes in Deuterojesaja als M. bezeichnen darf, hängt, wenn die am Anfang dieses Artikels vorgeschlagene Definition des Stichwortes das Richtige trifft, nicht davon ab, ob er eine königl. Erlösergestalt ist, sondern ob er eine (eschatologische) Erlösergestalt ist.
Infolge der eschatologischen Naherwartung gleich nach dem Exil knüpfen sich die messianischen Erwartungen jener Zeit an die damals noch lebenden Personen aus dem Hause Davids. So heißt es in Hg 220–23, daß Gott nach der Unterwerfung der Königreiche, die Israel bedrängen, den im Jahre 520 als pers. Statthalter nach Jerusalem entsandten Davididen Serubbabel zum »Siegelring«, d.h. als M. einsetzen werde. Sach 414 sind in dem Nachtgesicht von dem Leuchter und den beiden Ölbäumen mit den dort erwähnten Ölsöhnen gewiß der Hohepriester Josua und der Statthalter Serubbabel als Gesalbte gemeint. Wie später in Qumran, finden wir schon hier die göttlichen Vertreter der priesterlichen und weltlichen Macht nebeneinander. Dementsprechend ist in dem nach Ansicht vieler Forscher später (als die an Serubbabel geknüpften Erwartungen nicht eintrafen) überarbeiteten Abschnitt Sach 69–15 von den beiden genannten Gestalten die Rede, von denen Serubbabel als »Sproß« (semah) bezeichnet wird (vgl. Sach 38; Jr). Ganz anderer Art ist die Schilderung des gerechten, demütigen und auf einem Esel reitenden Königs, die uns im wohl der nachexilischen Periode zugehörigen Text Sach 99 entgegentritt. Die Gestalt dieses Herrschers (10) unterscheidet sich in mancher Hinsicht von der heldenhaft gezeichneten Figur der vorexilischen Zeit. Die u.a. in Ps 72 einen gerechten König beigelegten Ideale spielen hier offenbar eine entscheidende Rolle. Der rätselhafte »Durchbohrte«, um den das Haus Davids und die Bürger Jerusalems Totenklage halten werden (Sach 1212), wird von einigen Gelehrten im Blick auf Sach 137 als eine im Sinne des dtjsanischen Knechtes Gottes die Sünden des Volkes büßende, leidende M.gestalt verstanden, aber diese Erklärung ist unsicher.
Mal kennt zwar die Erwartung eines Davididen nicht, aber möglicherweise sah die älteste Stelle (Mal 323 f), die von einer Wiederkehr des Elias redet, in ihm eine messianische Gestalt; so dürfte auch Sir, der ebenfalls sonst nichts vom davidischen M. weiß, Elias gesehen haben (Sir 4810). Auch der rätselhafte Taxo (Ass Mos 91) ist wohl am ehesten mit dem als priesterlichem M. verstandenen Elias zu identifizieren.

