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Auf diesen Seiten findest du, alphabetisch sortiert, Erläuterungen zu biblisch-historischen Fachbegriffen.
   
   
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Stichwort

Bibeltext

Erklärung

Habgier

Heilen

Heilig

Heide
Herr
Herrlichkeit
Herrschaft
Herz
Himmel
Himmelfahrt
Hirte
Hölle

Sie trachten nach bösem Gewinn und lassen sich's gut gehen: Die hohen Beamten fordern Geschenke, die Richter sind für Geld zu haben und die Großen entscheiden nach ihrer Habgier - so verdrehen sie das Recht.

 

Mt 6,19-21
Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Wurm sie zerstören und wo Diebe einbrechen und sie stehlen,

20 sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen.

21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.


Hebr 13,5
Euer Leben sei frei von Habgier; seid zufrieden mit dem, was ihr habt; denn Gott hat versprochen: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.




Mi 7,3

Habgier

Im übertragenen Sinn sind Furcht und Weisheit des Herrn ein Schatz, das Himmelreich ist gleich dem im Acker verborgenen Schatz, der Glaubende darf sich als Gefäß für den S. des Evangeliums verstehen und im Gegensatz zur Gnosis wird Christus als der verkündet, bei dem alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis zu finden sind. Wenn Jesus die himmlischen S.e den irdischen gegenüberstellt meint er zwar, daß die irdischen S.e vergänglich und immer eine Versuchung zur Habgier sind, aber er verneint nicht den Besitz an sich; es handelt sich darum, woran das Herz hängt, am Mammon oder an Gott; es geht um den Aufbewahrungsort des Besitzes, ob der Besitz Gott übergeben ist oder nicht, d.h. auch, ob der Mensch im Dienst der Nächstenliebe steht oder selbstbezogen ist.
[Handwörterbuch: Schatz. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 6074
(vgl. BHH Bd. 3, S. 1686)


pfeilHeilen

Wer einen Menschen so schlägt, dass er stirbt, wird mit dem Tod bestraft.
13 Wenn er ihm aber nicht aufgelauert hat, sondern Gott es durch seine Hand geschehen ließ, werde ich dir einen Ort festsetzen, an den er fliehen kann.

Ex12,23-24
23 Der Herr geht umher, um die Ägypter mit Unheil zu schlagen. Wenn er das Blut am Türsturz und an den beiden Türpfosten sieht, wird er an der Tür vorübergehen und dem Vernichter nicht erlauben, in eure Häuser einzudringen und euch zu schlagen.
24 Haltet euch an diese Anordnung! Sie gelte dir und deinen Nachkommen als feste Regel.

Ex15,26
26 Er sagte: Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.

Gen16,2
Sarai, Abrams Frau, hatte ihm keine Kinder geboren. Sie hatte aber eine ägyptische Magd namens Hagar.

2 Sarai sagte zu Abram: Der Herr hat mir Kinder versagt. Geh zu meiner Magd! Vielleicht komme ich durch sie zu einem Sohn. Abram hörte auf sie.

Hos6,1-6
Kommt, wir kehren zum Herrn zurück!
Denn er hat (Wunden) gerissen, er wird uns auch heilen;
er hat verwundet, er wird auch verbinden.
2 Nach zwei Tagen gibt er uns das Leben zurück,
am dritten Tag richtet er uns wieder auf
und wir leben vor seinem Angesicht.
3 Lasst uns streben nach Erkenntnis,
nach der Erkenntnis des Herrn. Er kommt so sicher wie das Morgenrot;
er kommt zu uns wie der Regen,
wie der Frühjahrsregen, der die Erde tränkt.

4 Was soll ich tun mit dir, Efraim? /
Was soll ich tun mit dir, Juda? Eure Liebe ist wie eine Wolke am Morgen /
und wie der Tau, der bald vergeht.

5 Darum schlage ich drein durch die Propheten, /
ich töte sie durch die Worte meines Mundes. /
Dann leuchtet mein Recht auf wie das Licht.

6 Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, /
Gotteserkenntnis statt Brandopfer.


Dtn 28,27
27 Der Herr schlägt dich mit dem ägyptischen Geschwür, mit Beulen, Krätze und Grind und keiner kann dich heilen.

Dtn 32,39
39 Jetzt seht: Ich bin es, nur ich, /
und kein Gott tritt mir entgegen. /
Ich bin es, der tötet und der lebendig macht. /
Ich habe verwundet; nur ich werde heilen. /
Niemand kann retten, wonach meine Hand gegriffen hat.

2.Kön 5,11
11 Doch Naaman wurde zornig. Er ging weg und sagte: Ich dachte, er würde herauskommen, vor mich hintreten, den Namen Jahwes, seines Gottes, anrufen, seine Hand über die kranke Stelle bewegen und so den Aussatz heilen.

Ijob 5,18
18 Denn er verwundet und er verbindet,
er schlägt, doch seine Hände heilen auch.

Jes 19,22
22 Der Herr wird die Ägypter zwar schlagen, er wird sie aber auch heilen: Wenn sie zum Herrn umkehren, lässt er sich durch ihre Bitte erweichen und heilt sie.


Jer 3,22
22 Kehrt um, ihr abtrünnigen Söhne, ich will eure Abtrünnigkeit heilen. «Da sind wir, wir kommen zu dir;
denn du bist der Herr, unser Gott!

Klgl 2,13
13 Wie soll ich dir zureden, was dir gleichsetzen,
du Tochter Jerusalem? Womit kann ich dich vergleichen, wie dich trösten, Jungfrau, Tochter Zion? Dein Zusammenbruch ist groß wie das Meer,
wer kann dich heilen?

Mk1,23-25
23 In ihrer Synagoge saß ein Mann, der von einem unreinen Geist besessen war. Der begann zu schreien:
24 Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.

25 Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn!
26 Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei.

Mk1,32-34
32 Die Heilung von Besessenen und Kranken: 1,32-34
Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus.

33 Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt,
34 und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu reden; denn sie wussten, wer er war.

Mk3,24-27
24 Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben.
25 Wenn eine Familie in sich gespalten ist, kann sie keinen Bestand haben.
26 Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt und mit sich selbst im Streit liegt, kann er keinen Bestand haben, sondern es ist um ihn geschehen.
27 Es kann aber auch keiner in das Haus eines starken Mannes einbrechen und ihm den Hausrat rauben, wenn er den Mann nicht vorher fesselt; erst dann kann er sein Haus plündern.

Lk7,22
20 Als die beiden Männer zu Jesus kamen, sagten sie: Johannes der Täufer hat uns zu dir geschickt und lässt dich fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?
21 Damals heilte Jesus viele Menschen von ihren Krankheiten und Leiden, befreite sie von bösen Geistern und schenkte vielen Blinden das Augenlicht.
22 Er antwortete den beiden: Geht und berichtet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen wieder, Lahme gehen, und Aussätzige werden rein; Taube hören, Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet.

Mk3,1-6
Als er ein andermal in eine Synagoge ging, saß dort ein Mann, dessen Hand verdorrt war.

2 Und sie gaben Acht, ob Jesus ihn am Sabbat heilen werde; sie suchten nämlich einen Grund zur Anklage gegen ihn.
3 Da sagte er zu dem Mann mit der verdorrten Hand: Steh auf und stell dich in die Mitte!
4 Und zu den anderen sagte er: Was ist am Sabbat erlaubt: Gutes zu tun oder Böses, ein Leben zu retten oder es zu vernichten? Sie aber schwiegen.
5 Und er sah sie der Reihe nach an, voll Zorn und Trauer über ihr verstocktes Herz, und sagte zu dem Mann: Streck deine Hand aus! Er streckte sie aus und seine Hand war wieder gesund.

Mk2,27-28
27 Und Jesus fügte hinzu: Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat.

28 Deshalb ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.

Mk9,25-29
25 Als Jesus sah, dass die Leute zusammenliefen, drohte er dem unreinen Geist und sagte: Ich befehle dir, du stummer und tauber Geist: Verlass ihn und kehr nicht mehr in ihn zurück!
26 Da zerrte der Geist den Jungen hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei. Der Junge lag da wie tot, so dass alle Leute sagten: Er ist gestorben.
27 Jesus aber fasste ihn an der Hand und richtete ihn auf, und der Junge erhob sich.
28 Als Jesus nach Hause kam und sie allein waren, fragten ihn seine Jünger: Warum konnten denn wir den Dämon nicht austreiben?
29 Er antwortete ihnen: Diese Art kann nur durch Gebet ausgetrieben werden.
[Einige Textzeugen fügen nach «Gebet» hinzu: und Fasten.

