kreuz

Start

Über Uns

Kontakt

Impressum

 
 
Wissen - J

Wissen Jugend
 
 
   
   
Auf diesen Seiten findest du, alphabetisch sortiert, Erläuterungen zu biblisch-historischen Fachbegriffen.
   
   
A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z  
   
   
   

Stichwort

Bibeltext

Erklärung
Jakob
Jerusalem
Jesus
Johannes
Josua
Jünger
Jungfrau

Jakob entgegnete seinem Vater: Ich bin Esau, dein Erstgeborener. Ich habe getan, wie du mir gesagt hast. Setz dich auf, iss von meinem Wildbret und dann segne mich!

 

Gen27,27-29

Er trat näher und küsste ihn. Isaak roch den Duft seiner Kleider, er segnete ihn und sagte: Ja, mein Sohn duftet wie das Feld, /
das der Herr gesegnet hat.
Gott gebe dir vom Tau des Himmels, /
vom Fett der Erde, viel Korn und Most.
Dienen sollen dir die Völker, /
Stämme sich vor dir niederwerfen, /
Herr sollst du über deine Brüder sein. /
Die Söhne deiner Mutter sollen dir huldigen. /
Verflucht, wer dich verflucht. /
Gesegnet, wer dich segnet.


Gen49,1
Darauf rief Jakob seine Söhne und sprach: Versammelt euch, dann sage ich euch an, was euch begegnet in künftigen Tagen.


Gen 49,28

Sie alle sind die zwölf Stämme Israels und das war es, was ihr Vater zu ihnen sagte, als er sie segnete. Einen jeden bedachte er mit dem Segen, der ihm zukam.

Gen 27,19
Jakob
(hebr. ja'aqob, gr. Jakob).
Patriarch, Sohn Isaaks, Vater der 12 Söhne (Stämme) und Ahnherr des Volkes Israel, daher auch poetischer Name des Volkes. Der Name, wohl Kurzform für ja'qob- 'el (Gott schützt?), bedeutet im bibl. Hebräisch »er betrügt«, und von schlauem Betrug handeln viele der Jakobsgeschichten:
In der Mitte der Geschichten von J. und Esau steht der von Rebekka angestiftete Betrug an dem blinden Vater, eine Tat, die auch dem Empfinden der Alten als ungeheuerlich erschienen sein muß, die J. auch mit langjähriger Fremdlingschaft bezahlt, der Israel aber gleichwohl seine Segensfülle zuschreibt . In den Geschichten von J. und Laban (Gn 29–31) wird J. zuerst selbst betrogen, kann aber Laban endlich doch überlisten und mit Lea und Rahel und reichem Gut abziehen.
[Handwörterbuch: Jakob. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 3026
(vgl. BHH Bd. 2, S. 797)
pfeilJerusalem
Site in Bearbeitung
 