AT

Die schon im AT vielgestaltige M.erwartung findet auch im Judentum beredten Ausdruck. Geradezu klassisch ist in dieser Hinsicht PsSal 17–18 (1.Jh. vChr). Der Davidssohn hat die Aufgabe, Jerusalem von den Heiden zu reinigen und alle Gottlosen niederzuschlagen und in der heiligen Stadt ein Reich von Gerechten und Heiligen zu gründen. Die Völker wird er unter seinem Joch halten. Er selbst vollbringt dies in der Kraft des Herrn, ist rein von Sünde, voll des Heiligen Geistes und weise an verständigem Rat. Mit ihm bricht die Heilszeit an, in der er einen jeglichen in Werken der Gerechtigkeit leiten wird. In 4Esr 1137–121. 31–34 begegnet die gleiche Gestalt im Bilde eines Löwen, der durch sein Wort den Adler (das röm. Reich) zu vernichten scheint. 4Esr 728 1332. 37. 52 (vgl. 1Hen 1052) bezeichnet den M. als Sohn Gottes, anscheinend gemäß der eschatologischen Deutung von Ps 2 und 2Sm 714 a (die Erklärung der letztgenannten Stelle in diesem Sinne ist nun auch in den Qumranschriften belegt, 4 Q Florilegium; vgl. JBL '56, 176f). In der um einige Jahrzehnte später verfaßten und von 4Esr abhängigen Baruchapokalypse (2Bar, ungefähr 120 nChr) begegnet der M. einige Male in einem apokalyptischen Kontext (35–40 5310ff 69–74). Ebenso wie beim Menschensohn im 1Hen (mit dem der M. als Auserwählter identisch ist [4810 524]) wird in dieser Zeit die Präexistenz des davidischen M. am lebendigsten vertreten, während auch der Gedanke, daß dem Kommen der endzeitlichen Heilsgestalt eine schwere Zeit (»die messianischen Wehen«) vorangehe, öfters zum Ausdruck gebracht wird. Ganz nebensächlich erscheint der M. noch in 1Hen 9038 und Sib 3652–656. Die Samaritaner erwarteten als M. den in Dt 1815ff verheißenen Propheten wie Mose und nannten diesen ta'eb (»der Wiederkehrende«), später als »der Wiederhersteller (des Kultus)« gedeutet (J 425). Ihm werden neben prophetischen auch königliche Funktionen zugeschrieben (vgl. auch J 614 f). Bei seinem Kommen erscheint die Stiftshütte wieder auf dem Garizim und bekehren sich alle Völker zur samaritanischen Religion. Mit dem Hause Davids hat dieser M. aber nichts zu tun.
Von größter Wichtigkeit für die spätjüd. M.erwartung sind die durch die Funde beim Toten Meer bekanntgewordenen messianischen Vorstellungen der Essenersekte von Qumran. Diese von Hause aus priesterliche Gemeinde erwartete am Ende der Tage zwei M.gestalten (Sekt IX, 11 CDC XII, 23f XIV, 19 XX, 1 XIX, 10 f 4 Q Testimonia 9ff. 14ff), und zwar einen Hohenpriester aus Levi (den Aaroniden) und einen König aus Juda (den Davididen). Sie werden durchweg mit den Namen »M. von Aaron« und »M. von Israel« bezeichnet, freilich fast immer zusammen als die »(beiden) M. von Aaron und Israel«. Der priesterliche Gesalbte wird auch als »Lehrer der Gerechtigkeit« (CDC VI, 11) oder »Toraforscher« (CDC VII, 18 4 Q Florilegium 11) bezeichnet, der M. von Israel auch als »M. der Gerechtigkeit« (wahrer M.) (4 Q patriarchal blessings), »Fürst der (ganzen) Gemeinde« (CDC VII, 20 Milh V, 1 usw.) und »Sproß Davids« (4 Q Florilegium 11 usw.). Der endzeitliche Hohepriester ist dem königlichen M. überlegen. Jener ordnet im heiligen Krieg wider die Völker die Schlachtlinien (Milh XV, 5 f) und spricht die Segenssprüche (Milh XV, 5 XVI, 13f). Die ihm beigelegten Namen »Lehrer der Gerechtigkeit« und »Toraforscher« bezeugen seine belehrenden Aufgaben in der Endzeit. Von diesen messianischen Gestalten ist der erwartete Prophet (Sekt IX, 11) strengstens zu unterscheiden. Dieser erschien wahrscheinlich für die Sekte in der Gestalt des »Lehrers der Gerechtigkeit« (zu unterscheiden vom ebenfalls als »Lehrer der Gerechtigkeit« bezeichneten priesterlichen M.!), der als Vorläufer der beiden M. Mose-ähnliche Züge aufweist. Der mehrfach unternommene Versuch, in ihm eine messianische Gestalt zu sehen (in welche die Erwartung der beiden oben erwähnten M. zusammengeflossen wäre), dürfte mißlungen sein. Die Behauptung, daß die Qumrangemeinde seine Wiederkunft nach seinem Tode erwartet habe, bezieht sich auf eine falsche Interpretation von CDC VI, 11 (wo die Ankunft des messianischen Hohepriesters gemeint ist).
Eine der qumranischen M.erwartung ähnliche Heilshoffnung fand sich wahrscheinlich in einer Vorlage der heutigen Test XII. Merkwürdig ist auch die allerdings erst in rabbinischen Quellen aus dem 2. Jh. nChr belegte Erwartung eines im Kampfe mit den Feinden sterbenden M. ben Ephraim (bzw. ben Joseph), dessen Tod aber jeder Sühnecharakter fehlt. Er erscheint zusammen mit dem M. ben David. Wann und wie diese eigentümliche Vorstellung entstanden ist, entzieht sich bis heute unserer Kenntnis. Zu jüd. messianischen Bewegungen in den ersten Jahrhunderten der christl. Zeitrechnung Barkochba. Zur ntl. Messianologie Jesus Christus.


[Handwörterbuch: Messias. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 4457
(vgl. BHH Bd. 2, S. 1204)

pfeilMilch    

Milch

(hebr. halab, gr. gála),

in der Bibel von den ältesten Zeiten an erwähnt. Da man M. nicht frischhalten konnte, steht oft daneben oder statt dessen sogenannte Butter (hebr. hem'a), wohl geronnener Rahm, Quark (neben M. in Gn 188 Dt 3214 u.a.), was gelegentlich auch M. (Luther »Käse«) heißt (1Sm 1718). Man verwendete die M. von Ziegen (Ex 2319 Spr 2727), Schafen, Kühen (Dt 3214), nicht Kamelen. Gemolken haben die Hirten, die hauptsächlich von der M. lebten (bildlich in 1K 97). In ledernen Schläuchen aufbewahrt, wurde einem Gast die M. in einer Schale gereicht (Gn 188 Ri 419 525). Bei der Herstellung des Quarks schwenkte und preßte man den Schlauch (Spr 3033). In M. wurde auch gekocht, doch verbot das Gesetz, ein Böckchen in der M. seiner Mutter zu kochen (Ex 2319 3426 Dt 1421), was heidnische Kultsitte war (R. Dussaud mit Hinweis auf Ugarit).
Für die Nomaden lebenswichtig, galt M. auch nach der Landnahme neben Honig oder Wein als eine Köstlichkeit (Gn 4912 Ri 525 Js 551 Hl 411 51). Wie Abraham seinen Gästen M. bot (Gn 188), so wurde das Land der Verheißung als ein Land von M. und Honig gekennzeichnet (Ex 38-Dt 3120 Jos 56 Jr 115 3222 Ez 206. 15 Sir 468 Bar 120). M. und Honig wird es zu allen Zeiten geben, auch für den jungen Immanuel und die Übriggebliebenen des Landes (Js 715. 22). In der kommenden Glückszeit werden die Hügel von Wein und M. fließen (Jl 418). M. gehört andererseits zu den elementaren Lebensbedürfnissen (Spr 2727), wie Honig, Wein und Öl (Sir 3926). Als Kindernahrung versinnbildlicht M. Elementarunterricht (1K 32 H 512 f) und die Unschuld des von den Neugetauften empfangenen Wortes

(1P 22).
[Handwörterbuch: Milch. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 4503
(vgl. BHH Bd. 2, S. 1216)

pfeilMirjam    

Mirjam
(hebr. mirjam, gr. Mariam, lat. Maria).