Mk7,31-37
31 Die Heilung eines Taubstummen: 7,31-37
Jesus verließ das Gebiet von Tyrus wieder und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekapolis.

32 Da brachte man einen Taubstummen zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren.
33 Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel;

34 danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich!
35 Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit und er konnte richtig reden.
36 Jesus verbot ihnen, jemand davon zu erzählen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr machten sie es bekannt.
37 Außer sich vor Staunen sagten sie: Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.


Apg3,5-8
3 Als er nun Petrus und Johannes in den Tempel gehen sah, bat er sie um ein Almosen.
4 Petrus und Johannes blickten ihn an und Petrus sagte: Sieh uns an!
5 Da wandte er sich ihnen zu und erwartete, etwas von ihnen zu bekommen.
6 Petrus aber sagte: Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, geh umher!
7 Und er fasste ihn an der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich kam Kraft in seine Füße und Gelenke;
8 er sprang auf, konnte stehen und ging umher. Dann ging er mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott.

1.Kor12,7-10
7 Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.

8 Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem andern durch den gleichen Geist die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln,
9 dem dritten im gleichen Geist Glaubenskraft, einem andern - immer in dem einen Geist - die Gabe, Krankheiten zu heilen,
10 einem andern Wunderkräfte, einem andern prophetisches Reden, einem andern die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden, wieder einem andern verschiedene Arten von Zungenrede, einem andern schließlich die Gabe, sie zu deuten.

Apg20,1821
18 Als sie bei ihm eingetroffen waren, sagte er: Ihr wisst, wie ich vom ersten Tag an, seit ich die Provinz Asien betreten habe, die ganze Zeit in eurer Mitte war
19 und wie ich dem Herrn in aller Demut diente unter Tränen und vielen Prüfungen, die ich durch die Nachstellungen der Juden erlitten habe,
20 wie ich nichts verschwiegen habe von dem, was heilsam ist. Ich habe es euch verkündigt und habe euch gelehrt, öffentlich und in den Häusern.
21 Ich habe Juden und Griechen beschworen, sich zu Gott zu bekehren und an Jesus Christus, unseren Herrn, zu glauben.


1.Kor 12,28
28 So hat Gott in der Kirche die einen als Apostel eingesetzt, die andern als Propheten, die dritten als Lehrer; ferner verlieh er die Kraft, Wunder zu tun, sodann die Gaben, Krankheiten zu heilen, zu helfen, zu leiten, endlich die verschiedenen Arten von Zungenrede.

Apg5,12-15
Durch die Hände der Apostel geschahen viele Zeichen und Wunder im Volk. Alle kamen einmütig in der Halle Salomos zusammen.

13 Von den übrigen wagte niemand, sich ihnen anzuschließen; aber das Volk schätzte sie hoch.
14 Immer mehr wurden im Glauben zum Herrn geführt, Scharen von Männern und Frauen.
15 Selbst die Kranken trug man auf die Straßen hinaus und legte sie auf Betten und Bahren, damit, wenn Petrus vorüberkam, wenigstens sein Schatten auf einen von ihnen fiel.

16 Auch aus den Nachbarstädten Jerusalems strömten die Leute zusammen und brachten Kranke und von unreinen Geistern Geplagte mit. Und alle wurden geheilt.

 

 

Ex21,13

Heilen

(hebr. rapha', gr. iáomai, therapeúo »heil, gesund machen«).

Für das AT ist die in der altoriental. Medizin wichtige Unterscheidung »innerer« und »chirurgischer« Leiden belanglos, da alle, auch Totschlag, Sturz, Pfeilschuß oder Tierbiß samt seelischer Wirrnis (Ex 2113 1Sm 224 2612 1Kg 1326 2Kg 924 Am 93 Sach 1413) von Jahwe gewirkt werden. Er gibt Satan die Schadensvollmacht (Hi 27), die Dämonen sind seine Gefolgsleute und Werkzeuge (Ex 1223 2Kg 1935 Ez 91ff Hab 35) oder in seiner »Eifersucht« und seinem Zorn aufgegangen, ihm gegenüber aber machtlos (Zph 118 Dt 299 PS 913). Der Fromme richtet daher Bitte, Klage und Dank (auch in Hodajot) an Jahwe, der alle Krankheiten heilt (Ex 1526). Wehe, wenn sich ein Israelit an einen Arzt (2Ch 1612 [Text unsicher]; vgl. Sir 3815) oder gar um ein Heilungsorakel an einen fremden Gott wendet, wie es umgekehrt ein Heide bei dem Jahwepropheten einholen mag (2Kg 12 810 51ff). Unfruchtbarkeit israelit. wie fremder Frauen verhängt und heilt Jahwe (Gn 162 2018; vgl. Hi 3113 Rt 413). Als der, der heilt (rapha'), entspricht er dem rep'u ba'al von Ugarit oder dem kanaan. jirpa'el (Jos 1827). Ihm und nicht dem ihn in der späteren Angelologie vertretenden rapha'el gilt darum der Lobpreis (Tob 610 83 131ff). Seine Werkzeuge sind dabei die Propheten durch Wort, körperliche Berührung, selten durch rationale Mittel (Js 382. 5 1Kg 1721 2Kg 434 207), hingegen nicht die Könige (2Kg 57) oder die Priester, denen nur die Deklaration geschehener Heilung zusteht (Lv 1426). Jahwes auch in der Zertrümmerung der Jerusalemer Heilschlange (2Kg 184) durchgesetzte Monopolstellung führt in der Ambivalenz von Schlagen, Verbinden, Töten, Beleben (Hos 61 f) zur Unterordnung der Heilung unter seine Gerechtigkeit, den wirksamen Kultus und die Fürbitte (Gn 207). Sie wird damit zum parallelen Glied (Ps 1033 f) und Bild für die Vergebung der selbst als Krankheit verstandenen Sünde und alle damit verbundenen Heilstaten im Volks- (2Ch 714) und Einzelleben. Der sich unschuldig Fühlende revoltiert dann freilich gegen die Nicht Heilung der (unverdienten) Krankheit (Ps 7322 Hi 918ff), die für den Skeptiker wie alles ihre »Zeit« hat (Prd 32 f). Wo statt der Doppelseitigkeit von Zorn und Gnade die letztere als Jahwes Wesenskern erscheint, wird der Dämonenglaube mit Einschluß des Satan und des bolija'al-Dualismus von Qumran neu belebt, und es entsteht ein dem AT unbekannter, in der Spätantike auch bei Heiden angesehener Stand jüd. Exorzisten (>2).

In der jüd. und hellenist.-oriental. Umgebung des Christentums werden oft Heilungen berichtet. Die altbibl. Stoffe (Abraham gilt im Genesisapokryphon 20. 21ff als Wundertäter) und die rabbinischen Wundererzählungen aus tannaitischer Zeit (zB R. Chanina ben Dosa nach b. Berach. 34 b) mögen der ntl. Über lieferung historisch am nächsten verwandt sein. Besondere »Geliebte« Gottes in der Welt vermögen durch Handauflegung und Gebet ein Zeichen zu tun und Kranke am Leben zu erhalten bzw. gesund zu machen. Wieweit pharisäische und essenische Fröm migkeit sich mit Krankenheilungen beschäftigte (Austreibung böser Geister), ist nicht leicht fest zustellen (vgl. Jos. Bell. II, 136: Bekämpfung verschiedener Krankheiten). Alte und allgemein verbreitete Vorstellungen liegen vielfach diesen Wunder geschichten zugrunde; auch ihre äußere Form ist durch gemeinsame Züge weithin geprägt. Die Frage nach dem historischen Wert einer derartigen Wunder und Heilungsgeschichte ist nicht von vornherein bestimmbar; doch sollten echte Erfahrungen bibl. Glaubens und antike Mirakelsucht nicht miteinander verwechselt werden. Auf keinen Fall dürfen die Berührungen mit verbreiteten hellenist.-oriental. Motiven übersehen werden (zB Dämonenbeschwörungen durch Apollonius von Tyana): oft gehören unsere Berichte in größere Zusammenhänge.