Das himmlische Jerusalem

– Die Geschichte J.s ist immer wieder auch die Geschichte seiner Mauern, nicht nur für den Archäologen, der die bibl. und späteren historischen Berichte mit den Ergebnissen der Grabungen vergleicht, sondern in übertragener Weise auch für das gesamte eschatolog. Denken. Wenn Sach (28 f) prophezeit, daß das kommende J. wegen der Menge der Menschen und des Viehs eine offene Stadt sein wird, so wird doch JHWH selbst ihr eine feurige Mauer sein; aber dieser Spruch steht vereinzelt da. J. hat zu seinem Schütze immer Mauern gehabt, die immer wieder ausgebessert, verstärkt, neu gebaut und erweitert worden sind. Auch die späteren eschatolog.- apokalypt. Visionäre können sich die »zukünftige Stadt« (H 1314), das »obere J.« (G 426; vgl. 2Hen 552), das »himml. J.« (H 1110. 16 1222), das »neue J.« (TestDan 512), das »neue« oder »heilige J., das vom Himmel herniederkommt« (Off 312 212. 10), nicht ohne eine »große und hohe Mauer« (Off 2112) mit Toren (Off 2214) vorstellen (desgl. auch Qumran: Sekt 87 f Hod 625 78 f; vgl. Herrn v 32–7 s. 9). Die Beschreibung des himmlischen J. in Off 21, eine der ausführlichsten, die wir überhaupt haben, handelt hauptsächlich von der Mauer, ihren kostbaren Grundsteinen und ihren 12 Perlentoren (vgl. dazu Js 5411 f 60 Tob 1316–18), während von der Stadt und ihren Gassen selbst nur gesagt wird, daß sie »aus reinem Gold, durchsichtig wie Glas« sind (Off 2118. 21 b) und daß die Stadt keinen Tempel hat (22; im Gegensatz zu Hg 27–9 Js 607. 13 Tob 145). Wenn auch in den übrigen Visionen Mauern und Tore nicht ausdrücklich genannt werden, so wird doch immer deutlich eine Stadt geschaut (4 Esr 726 852 1025ff), wie ja auch das irdische J. nach einem (himmlischen) Vorbild gebaut worden ist, das seit je bei Gott existiert hat und von Abraham und Mose gesehen worden ist (4 Esr 1049 2Bar 42–7 594 H 85; vgl. Ex 2510. 40). Während die Christenheit sich immer wieder das himmlische J. in erbaulichen Schriften und Liedern ausmalt, sind die Rabbinen und überhaupt das orthodoxe Judentum an den Visionen eines himmlischen J. nicht interessiert. Ihr Blick ist, wie schon der des Josephus, auf die Vergangenheit gerichtet, und ihre Tradition ist reich an phantasievollen Betrachtungen des alten irdischen J. als der schönsten Stadt auf Erden. Noch heute betet der fromme Jude wie seit 2000 Jahren im dreimaligen täglichen Gebet sowie in seinem Tischsegen um die Wiederherstellung J.s und der davidischen Königsherrschaft.
[Handwörterbuch: Jerusalem. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 3157
(vgl. BHH Bd. 2, S. 849)

pfeilJesus    

Jesus

(gr. Jesoûs, entsprechend hebr. jeschua', j·hoschua' »Jesua«, »Josua«), Gräzisierung von Josua. Dieser Name bedeutet »Jahwe ist Rettung« (vgl. Phil. Mut. nom. 121), worauf das Engelwort anspielt: »Er (J. Christus) wird sein Volk erlösen von seinen Sünden« (Mt 121).

– 1. In der LXX und im NT Josua, der Nachfolger Moses (Sir 461 u.a., Apg 745, H 48).

– 2. Im nachexilischen Judentum ein gebräuchlicher Rufname. Josephus erwähnt 20 Männer dieses Namens, von denen die Hälfte zur Zeit J. von Nazareth gelebt hat. Auf Papyri und Inschriften erscheint ebenfalls der Name J., darunter sogar ein J., Sohn Josephs.
[Handwörterbuch: Jesus. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 3195
(vgl. BHH Bd. 2, S. 858-859)