AT

Eine der Gestalten um Mose, die wahrscheinlich einmal selbständige Größen mit eigener Tradition waren und nachträglich zu ihm in engere, durch verwandtschaftliche Bezüge ausgedrückte Verbindung gebracht wurden. In der ältesten Quelle ist M. Schwester Aarons (Ex 1520 f [J]). Spätere Überlieferung kennt zunächst Aaron und Mose als Brüder (Ex 414 [J] 71 [P]), dann als Söhne von Amram und Jochebed (Ex 620 [P]). Erst in der jungen Quelle Nm 2659 (P) ist auch M. deren Tochter und Schwester von Mose und Aaron. Dieser Befund macht die Identität M.s mit der anonymen Schwester des Mose (Ex 24) unwahrscheinlich. In alter Tradition gilt M. als Prophetin (Ex 1520 [J]), in prophet. Zeit neben Mose und Aaron als Führerin Israels (Mi 64). Die ursprüngliche Selbständigkeit der Gestalten wird durch Nm 12 (JE) nahegelegt. Dieses relativ frühe Stück weiß nichts von verwandtschaftlichen Beziehungen. Hier sind M. und Aaron verbunden durch ihren Protest gegen Mose wegen seiner Ehe mit einer Kuschitin, nach anderer Tradition durch ihren gemeinsam gegen ihn vertretenen Anspruch auf prophet. Autorität, als dessen Folge M. aussätzig geworden sein soll (vgl. Dt 249). Nm 201 (J?) nennt Kades als Grabstätte M.s. M.s Siegeslied.
[Handwörterbuch: Mirjam. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 4517
(vgl. BHH Bd. 2, S. 1219)

pfeilMission    

Mission

(hebr. Formen von schalah »senden«, gr. von apostéllo »aussenden«), Sendung.

Israel wußte sich als erwähltes Volk, stand aber den Völkern nicht in M.sverpflichtung gegenüber. Als Bote und Zeuge wird Israel »Licht der Völker« (Js 426) damit, daß es unter allen Völkern vom prophetischen Wort lebt und Gottes Lob singt, ohne unter die Völker »hinauszugehen«. Das Kommen der Heiden zu Israel in der großen Völkerwallfahrt ist das erwartete Geschehen der Endzeit (Js 23).

Mt 2315 zeigt, daß zur Zeit Jesu das Judentum missionarisch aktiv war. Dieser missionarischen Aktivität trat nach 70 eine eigentümliche Passivität gegenüber, in der man auf das spontane Kommen der Heiden wartete. Die M.spflicht galt erst dann, wenn Israel angegriffen wurde. Sie diente so der Selbstbehauptung Israels. Der Glaube an die Zukunft Israels als Volk trieb nicht zur M., sondern zur Festigung des eigenen religiösen Verbandes, zum synagogalen Sein. Die Aktivität des missionierenden Judentums ging in zwei Richtungen: in der Forderung gewisser religiöser Praktiken zum Halbjudentum und in der eigentlichen Aufnahme durch Beschneidung, Taufe, Opfer und andere Riten zum Volljudentum hin ( Gottesfürchtiger, Proselyt). Das Gesetz ist die eigentlich missionierende Größe (Jos. Apol. II, 280–284), der die einzelnen Menschen dienen. Als Ziel sah man vor Augen, die Heiden »unter die Flügel der schokina«, d.h. in den Schutzbereich des thronenden, erscheinenden, wohnenden und redenden Gottes zu bringen.

Jesus wußte sich mit den Zwölfen als Repräsentanten des auserwählten Volkes zu Israel gesandt (Mt 106 1524). Er sah aber gleichzeitig die Heiden zu Israel kommen (Mt 811 f p). Er selber ließ sich im heidnischen Lande durch den Glauben einer Heidin überraschen (Mt 1528 p). An ihr wurde ihm deutlich, daß die M. nicht immer zentripetal bleiben, sondern zentrifugal werden wird. Jesus ging im Blick auf Samaria und die Heiden seinem Tod in Jerusalem entgegen, von wo sich das Heil den Heiden zuwenden wird. So war Jesus Partikularist und Universalist in Hoffnung. Diese Sicht wird bestätigt durch die Gleichnisse von den bösen Weingärtnern und vom Gastmahl (Mt 2133–2214). Jesus sah das Volk aus den Heiden vor Augen, das Frucht bringen wird (J 436). Seine Jünger werden zur Wachsamkeit im missionarischen Dienst aufgeboten. Die Nähe des letzten Tages läßt sie emsig und gelassen missionarisch arbeiten. Durch ihre Verkündigung sollen alle Völker zur Umkehr gerufen werden. Die Jünger werden ins Leiden kommen in der ganzen, im Bann Satans liegenden Ökumene, auf die Rom seinen universalen Anspruch erhob (Mt 2414Die Weltm. wird keine Bedingung und kein Vorzeichen des Endes sein, sondern ein Geschehen der in Gang gekommenen Endzeit selber, auf die hin Jesus im Abendmahl zeichenhaft sein Leben für die Völkerwelt hingab (Mt 2628 p).