NT

Das Besondere des NT liegt zunächst darin, daß die Vollmacht Jesu als historische Tatsache festgehalten wird, ohne weiter erklärt zu werden (Mk 123ff. 32ff. 40ff). Der ältesten Überlieferung ist wichtig, daß die durch ihn vollzogene Heilung Anzeichen der Gottesherrschaft und Brechung der satanischen Macht ist (Mk 324–27). Ein Stärkerer ist über den Starken gekommen und hat den entscheidenden Sieg errungen. Ein messianischer Zug liegt dieser Vollmacht Jesu ohne Zweifel zugrunde; man erinnert sich an den Hohenpriester der Endzeit in TestLevi 18, der den Beliar bindet. Verwandt ist die Schilderung des Auftretens Jesu in Nazareth (L 418ff): Er verliest in der Synagoge als prophetische Haphtare Js 611 f (mit ausdrücklichem Hinweis auf die Begabung mit dem Geist Gottes und seiner Salbung: er ist gesandt, den Armen frohe Botschaft zu verkündigen, den Gefangenen Befreiung, den Blinden das Augenlicht, den Mißhandelten die Entlassung in die Freiheit, das Gnadenjahr des Herrn anzukündigen). Für den Evangelisten ist Jesus der Geistträger, der die eschatologische Heilszeit heraufführt; er entspricht in seinen befreienden und erlösenden Handlungen dem Willen Gottes, der im Prophetenwort (offenbar Florilegienstoff) in der Schrift vorgezeichnet ist. Eine allgemeine Amnestie für die Verschuldeten und Gefangenen, wie sie dem Erlaßjahr entspricht, wird zum Bild für die Wirksamkeit Jesu. Ganz entsprechend beruft sich Jesus dem Täufer gegenüber auf das, was jeder sehen und hören kann: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote stehen auf, Arme erhalten die Freudenbotschaft (L 722 unter Rückweis auf Js 355). Allerdings handelt es sich in den Taten Jesu keineswegs um eine allgemeine Verwandlung der Verhältnisse und Aufhebung der satanischen Bedrängnisse, wie man sie in apokalyptischen und vor allem auch essenischen Kreisen erwartete, sondern um Einzelzeugnisse und Begnadigungen, die Widerspruch und Ärgernis hervorrufen können. Historisch ist auch die Verbindung von Heilung und Sabbatbrüchen (Mk 31–6 L 141–6 J 51–9). Hier handelt es sich nicht um eine freiere Auslegung des Gesetzes (= Lebensgefahr vertreibt den Sabbat, Joma 86), sondern um bewußte Provokationen der Vollmacht Jesu, die sich auf Gott selbst beruft (vgl. Mk 228 J 518). Die Frage, ob derartige Provokationen Jesu einem bestimmten Zeitabschnitt seiner Wirksamkeit einzuordnen sind, muß offengehalten werden.
Auffallend ist, daß weder bei Jesus noch sonst im Urchristentum magische Bann- und Beschwörungsformeln eine feste Rolle spielen. Wissen um Wurzeln von besonderer Kraft, Weisheit und Kunst bestimmter Art, wie man sie im Judentum zur Zeit Jesu auf Salomo zurückführte (Jos. Ant. VIII, 45), wie sie auch in essenischen Kreisen zu Hause war (Jos. Bell. II, 136), sucht man im NT vergeblich. Entscheidend ist das Befehlswort Jesu (Mk 125 211 925). Es geht ihm um die Beherrschung einer Situation, Überwindung eines Gegners, Erlösung eines Menschen aus einer Not durch die Kraft des Geistes Gottes, nicht durch magische Kunst. Man sollte auch den Versuch aufgeben, die Wunder Jesu suggestiv, also psychologisch zu verstehen (P. Fiebig: »Kraft der Suggestion«). Die ntl. Berichte widerstreiten einer derartigen Modernisierung. Die eigenartige Verbindung zwischen magischer Vorstellung und rationaler Reflexion, die wir häufig in hellenist. Quellen antreffen, ist dem NT völlig fremd. Hier und da wird darauf hingewiesen, daß eine schwere Art der Besessenheit allein durch Gebet ausgetrieben werden kann (Mk 929). Eine derartige Anweisung der Jünger klingt lehrhaft und bleibt vereinzelt. Die gelegentliche Anwendung alter und allgemein verbreiteter Heilmittel durch Jesus (zB Speichel: Mk 733 823; Speichel und Erde: J 95) fällt auf und erscheint zunächst fremdartig. Es handelt sich hier offenbar um körperliche Erkrankungen, nicht um eine Form von Besessenheit. Auch in diesen Fällen erscheint das Handeln Jesu weniger technisch als vielmehr an allgemeine Anschauungen gebunden. Daß die Vollmacht Jesu ihre Grenze an dem bewußten Versagen des Glaubens, also am konkreten Widerstand der Nazarener findet, wird ausdrücklich hervorgehoben (Mk 65 f). Auch hier sollte der historische Tatbestand, nicht die psychologische Deutung das letzte Wort behalten. Die Vollmacht Jesu wird in allen Evv als selbstverständliche, dem Jünger wie dem Gegner Jesu erfaßbare Tatsache geschildert. Eine eigene Fragestellung tritt uns dann in den Weg, wenn ausdrücklich hervorgehoben wird: Eine besondere Kraft ging von ihm aus (Mk 530ff L 619). Diese dem Hellenismus besonders naheliegende Vorstellung ist realistisch gemeint und hängt offenbar mit einem entsprechenden Geistverständnis zusammen.
Dem NT ist es wichtig, daß schon Jesus selbst den Jüngern zusammen mit dem Auftrag, das Evangelium zu verkündigen, begrenzte Vollmacht der Austreibung und des H.s gegeben hat (Mk 67. 13 L 91 f). Altertümlich erscheint dabei die Verwendung von Öl als Heilmittel (Mk 613); doch ist es später auch in der Tradition des Jk ausdrücklich bezeugt (514). Von Wichtigkeit scheint die Aufzählung der »Zeichen«, die nach Mk 1617 f den Glaubenden nach Ostern folgen sollen. Auch hier steht die Austreibung der Dämonen an erster Stelle. Daß leibliche Not und leiblicher Tod überwunden werden sollen, ist dieser eigenartigen Zusammenstellung der urchristl. »Zeichen« wichtig (E. Lohmeyer). Vielleicht ist die spätere Osterüberlieferung eine Neufassung einer älteren Tradition. Schon früh hat man »im Namen Jesu« geheilt, wie christl. und jüd. Quellen ausdrücklich bezeugen (Apg 35; Tos. Chul. 222). Auch außerhalb der christl. Gemeinde hat man sich dieser Möglichkeit, den Namen Jesu exorzistisch zu gebrauchen, bedient (Apg 1913), und es blieb ein schweres Problem, wie man sich zu dieser Tatsache zu stellen hatte. In den paulinischen Aufzählungen der Charismen begegnen Befähigungen zum H. (1K 129. 28), d.h. das, was ursprünglich jedem Glaubenden geschenkt sein sollte, wird in diesen Kreisen auf den Leib Christi verteilt, in dem jedes Glied dem anderen zugeordnet werden soll. Für die lukanische Tradition (Ev und Apg) ist die frohe Botschaft als Ausdruck der Gnade Gottes und Mitteilung des Geistes wesenhaft mit der Heilung der Kranken verbunden. Entsprechend der Fülle der Gnade, die sich gerade dem Elenden und Hilflosen zuwendet, wird ausdrücklich betont, daß Jesus alle Kranken heilte (L 619 Apg 1038). Die Apostel werden nach Ostern zu den eigentlichen Trägern dieser Vollmacht Jesu (Apg 243), und auf sie konzentriert sich das Interesse des Erzählers bis ins einzelne und kleinste; hellenist. mirakulöse Züge dringen in die Umgebung der apostolischen Heiltätigkeit ein (Apg 515 f 1912). Der Name Jesu bleibt letztlich doch die entscheidende Möglichkeit im Prozeß der Heilung – Gebet und Handauflegung sind lediglich die traditionsbedingten Mittler der überkommenen Gnade. Der Heiltätigkeit des Petrus (Apg 36 934. 40) tritt ergänzend die des Paulus (Apg 1410ff 207ff 288ff) zur Seite. Prüft man die Erzählungen, so erkennt man auch hier uralte Motive bibl. Wundergeschichten (Apg 940 = 2Kg 433; Apg 2012 = 1Kg 1721).
[Handwörterbuch: Heilen. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 2620
(vgl. BHH Bd. 2, S. 681)

pfeilHeilig Site in Bearbeitung  

Heilig

(hebr. qadosch, gr. hágios).