pfeilJohannes    

Johannes

(entsprechend hebr. johanan).
Johannes der Täufer, bekanntester Vertreter der Täuferbewegung in Palästina. Die christl. Tradition (Evv, Apg) sieht in J. besonders den Vorläufer des Messias Jesus; sie gibt vom Täufer ein weniger unvollständiges Bild als Josephus (Ant. XVIII, 116–119), der aus ihm hauptsächlich einen Tugendprediger macht (das von J. in den slawischen Anhängen von Josephus' Jüd. Krieg und in den mandäischen Schriften Gesagte ist legendär). – J. trat ca. 28 nChr (L 31), im Jordantal von der Zivilisation zurückgezogen lebend, als ein »Prophet« (Mk 1132 Mt 119) des Gerichts und der Buße auf. Er verkündete das Kommen eines »Stärkeren«, d.h. eines transzendenten Messias, der »mit heiligem Geist und mit Feuer taufen«, die zum Heil Bestimmten reinigen und die unbußfertigen Sünder vernichten werde. Die unter seinen Hörern, welche dem Ruf zur Bekehrung folgten, wurden mit Wasser getauft. Diese das kommende Reich Gottes vorbereitende Taufe ist der typische Zug der Botschaft des J. Seine Taufe unterscheidet sich von der Proselytentaufe dadurch, daß sie an Juden, nicht an Heiden vorgenommen wurde, und von den tägl. Reinigungsriten der Täufersekten (Essener, Qumran) darin, daß sie einmalig war. Sie unterscheidet sich auch von der eschatologischen Reinigung Israels, die von den Propheten verkündet wurde (Ez 3625 Sach 131), durch ihre Forderung individueller Bekehrung. Freilich stand J. unter dem Einfluß der Propheten, deren Lebensweise er teilte, und dem der täuferischen und apokalyptischen Bewegungen; aber seine Taufe bewahrte ihren einzigartigen Charakter, so daß »die Taufe des J.« ein Begriff war (Mk 1130 Apg 122 1825 193). – J. richtete seine Botschaft an ganz Israel und wollte keine Sekte gründen. Dennoch sind viele als Jünger um ihn gruppiert geblieben, die fasteten (Mk 218), besondere Gebete übten (L 533 111) und ihn nach seiner Hinrichtung durch Antipas (Mk 614ff) beerdigten. Jesus wurde auch von J. getauft (Mt 313–17 p). Er sah in J. einen eschatologischen Gesandten Gottes (Mt 119ff 173). Was dagegen J. über Jesus gedacht hat, wird in den synoptischen Evv als unklar dargestellt (Mt 314 f p 112 f p). Nur das Joh. Ev läßt J. Jesus zum Lamm Gottes (Js 537) proklamieren (J 129. 36). Später scheinen die J.jünger der christl. These, der Auferstandene sei der von J. Verkündete, entgegengehalten zu haben, daß ihr Meister selbst der Messias und das Licht gewesen sei (J 18. 20). Die Jünger kommen noch beim Aufenthalt des Paulus in Ephesus vor (Apg 1825 193) und spielen in den jüd.- christl. Klemensschriften eine Rolle; sie hören gegen Ende des 2. Jh.s auf, als Sonderbewegung zu existieren.
[Handwörterbuch: Johannes. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 3236
(vgl. BHH Bd. 2, S. 872)


pfeilJosua    

Josua

(hebr. j·hoschua, jeschua' »Jahwe ist Rettung«).

Sohn Nuns, Nachfolger des Mose,
Führer in den Eroberungskriegen. In der Bibel erscheint J. als Unterführer des Mose in der »Wüste (Ex 178–13 2413 3311 u.ö.) und als einer der nach Kanaan vorausgesandten Kundschafter (Nm 13 f). Zu Moses Nachfolger bestimmt (2718–23 u.ö.), führte er Israel über den Jordan, um Westpalästina zu erobern. Nach dem Bericht von Jos 1–12 geschah dies in wenigen Überraschungsangriffen: einem Vorstoß in das Zentrum des Landes (Jericho fällt durch ein Wunder; Ai wird genommen und zerstört; Gibeon und seine Verbündeten erlangen durch eine List einen Vertrag, 6–9), einem anderen nach Süden (Libna, Lachis, Eglon, Debir werden genommen und zerstört, 10) und einem weiteren nach Norden (Galiläa wird unterworfen, Hazor zerstört, 11). Nachdem die Einwohner mit Ausnahme der Gibeoniten getötet sind (1116–20), verteilt J. das Land unter die Stämme (13–19). Er stirbt nach der Bundeserneuerung bei Sichern und wird bei Timnath- Serah in Ephraim begraben (24).
In Wirklichkeit war Israels Landnahme ein viel komplexerer Vorgang, wie die Bibel selbst zeigt (zB Ri 122–26). J.s wirkliche historische Rolle ist schwer festzustellen. Viele Forscher nehmen an, daß Jos 1–12 eine Reihe voneinander unabhängiger, ätiologischer Sagen enthalte, und glauben, daß die Ansiedlung weitgehend auf friedlichem Wege durch allmähliches Einsickern einzelner Stämmegruppen geschah und Israel als Volk erst am Ende dieses Prozesses in Erscheinung trat; ursprüngliche Überlieferung über J., einen ephraimitischen Helden, läge hiernach nur in Jos 101–15 1714–18 24 vor. Aber, obwohl die Landnahmetradition schematisiert worden ist und der Name J. zweifellos erst sekundär in manche Überlieferungen eingedrungen ist, zu denen er ursprünglich nicht gehörte, so darf doch nicht übersehen werden, daß verschiedene kanaan. Städte offensichtlich in der 2. Hälfte des 13. Jh.s zerstört wurden. Nicht eindeutig ist der archäologische Befund für Jericho und sicher falsch die Angaben über Ai (das damals nicht besiedelt war); aber Bethel (Ri 122–26), Lachis, Debir, Eglon (wenn dieses mit tell el-hesi identisch ist) und Hazor wurden alle in jener Zeit zerstört, und man wird annehmen können, daß dies mit dem im Buche Jos beschriebenen Geschehen zusammenhängt. Es ist zu vermuten, daß dem Zusammenschluß aller Stämme und der Konstituierung der israelit. Amphiktyonie (Jos 24), zT auch aus längst seßhaften Stämmen, ein gemeinsamer Angriff einer größeren Gruppe verbündeter Stämme vorausging. Obwohl ungewiß ist, welche Rolle J. hierbei spielte, scheint er doch zweifellos führend an diesem Geschehen beteiligt gewesen zu sein. Auszug; Landnahme; Israel.
An die Bedeutung J.s erinnern gerne spätere Quellen (1Kg 1634 Neh 817 Sir 461 1Mkk 255 2Mkk 1215 Apg 745 H 48).
[Handwörterbuch: Josua. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 3305
(vgl. BHH Bd. 2, S. 894)