NT

Alle Berichte des NT stimmen mit der Tatsache überein, daß die Jünger Jesu nicht von sich aus dazu kamen, die frohe Botschaft von Jesus Christus und seiner Auferstehung ihren jüd. Brüdern mitzuteilen, geschweige denn, daß sie des Glaubens hätten werden können, es sei ihre Sache, über den Raum Israels hinaus (Mt 106) das Evangelium zu den Heiden zu tragen. Es war der Auferstandene selber, der den universalen M.sbefehl gab (Mt 2819). Die Korneliusgeschichte macht deutlich, daß die Initiative zur Heidenm. ganz von Gott ausgeht (Apg 103ff). Paulus wurde auf dem Wege nach Damaskus zum »Werkzeug der Erwählung« bestimmt (Apg 915). – b) Entsprechend der Freiheit, in der sich Gott im Auferstandenen und durch seinen Heiligen Geist den Menschen erschloß, um sie zum Zeugenamt für seine sich offenbarende Herrlichkeit zuzurüsten, gestaltete sich auch die Durchführung der M. Die nach der Steinigung des Stephanus Zerstreuten verkündigten spontan das Wort (Apg 84). Dies geschah in Samarien (Apg 85ff), in Galiläa (Apg 931) und Antiochien (Apg 1120). Neben die spontane Verkündigung an die Juden, Samariter und Heiden trat die bewußt von der Gemeinde in Antiochien in die Hand genommene M. (Apg 131–3). Die evangelistisch, missionarisch und diakonisch aufgeschlossene Gemeinde (Apg 1122–30) erkannte ihre über die Gemeindegrenzen hinausgehende missionarische Verantwortung. Sie stellte Barnabas und Saulus der bestimmten Aufgabe zur Verfügung, die sie zugunsten des Heiligen Geistes (Apg 132) in der Macht der Gnade (Apg 1426) zu erfüllen hatten. Das M.swerk erweiterte sich (Apg 1539 f). Die paulinische M. löste sich mehr und mehr von der Heimatbasis Antiochien. Paulus wollte aber nie ein Missionar auf eigene Faust sein, sondern, wie die Mitnahme des Jerusalemiten Silas (Apg 1540) und die Veranstaltung der Kollekte für die Gemeinde zu Jerusalem (2K 91) es bezeugt, stets in der heilsgeschichtlichen Verbindung mit Jerusalem und in dem ihm zugewiesenen und sich stets nach außen erweiternden Arbeitsgebiet (2K 1013–16) ein bewegter Ökumeniker des 1.Jh.s bleiben. Schließlich trat zur spontanen und zur organisierten M. die missionarische Werbung durch das gehorsame Christenleben hinzu (1P 211 f 31 f). – c) Der christl. M. erstanden Gegner mannigfacher Art: nicht nur gewinnsüchtige Herren (Apg 1619 1923ff), nicht nur die um ihre politische Ruhe besorgten röm. Bürger Kleinasiens (Apg 1620 176 245), nicht nur die Juden, die ihren Erwähltheitsglauben durch die Botschaft vom Messias Jesus bedroht sahen (Apg passim) und von Paulus als M.sgegner erlitten wurden (1Th 216), nicht nur häretische Synkretisten wie Simon Magus und Elymas (Apg 810 138), sondern auch die auf ihre ekstatischen Erleuchtungen sich stützenden »Überapostel« in Korinth (2K 1211), die statt Jesus Christus sich selber verkündigten (2K 45), die Judaisten, die das verkündigte Evangelium durch ein darübergestülptes Gesetz verdunkelten (G 16), und vor allem die faul (Jk 214) und mutlos (H 1212) werdende Gemeinde, die meinte, weil die Welt unter der Macht Satans liege, könnten weder sie noch die Heiden zum Glauben kommen (Freer Logion Mk 16). Dieser mannigfachen Gefährdung der christl. M., die ihre Konzentration im Satan als dem eigentlichen M.sgegner (1Th 218 2Th 29 2K 127) findet, ist das »ewige Evangelium« gewachsen, das universal als Angebot zur Umkehr der Engel verkündet (Off 146) und das im Bild des Reiters auf dem weißen Pferd zum Sieg in der Welt kommen wird (Off 62). – d) In bezug auf das Ziel hat es Paulus in seiner M.sarbeit wohl auf Gründung von Gemeinden abgesehen (1K 36), von denen er missionarische Mitarbeit erwartet (1Th 18 2K 106). Über jede Kirchenpflanzung hinaus, ja, gerade damit wollte er nichts anderes tun denn als Priester Christi Jesu dem bald kommenden Herrn die Völker als Opfergaben entgegentragen (R 1516 Ph 217). Paulus sah die Heidenm. als das an, was die Offenbarung des Antichrists noch aufhält (2Th 26) und was die Rettung von ganz Israel nur hinausschieben, aber nicht hindern kann (R 1126). – Johannes will mit seinen Aussagen von der Sendung des Sohnes in die Welt und der Sendung der Jünger betonen, daß das Evangelium von Jesus Christus weder in einer jüd. Sekte noch in einer hellenist. Mysterienreligion haltmacht, sondern von Haus aus darauf angelegt ist, in die von Gott geliebte Welt hineinverkündet zu werden, wobei die mit dem Heiligen Geist begabter Jünger die autorisierten Boten Jesu sind, die die Vergebung vollmächtig auf Glauben hin anzubieten haben (J 2021–23).
[Handwörterbuch: Mission. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 4533 ff
(vgl. BHH Bd. 2, S. 1225)