AT.
Die Wurzel qdsch ist auch akk. und kanaan. belegt. Ihre Etymologie ist umstritten: a) von qd absondern, b) von akk. qadaschu zur Gottheit gehören, glänzen. – Menschen, Tiere, Pflanzen, Bauten, Geräte werden für h., der Gottheit zugehörig und für ihren Dienst ausgesondert erklärt. Sie sind damit ebenso dem Profangebrauch entzogen, wie das Gebannte (herem Bann) im Unterschied zum H.en vernichtet wird. Wie für den Kanaanäer, so sind auch für Israel Kultplätze und -gebäude sowie Hierodulen h. Aber neben der aus der altkanaanitischen Religionsgeschichte bekannten dinglich unpersönlichen H.keit wird in Israel Jahwe selbst mehr und mehr als der H., von der Sünde Abgesonderte erkannt, der durch seine Heilstaten seinen h.en Namen kundmacht und Eingriffe in seine Rechte abwehrt (1Sm 626; Am 26ff 42 Hos 119 Js 516). So erhält die H.keit eine ethische Komponente, die sie aus dem rein kultischen Bezug herausführt. An dieser Entwicklung des Begriffs haben die Propheten wesentlichen Anteil, die wie Js in seiner Berufung die eigene Sündhaftigkeit als Gegensatz zur H.keit Gottes empfinden und nun Künder der die Sünde und den Sünder fernhaltenden H.keit Gottes werden, Heiden (Am 21 Völkerspruch) und Israel gegenüber. Das H.keitsgesetz und die von ihm abhängige Gesetzesliteratur sucht die Verkündigung der H.keit Israels vor allem durch Js und Dtjs in h.e Normen und Ordnungen zu fassen, um ein h.es, von der Sünde und der Unordnung abgesondertes Volk zu schaffen, wie es Jahwe fordert (Ex 244–8 u.ö.). Freilich entsteht nun die Gefahr einer Verdinglichung, wenn die Absonderung von Völkern und ihrer Kultur (Dt 74 u.ö.) gefordert wird und Sühneriten die verlorene H.keit wiederherstellen können (zB Asche der roten Kuh). Jahwes H.keit wird im Kultlied gepriesen (Ex 1511 Pss passim), von Gott selbst behauptet (Ps 986) und von Menschen bekannt (Hab 112 u.ö.). Er schützt seine H.keit vor Mißbrauch (Lv 203 u.ö.) und stellt durch Gericht und Sühne das Gleichgewicht wieder her (Jos 7 u.ö.). In seiner Nähe leben die H.en ( Engel). H. sind Menschen, die er für seine Ämter aussondert, und Orte, die er erwählt. 2. Als Prädikat Gottes ist h. im NT selten (Mt 69 Dekalog; J 1711 Fürbitte; 1P 115 f H.keitsgesetz; Off 48 Trishagion). Als Mitte des ntl. Kultes wird Jesus H.er Gottes genannt (J 669) und auch als solcher von den bösen Geistern erkannt (Mk 124 L 434). Er wird auch als der h.e Knecht Gottes im Anschluß an Js 53 bezeichnet, womit seine kultische Mission der Kreuzigung und Auferstehung angegeben wird (Apg 427. 30). Am klarsten tritt dieser kultische Gedankengang im Hebräerbrief hervor. Charakteristisch für das NT ist die Lehre vom H.en Geist, der in der Kirche (= Leib Christi und Tempel Gottes) wohnt und wirkt (1K 619 E 219–22). Der Geistbesitz wird allerdings in den lukanischen Schriften und bei Paulus verschieden aufgefaßt. In den Briefen des Apostels sind die außerordentlichen Geistesgaben vor der Liebe zurückgetreten (1K 1231i). Vorpaulinisch (von qumran her beeinflußt?) ist wohl die Selbstaussage der Gemeinde, h. zu sein (Ph 11 Kol 312). H.keit schließt kultische und sittliche Elemente in sich. Aber sie hat auch eine eschatologische Beziehung. Wir hören von den h.en Engeln (Mk 838) wie von den verherrlichten Christen als einer ecclesia triumphans (Off 1820).
[Handwörterbuch: Heilig. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 2624
(vgl. BHH Bd. 2, S. 683)

pfeilHeide    

Heide
(german. Wort: »wild«),

im bibl. Sprachgebrauch der, der nicht zum erwählten Volk gehört, der außerhalb des Heils steht. Bestimmend für seine Anwendung ist in erster Linie ein heilsgeschichtlicher Gegensatz.

Das AT
hat zur Bezeichnung des Volkes vor allem zwei Wörter zur Verfügung, goj und 'am, die beide auf Israel Anwendung finden (Jr 3136 Ri 511). Unter dem Einfluß des Bundes- und Erwählungsgedankens werden beide Begriffe schärfer differenziert: Die Völker, die Jahwe nicht kennen (Jr 1025), sind die H.n (gojim, Gn 105 Neh 58) im Gegensatz zum heiligen und erwählten Volk ('am, Dt 76). Wesentlich konsequenter wird diese sich anbahnende Unterscheidung in der LXX fortgeführt: laós (Volk) bezeichnet das Gottesvolk (Ex 3313); éthne (Völker) wird zum term. techn. für die H.n (Dt 76 1Kg 1423). So verschwindet die ursprüngliche Bedeutung »Mehrzahl der Völker« hinter der Gesamtbezeichnung für alle, die nicht zum erwählten Volk gehören. Die heidnischen Völker sind für das AT eine Einheit. – Dieser Sprachgebrauch setzt sich über das Spätjudentum fort bis zum NT. Auch hier ist éthne vorherrschend religiöser term. techn. für die H.n (Mt 632 105) im Gegensatz zum erwählten Volk (Mt 415 Apg 425). Da sich die ntl. Gemeinde als das neue Israel begreift, steht auch sie in dem heilsgeschichtlichen Gegensatz zu den Völkern, den H.n, die den wahren Gott nicht kennen (1Th 45).

Die Stellung der Bibel zu H.n und H.ntum ist differenzierter, als es der Sprachgebrauch erkennen läßt. Israel lebt in enger Nachbarschaft mit anderen Völkern, vor allem mit den kanaan. Vorbewohnern seines Landes. Für sein Verhältnis zu ihnen ist auf der einen Seite sein Jahweglaube bestimmend. Der Bund mit Jahwe schließt die Verehrung anderer Götter (Ex 203. 23), die Herstellung von Gottesbildern (Ex 204 f Dt 2715 Bilder), Zauberei (Ex 2217), Wahrsagerei und Totenkult (1Sm 2812, Totengeister), fremde Kultbräuche (Ex 2319), überhaupt jede Art des Götzendienstes aus. Von daher steht Israel zu anderen Völkern im scharfen Gegensatz. Auf der anderen Seite ist es auf mannigfaltige Weise mit ihnen verbunden (zB auch durch Heirat, Gn 382). Es übernimmt ihre Lebensweise und Vorstellungswelt (zB babylon. Mythen, kanaan. Kulttraditionen), lernt ihre Götter kennen, setzt sie auch mit Jahwe ineins (zB El, Gn 3320) und steht dabei in der Gefahr, vom echten Jahweglauben abzufallen. Keineswegs nur unter dem Einfluß fremder Herrscher (assyr. Staatskultus, 2Kg 212ff) dringen heidnische Bräuche in Israel ein (2Kg 184 Am 814). Vor allem droht Jahwe zu Baal zu werden (Nm 251ff 1Kg 18). Dagegen setzen sich seit Ella die Propheten leidenschaftlich zur Wehr. Sie erinnern an Jahwes Erwählung und Bundesschluß und verkündigen seinen Anspruch, einziger Gott zu sein (2Kg 1915). Damit verbinden sie eine scharfe Kritik an fremdem Wesen (Js 99 Zph 18 f Hos 91). So wird in der Folgezeit die Grenze zwischen Israel und den Völkern schärfer gezogen. Hier das heilige Volk (Dt 76), dort die unreinen H.n (Ez 413), Jahwes und seines Volkes Feinde (Ps 21 791), deren Götter nichtig sind (Jr 25 Js 4123 f), mit denen man nichts gemeinsam hat (auch keine Ehe, Ml 211 f Mischehe), die man nicht schont (Dt 72), sondern samt ihrem Götzendienst ausrottet (Dt 73ff). Allerdings weiß prophetische Verkündigung, daß die H.n in der messianischen Zeit zum Gottesvolk gehören (Js 4520 Sach 215).