pfeilJünger     Jünger (hebr. limmud, gr. mathetes), Schüler, Begleiter und Nachfolger eines Propheten, Weisheitslehrers u.a.

Im AT kann das

Meister-Jünger-Verhältnis mit Sicherheit beim Prophetismus vorausgesetzt werden. Schon von Samuel (11. Jh.) wird berichtet, daß er einer Gruppe von Nebiim vorgestanden und sie in ihren ekstatischen Erlebnissen angeführt habe (1Sm 1920). Elia (9. Jh.) erhält den Befehl, Elisa »zum Propheten an seiner Statt zu salben« (1Kg 1916); er führt den Auftrag aus, indem er durch Überwerfen des Mantels von Elisa Besitz ergreift, ihn zur Nachfolge zwingt und sich von ihm bedienen läßt (1Kg 1921). Der Übergang des Geistes, d.h. der das prophetische Erleben tragenden Kraft, vom Meister auf den Nachfolger ist nicht garantiert, aber von Gott zugestanden (2Kg 29–15). Elisa trifft mit Prophetengruppen zusammen, die »vor ihm sitzen«, d.h. sich von ihm prophetisch unterweisen lassen (vgl. Ez 81 201). Er gibt ihnen auch konkrete Aufträge (2Kg 91); doch scheint es sich nicht um ein Dauerverhältnis zu handeln (2Kg 438 61). Auch Jesaja (8. Jh.) ist von Schülern umgeben; er erteilt ihnen besonderen Unterricht (Js 86 f. 12ff. 19 f) und bestimmt sie zu Trägern seiner Tradition (816). Ein J. soll sprechen können, um Ratsuchende aufzurichten, aber auch hören, und zwar jeden Morgen, um rechte Weisung zu vernehmen (Js 504 f). Vermutlich sind die J. Jesajas für die Entstehung des Js-buches verantwortlich; auch für andere Prophetenbücher (Hos, Am, Mi, Ez) läßt die literarische Analyse auf die Existenz eines J.kreises schließen.

[Lit.: S. Mowinckel: Jesaja-disiplene ('26) – A. Haldar: Associations of cult prophets ('45).
C. A. Keller]

Im Judentum sollte der Lehrer den Schüler an das Gesetz binden (Sir 635ff); dieses war daher letzte Autorität. Gemeinschaften sammelten sich hier nicht um einen Meister, sondern um die Tora ( Pharisäer).

NT

Zu einem intimeren Meister-Jünger -Verhältnis kam es im NT (gr. mathetes). Johannes der Täufer sammelte persönliche Anhänger um sich. Jesus trat in seiner Vollmacht dem Gesetz gegenüber und band die von ihm zur Nachfolge Berufenen an sich (Mt 51 usw.). Dabei kommt J. im engeren oder weiteren Sinn vor: Apostel (Mt 101) oder Anhänger (Mt 1024). Im letzteren Sinne nennt Lukas auch die Christen in Jerusalem (Apg 115) und anderswo (Apg 910 usw.) J. In den ntl. Briefen begegnet die Bezeichnung nicht.
[Handwörterbuch: Jünger. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 3362
(vgl. BHH Bd. 2, S. 913-914)


pfeilJungfrau     Jungfrau (hebr. b·tula, gr. parthénos), ein altoriental. kultisches Ideal, mit Fruchtbarkeitsvorstellungen u.a. verbunden.