pfeilMittler    

Mittler

(neuhebr. sarsor »Unterhändler«, gr. mesítes »Mittelsperson«), ein Wesen menschlicher oder göttlicher Herkunft, das zwischen Gott und Mensch eine Verbindung vermittelt.

Religionsgeschichtlich gehören zu menschlichen M.n bei den Naturvölkern Zauberer, Medizinmänner ( Zauberei) und Priester. Auch die religiöse Bedeutung des Königs ( Ägypten Abb. 4, Isis, Moab Abb. 1, Prozession) und die nachträgliche Verehrung der Religionsstifter sind in diesem Zusammenhang zu sehen. Zu göttlichen M.n zählen halbgöttliche Heroen, die Inkarnationen Vischnus in Indien, Mithras sowie die Amesha Spentas der Parsen und die Hypostasen der gnostischen Religionen. In Ägypten haben »mittlere« Gottheiten die Aufgabe, Himmel und Erde schützend auseinander zu halten.

Das AT

hat keinen eigenen M.-Begriff, kennt aber verschiedene M.-Gestalten. An Jahwes Stelle redet und handelt der Engel Jahwes (Gn 2117 2211. 15 f; Engel, Boten). Weniger M. als Hypostase Gottes ist die Weisheit (Spr 8). In einmaliger Weise ruft Hiob den wahren Gott gegen den Gott des Dogmas als M. an (ThW IV, 614, 12ff). Die Funktion des M.s besteht im AT in der Vermittlung des Gotteswortes. Das gilt außer von dem Propheten auch vom
Priester. Die M.-Rolle des Königs tritt darum zurück (vgl. aber Messias). Zwei M.-Gestalten stehen im Vordergrund: Mose und der Gottesknecht. Mose ist mehr als ein Prophet (Ex 416), kann Jahwe ertragen (Ex 1920), direkt mit Jahwe reden (Ex 3311). In der Fürbitte tritt er (wie andere Propheten auch) zwischen Gott und das Volk (Ex 3232; vgl. Jr 716 Am 72. 5). Als Gesetzgeber ist Mose späteren Zeiten der M. schlechthin. Anzeichen dafür gibt schon das Mosebild des Dt. – Der Gottesknecht in Dtjs ist bestimmt, ein »Licht der Völker« und so ein »Bundes-M.« (so die Zürcherbibel sachlich richtig: Js 426 496. 9) zu werden. Sein stellvertretendes Leiden (Js 53) zeigt wohl den Höhepunkt dieser Seite des atl. Glaubens.

Erst das Judentum hat einen eigenen Terminus für M. gebildet (Unterhändler), den die Rabbinen fast ausschließlich für Mose verwenden. Daß Mose der Verm. zwischen Gott und dem Volk ist, gilt für das ganze Judentum (zB AssMos 114: »M. des Bundes Gottes«). Unter den Engeln nimmt Michael eine M.rolle ein, indem er Fürsprache für das bedrängte Volk einlegt (1Hen 89, 76, Test Dan 6, 2, Milh XVII, 6, Sekt III, 24). Übrigens gewinnt auch der Hohepriester (obwohl vor allem Führer der Priesterschaft) in ntl. Zeit an Bedeutung als M. (Sühne vermittelnd, ThW III, 268f).

4. Im NT findet sich der Ausdruck M. in G 319 f (die M.schaft Moses negativ wertend), dreimal in H als »Variante zum Begriff des Hohenpriesters« (H 86 915 1224: immer ist Jesus der »M. des Bundes« = Verm. und Bürge des Heils, der Erlösung; vgl. H 722) und schließlich in 1T 25. Aber Jesus Christus gilt im NT auch sonst als M. schlechthin (R 324 f 512ff 1K 86 Kol 116 Apg 412). Ob Jesus selber sich schon als M. verstanden hat, hängt für uns weitgehend an der Beurteilung des Titels »Menschensohn«. Fürsprecher.
[Handwörterbuch: Mittler. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 4551ff
(vgl. BHH Bd. 2, S. 1228)

pfeilMord    

Mord

(hebr. hereg, qetel, gr. phónos), in der Bibel verschieden beurteilt.