Im Judentum setzt sich die ablehnende Haltung den H.n gegenüber fort (Esr 91–1044), wenngleich das missionierende Diaspora-Judentum manche Unterschiede mildert ( Proselyten). Das Wissen um die Überlegenheit Jahwes und die Abscheu vor dem Götzendienst führen zu scharfen Urteilen (Js 449ff Bar 6). Die heidnischen Götter sind nichts anderes als Dämonen, die als Beauftragte oder Widersacher Jahwes von den Menschen gefürchtet werden (Jub 114 f).
Im NT, in dem der heilsgeschichtliche Gegensatz zwischen Israel und den Völkern vorausgesetzt ist und nun auf die ntl. Gemeinde und die Völker übertragen wird, leben diese Vorstellungen weiter (1K 84 f 1019ff). Auch hier gilt, daß die H.n den wahren Gott nicht kennen (1Th 45). Sie sind an die Lüge hingegeben (R 118ff). Das schließt nicht aus, daß man in der Auseinandersetzung mit ihnen Motive und Terminologien aus ihren religiösen Systemen übernimmt (zB aus Mysterienreligion, Gnosis). Aber Gottesdienst und Götzendienst stehen in ausschließendem Gegensatz (G 519 f E 58), und Glaube an Jesus Christus ist radikaler Bruch mit der heidnischen Vergangenheit (R 1312 f Kol 121 f). Freilich schließt dieser Glaube ein, daß das Heil nun allen Menschen gilt (Mt 2828 R 518). Grundsätzlich ist damit die Unterscheidung von Christen und H.n hinfällig geworden.
[Handwörterbuch: Heide. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 2605
(vgl. BHH Bd. 2, S. 676-677)

pfeilHerr    

Herr

(hebr. ' adon, ba'al, gr. kýrios; Gegensatz 'ebed), Übergeordneter.

Im AT nennt der Knecht Abrahams so seinen H.n (Gn 2412), der Untertan seinen König (1Sm 247. 9), der Beter Jahwe seinen Gott (Ex 237 3222). In der letzten Verwendung wird meist die erstarrte suffigierte Form 'adonaj gebraucht. Das hebr. Wort 'adon, gr. Adonis, ist unklarer Etymologie, vielleicht zusammenhängend mit akk. dananu stark sein, herrschen. Das Substantiv begegnet in akk. Eigennamen, im Ugaritischen und Kanaanäischen. Ba'al ist in Ugarit der Gott der Vegetation, der mit Hilfe seiner Schwester 'Anath den alten El ablöst. Neben dieser Verwendung als Eigenname eines Gottes (so auch akk. Bel) begegnet das Wort auch als Apellativum und bezeichnet dann den Eigentümer (Js 13), kann aber auch anderen Göttern beigelegt werden, so vielleicht auch Jahwe (Hos 118). Der im deuteronomistisch beeinflußten Schrifttum begegnende Plural bo'alim sieht in den an einzelnen Orten verehrten Baalen eine Mehrzahl von Göttern. Unter dem Einfluß des Kampfes der Propheten gegen Baal tritt seine in der frühen Königszeit unbedenkliche Verwendung in theophoren Eigennamen zurück und wird schließlich völlig verdrängt. In der LXX ist H. Wiedergabe von 'adon, 'adonaj und Umschreibung des heiligen Gottesnamens jahwe.Nur der Gott Israels ist Herrscher im Vollsinn; er hat seinen Willen in der Geschichte verbindlich kundgetan und setzt ihn auch in der Gegenwart durch. Im Unterschied zu »Herrscher« betont H. die rechtmäßige Bindung: Gott hat ein Anrecht auf diese Herrscherstellung.

Im Judentum wird diese Herrscherstellung Gottes gern und vielfältig hervorgehoben: Er ist der H. der Welten, der H. der Herren, der Gott der Götter, der König der Könige. Der Thron seiner Herrlichkeit besteht durch alle Geschlechter der Welt; sein Name ist heilig, ruhmvoll und in aller Welt gepriesen (1Hen 94). Dabei denkt man vor allem an die Schöpfung und Austeilung der Macht und des Rechtes, aber auch an Allwissenheit und zukünftiges Gericht: Er darf als solcher den Lobpreis des Menschen beanspruchen (1Hen 9311). In der Qumranliteratur werden vor allem die Allwissenheit und der letzte Ursprung allen Geschehens in Gott stark hervorgehoben: Gott hat schon Bestimmungen getroffen, bevor er den Menschen erschaffen hat; seine Worte kann niemand ändern (1QH 1415 1514 1QS 316). Auch diese Aussagen sind zunächst doxologisch, nicht deterministisch gemeint.

Das NT nimmt alle diese Motive auf und führt sie in eigener Weise fort. Gott ist auch hier der H. schlechthin, vor allem in der Gebetssprache, im feierlichen Stil der Offenbarung und dort, wo die Bibelsprache der LXX gerade auf diese Gottesbezeichnung Gewicht legt. Die Behauptung, daß die palästin. Tradition an der Ausbildung dieses H.enprädikates wenig beteiligt sei, läßt sich nicht halten (vgl. Mt 1125 Apg 124 Off 18). Allerdings unterstreicht das LXX-Griechisch den vielfachen Sprachgebrauch des Wortes H. (vgl. die Vorgeschichten des Mt und L). Die feierliche Formelsprache der jüd. Schöpfertradition kann auch vor Heiden wirksam sein (Apg 1724). Im johanneischen Lobpreis begegnet die bezeichnende Wendung: unser H. und Gott (Off 411). Überall ist der doxologische Hinweis auf die Erschaffung der Welt die Grundlage für die eschatologische Erwartung, in der sich die Geschichte dem von Gott bereiteten Ziele zuwendet. Neu ist dagegen das Bekenntnis des Urchristentums zum »H.entum« Jesu; es wird in der Literatur immer wieder in Akklamation und Predigt, in Hymnen und Gebeten vorausgesetzt und entfaltet. Zwischen H. und Christus wird (nach PS 110) ein enger Zusammenhang vorausgesetzt (Apg 236): Der Auferstandene ist H. und Messias geworden. Damit erhält die Messianität Jesu nach Ostern eine neue Fassung. Dies »H.entum« und diese Messianität ist offenbar dem Psalmwort gemäß auf Israel ausgerichtet. Später ist diese messianische Kyrioslehre der aram. Urgemeinde auf hellenistischem Gebiet weiter umgestaltet worden. Der Kyrios wurde zum Herrscher der Welt (Kosmokrator) und zum Träger göttlicher Würde (vor allem in der Epiklese). Dieser Prozeß vollzog sich im syr.- oriental. Raum und stellt sich in der Epiphanie dar. Die treibenden Kräfte sind doxologischer und liturgischer Art. Für Paulus ist die »H.enstellung« Jesu Bestätigung seines irdischen Weges in Niedrigkeit und Gehorsam (Ph 26–11). Der ganze Kosmos ist ihr unterworfen und ordnet sich in feierlicher Akklamation ihr unter. Auch hier wird die Kyrioswürde vorgeordnet, die Messianität angeschlossen. Am nächsten verwandt ist die himmlische Inthronisation des »Lammes« mit anschließendem feierlichen Lobpreis (Off 56–10). Das erste Evangelium schließt mit einem ebenfalls feierlichen Offenbarungswort, in dem der auferweckte H. seine Vollmacht im Himmel und auf Erden kundtut; ihr soll die Taufe und Unterweisung der Völkerwelt auf dem Fuße folgen (Mt 2818–20). Offenbar durchläuft dies Bekenntnis zum H.entum Jesu verschiedene Stufen: Zunächst ist es die ehrfurchtsvolle Anrede, die dem irdischen Lehrer gilt und in der Folgezeit den Rabbinamen verdrängt; dann meint es die eschatologische Herrscherstellung, die der messianischen Würde parallel läuft. Zuletzt beschreibt sie eine göttliche Stellung, die es ermöglicht, daß der Kýrios-Titel des AT auf den erhöhten Christus angewandt wird. An diesem Entwicklungsprozeß nimmt die aram. sprechende Urgemeinde im Ansatz bedingt teil, wie der Gebetsruf »unser H. komm« (1K 1622 Did 106; vgl. Off 2210) wahrscheinlich beweist; daß hier der »H.« Jesus gemeint ist, sollte nicht in Zweifel gezogen werden. Das Urchristentum hat allerdings niemals die monotheistische Grundhaltung des altbibl. Glaubens auf geben wollen: der H. ist der Offenbarer Gottes, der sich als der Erhöhte Gott selbst unterordnet und als Ebenbild ihn vor den Menschen vertritt (1K 86 2K 44 Kol 115). Es ist allerdings auffallend, daß schon früh in hellenistisch- oriental. Kreisen das Gottesbekenntnis herausgestellt wird: »Mein H. und mein Gott« (J 2028). Ihm entspricht das Gebet zum Erhöhten (2K 128). Dies Bekenntnis war kräftig genug, in der Auseinandersetzung mit der Welt der altoriental. »Götter« und »H.en« (1K 85) und dem Absolutheitsanspruch des röm. Staates den christl. Protest zu tragen. Obwohl das röm. Kaisertum sich zunächst wehrte, den Dominus-Titel offiziell anzunehmen, war die Zeitströmung doch stark genug, sowohl die Göttlichkeit wie auch den H.enbegriff durchzusetzen. Hier entstand eine Pseudoreligion, die das Bekenntnis zum wahren Gott in sich auflöste. In der Auseinandersetzung mit ihr nahm die urchristl. Polemik das altbibl. Erbe wahr.
[Handwörterbuch: Herr. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 2705
(vgl. BHH Bd. 2, S. 706)