Im AT finden sich einige kulturgeschichtlich bemerkenswerte Stellen (Ri 1137 1924 2112), aber der mythisch-kultische Einschlag tritt auffallend zurück (vgl. die priesterliche Heiratsvorschrift in Lv 213. 14). Im sittlichen Denken des Volkes war der Stand des jungfräulichen Mädchens, vermutlich schon an der Kleidung kenntlich (2Sm 1318 Jr 232), besonders geschätzt (Gn 2416 1Kg 12). Virginität wurde als wesentliche Bedingung für die Verheiratung angesehen (Dt 2214 f). Zu Js 714 Immanuel. Der vorderoriental. Rechtstradition weithin entsprechend (Cod. Harn. § 130; Cod. Eschn. § 27. 31. 80ff; Hett. Ges. § 27ff), findet sich in Israel der Status der J. gesetzlich berücksichtigt. Verführung einer noch nicht Verlobten wurde mit dem Brautpreis bestraft (Ex 2216 f Dt 2228 f), Untreue der verlobten J. mit dem Tod (Dt 22 23 f). Tod der J. vor der Eheschließung galt als besonders beklagenswert (Ri 1137 f). Im Sprachgebrauch stehen J. und Jüngling schlechthin als Inbegriff der Stärke und Hoffnung des Volkes. Daher ist ihre Hinmordung im Krieg oder ihre Verschleppung ins Exil festes Klagemotiv (Hos 813 Dt 3215 Kl 118). Die in Antithese zum kanaan. Vegetationskult ausgebildete Braut-Ehe-Symbolik für das eigene Gottesverhältnis umschließt auch die bildliche Gleichsetzung Israels mit einer J. (Am 52 Jr 1813). Ihre Anwendung geschieht entweder polemisch, indem zB das politische Paktieren Jerusalems und Samarias als Unzucht zweier Schwestern gegeißelt wird (Ez 231–49), oder positiv, indem in der Rede von der »J. Israel« Gottes ausschließlicher Anspruch zum Ausdruck gebracht wird (Jr 314. 21 Js 3722 Sach 917).

Im Judentum führte der Einfluß der hellenist. Umweltreligion zu einem durch Askese und Mantik geprägten Typ der gottgeweihten Jungfrauen. (Philo Vit. cont. 68; Quod omn. lib. 12 f).

NT

Dieses Frömmigkeitsideal der Jungfrau erscheint im NT vor allem bei Lukas wieder. Mehrfach hören wir von Frauen, die geschlechtlich enthaltsam lebten und denen ein besonderes pneumatisch-prophetisches Charisma eigen war (L 236 f Apg 219). Jedoch wurde in der Gemeinde der Stand der J. kaum höher geachtet als der der Witwe (s. 1T 511). Man besitzt die Freiheit Jesu (Mt 1912). Allgemein unter dem Eindruck der Naherwartung lebend, betont Paulus den Vorzug des jungfräulichen Lebens (1K 725–35), das seiner Meinung nach eine völligere Hingabe an den Herrn gestatte. Mit Fragen belastet ist seine Erörterung der Verheiratung einer J. (736ff). Werden hier virgines subintroductae, geistliche Ehen, die Lage des Vaters oder Vormunds gegenüber der Tochter oder die eines verlobten Paares vorausgesetzt? Letzteres möchte man annehmen. Wie die älteste Kirche lehrt, verband sich mit dem Taufempfang häufig der Entschluß befristeter oder dauernder Virginität. Die Bildersprache der Evv (besonders Mt 251ff) kam dem entgegen. Paulus betrachtet die Gemeinde insgesamt als ihm zur Bewahrung anvertraute reine J. Christi (2K 111 f). Ähnlich dürfte Off 144 – über das rein Bildhafte nicht hinausgehend – jene »jungfräulich« Gerechten meinen, die »losgekauft vom Lamme« Glauben gehalten und sich sittlich bewährt haben. Die ursprüngliche Freiheit Jesu und des Paulus ging früh zugunsten einer religiösen Höherbewertung des J.enstandes verloren (1T 43ff; Acta Pl. et Th. 5; Athenag. De suppl. 33). J.engeburt.
[Handwörterbuch: Jungfrau. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 3366
(vgl. BHH Bd. 2, S. 914-915)

 
 

nach oben