Das AT kennt den M. vor allem als Mittel zur Erledigung des politischen Gegners; was sich m dieser Beziehung bereits zur Richterzeit findet (Ri 316–30 417–21 und 524–27 95), tritt vermehrt in den dynastischen Auseinandersetzungen unter den Königen – in Israel viel stärker als in Juda – hervor. Mitunter scheute ein Mächtiger vor dem M. nicht zurück, um gewisse persönliche Ziele zu erreichen, wie Joab gegen Abner und Amasa (2Sm 327 207–10) und David gegen Uria (2Sm 11. 12; vgl. auch Neh 61–14). In Ex 2113 Nm 3521 Dt 194 ist je vorausgesetzt, daß auch Feindschaft bzw. Rivalität im alltäglichen Bereich (bei gewöhnlichen Menschen) im M. enden konnte, wofür Kain der geltende Typus ist (Gn 4; vgl. 2Sm 1323–29 Jr 1118–23). – Vom freiwilligen Wegwerfen des Lebens berichtet das AT nur selten (1Sm 314 f 2Sm 1723). – Das AT unterscheidet den Mörder, d.h. den, der vorsätzlich tötete, klar vom Totschläger, der es unvorsätzlich tat. Trifft den ersteren unbedingt die Todesstrafe, so steht dem letzteren als Zuflucht vor dem Bluträcher ein Heiligtum oder eine Freistadt offen (Ex 2112 f Lv 2417 Nm 35 Dt 441–43 194–6 Jos 20, Asylie). Das 6. Gebot hat es weder mit Töten im allgemeinen noch speziell mit dem M. zu tun, sondern mit dem unerlaubten, gemeinschaftswidrigen Griff nach dem Leben des Nächsten (Ex 2013 Dt 517).

Das Judentum fand es gelegentlich noch richtig, M. zu rächen (1Mkk 942). M. wurde andererseits in Lasterkatalogen zur Kennzeichnung des Götzendienstes angeführt (Wsh 1425). Ebenso wurde der Begriff moralisch erweitert, so daß Härte gegen Arme als M. galt (Sir 36 [34] 25 f).

Im NT findet sich zunächst eine ähnliche Begriffserweiterung, indem die Bergpredigt jeden Zorn gegen die Menschen als strafbaren M. darstellt (Mt 522), woran auch spätere Briefe festhalten (Jk 42 1J 315). Ferner wird M. zu den Lastern gerechnet, deren Quellen das böse Herz (Mt 1519 p), der Götzendienst (R 129) und das Fleisch (G 520) sind. Es geht allgemein um gewaltsame Selbstbehauptung; M. wird folglich auf den Teufel zurückgeführt (J 844).


[Handwörterbuch: Mord. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 4584ff
(vgl. BHH Bd. 2, S. 1237-1238)

pfeilMose    

Mose

(hebr. mosche, gr. Mo[y]sês), Israels Führer beim Auszug aus Ägypten und während der Wüstenwanderung; charismatisch-prophetischer Gesetzgeber und Begründer der Religion und der Bundesamphiktyonie Israels. Der Name stammt aus Ägypten (äg. mos »Sohn«); er ist Bestandteil von Namen wie Ahmosis, Thutmosis.

In den Büchern Ex bis Nm werden die M.überlieferungen hauptsächlich von den Quellen J und E getragen; P hat weiteres Material hinzugefügt. Ungeachtet der Unterschiede im Detail bieten die Quellen folgenden allgemeinen Aufriß:
Ex 1–18: M. wurde in Ägypten geboren und von der Tochter des Pharao aufgezogen. Als er einen Ägypter, der einen Hebräer schlug, totgeschlagen hatte, floh er nach Midian und heiratete dort die Tochter des Priesters Reguel (Jethro). Bei einer Theophanie am Berge Horeb (Sinai) befahl ihm Jahwe, zurückzukehren und Israel aus Ägypten herauszuführen. Erst nachdem eine Reihe von Plagen über Ägypten gekommen war, gab der Pharao seinen Forderungen nach; M. führte daraufhin Israel an das Rote Meer ( Auszug), wo es auf wunderbare Weise vor dem Heer des Pharao gerettet wurde ( Farbtaf. 1), und dann zum Berge Sinai (Taf. 55b). Dort (Ex 19 bis 24. 32–34: JE) übermittelte er Israel den Jahwebund und gab das Gesetz (Dekalog und Bundesbuch, Ex 20–23. 34). Die Quelle P (Ex 25–31. 35–40 Lv Nm 1–9) läßt M. beim gleichen Anlaß dem Volke auch seine Opfergesetze und zahlreiche andere Kultusbestimmungen geben. Nm 10–36 setzt die jehowistische Erzählung, mit Material aus P angereichert, fort. Demzufolge führte M. Israel nach Kades, wo das Volk, bestürzt über den Bericht der Kundschafter, die man nach Kanaan vorausgeschickt hatte, gegen Jahwe rebellierte und daraufhin zu 40jähriger Wanderschaft durch die Wüste verdammt wurde ( Wüstenzug). Auf diesem Zuge führte sie M., dem Gott das verheißene Land selber zu betreten versagt hatte (Nm 20), bis sie schließlich an das östl. Jordanufer gelangten. Hier starb M. (Dt 34 D P), nachdem er (wie das Dt berichtet) in einer Reihe von Ermahnungsreden Israel erneut das Bundesgesetz übermittelt hatte. – Da M. in J (10.Jh.) und E eine solche zentrale Gestalt ist, und da die Grundlage dieser Quellen wahrscheinlich in der vormonarchischen Periode Israels entstanden ist, muß M. schon früh eine überragende Rolle in der Tradition gespielt haben. Doch wird er außerhalb J und E in frühen Quellen selten erwähnt (Ri 116 411 1830 2Kg 184 Hos 1214 [implizit] Mi 64 Jr 151). Seit dem dtn. Geschichtswerk (6./7. Jh.) werden Erwähnungen des M. und »des (Buchs des) Gesetzes M.« häufiger, in noch späterer Zeit sehr häufig.