pfeilHerrlichkeit    

Herrlichkeit

(hebr. kabod»Gewichtigkeit«, gr. dóxa»Ansehen«,»Glanz«),

macht die Bedeutung einer Person oder Sache anschaulich.

AT

So ist im AT (vor allem in P) die H. Gottes die Erscheinungsform, in der sich Gott offenbart (Js 63), und zwar wird sie als strahlende Feuersubstanz (Dt 524) gedacht (Jahwe als Gewitter- oder Vulkangott). Ihr Offenbarwerden erwarten einige Schichten des AT erst in der Heilszeit (Js 405). Wie das AT faßt das NT die H. Gottes als göttliche Wesensart, als sichtbaren göttlichen Glanz auf (L 29). Ihr Offenbarwerden wird in der Endzeit erwartet und mit der Wiederkunft Christi verbunden (Mk 838). Dieser kann als der Kommende selbst zum Träger der H.-Prädikation Gottes werden, wie die Synoptiker zeigen (Mk 1037). Paulus und 1P übertragen die Prädikation auf den Auferstandenen (1P 121), und J spricht bereits von der H. des Fleischgewordenen, die dem Glauben sichtbar ist (J 114).
Im Anschluß an rabbinische Vorstellungen, nach denen der Mensch nach dem Sündenfall die ursprüngliche H., mit der ihn Gott gekrönt hatte (Ps 86), verlor, wird

im NT dem Sünder die H. Gottes abgesprochen (R 323), während die erlöste Existenz des Gläubigen Teilhabe und Verwandlung in die H. einschließt (2K 37 ff).
[Handwörterbuch: Herrlichkeit. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 2710
(vgl. BHH Bd. 2, S. 707)

pfeilHerrschaft    

Herrschaft

(hebr. memschala, gr. kyriótes u.a.), Ausübung und Bereich des Herrschens (BTH s. v. Herrschen).

Der ganze Wirkungsbereich des königlichen Herrschens wird

im AT unter H. verstanden (1Kg 919 2Kg 2013, ähnlich Jr 5128). Auch die königliche Streitmacht kann mit H. bezeichnet werden (2Ch 329). Das gleiche Wort dient auch zur Kennzeichnung der H. Gottes (Ps 10322 14513 Dn 333; vgl. Sach 910). Die H. Gottes, auch als Königsh. (malkut) bezeichnet, geht über alle Zeiten, von Geschlecht zu Geschlecht und bis ans Ende der Erde. Die H. gehört zu seinem Gesandten, dem »Sohn«, der dem Volk gegeben wird (Js 95 f). Diese Vorstellung von der H. Gottes hat im AT einen breiten Raum, der mit der H. Gottes über das Volk in der Konzeption der Richterzeit beginnt, bei Dtjs eine Wende erfährt und in den eschatologischen Vorstellungen von Dn 713 f. 27 endet. – Im NT tritt in den Worten (archaí, exousíai, kyriótes), die mit H. wiedergegeben werden, ein von der Gnosis beeinflußter Sprachgebrauch hervor. Die »H.en« (E 121 310 Kol 116) sind Mächte und Gewalten, die aus dem Zwischenreich zwischen Gott und Welt einwirken auf die Welt, aber von Christus besiegt wurden und in dem letzten Stadium endzeitlicher Ereignisse endgültig beseitigt werden (1K 1524).

NT

Der ntl. Begriff der Herrschaft. umfaßt ebenso diese Zwischenreichmächte wie auch die weltliche Obrigkeit (vgl. E 621 R 131ff Off 1311 f). Das hängt zusammen mit der Vorstellung von der

Gottesherrschaft

(basileía toû theoû), die Jesus verkündigt (Mk 115) und verwirklicht (L 1120 J 434), und die notwendig zusammenstößt mit der H. der Weltmächte, der Obrigkeit (Mk 931 J 1836 1910 f).
[Handwörterbuch: Herrschaft. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 2713
(vgl. BHH Bd. 2, S. 707-708)

pfeilHerz    

Herz

(hebr. leb, gr. kardía).

Die Verwendung des Wortes in konkreter Bedeutung als Bezeichnung des leiblichen Organs (wie in 2Sm 1814) ist im Vergleich zu den zahlreichen Vorkommen in übertragenem Sinne relativ selten.

AT

Herz steht für Lebenskraft (Ps 2227), Sitz des Gefühls und der Furcht (Ps 273) oder des Muts (Ez 2214), ebenso der intellektuellen Wirksamkeit (Jr 316), der Erinnerung (Ps 3113), des Verstandes (1Kg 94); kurz, es handelt sich um einen Sammelbegriff für das Wesen und den Charakter des Menschen. Als Simson Delila sein H. bloßlegte, kam er in ihre Gewalt und wurde ins Unglück gestürzt (Ri 1612 f). H. ist aber nichts Statisches, es umfaßt die aktive Haltung, die aus dem Charakter hervorgeht. Wenn einer Person eine große Aufgabe übertragen wird, erhält sie auch ein neues H., d.h. eine neue Lebenshaltung, die die Lösung der Aufgabe ermöglicht (1Sm 109). Not, Unglück, Schuld bricht das H. Der sich seiner Schuld Bewußte tritt mit zerschlagenem H.en vor Gott, der ihm deshalb hilft (Ps 349 u.ö.). Die atl. Verwendung ist auch für die ntl. bestimmend. H. ist auch im NT das Innere des Menschen, Quelle des Gefühls und des Denkens. Vom H.en kommt das Gelüst (R 124). Das H. wird von Leid (J 168) und Schmerz (R 92) erfüllt. Die Totalität der Gottesliebe ist eine Liebe »von ganzem H.en« (Mk 1230). Man versteht mit dem H.en (Mt 1315), denkt, erinnert sich mit dem H.en (J 1240 Apg 723 L 251). Die sittliche Haltung geht davon aus (Mt 58). Wie im AT so ist auch

im NT das H. die Quelle der Lebenshaltung überhaupt. »Die reines H.ens sind«, sind diejenigen, die eine reine Grundhaltung haben und die demgemäß handeln (Mt 58). Die Haltung des H.ens und das äußere Auftreten müssen immer harmonieren. Ist das H. unrein, wird die Folge ebenso schwer wie beim unreinen Handeln (Mt 528). Eine gute Handlung, ohne daß das H. daran teilhat, führt zu nichts (Mt 1835). »Gott von ganzem H.en lieben« bedeutet

im NT nicht weniger als vollständige Hingabe an Gott (Mt 2237). Wenn die ersten Christen als »ein H. und eine Seele« charakterisiert werden, zeigt dies, daß H. hier wie im AT aktive Haltung bedeutet.
[Handwörterbuch: Herz. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 2715
(vgl. BHH Bd. 2, S. 708)

pfeilHimmel    

Himmel

(hebr. schamajim, grouranós),

kosmologischer und religiöser Begriff.

AT

Der Himmel ist im AT, entsprechend dem altoriental. Weltbild (Abb 1; vgl. auch Abb. bei Marduk), eine Glocke aus dünngeschlagenem (raqia', Gn 16) Erz (Dt 823) oder Eisen (Lv 2619). An seiner Vorderseite bewegen sich die Sterne unter der Herrschaft von Sonne und Mond (Gn 114ff). Wolken können ihn verdunkeln (1Kg 1845); zwischen H. und Erde fliegen die Vögel des H.s (Gn 126 u.ö.). Oberhalb des H.s befinden sich Wasser (Gn 14 u.ö.), so daß vom H. der Schnee (Js 5511), der Regen (Gn 82), der Tau (Gn 2728), aber auch das Feuer (2Kg 110) fallen kann. Ein Turm kann bis in den H. reichen (Gn 114), eine Leiter (Gn 2812), Rauch (Jos 820) und Flammen (Ri 1320) steigen zum H. Im H. befindet sich der Thron Jahwes (Ps 10319), der dort seinen Söller gebaut hat (Am 96), und von dort aus das Gebet hört (1Kg 830), das der Mensch mit erhobenen Händen ausspricht (Dt 3012). Vom H. her spendet Jahwe seinen Segen (Gn 925) und läßt Brot regnen während der Wüstenwanderung (Ex 1614). Er kann aber den Himmel auch verschließen (1Kg 835). Jahwe ist der Gott des H.s (Gn 243), der seine Herrlichkeit über den H. hin zeigt (Ps 1134); denn der H. ist von Jahwe geschaffen (Gn 18) und kann von ihm bewegt werden (Hg 26). An den Pforten des H.s empfängt er allabendlich Rapport über die Vorgänge auf Erden (Sach 18 61). Der H. wird schließlich wie ein Buch aufgerollt werden (Js 344), wenn Jahwe den neuen H. schafft (Js 6622), der sich über der neuen Erde der Heilszeit wölbt.
L. Rost

Für das NT besteht die geschaffene Welt aus H. und Erde (Mt 518), evtl. auch aus Unterwelt (Ph 210). Ohne lokale oder theologische Bestimmtheit bezeichnet »H. und Erde« oft die ganze Schöpfung, den Kosmos (Mt 518 2818 Apg 424 E 110 Kol 116). Als messianische Zeichen werden in den Synoptikern nur Zeichen am H. angesehen (Mt 161 2430 f Mk 811). Vor allem ist der H. der Sitz Gottes, und die Distinktion H./Erde ist oft synonym mit Gott/Mensch, Christus/Kirche, kommendes/gegenwärtiges Zeitalter u. ä. (Mt 610 1619 1818). H. steht auch als ehrfürchtiges Wort für Gott (Mk 1130 p L 1518), H.reich für Gottesreich (Mt 32 usw.). Es wird (vgl. die quasi Pluralform schamajim) mit mehreren H.n übereinander gerechnet: 1) Firmament, 2) himmlischer Ozean, 3) Paradies und Thron Gottes. Paulus ist zum dritten H. (Paradies) oder evtl. bis zum dritten von sieben H.n (wie in 2Hen 8; vgl. Apk Mos 37) emporgestiegen (2K 121–5). Verschiedene gute aber auch böse Mächte, Engel, Fürstentümer und Herrschaften sind im H.hausend gedacht (Mt 2429 u.a.). Der Zorn Gottes offenbart sich vom H. her (R 118 Off 1617. 21). Doch ist Christus jetzt hoch über die H.swelt erhaben, als ihr Besieger (E 410; vgl. 310 612); und Satan ist aus dem H. niedergestürzt (L 1018 Off 127ff). So wird der H. als theologischer Begriff von dem H. oder den H.n der Schöpfung getrennt, und die Distinktion H./Erde geht in eine neue Distinktion über: Ein neuer H. und eine neue Erde statt der alten Schöpfung (Off 211; vgl. 2P 37. 13).
[Handwörterbuch: Himmel. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 2750
(vgl. BHH Bd. 2, S. 720)

pfeilHimmelfahrt    

Himmelfahrt
(hebr. 'ala »auffahren«, gr. analam- bánomai »aufgenommen werden«), Entrückung in eine übersinnliche Welt, vorübergehend oder endgültig ( Himmel).

Die allgemeine Religionsgeschichte kennt verschiedene Formen.
a) Durch eine vorübergehende, evtl. mehrmalige Entrückung bekommt der Mensch ein Wissen göttlicher Geheimnisse;
b) eine einmalige Erhöhung am Ende des Lebens kommt beim Heilbringer und bei den Eingeweihten vor; diese haben über die Himmelsreise schon die notwendige Auskunft erhalten. Als solcher Heilbringer und Wundertäter soll Apollonius von Tyana zum Himmel hinaufgefahren sein und von da aus dem Gläubigen Unterricht über die Unsterblichkeit der Seele gegeben haben (Vita Apoll. 830 f).

Im AT wird nur von der Entrückung Henochs (Gn 524) und der H. Elias (2Kg 211) berichtet. Im Traum Jakobs kommt die aus Ägypten bekannte Himmelsleiter vor, aber Jakob selbst bleibt auf der Erde (Gn 2812). Das Stehen »im Rat des Herrn« der Propheten (1Kg 2219 Js 61ff Jr 2318 Hi 158) ist nicht als H. verstanden.

Im Judentum wurde eine H. auch bei anderen Helden des AT vorausgesetzt. Charakteristisch ist die sektiererische Schrift Moses H., Anfang 1. Jh. nChr (wahrscheinlich in Jd 9 zitiert). Mose soll die Tora aus dem Himmel geholt haben (Abot R. Natan 2). Geheimnisse werden oft in der Apokalyptik durch H.en offenbart (1Hen 148 f u.ö.). Auch von Rabbinen gibt es H.slegenden. Die im Christentum durchgeführte Verbindung des MartJes mit einer Asc Jes ( Jesajas Martyrium und H.) ist symptomatisch, denn vor den Augen des Märtyrers ist der Himmel offen (MartJes 57; vgl. Apg 755).

Im NT bildet die H. Jesu den Übergang zwischen L und Apg (L 2451 Apg 12) und wird als Ende der Christophanien der 40 Tage (13) dargestellt (19–11); vielleicht ist sie auch die Voraussetzung der Ausgießung des Geistes (24). Auffallend ist, daß sich diese quadragesim. Tradition in der frühchristl. Literatur bis Tertullian sonst nicht findet. Meistens wurde nämlich die Erhöhung des Christus zur Rechten Gottes mit der Auferstehung verbunden (so auch in Apg 233, ferner in J 2017 R 834). Man ging dabei von PS 1101 aus; diese christologisch wichtige Stelle betrachtet aber die Erhöhung eigentlich als eine Zwischenperiode bis zum endgültigen Sieg Gottes (wie es besonders 1K 1524–28 darstellt). Nur in der Apg wird ferner die H. als Antwort auf die Frage nach einem Wiederkommen des Messias gebraucht (Apg 16. 11; vgl. H 928). Vielleicht will Lukas auch den apostol. Christophanien einen Endtermin geben (vgl. aber den Bericht über die Paulus-Bekehrung Apg 91–9). Sollte L 2450–53 dem ursprünglichen L zugehören, dann ist es doch auffallend, daß von der H. hier nur als Erhöhung gesprochen wird (vgl. Mt 2816–20). Die einzigartige Schilderung der H. in Apg 19–11 ist darum wohl für spezielle Zwecke ausgebaut und hat in der gemeinchristl. Tradition von der Auferstehung als Erhöhung Christi zur Rechten Gottes ihre Wurzel. Dieses gemeinchristl. Verständnis der Erhöhung ist auch mit der Verklärung Christi eng verbunden (Mk 92–8 p), wo eben die zwei in den Himmel gefahrenen Männer des Alten Bundes mit Jesus zusammen genannt sind, Moses und Elia. In dem sekundären Markus-Schluß (Mk 169–20) ist die H. Christi mit Anklängen an 2Kg 211 (Elia) und PS 1101 ausgedrückt. – Eine ekstatische H., die in der Offenbarung göttlicher Geheimnisse gipfelte, hatte Paulus erlebt (2K 122–5 »ob im Leibe oder außer dem Leibe, das weiß ich nicht«). Sonst wird aber nach ihm die Offenbarung solcher »unaussprechlichen Worte« (4), auch ohne H., durch das Wort (R 106–8) oder den Geist (1K 29–16) geschenkt.
[Handwörterbuch: Himmelfahrt. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 2753
(vgl. BHH Bd. 2, S. 721)


pfeilHirte    

Hirte

(hebr. ro'e, schomer, gr. poimen), unterschieden vom Viehzüchter (hebr. noqed), mit dem Weiden der Kleinviehherde aus Fettschwanzschafen und Ziegen betraut.