Die histor. Bedeutung M. und seines Anteiles an Israels Religion ist allerdings umstritten. Frühere Kritiker, die wußten, daß die Schriften des Pentateuch Jahrhunderte nach den tatsächlichen Ereignissen verfaßt worden waren, und die zu der Ansicht kamen, daß die meisten Züge der mosaischen Religion, wie sie in ihnen beschrieben waren, Anachronismen seien, neigten zu einer negativen Einschätzung; einige bezweifelten sogar, daß M. überhaupt gelebt habe. Heute ist wieder eine positivere Vorstellung vom ältesten Israel und seiner Religion möglich. Man erkannte, daß in manchen Fällen die Traditionen viel älter sind als die Dokumente, in denen sie ihre schriftliche Fixierung erfuhren; formkritische Studien haben auch für einen beträchtlichen Teil des Traditionsmaterials (Gedichte, Lieder, Gesetze, Glaubensbekenntnisse) einen »Sitz im Leben« im 10.Jh. und früher ermittelt. All das hat, zusammen mit der Entdeckung des Wesens der Amphiktyonie (Noth), zu der Einsicht geführt, daß Israels normative Institutionen und die Hauptzüge seiner Religion in ihrer Eigenart schon vor der Zeit der Monarchie da waren. Dennoch bleibt die M.gestalt ein Problem. Die Überlieferungen haben, auch wenn sie alt sind, eben doch eine verwickelte Traditionsgeschichte durchlaufen und stehen jenseits histor. Kontrollierbarkeit. Der histor. Vergleich zeigt zwar, daß die M.traditionen in groben Umrissen (und in verschiedenen Einzelheiten) sehr wohl in das 13.Jh. hineinpassen, wirft aber kein unmittelbares Licht auf die M.gestalt selbst. So sind die histor. Urteile über M. sehr unterschiedlich. Einige Forscher (Noth, v. Rad, Koch), die Exodus- und Sinaitradition scheiden und der Auffassung sind, daß Israel sich erst in Palästina konstituierte, weisen M. eine ziemlich unbedeutende Rolle zu. Noth, der im Pentateuch fünf voneinander unterschiedene Themenkreise findet, meint, daß M. in den Exodus- und Sinaiereignissen keinen ursprünglichen Platz hat, aber beim Thema »Einwanderung nach Palästina« eine – schwer bestimmbare – Rolle gespielt habe; er betrachtet M. in keiner Weise als Begründer Israels. Andere (Albright u.a.) dagegen unternehmen zwar keine detaillierte Rekonstruktion des Lebensweges M.; da die Tradition aber ein im Ganzen authentisches Bild liefert, halten sie es doch für angemessener, M. im Einklang mit der Tradition sowohl als Führer der Israeliten beim Exodus und durch die Wüste als auch als Begründer ihrer normativen Religion und ihrer Amphiktyonie zu betrachten.

Judentum

Je höher das Judentum das Gesetz achtete, desto mehr verehrte man auch M. Er galt als inspirierter Verfasser des Pentateuchs, als Mittler des geschriebenen und mündlich tradierten Gesetzes; man schrieb ihm Präexistenz, Vollkommenheit und Endgültigkeit zu. Von Gott und Menschen geliebt, den Engeln gleichgeachtet (Sir 451ff), als Anwalt für Israels Sünden verehrt, galt M. (nach Dt 1815) als der Prophet, dem Gott all seine Ratschlüsse offenbart hat (Jub 14. 26 AssMos). Einige erwarteten, daß der zum Himmel aufgefahrene (Ap Bar 591ff) M. selbst (Mk 94ff) oder doch »ein Prophet wie M.« (J 121 u.a.) am Ende der Zeiten wiederkehren werde. Philo stellte fest, daß gr. Philosophen M. ihre Weisheit verdankten. – Das NT erwähnt M. achtzigmal: als Geber des Gesetzes – das freilich nicht in allen Stücken Gottes ewigen Willen repräsentiert – (Mk 104ff); als Antitypos Christi (J 117 632ff); als Propheten, der von Christus geweissagt hat (L 2427. 44ff J 145) und der ihn in seinem Amt präfigurierte (H 32ff 1123ff).

NT

Im NT gilt Christus als der erwartete eschatologische Prophet (Dt 1815-Apg 322ff 737ff).
[Handwörterbuch: Mose. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 4602ff
(vgl. BHH Bd. 2, S. 1242)

pfeilMund    

Mund

(hebr. pe, gr. stóma), vor allem das Organ des Redens ( Lippe, Zunge), auch in bezug auf Gott (Js 405 Mt 44). Den M. öffnen (Nm 2228 Hi 3516 Mt 52 L 164) heißt sprechen, ihn schließen (Hi 516 R 319) oder die Hand auf ihn legen (Ri 1819 Hi 215), schweigen oder verstummen. Redet ein Mensch für einen anderen (Ex 416) oder für Gott wie der Prophet (Jr 1519 L 170 Apg 318), so ist er dessen M. Man redet von M. zu M., d.h. unmittelbar zu jemandem (Nm 128), oder ist »eines M.es«, d.h. einmütig (Jos 92 R 156). Der M. bedeutet geradezu Redegabe (L 2115) oder Wort (Dt 176 Mt 1816). Wie ein Zusammenhang zwischen Herz und M. besteht (Js 2913 Mt 1234 1518 R 108ff), so kann er Schlechtes oder Falsches reden (R 314 E 429 Kol 38). – Der M. ist ferner das Organ des Essens (Gn 411 Ps 2214). Daher rührt der Ausdruck »M. (Schärfe) des Schwertes« (Gn 3426 Jos 1028 L 2124 H 1134; vgl. Off 116 216), weil das Schwert das Fleisch frißt (Dt 3242). Auch die Waffe oder der Hauch des M.es können die Funktion des Schwertes übernehmen (Js 114 2Th 28). Als in das Körperinnere führende Öffnung dient der M. zum Bild für den Eingang einer Stadt (Spr 83), einer Höhle (Jos 1018) oder eines Brunnens (Gn 292).