AT

Er führt nach dem AT die Herde zur Weide, zur rechten Zeit an Wasserstellen, wo er sie ruhen läßt (Ps 231ff), und bringt sie für die Nacht in den meist von Trockenmauern eingefriedeten Pferch. Seine Pflicht ist es, wilde Tiere wie etwa Löwen und Bären mit seiner Keule oder Schleuder abzuwehren (1Sm 1734ff Am 312). Für Verluste ist er seinem Herrn Rechenschaft schuldig, er muß sie ersetzen (Gn 3138ff Ez 341ff), da er sonst verworfen wird (Sach 117ff J 101ff). In einer Tasche birgt er Mundvorrat und persönlichen Besitz. Entlohnt wird er mit Geld (Sach 1112) oder durch Anteil an der Herde (Gn 3028–43 1K 97). Die Patriarchen waren nomadische H.n (Gn 132ff 2527ff 2614ff 3031ff 3313ff). Auf Grund seiner Vertrauenswürdigkeit (Gn 3139 Ex 2210–13 1Sm 1734) wurde der H. bald zu einem Bild für Gott (Ps 23. 802 Jr 3110 Js 4011 Am 312) und für die Herrscher überhaupt (Nm 2717 Js 5611 6311 Jr 28 315 1021 Ez 342ff Sach 102 f 1116 f 137). Israel nannte – wie die Sumerer, Babylonier, Assyrer und Griechen zur Zeit Homers – seinen König »H.« (1Kg 2217 Js 4428). Die Propheten übertrugen das Bild auch auf den messianischen König (Ez 3423 3724).

Im Gegensatz dazu zählt im hellenistischen Judentum der H.nberuf zu den verachtetsten Berufen; der H. wird mit Banditen, Betrügern und Zöllnern auf eine Stufe gestellt. Dennoch nannte man – in Anlehnung an den atl. Sprachgebrauch – Gott immer noch »H.« und ebenso auch Moses, David und die Könige überhaupt, wie auch religiöse Führer (1Hen 8922–28 Phil Agric. 50ff; vgl. StB I, 755 II, 536 f Phil Leg. Gai 44 2Bar 7713–16 4Esr 518). Die Qumran-Gemeinde verwendet den Titel »H.« nirgends auf einen Herrscher; doch wurde ein »Aufseher« (mobaqqer; epískopos?) erwartet, der über die Gemeinde wachen werde wie der H. über seine Herde (Dam 139 f). Und der Messias, »stark in der Furcht des Herrn, wird des Herrn Herde in Treue und Gerechtigkeit weiden« (PsSal 1740).

Im NT
treten wirkliche H.n nur in der Weihnachtsgeschichte auf (L 28–20). Im Gegensatz zum AT wird im NT Gott niemals »H.« genannt: dieser Titel wird vor allem auf Christus angewendet (Mt 26; vgl. Mi 53; Taf. 14b). Jesus selbst benutzt diese Metapher zur Interpretation seiner Sendung (Mt 1524 L 1910 J 102. 16), seines Leidens und Sterbens (J 1011. 15) und vergleicht mit diesem Bilde die Sammlung seiner Gemeinde (J 1017) und seinen Gerichtstag (Mt 2531ff L 1232 J 1027–29). Paulus braucht die Bezeichnung »H.« nirgends für Christus, wohl aber andere ntl. Briefschreiber (H 1320 1P 225 54). Auch steht das Bild für Christus als Weltenrichter (Off 125 1915). Daneben aber werden Aufseher, Älteste und Lehrer »H.n« genannt (Apg 2028 1P 51 f und E 411), wodurch ihre Aufgabe, für die Gemeinde zu sorgen, ihr als Vorbild zu dienen und sie zu verteidigen, unterstrichen werden soll.
[Handwörterbuch: Hirte. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 2784
(vgl. BHH Bd. 2, S. 729)

pfeilHölle    

Hölle - Totenreich

(hebr. sch·'ol, gr. hádes).

Vorstellungen des vorisraelit. Kanaan werden von ugaritischen Texten beleuchtet. Hier residiert der Gott Mot in einer Stadt des T.es, das als »Erde« bezeichnet wird (wie in Ex 1512 Nm 1630 1Sm 2813 Jon 27).

Dem altoriental. Weltbild entsprechend liegen nach dem AT die »Tiefen der Erde« (Ps 6310 954) im »Wasser unter der Erde« (Hi 1713 Ps 125). Das T. kann auch als »Stadt« (Js 3810), »Haus« (Hi 1713 Prd 125), »Finsternis« (Hi 3817) und »Grab« (Ps 8812) vorgestellt werden; vor allem aber wird das T. mit sch·'ol Verderben (Hi 266), Zisterne (Ps 304) und Grube (Ps 1610) gleichgesetzt. Im T. leben die Toten, wenn auch in herabgeminderter Existenz weiter (Js 1410). Deshalb auch der Wunsch, im Familiengrab (2Sm 1938) »zu seinen Vätern versammelt zu werden« (Ri 210) oder »bei seinen Vätern zu liegen« (Gn 4730), um so mit seiner Sippe weiterleben zu können.

AT

In der Zeit des Judentums wurde der Aufenthalt im T. zeitlich befristet (ältester Beleg Js 2619) und vor allem unter dem Einfluß iranisch-hellenist. Vorstellungen mit der Vergeltung nach dem Tode – verschiedene Aufenthaltsräume im T. für die gerechten Seelen und die gottlosen Sünder – in Zusammenhang gebracht (ältester Beleg 1Hen 22).

NT

Auch im NT wird das T. im Inneren der Erde gedacht. – a) Es liegt in der größten Tiefe (Mt 1123 L 1015), es besitzt Tore (Mt 1618), man steigt zu ihm hinab (Mt 1123 L 1015 R 1017). – b) Das Bestehen des T.es ist zeitlich begrenzt, was aus der scharfen Scheidung zwischen T. und Hölle hervorgeht. Im ganzen NT ist das T. eine rein zwischenzeitliche Größe, es nimmt die Seelen nach dem Tode auf (L 1623 Apg 118 u.ö.) und gibt sie bei der Auferstehung wieder her (Off 2013). Die Auferstehung ist das definitive Ende des T.es (Off 2014). Daneben existiert allerdings noch die andere Auffassung, daß nur die Seelen der Ungläubigen im T. sind (1P 319), die der Gerechten in den »ewigen Hütten« und beim Herrn (2K 58) und mit Christus vereint (Ph 123). Mit T. wird also im NT einerseits die Welt aller Seelen bis zur Auferstehung bezeichnet (Apg 227.31), andererseits nur die Seelen der Gottlosen (L 1623 Off 2013 f). – c) Daß Jesus Herr des T.es ist, kommt vor allem in der sogenannten Höllen- oder Niederfahrt Christi zum Ausdruck, die (nach 1P 319 ff 46) in der Zeit zwischen seinem Tod und seiner Auferstehung vorgestellt wurde. Dieses Theologumenon findet sich auch sonst im Rahmen der Erlösermythologie: Hadesfahrt der Ischtar; Odysseus' Besuch in der Unterwelt; bei den Mandäern (Hibil-Ziwa); zu erinnern ist ferner an das De profundis-Motiv der atl. (Ps 185 ff 428 692 ff 884 ff u.ö.) und qumranischen Psalmen (1QH III, 6–10; VI, 22 ff u.ö.). Nach dieser Anschauung hat Jesus den Seelen im Hades das Evangelium verkündigt (1P 319ff 46).
[Handwörterbuch: Totenreich. Biblisch-historisches Handwörterbuch, S. 7144
(vgl. BHH Bd. 3, S. 2015)

 
 

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