[Handwörterbuch: Mund. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 4630
(vgl. BHH Bd. 2, S. 1249)

pfeilMündig

  unmündig

   

Mündig, unmündig

(gr. nepios), Begriff des hellenist. Erbrechts, von Paulus verwendet (G 41–3): der U.e hat noch keine Verfügungsgewalt über sein Erbe, den Zeitpunkt der M.keit bestimmt der Vater. Allgemein ist aber der U.e aufgeschlossen und daher bevorzugter Empfänger von Offenbarung und Heil (Mt 1125 183 2116; vgl. Ps 198 119130 Wsh 1021); vgl. arm, niedrig, töricht usw. in entsprechendem Zusammenhang. Andererseits wird von den Gemeindegliedern geistliches Wachstum bis zur Vollkommenheit erwartet (1K 1311 E 413 f H 513ff).
[Handwörterbuch: Mündig, unmündig. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 4631
(vgl. BHH Bd. 2, S. 1249)
http://www.digitale-bibliothek.de/band96.htm ]

pfeilMut    

Mut

(hebr. leb »Herz«, nephesch, ruah »Seele«, gr. in 2Mkk 1517 euandreía »Männlichkeit«, im NT thársos, auch eúthymos »guten M.s«; Luther außerdem für vielerlei Ausdrücke), nach bibl. Verständnis nicht bloß die heldenhafte (Jos 211 2Mkk 1517), sondern auch eine friedliche und zugleich wagende Gesinnung als Gottes Gabe (Hg 25 Sach 815 Apg 2736). Die Verkündigung des Gottessohnes befreit die Menschen von Angst, gibt ihnen Freude und Zuversicht (Mt 92 J 1633) und führt sie weiter zum Wagnis der Evangelisation (Apg 2311); die Liebe Gottes erfüllt mit M. (2K 1210 H 136).
[Handwörterbuch: Mut. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 4658
(vgl. BHH Bd. 2, S. 1262)

pfeilMutter    

Mutter

(hebr. 'em, gr. meter).

AT

Sie nahm in Israel eine angesehene Stellung ein, besonders wenn sie zahlreiche Kinder hatte (Ps 1139). Nach dem Dekalog sollte das Kind auch die M. ehren (Ex 2012); die Kinder waren der M. dieselbe Ehrfurcht wie dem Vater schuldig (Ex 2115. 17). Gelegentlich wird die M. vor dem Vater genannt (Lv 193 212), was jedoch nicht auf M.recht (Matriarchat) hinweist. Seine M. zu betrüben, ist töricht (Spr 101 1725). Eine verheiratete Frau konnte auch politisch eine leitende Stellung einnehmen, wie Debora (Ri 44), die eine M. in Israel genannt wird (Ri 57). Das Bild der M. kann für eine große Stadt gebraucht werden (2Sm 2019), oder das geliebte Volk kann als eine M. bezeichnet werden, und die einzelnen sind da ihre Kinder (Hos 24 Js 501 Jr 5012 Ez 232).

Das NT zeigt größte Ehrfurcht vor der M.schaft besonders dadurch, daß der Gottessohn von einer menschlichen M. geboren wurde (L 126 1T 215). Jesu Fürsorge für seine M. dauerte bis ans Kreuz (J 1927). Gleichwohl werden durch Jesus die natürlichen Familienbande wegen der neuen Gemeinschaft zwischen dem Herrn und seinen Jüngern gesprengt (L 1127 f). Wer den Willen des Vaters im Himmel tut, der ist M., Schwester und Bruder Jesu (Mt 1248ff).
[Handwörterbuch: Mutter. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 4659
(vgl. BHH Bd. 2, S. 1262-1263)

pfeilMutterleib    

Mutterleib

(hebr. rehem, auch für Mutterliebe; beten, auch für Leib und Inneres ;gr. koilía, ebenso auch für Leib und Inneres), die Gebärmutter, in der sich ein Kind bis zur Geburt entwickelt (Gn 2523 Wsh 71 L 141). Der gewöhnliche Ausdruck »von M. an« betont die Ursprünglichkeit (Hi 311 Apg 32). Über anatomische Verhältnisse wußte man wenig (Prd 115). Betont wird nur das Wunder, daß Gott das Kind im M. formt (Hi 3115 2Mkk 722). Auch göttliche Berufung und Geistmitteilung haben im M. begonnen (Ri 135 Js 491 Jr 15 L 115), bei Jesus sogar vorher (L 221).
[Handwörterbuch: Mutterleib. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 4661
(vgl. BHH Bd. 2, S. 1263)

 
 

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